Internationaler
Verein für Menschenrechte der Kurden
IMK Wocheninformationsdienst
Datum:
20. Januar – 30. Januar 2003
Nummer: 178-179
Nach Meinung
von Juristen
ist die
Folter in der Türkei
immer noch
verbreitet
Folter ist
in der Türkei noch immer üblich, ihre Me-thoden seien ausgeklügelter geworden,
trotz der Anstrengungen Ankaras Menschenrechtsreformen für eine EU Mitgliedschaft
zu erfüllen, bekundeten Juristen letzte Woche.
EU-Führer
stimmten einem Gipfeltreffen im De-zember zu, wenn die Türkei bis dahin
strikt die Menschenrechtskriterien erfüllt.
Nach Aussage
des FIDH (Intern Vereinigung für Menschenrechte) mit Sitz in Paris, erklärte
nach seinen Besuchen Ende Dezember und Anfang Janu-ar, dass türkische Autoritäten
weiterhin Gesetze brechen.
Folter und
Misshandlungen von Polizei und Militär nähmen nicht ab, sondern blieben
während Haft und Polizeiaufsicht verbreitet und systematisch. Folterspuren
seien oft nur mit Hilfe fortgeschritte-ner Gerichtsmedizin zu erkennen,
die leider selten verfügbar seien.
Ziel dieser
Übergriffe seien vor allem Angehörige ethnischer Minderheiten, wie Romas
und Kurden.
Im November
letzten Jahres hob die Türkei im Süd-osten des Landes ein 15 Jahre altes
Notstandsgesetz auf. Damit sollte ein Konflikt beendet werden, der es den
Sicherheitskräften ermöglicht hatte, gegen kurdische Separatisten vorzugehen
und der mehr als 30.000 Leben kostete.
Der FIDH zeigte
sich ausserdem besorgt über die anhaltende Bedrohung und Verfolgung von
Rechtsanwälten, Journalisten, Ärzten und anderen Kritikern der Regierung.
Reformen von
Februar und August letzten Jahres könnten ein erster Schritt der Türkei
sein, ihre Ge-setze auf europäischen und internationalen Standard zu bringen.
(Quelle: Reuters, 09. 01.03)
Zahl der
Bücherverbote in der Türkei ist 2002 angestiegen
Die
Kommission für die Publikationsfreiheit, ein Unterkommission der Union
der Herausgeber der Türkei (TYB) gab in einem Bericht bekannt, dass im
Jahr 2002 gegen 77 Bücher, 57 Autoren und 38 Herausgeber (Verleger) Prozesse
eröffnet wurden.
Der Sprecher
der Kommission, Ragip Zarakoglu, sagte weiter, dass im Vergleich zu den
vergangenen zwei Jahren im Jahr 2002 ein Ansteigen der Verfol-gungen gegenüber
Verlagen, Autoren und Publikationen zu verzeichnen sei. „Insbesondere die
Bücher über die Kurden oder in Kurdisch sind Repressalien ausgesetzt.“
Im Jahr 2002 wurden auch andere Kulturen in Anatolien zur Zielscheibe der
Justiz. Dabei widersprechen diese Verfolgungsmassnahmen den Bestrebungen
der Türkei sich im Rahmen der EU-Beitrittsverhandlungen anzupassen. (Özgür
Politika, 06.01.03)
Türkei schafft
Todesstrafe
in Friedenszeiten
ab.
Unter dem
Druck der EU unterzeichnete die Türkei letzte Woche ein Protokoll über
die Abschaffung der Todesstrafe in Friedenszeiten. Damit tat sie ei-nen
weiteren Schritt in Richtung demokratischer Reformen, um Eröffnungsgespräche
zu einem mög-lichen EU Beitritt zu ermöglichen. (Quelle: Reuters 12.01
03)
EU begrüsst
Therapie für
türkische
Polizisten
Die türkische
Regierung hat regelmässige monatliche psychologische Therapiestunden zum
Stressabbau ihrer Polizisten gefordert, als Teil der Anstrengung die Folter
zu bekämpfen in einem von EU Hoffnung erfüllten Land.
Die Teilnehmer
sollen dabei gleichzeitig über die neuen Reformen, die strengen Anti-Foltergesetze
und Rechte der Häftlinge aufgeklärt werden.
Justizministerium
und die im November gewählte „Partei des Fortschritts“ haben „Null Toleranz“
ge-gen Folter ausgesprochen, die eine der Hauptgründe gegen einen Beitritt
in die EU ist.
Die Türkei
ist der langsamste unter den 13 neuen Anwärtern. Seine Fortschritte werden
bis Dezember 2004 beobachtet werden bevor eine Entscheidung getroffen wird.
(Quelle: AFP, 17. 01.03)
Abfindung
für ungerechte Haft
Das 2. Strafgericht
von Mersin sprach dem Ge-werkschafter Mithat Fahriogullari eine Abfindung
von 13,7 Milliarden TL (ca. 8000 EUR) zu, weil er als Organisator des Newroz-Festes
116 Tage in Haft verbracht hatte, ohne dass es zu einer Anklage kam. (Quelle:
Radikal, 18.01.2003)
Urteil im
MLKP Verfahren
Das SSG Ankara
sprach am 16 Januar sein Urteil in einem Verfahren mit 23 vermeintlichen
Anhängern der MLKP. Münevver Iltimur (von Atilim in Anka-ra), Arif Dönmez,
Ekrem Erdil, Sule Eylem Erdo-gan, Elvan Kelebek, Mustafa Naki Dogan, Celal
Yesilyurt, Erol Dogan und Sirin Gürkan wurden wegen Unterstützung einer
bewaffneten Bande nach § 169 TSG zu je 45 Monaten Haft verurteilt. Der
ehemalige Verteiler von Atilim, Hüseyin Ögretmen erhielt eine Strafe von
13,5 Monaten Haft. 13 An-geklagte wurden freigesprochen. Am gleichen Tage
verurteilte das SSG Ankara den Studenten Onur Gülbudak zu 45 Monaten Haft.
Er soll die TIKKO unterstützt haben. (Quelle: Atilim, 21.01.2003)
Das Manisa
Verfahren
Der Oberstaatsanwalt
am Kassationsgerichtshof hat bei der 8. Kammer die Bestätigung des Urteils
vom Strafgericht in Manisa vom 16.10.2002 gefordert. Dort waren die für
die Folter an den Jugendlichen von Manisa verantwortlichen Polizisten zu
Strafen zwischen 5 und 10 Jahren Haft verurteilt worden. (Quelle: Cumhuriyet,
22.01.2003)
Tod im Gefängnis
Auf einer
Pressekonferenz im IHD Istanbul sagte Celal Sakyen, dass sein Bruder Erdal
Sakyen am 26. Dezember sich mit dem Bettlaken im Nerven-krankenhaus von
Elazig aufgehängt habe. Er sei seit 1993 wegen Mitgliedschaft in der PKK
im Gefäng-nis gewesen und habe noch 8 Monate an Strafe zu verbüssen gehabt.
Er sei in vielen Gefängnissen ge-wesen und habe sich im Gefängnis von Afyon
10 Monate in Isolation befunden. Nach einem Hungerstreik von 45 Tagen habe
die Verlegung nach Elazig stattgefunden, aber die Familie habe keine Information
darüber erhalten, warum er am 5. Dezember in die Nervenanstalt eingeliefert
wurde. (Quelle: Özgür Gündem, 22.01.2003)
Student
freigesprochen
Der Student
Fethi Gültepe, der am 15. Oktober 2002 verhaftet worden war, weil er in
der Region des Schwarzen Meeres einen ponthischen Staat gründen wolle,
wurde in der ersten Verhandlung vor dem SSG Istanbul am 21. Januar freigespro-chen.
Der Angeklagte sagte in der Verhandlung, dass er zum Studium nach Griechenland
gegangen sei, aber das Studium nicht abschliessen konnte. Er sei zwei Mal
ausgewiesen worden und habe zu keiner Organisation eine Verbindung. Am
Flugha-fen in Istanbul sei er zuerst als PKK’ler, dann als Drogenkurier
beschuldigt worden. Er sei zwar nicht physisch gefoltert worden, aber mit
Beleidigungen seiner Mutter beschimpft worden. Daher habe er die Vorwürfe
akzeptiert. (Quelle: Özgür Gündem, 22.01.2003)
Auslieferung
von Syrien an die Türkei
Nach Aussage
des Anwaltes Hüseyin Cangir wurde Hamdi Çiçek als vermeintliches Mitglied
der PKK /KADEK am 1. Januar von Syrien an die Türkei ausgeliefert. Er sei
am 16. August 2002 mit 11 Freunden zusammen zwischen Derik und Kamisli
gefasst worden. Danach sei er auch im Gefängnis gefoltert worden. Er habe
in einer Einzelzelle ge-sessen und sei mit Stromstössen und Formen des
Hängens gefoltert worden. Nach der Auslieferung über die Grenzstation Cilvegözü
(Hatay) sei er einen Tag in Polizeihaft gewesen. In dieser Zeit sei er
nicht physisch gefoltert worden, allerdings habe er unter psychischem Druck
und Drohungen einige Dinge aus den 90er Jahren akzeptiert. Sein Sohn Suat
sagte, dass sein Vater 1993 mehrfach festge-nommen wurde und gefoltert
worden sei. Nach dem Tod von drei Brüdern sei er nach Syrien gegangen.
(Quelle: Özgür Gündem, 22.01.2003)
Keine Leibesvisitation
für Anwälte
Vor dem 1.
Strafgericht von Denizli wurde der Vorsitzende der Anwaltskammer in Denizli,
Mehmet Yildirim Aycan, vom Vorwurf des Widerstandes gegen die Staatsgewalt
freigesprochen. Er hatte sich gegen eine Leibesvisitation beim Gefängnisbesuch
gewehrt. Das Gericht stellte fest, dass es nach Artikel 58 des Anwaltgesetzes
nur im Falle von „Gefahr im Verzug” möglich sei, Anwälte mit der Hand zu
durchsuchen. (Quelle: Evrensel 23.01.2003)
Gefecht
bei Lice
Nach Informationen
von Özgür Politika sollen bei den Gefechten in der Nähe von Lice zwischen
dem 14. und 17. Januar ein Unteroffizier (Irfan Yayla) und fünf Soldaten
getötet worden sein. Die Namen der getöteten KADEK Militanten wurden mit
Kadir Çiçek, Fikret Demir, Sevket Ergül, Mehmet Kap-lan, Mehmet Ergül,
Veysel Arar Yilmaz Özlü, Hikmet Yakut, Mehmet Ogur, Ethem Sakir, Kemal
Kurnat und Xasif Qaradag angegeben. (Quelle: TIHV, 23.01.2003)
Zwangsrasur
ist Folter
Die 8. Kammer
des Kassationsgerichtshofs hat in einem Grundsatzurteil zu einem Vorfall
im Kreis Sebinkarahisar festgestellt, dass die zwangsweise Rasur von Bart
und Schnäuzer nicht nur den Tatbestand der Misshandlung (§ 245 TSG), sondern
den der Folter (§ 243 TSG) erfüllt. Das Gericht in Sebinkarahisar hatte
eine Strafe nach § 243 TSG verfügt und diese zur Bewährung ausgesetzt.
Aller-dings wird es kein neues Verfahren geben, weil der Revisionsantrag
vom Verurteilten gestellt wurde. (Quelle: Radikal, 24.01.2003)
Strafe gegen
Journalisten bestätigt
Der Kassationsgerichtshof
hat die 15-jährige Haftstrafe gegen Memik Horuz, ehemaliger Chefredakteur
von Isçi Köylü bestätigt. Das SSG Ankara hat-te diese Strafe am 12. Juni
2002 wegen Mitgliedschaft in der TIKKO verhängt. Memik Horuz soll eine
Reportage mit TIKKO Militanten gemacht ha-ben. Aufgrund dieses Interviews
sind weitere Verfahren an anderen Gerichten anhängig, u.a. gegen Ali Kemal
Kahraman, dem Chefredakteur von Öz-gür Gelecek, wo das Interview
ebenfalls erschienen war. (Quelle: TIHV, 24.01.2003)
KDV’ler
verhaftet
Mehmet Bal,
der vor einiger Zeit seine Kriegsdienstverweigerung erklärt hatte, wurde
am 22. Ja-nuar in Izmir verhaftet. Der Anwalt Bahattin Özdemir sagte, dass
er gegen 22 Uhr nur 5 Minuten lang mit dem Mandanten sprechen durfte. (Quelle:
Cumhuriyet, 24.01.2003)
Ankara
folgt europäischer
Rechtsprechung
Türkische
Kurden-Politikerin soll neuen Prozess bekommen
Justizausschuss
empfiehlt auch Überprüfung ande-rer Verfahren, die vom Menschenrechtsgerichtshof
gerügt wurden (Von Christiane Schlötzer)
Istanbul –
Die mit internationalen Preisen ausgezeichnete und seit acht Jahren in
der Türkei inhaftierte Kurden-Politikerin Leyla Zana soll ein neues Gerichtsverfahren
erhalten. Der Justizaus-schuss des Parlaments in Ankara machte jetzt den
Weg für ein Paket mit Gesetzen zur Anpassung an die Europäische Union frei.
Darin ist auch die von der EU geforderte Anerkennung der Urteile des Europäischen
Menschenrechtsgerichtshofs enthalten. Die entsprechenden Fälle sollen in
der Türkei binnen eines Jahres neu verhandelt werden. Voraussetzung ist,
dass auch das Plenum des Parlaments das Änderungspaket annimmt.
„Wir werden
dann sofort die Freilassung von Leyla Zana verlangen“, sagte der Anwalt
der früheren Abgeordneten, Yusuf Alatas, am Dienstag der Süd-deutschen
Zeitung. Zana war 1994 von einem türkischen Gericht wegen Landesverrats
zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Später wurde der Richterspruch auf
den Vorwurf der Mitgliedschaft in der illegalen kurdischen Arbeiterpartei
PKK reduziert. Zana hatte als erste Politikerin 1991 in Ankaras Parlament
Kurdisch gesprochen und ein Stirnband in den traditionellen kurdischen
Farben Gelb, Grün und Rot getragen. Der Menschenrechtsgerichtshof verurteilte
im Juli 2001 das „unfaire“ Verfahren gegen Zana, die 1995 auch mit dem
Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments ausgezeichnet worden war. Die
Sprecherin des Menschenrechtsvereins in Ankara (IHD), Ferai Salman, sagte
zur der Anerkennung der europäischen Urteile: „Wir haben seit Jahren darauf
gewartet.“ In der Debatte im Verfassungsausschuss in Ankara kritisierte
der Abgeordnete der regierenden AKP, Mahmut Durdu, dass die neuen Verfahren
vor den selben Gerichten stattfinden sollen, die auch vorher entschieden
haben. „Es ist unmöglich vom selben Richter ein anderes Urteil zu bekommen.“
Die sozialdemokratische Opposition wiederum kritisierte, Ankara verzichte
mit der Anerkennung der EU-Entscheidungen auf „eine nationale Justiz“.
Justizminister Cemil Cicek wies dies zurück und betonte, die türkische
Gesellschaft wünsche sich mehrheitlich eine Mitgliedschaft in der Europäischen
Union, aber sie wisse offensichtlich nicht, was dies dann für sie bedeute.
Enttäuscht hat der Justizausschuss die islamisch gesinnte Basis der AKP.
Eine Amnestie für Studentinnen, die wegen des Tragens von Kopftüchern aus
den Universitäten entfernt worden sind, lehnten die Abgeordneten ab. „Vor
den Wahlen sind sie gekommen und wollten unsere Stimmen, jetzt halten sie
ihre Versprechen nicht ein“, sagte die Anwältin Gülden Sönmez von der islamisch-
orientierten Menschen-rechtsvereinigung Mazlumder. (Quelle: Süddeutsche
Zeitung, 22.1.2003)
Die Türkei
versucht, Kurden aus dem weltgrössten Webkatalog
(Open Directory
Projekt Dmoz.org) zu entfernen
Der Einfluss
von Entwicklungen im Internet auf das Leben von Menschen nimmt von Tag
zu Tag zu. Das virtuelle Verschwinden von nationalen Gren-zen und der weltweite
Austausch von Informatio-nen haben grosse Fortschritte gemacht. Nachdem
bereits in der Vergangenheit wichtige Websites für Kurden unerreichbar
gemacht wurden, wendet die Türkische Telekom jetzt Hackermethoden an, um
Kurden in der Türkei und in Türkisch Kurdistan den Zugriff zu verwehren.
Prozesse gegen Mitarbeiter an kurdischen Internetprojekten sind ein Beispiel
dafür, dass der türk. Staat irgendwelche Rechte für Kurden, nicht einmal
im Internet, tolerieren wird. Gleichzeitig wird versucht, die kurdischen
Websites ganz aus dem Katalog zu ent-fernen mit der Behauptung, es befänden
sich dort Hinweise auf terroristische Gruppen. Helin Welat, der Verantwortliche
für die kurdischen Websites, mit dem wir sprachen, betonte die Wichtigkeit
des Projektes und des technischen Sieges für die Kurden, um den es sich
zu kämpfen lohnte. (Quelle: KurdishMedia.com, 16.01.03)
Menschenrechts-Gerichtshof
weiter von Beschwerden überhäuft
Beim Europäischen
Gerichtshof für Menschenrech-te in Straßburg schwillt die Zahl der Beschwerden
weiter an. Das gab der Schweizer Gerichtspräsident Luzius Wildhaber am
Dienstag vor Journalisten in Straßburg bekannt. Im vergangenen Jahr seien
rund 33 400 Eingaben registriert worden, 2100 mehr als im Jahr 2001.
Gleichzeitig
verkündeten die 44 Richter 844 Urtei-le. Ein Jahr zuvor waren es noch 889
Urteile. Gleichzeitig wurden mehr als 17 900 Beschwerden (fast 50 Prozent)
als unzulässig zurückgewiesen, oder es kam zu einer außergerichtlichen
Einigung.
An der Spitze
der Verurteilungen lag Italien (325), gefolgt von Frankreich (61) und der
Türkei (54). Rom und Paris standen nach Aussagen Wildhabers überwiegend
wegen zu langer Prozessdauer am Pranger. Die Türkei wurde vor allem wegen
Verletzung des Privateigentums und des Rechts auf Freiheit und Sicherheit
verurteilt. (Quelle: dpa, 28.01.03)
Prozess
gegen deutsche Stiftungen in der Türkei geht weiter
Der Prozess
gegen die parteinahen deutschen Stiftungen in der Türkei wegen angeblicher
Geheimbündelei wird heute (Donnerstag) am Staatssicherheitsgericht in Ankara
fortgesetzt. Den Vertretern der Konrad-Adenauer-, Friedrich-Ebert-, Heinrich-Böll-
und Friedrich-Naumann-Stiftung sowie des deutschen Orientinstituts drohen
Haftstrafen bis zu 15 Jahren. Ihnen und ihren türki-schen Mitangeklagten
werden "geheime Absprachen gegen die Sicherheit des türkischen Staates"
vorgeworfen. Sie sollen den Widerstand einer türkischen Bürgerinitiative
gegen den Abbau von Gold mit giftigem Zyanid gefördert haben. Außenminister
Joschka Fischer hatte die Vorwürfe bei seinem jüngsten Besuch in Istanbul
als "völlig haltlos und absurd" zurückgewiesen. (dpa, 29.01.03)
Türkei verstärkt
Truppen an Grenze zum Irak
Die Türkei
hat am Mittwoch damit begonnen, ihre Truppen an der Grenze zum Irak zu
verstärken. Das teilt die Armeeführung in Ankara mit. Damit solle die Bereitschaft
der Einheiten mit Blick auf "mögli-che Entwicklungen" in der Region erhöht
werden, hieß es in einer Mitteilung des Generalstabs. Die Transporte von
Ausrüstung und Material sollten jedoch nicht so verstanden werden, dass
eine Mili-täroperation gegen den Irak nahe bevorstehe oder dass sich die
Türkei daran beteiligen werde. (dpa, 29.01.03)
Verheugen
sieht Machtkampf in der Türkei um Zypern
In der Türkei
tragen Militärs und Regierung nach Ansicht von EU-Erweiterungskommissar
Günter Verheugen einen Machtkampf um die Zukunft Zyperns aus. Dieser Kampf
sei noch nicht entschie-den, sagte Verheugen am Mittwoch in Berlin vor
dem Europa-Ausschuss des Bundestages. Während sich die neue türkische Regierung
für einen losen Bund zwischen beiden Teilen Zypern - dem türkischen Nord-
und griechischen Südteil - einsetzt, sind die Militärs für die Beibehaltung
der international nicht anerkannten türkischen Zypernrepublik.
Verheugen
wagte keine Prognose, ob die Verhandlungen unter Vermittlung der UN noch
im laufenden Erweiterungsprozess der EU erfolgreich sein können. Als letzte
Frist dafür nannte Ver-heugen den 28. Februar. Unabhängig davon wird es
nach seinen Worten am 1. Mai 2004 zur Aufnahme ganz Zyperns in die EU kommen
- notfalls mit einer Sonderklausel für den türkischen Teil bis zu einer
späteren losen Wiedervereinigung.
Verheugen
schlug vor, dass die EU eine internatio-nale Geberkonferenz ins Leben ruft,
um die Lasten nach einer Wiedervereinigung Zyperns gemeinsam zu tragen.
Dabei wird es vor allem um die Finanzierung von Umsiedlungen in größerem
Umfang gehen. (dpa, 29.01.03)
Türkei kündigt
Justizreform an
Im Zuge ihrer
Bemühungen um eine Aufnahme in die EU hat die Türkei eine Reform ihres
schwerfäl-ligen Justizsystems angekündigt. Die Regierung legte am Mittwoch
einen Gesetzesentwurf vor, wonach regionale Berufungsgerichte das Oberste
Berufungsgericht in Ankara entlasten und die Verfahren so beschleunigen
sollen. "Verzögerte Gerechtigkeit ist keine Gerechtigkeit", sagte der stellvertretende
Ministerpräsident Abdullatif Sener zur Begründung. In türkischen Gerichten
warten derzeit zehn Millionen Verfahren auf eine Entscheidung. Laut Sener
vergehen durchschnittlich zweieinhalb Jahre bis zu einem Urteil. 500.000
Fälle werden jährlich dem Obersten Berufungsgericht vorgelegt. (AFP, 29.01.03)
Presseerklärung
des „Vereins für
Menschenrechte
in Iran“
Dr. „Abdullkarim
Lahiji“, Leiter des „Vereins für Menschenrechte in Iran“ hat in einer Presseerklärung
im Namen des Vereins die Urteile des sogenannten „Islamischen Revolutionsgericht
Irans“ ge-gen drei Kurden scharf verurteilt. Wir dokumentieren einige Auszüge
dieser Presseerklärung:
„Islamisches
Revolutionsgericht Irans in der kurdi-schen Stadt „Sanandadj“ hat nach
seinem Urteil am 13.01.03 Herrn „Sassan Al Kenaan“ (35)zum Tode und
zwei weiteren Kurden mit dem Namen „Osman Moradi“ (30), „Adnan Qaderi“
(25) jeweils zu 10 Jahren Gefängnisstrafe verurteilt. Ihnen wurde vor-geworfen,
mit der kurdischen Organisation „KO-MALA“ gegen das Regime zusammengearbeitet
zu haben. Die letzten zwei Verurteilten müssen ihre Gefängnisstrafe im
Exil (außerhalb von Kurdistan) in den Städten „Minab“ und „Chorramanbad“
absit-zen. Die Zusammenarbeit der drei Verurteilten mit „KOMALA“ beschränkte
sich nur auf die zur Ver-fügungstellung von Nahrungsmitteln, Wagen und
Fluchtgewährung. Eine militärische Zusammenar-beit wurde nicht bewiesen.
„Verein für
Menschenrechte in Iran“ fordert alle internationale Menschenrechtsorganisationen
und Menschenrechtsorganisation der Vereinten Natio-nen dazu auf, sich einer
„Eilaktion“ anzuschließen und durch ihre Einflussnahme auf das iranische
Re-gime Druck auszuüben und es dazu zu bewegen, diese ungerechten Urteile
nicht auszuführen. Wei-terhin müssen die Machthaber in Teheran sich an
internationale rechtliche Prinzipien und Abkommen halten, die sie unterschrieben
haben“. (Quelle: Presse-bericht „KOMALA“, 18.01.03)
Zwangsrekrutierung
in Ost- Kurdistan
Sicheren Quellen
zufolge, haben die iranischen Si-cherheitskräfte in Kurdistan in den letzten
Tagen mit einer Zwangsrekrutierung angefangen. „Vertei-digung des
Landes“ heißt die Begründung bei diesen willkürlichen Rekrutierungen. Ein
Augenzeuge aus der kurdischen Stadt „Sanandadj“ berichtet über Massenverhaftungen
und Verschleppung von zahlreichen Jugendlichen und jung aussehenden Männern
in dem Stadtteil „Farah“ unter dem o.g. Vorwand. Sie werden willkürlich
verhaftet, ohne nach ihren Personalien gefragt zu werden. Die in diesem
Stadtteil festgenommenen Kurden sind in die per-sischsprachige Stadt „Qazwin“
verschleppt worden und werden dort unter Bewachung gehalten. (Quelle:
Pressebericht KOMALA, Nr.96, 11.01.03)
Jahresbericht
des schwedischen
Außenministeriums
über die
Menschenrechtslage
in Süd-Kurdistan
Das schwedische
Außenministerium ist zuversichtlich über die Verbesserung der Menschenrechtslage
in Süd-Kurdistan. Im Jahresbericht des Ministeriums wird vor allem die
Abschaffung des irakischen „Ghossl u. Ar-Gesetzes“ durch das kurdische
Parlament als positiv bewertet. Nach diesem noch in Irak eingeführten
Gesetz, werden Misshandlungen und auch Morde an Frauen gesetzlich nicht
verfolgt, wenn diese auf die Bewahrung der familiären Ehre zurückzuführen
sind. Diesem Bericht zufolge, haben sich auch die Pressegesetze, Frauenrechte,
Gesundheits- und Versorgungssystem verbessert. Es gibt eine Presse- und
Organisationsfreiheit in Kurdistan, die es in keinem anderen Land des Nahen
Ostens gibt. Es gibt zahlreiche Frauenorganisationen und Vereine.
Frauen können jetzt in allen Ämtern und Institutionen beschäftigt werden,
auch bei der Polizei und den Streitkräften. Es gibt ein Ministerium für
Menschenrechte, das es ebenfalls in anderen Staaten der Region nicht gibt.
Gleichzeitig
werden im Bericht die Versäumnisse der internationalen Gemeinschaft der
regionalen kurdischen Verwaltung gegenüber erwähnt. Eine große Fläche Kurdistans
ist seit Jahren vor allem vom irakischen aber auch vom iranischen Regime
während des Krieges vermint worden. Das ist nach wie vor eine große
Gefahr für das Leben der Men-schen, was bis jetzt Tausenden Kurden das
Leben gekostet hat. Auch für Ackerbauer und Viehzüchter ist es ein unüberwindbares
Hindernis. Es gibt zwar einige regionale Organisationen und NGO`s, die
bei der Minenhebung beschäftigt sind, aber ihre Mög-lichkeiten und Rahmenbedingungen
für so eine große Zahl von Minen (20-25 Millionen werden geschätzt), sind
sehr gering. Weiterhin befasst sich der Bericht mit der Situation der Kurden,
die in den kurdischen Gebieten unter der Herschafft von Sad-dam Hussein
leben. Das Regime geht planmäßig mit äußerster Brutalität gegen alle Nicht-Araber,
vor allem aber gegen die Kurden vor. Kurden, Türkmannen, Asyries und Yezidien
werden syste-matisch verfolgt, enteignet und vertrieben. Bislang sind eine
halbe Million Kurden und andere Minderheiten in die autonome Region Kurdistans
vertrieben. (Quelle: Birayeti, Nr. 3894, 18.01.03)
Ermittlungen
in drei neuen Fällen zu Irak-Waffengeschäften
Wegen illegaler
Waffengeschäfte mit dem Irak hat die Staatsanwaltschaft Mannheim in drei
weiteren Fällen Ermittlungen aufgenommen. Die Zahl der deutschen Firmen,
die dem Irak verbotene Materialien geliefert haben, ist einem Medienbericht
zufolge doppelt so hoch, wie bisher angenommen.
Einen entsprechenden
Bericht des ARD-Magazins "Report München" bestätigte ein Behördensprecher
am Montag in Mannheim. Vor dem Landgericht läuft derzeit der Prozess gegen
zwei deutsche Geschäftsleute, die das Irak-Embargo umgangen haben sollen.
Einer der neuen Fälle stehe in Zusammenhang mit diesem Prozess, berichtete
der Sprecher. Die beiden anderen Fälle hätten nichts damit zu tun.
Angeklagt
sind in dem Prozess ein 59 Jahre alter Ingenieur, der zuletzt in Pforzheim
lebte, und ein 54-jähriger ehemaliger Vertriebsleiter einer Firma aus dem
niedersächsischen Achim. Die beiden sollen zusammen mit zwei Komplizen
unter ande-rem mit Tiefbohrwerkzeugen im Wert von rund 200.000 Euro gehandelt
haben. Mit dem Werkzeug kann nach Expertenangaben ein zehn Meter langes
Artillerie-Geschützrohr für ABC-Munition gebohrt werden. Die Lieferung
erfolgte jeweils über Jorda-nien. An diesem Dienstag sollen die Plädoyers
gesprochen werden.
Das Fernsehmagazin
berichtete vorab, dass die Beteiligung deutscher Firmen an der Rüstung
des Irak vor dem Jahr 2000 umfangreicher gewesen sei, als bisher bekannt.
Bei Recherchen über Lücken im offiziellen Waffenbericht des Irak an die
Vereinten Nationen hatte das Magazin eigenen Angaben zu-folge weitere deutsche
Firmen entdeckt, die darin verschwiegen würden. Damit steige die Zahl von
Saddams Helfern in Deutschland auf 109, mehr als doppelt so viele wie die
aus allen übrigen Ländern, die in dem Bericht genannt würden. Weiter heißt
es in dem Vorabbericht, dass das Kölner Zollkriminal-amt in Kürze die Bundesregierung
über Ergebnisse der Auswertung des irakischen Rüstungsberichts unterrichten
werde.
Lieferungen
auch an den Iran
Die Mannheimer
Staatsanwaltschaft hatte erst vergangene Woche mitgeteilt, dass auch an
Iran unerlaubt Tiefbohrwerkzeuge zur militärischen Nutzung geliefert worden
sein sollen. In Verdacht stehen Mitarbeiter der Firma aus Niedersachsen,
die auch das Irak- Embargo umgangen haben soll.
Die Hauptangeklagten
hatten zum Prozessauftakt vor dem Landgericht erklärt, nicht gewusst zu
ha-ben, dass mit den gelieferten Werkzeugen Waffen hergestellt werden können.
Das Urteil wird am 31. Januar erwartet. (Quelle: Financial Times Deutschland,
27.1.2003)
Der Irak
hat zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit seinen Öllieferungen nach
Nord-Kurdistan eingestellt
Man nimmt
an, dass dies eine Reaktion auf die massive Truppenpräsenz der Amerikaner
am Golf ist. Die Einstellung der Öllieferungen in die soge-nannte Autonomiezone
hat erneut die grosse Abhängigkeit vom Wohlwollen Bagdads gezeigt. Nach
dem Golfkrieg 1991 hatten die USA und England mit ei-nem Flugverbot über
diesem Gebiet im Norden des Irak eine gewisse Autonomie möglich gemacht.
Ausser einem eigenen geringen Ölvorkommen im Osten, sind die drei Millionen
Kurden in dieser Aera vollständig auf Lieferungen von Bagdad angewiesen.
Die Preise haben sich inzwischen vervierfacht und Tankstellen mussten aus
Mangel an Benzin schliessen.
Nach einem
von den USA geführten Einmarsch wollen die irakischen Kurden gemeinsam
mit ande-ren oppositionellen Gruppen gemeinsam Saddams Regierung stürzen.
Die irakischen
Kurden spielten letzte Woche bei der Konferenz oppositioneller Parteien
in London eine führende Rolle und werden Gastgeber beim nächs-ten Treffen
der Runde in der Nähe von Arbil sein. (Quelle: Reuters, 12.01.2003)
Ein ganzes
Dorf im Nordirak ist auf der Flucht vor Islamisten
Tapeh Kori
ist ein kleines Dorf mitten in einer idyl-lischen Landschaft im Norden
Iraks. Vor nicht allzu langer Zeit lebten dort noch 400 Einwohner. Inzwi-schen
sind sie allesamt weg. Vor dem gespenstisch wirkenden Dorf stehen Hunderte
bis auf die Zähne bewaffnete Peschmergas (kurdische Kämpfer). Das friedliche
Tapeh Kori ist jetzt Teil der Kriegsfront gegen die Ansar al-Islam (Gefolge
des Islam), eine islamistische Gruppierung, die dem Terrornetzwerk El Kaida
angehören soll.
Oberst Schafigh
Chubin, der wegen seiner blauen Augen von den anderen Peschmergas "Blue
Eyes" genannt wird, hat schon gegen die Truppen vom irakischen Präsidenten
Saddam Hussein gekämpft. Jetzt muss er fast eine ganze Region - von Schahre
Sur bis zu den Schinerwe-Bergen - vor mehr als 700 Islamisten schützen.
"Die könnten wir in weni-gen Stunden überrennen, aber aus geopolitischen
Erwägungen müssen wir warten", sagt Blue Eyes. Die Stützpunkte der Ansar
stehen an der Grenze zu Iran, daher haben die Peschmergas keine freie Hand.
Trotz heftiger
Dementis aus Teheran unterstellen die Kurden den Iranern, die Milizen logistisch
zu unterstützen. Außerdem bekommen die Ansar an-geblich auch finanzielle
Hilfe aus Saudi Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Die Peschmergas
sind verärgert, weil die Ansar die politische Zurückhaltung der Patriotischen
Union Kurdistans (PUK) kaltschnäuzig ausnützen. Beson-ders feige finden
die Peschmergas, dass die Isla-misten Landminen in der Gegend gelegt haben.
Bei Patrouillen kamen in den letzten fünf Wochen mehr als 50 Peschmergas
ums Leben.
Die Anzahl
der Opfer auf Seiten der Islamisten ist weitaus geringer, sagt der Oberst.
Wegen der
weltlichen Anschauung im irakischen Kurdistan wurde der islamistischen
Bewegung in Nordirak jahrelang keine größere Bedeutung bei-gemessen. Auch
Bagdad beachtete sie kaum. Grup-pierungen wie Echwan al-Moslemin (Brüderschaft
der Moslems) oder Islamische Union konnten sich mit ihren religiösen Ideologien
bei den Kurden nie richtig durchsetzen. Der Wendepunkt kam 1988 mit dem
chemischen Bombenangriff der irakischen Truppen auf Halabdscha, einer Kleinstadt
in dersel-ben Region, dem nicht nur 5000 Menschen zum Opfer fielen, sondern
der auch die ganze Region in akute Armut versetzte.
"Islamismus
ist hier die logische Folge von Armut, denn nichts ist einfacher als bedürftigen
Menschen einer Gehirnwäsche zu unterziehen", sagt Bestun Kamal, ein Vertreter
der Kommunistischen Partei Kurdistans. Zumindest im Nordirak sind Palästina,
Zionismus oder Hass auf Amerika kein Thema. "Hält man die Leute satt, hält
man gleichzeitig die Islamisten fern", erklärt Kamal.
Nur die wenigsten
der Islamisten in dieser Gegend sind Kurden. Sie sind meistens Araber verschiede-ner
Nationalitäten, mit Verbindungen zu El Kaida und einer Militärausbildung
in Afghanistan, sagt Kommandeur Scheich Dschafar, der die Peschmergas in
der Region im Kampf gegen die Ansar anführt. Außerdem war der kürzlich
nach Norwegen abgeschobene Ansar-Führer, Nadschmeddin Faradsch Ahmad alias
Mullah Krekar, früher ein überzeugter Marxist. "So einfach wechselt man
halt die Fronten bei denen", meint der Kommandeur ironisch. (Quelle:
dpa, 21.01.03)
Föderalismus
in Südkurdistan
Dr. Barham
Salih, Premierminister der regionalen Regierung (Einflussgebiet von PUK),
der sich zur Zeit zu einem Besuch in den USA aufhält und unter anderem
auch von Dick Cheney, dem amerikani-schen Vizepräsidenten, empfangen wurde
erklärte in einem Radiointerview, Süd-Kurdistan sei in den vergangenen
10 Jahren unabhängig und der Irak deshalb geteilt gewesen. „Föderalismus
könnte den Irak vereinen. Sollten uns unsere Nachbarn aller-dings verfolgt
und terrorisiert sehen wollen, werden wir uns dagegen wehren. Wir Kurden
verlangen unsere vollen Rechte“ fügte Dr. Salih hinzu.
Befragt nach
der amerikanischen Hilfe für die Kur-den, und ob er möglicherweise der
nächste Hamid Karzei werden könnte, beantwortete er mit den Worten: „Ich
bin Premierminister in Kurdistan ohne amerikanische Hilfe“. Er verwies
noch auf die ira-kische Arabisierung der kurdischen Städte Kirkuk, Kanaqin
und Shangar.
Kurdische
Wahlkämpfer sehen die Versuche von PUK und KDP, Süd-Kurdistan mit dem Irak
zu ver-einen, mit Besorgnis.
Kurdische
Intellektuelle treffen sich im Laufe der nächsten Woche, um eine alternative
politische A-genda zu der von den politischen Parteien aufge-stellten,
zu diskutieren. (Quelle: KurdishMedia, 18.01.03)
Iraks Opposition
will Führung wählen - Kurdische Dörfer zerstört
Die Opposition
im Irak will Mitte Februar bei einer Konferenz im irakischen Kurdengebiet
ein Füh-rungstrio wählen. Diesem Trio sollen ein Kurde, ein sunnitischer
Araber und ein schiitischer Araber an-gehören. Wie ein Oppositionssprecher
in der nordirakischen Stadt Suleimanijeh am Montag bestätigte, soll das
bereits mehrfach verschobene Treffen in Salaheddin bei Erbil stattfinden.
Der Ort liegt in der so genannten Flugverbotszone, die von amerikanischen
und britischen Flugzeugen kontrolliert wird.
Die Demokratische
Partei Kurdistans (KDP) von Massud Barsani berichtete am Montag, die irakische
Armee habe im Norden des Landes fünf Dörfer zerstört. Das Militär habe
die Ortschaften am Sonntag mit Panzern umstellt und die rund 500 Dorfbewohner
- Kurden und Araber - gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Sie hätten ihr
Hab und Gut zurücklassen müssen. Anschließend seien die Dörfer mit Bulldozern
dem Erdboden gleichgemacht worden. "Möglicherweise wollte die irakische
Führung uns vor dem Treffen Angst machen, nach dem Motto "Seht, wozu wir
noch in der Lage sind"", erklärte ein Sprecher der zweiten großen Kurdenfraktion,
der Patriotischen Union Kurdistans (PUK), in Kairo.
Darüber, weshalb
das erste Treffen des im Dezember in London gegründeten 65-köpfigen
Koordinationskomitees der irakischen Opposition immer wieder verschoben
wurde, gibt es verschie-dene Versionen. Ein Teil der Opposition nennt Sicherheitsprobleme
und Schwierigkeiten bei der Visa-Erteilung in den Nachbarstaaten Iran und
Türkei. Andere erklärten, die US-Regierung wolle das Tref-fen auf die Zeit
nach einem möglichen Kriegsbeginn verschieben, um die Oppositionellen über
die Frage, wer künftig die Macht in Bagdad übernimmt, nicht allein entscheiden
zu lassen. PUK-Sprecher Hazem el Jusri betonte jedoch, das Führungstrio
sei noch „kein Regierungsgremium" für die Zeit nach dem Sturz von Saddam
Husseins, sondern nur ein Komitee, das die Geschicke des irakischen Volkes
während eines möglichen Krie-ges lenken solle. (Quelle: dpa, 27.01.03)
Türkei rechnet
bei Irak-Krieg mit einer Million Flüchtlingen
Die Türkei
rechnet im Falle eines Krieges gegen Irak mit bis zu einer Million Flüchtlingen
aus dem Nachbarland. Diese Zahl sei bei einem Treffen tür-kischer Außenamtsvertreter
mit einer US-Dele-gation genannt worden, berichteten türkische Medien am
Mittwoch. Die Planungen zum Umgang mit den Flüchtlingen sind demnach so
gut wie ab-geschlossen. Unter anderem sollen im türkischen Südosten und
im Norden Iraks insgesamt 18 Auf-fanglager errichtet werden. (Quelle: AFP,
29.01.03)
Neue Publikation
Liebe Freundinnen
und Freunde, liebe Interessierte,
der IMK e.V.
möchte alle Interessierten und MitarbeiterInnen in der Flüchtlingsarbeit
auf die Diplomarbeit von Herrn Mehmet Bayval zum Thema „Psychosoziale Entwicklung
von Kinderflüchtlingen“ hinweisen.
In der Diplomarbeit
werden die Rahmenbedingungen, unter denen Kinderflüchtlinge in der Bundesrepublik
leben, dargestellt. Hierbei werden psychologische, soziologische, ethnologische,
politische, und rechtliche Gesichtspunkte berücksichtigt.
Im ersten
Teil der Diplomarbeit werden die notwendigen Definitionen, die Fluchtursachen,
Statistiken und internati-onale bzw. nationale gesetzliche Grundlagen veranschaulicht.
Hierbei handelt es sich, um Fragen des Bleiberechts, um Aufenthaltstitel,
sowie, um Einreiseverfahren.
Im zweiten
Teil werden die konkrete Lebenssituation, die psychosoziale Entwicklung
der Kinderflüchtlinge – z.B. in den Bereichen Unterbringung, Bildung und
Identitätsentwicklung, unter Herausarbeitung der Maßnahmen, die die Lebenssituation
der jungen Flüchtlinge beeinflusst – im Mittelpunkt stehen.
Die Diplomarbeit
kann in gebundener Form bei uns gegen die Errichtung eines Betrages von
6,-- Euro (inkl. Ver-sandkosten) bestellt werden.
Wie zuvor auch
diesmal möchten wir an Sie appellieren, uns mitzuteilen falls Sie eine
e-mail-Adresse haben, denn der Versand über e-mail ist kostengünstiger
und schneller.
Wir möchten
Sie gleichzeitig auf unsere web-Seiten hinweisen, die interessante Beiträge
enthält:
· Barham Salih:
South Kurdistan has been independent for the past 10 years
· Kofi Annan,
Kurds can present evidence to UN
· Sala, Rashid,
Kurden hoffen a f Regimewechsel
· Ein ganzes
Dorf im Nordirak ist auf der Flucht vor Islamisten
· Iraqi people
have a voice – KDP
· Irakisches
Öl von Mosul und Kirkuk lässt auch Türkei nicht ruhen
· Turkey attempts
to ban Kurds on world's largest web catalog
· Die Presseerklärung
des IMK e.V. vom 07. Januar 2003 (Deutsch und Englisch)
· Anmerkung
zum Lagebericht des Auswärtigen Amtes zur Türkei (Deutsch)
· Offener
Brief an die Bundesregierung wegen eines möglichen EU-Beitritts der Türkei
(Deutsch)
· Gedanken
zum Thema Irak I und II, von Alexander Kauz (Deutsch)
· Kampagne
gegen Straflosigkeit „Gerechtigkeit heilt“ (Deutsch)
· „Die Quadratur
des Kreises , von Ofra Bengio (in Deutsch und Englisch)
· Die gemeinsame
Presseerklärung von GfbV, KOMKAR, Kurdische Gemeinde in Deutschland und
IMK e.V. vom 24. Oktober (in Deutsch)
· Ein Bericht
der Turkish Daily News über das Dorfschützersystem (Deutsch und Englisch)
· Presserklärung
des IMK e.V. zum 40. Jahrestag der rassistischen Sondervolkszählung in
Syrien (Deutsch)
· Eine Analyse
über das Verhalten der türkischen Medien während des Bundestagswahlkampfes
in Deutschland, von Irina Wiessner (Deutsch)
· Ein Jahresbericht
der PSK über die Entwicklungen in der Türkei und Nord-Kurdistan (Deutsch
und Englisch)
· Ein Artikel
von Ashiti Amir über Syrien und Syrisch-Kurdistan (Deutsch)
· Die Erklärung
der PSK zum „EU-Anpassungspaket“ des Türkischen Parlaments (Deutsch und
Eng-lisch)
· Der Artikel
„Kurden und Kurdistan“ von Shahin Sorekli aus Australien (Englisch)
Diese Beiträge
tragen nicht unbedingt unsere Meinung, sondern geben die aktuell für unser
Themengebiet interes-santen Diskussionen wieder. Besuchen Sie doch einmal
www.kurden.de.
Mit freundlichen
Grüßen,
Ihre Redaktion
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