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Internationaler Verein für Menschenrechte der Kurden 
IMK Wocheninformationsdienst
Datum: 17. Oktober – 24. Oktober 2002       Nummer: 171

Journalist geschlagen
Am 10. Oktober nahm die Polizei in Antep den Journalisten Gökhan Imrek von der “Evrensel” unter Schlägen fest, als er die Eröffnung eines DEHAP-Büros verfolgte. Er wurde 24 Stunden auf der Wache festgehalten und ihm wurde gedroht, dass er nicht mehr für die Zeitung arbeiten solle. Nach der Entlassung sagte er, dass das Staatskran-kenhaus für ihn einen guten Gesundheitszustand feststellte, aber vier Polizisten Bescheinigungen über Arbeitsunfähigkeit erhielten. Deshalb wurde er wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt ver-nommen. Er selber wurde bei der Gerichtsmedizin untersucht, wo die Schläge attestiert wurden. Über seinen Anwalt stellte er Strafanzeige. (Quelle: BIA, 14.10.2002)

Rückkehrer angegriffen
Im Dorf Korukul, Kreis Tatvan (Bitlis) griff der Dorfschützer Bahattin Göle mit 6 weiteren Perso-nen die Familie von Tahir Alkan mit einem Messer an. Dabei wurde Tahir Aktan verletzt. In der Straf-anzeige bei der Staatsanwaltschaft in Tatvan sagte er, dass sie 1996 zum Verlassen des Dorfes ge-zwungen wurden und vor 6 Monaten zurückgekehrt seien. Dies sei nicht der erste Angriff der Dorf-schützer gewesen. (Quelle: Özgür Gündem, 13.10.02)

TKEP/L Verfahren in Istanbul
Am 11. Oktober endete das Verfahren gegen 24 vermeintliche Mitglieder der Kommunistischen Arbeiterpartei der Türkei/Leninist (TKEP/L) vor dem SSG Istanbul. Die Angeklagten waren im März 1996 festgenommen worden (damals zwischen 16 und 23 Jahren alt) und hatten Foltervorwürfe erhoben. Die Verteidigerin, Gülizar Tuncer, gab an, dass wegen eine der ihnen zur Last gelegten Taten, dem Mord an dem Studenten Ertugrul Kaya am 30. November 1995, in einem anderen Verfahren gegen die Organisation “Direnis” zwei Personen ebenfalls angeklagt seien. (Quelle: Cumhuriyet, 12.10.02)

Minenexplosion
Ehmet Baykara (10) wurde verletzt, als er auf der Hochweide Çemikari im Kreis Pervari (Siirt) auf eine Mine trat. (Quelle: Evrensel, 12.10.02)

Verwundung durch Handgranate
Nadir Demir (11) wurde schwer verletzt, als die Handgranate, die er in der Nähe der Gendarmerie-station im Dorf Koçdagi (Xelkava) im Kreis Baska-le (Van) fand, explodierte. (Quelle: Özgür Gündem, 15.10.02)

Menschenrechtsbericht
Der Staatsminister mit Verantwortlichkeit für Men-schenrechte informierte den Premierminister und andere Ministerien über die Arbeit der Menschen-rechtsräte. Demnach wurden dort 925 Beschwerden eingelegt, von denen 146 in Gerichtsverfahren endeten. Von den Menschenrechtsräten in 81 Pro-vinzen und 831 Kreisen sei eine Gesamtzahl von 1.293 Beschwerden gemeldet worden; 115 davon wegen Folter und Misshandlung, 19 wegen grund-loser Festnahme, 30 in Bezug auf das Recht auf Leben, 575 wegen dem Recht auf Erziehung und 123 wegen Lärm und Verkehr. In Bezug auf Miss-handlung habe es 351 Strafermittlungen und 289 Disziplinar-verfahren gegeben; 30 Beamte seien vor Gericht gestellt worden und 22 hätten eine Diszip-linarstrafe erhalten. (Quelle: Cumhuriyet, 14.10.02)
 
IHD Diyarbakir freigesprochen
Am 14. Oktober sprach das Strafgericht Nr. 3 in Diyarbakir den Vorstand des IHD Diyarbakir im Zusammenhang mit der Einladung zum Newroz-Fest frei. Osman Baydemir, Ex-Vorsitzender und die Vorstandsmitglieder Fikret Saraçoglu, Meral Danis, Reyhan Yalçindag, Abdulkadir Aydin und Pirozhan Dogrul waren wegen eines Verstosses von § 64/1 TSG in Verbindung mit den Artikeln 6 und 77/1 aus dem Vereinsgesetz mit der Nummer 2908 angeklagt worden. Demnach haben Broschüren, Flugblätter und schriftliche Äusserungen von Ver-einen in Türkisch zu sein. Der Vorstand hatte in seinem Beschluss vom 15. März jedoch das Wort Newroz mit dem in der türkischen Sprache nicht existierenden “w” anstelle von “Nevruz” geschrie-ben. Im Plädoyer sagte der Staatsanwalt, dass dies ohne die Absicht, eine Straftat zu begehen, gesche-hen sei und das Gericht folgte seiner Ansicht, in dem es auf Freispruch entschied. Vor dem gleichen Gericht ist ein weiteres Verfahren gegen den IHD Diyarbakir anhängig, weil auf der Newroz-Feier auf einem Spruchband wiederum “Newroz” anstelle von “Nevruz” geschrieben stand. Dieses Verfahren wurde auf den 18. Februar 2003 vertagt. (Quelle: Özgür Gündem, 15.10.02)

Folter in Istanbul
Die Strassenverkäuferin Gülhan Rençber machte die Folter auf der Touristenpolizeiwache in Sulta-nahmet (Blaue Moschee) öffentlich. Auf einer Pres-sekonferenz im IHD Istanbul sagte sie, das sie am 14. August von zwei Beamten festgenommen wurde, obwohl sie dort seit 13 Jahren Kopftücher verkaufe. Als sie den Kommandanten der Wache bat, ihre Waren nicht an die Stadt zu geben, wurde dieser wütend und schlug auf sie ein, bis er müde wurde. Sie sei dann aus der Wache geworfen worden. Beschwerden beim Landrat und Gouverneur seien erfolglos gewesen. Ihre Anwältin Eren Keskin gab an, dass Strafanzeige erstattet wurde, da ihre Mandantin ein Attest über 3 Tage Arbeitsunfähigkeit habe. Gülhanim Rençber werde derzeit bei der TIHV behandelt und habe sich länger als 2 Monate nicht getraut, ihrer Arbeit nachzugehen. (Quelle: Özgür Gündem, 16.10.02)

Strafe für verbotene Musik
Nevzat Bingöl, der den örtlichen Fernsehsender Gün TV in Diyarbakir betrieben hatte, muss 2,9 Milliarden TL (knapp 2.000 Euro) Strafe zahlen, weil dort Lieder von Ahmet Kaya mit Titeln wie “Happy Birthday” gespielt wurden. Dies ordnete das Strafgericht Nr. 1 in Diyarbakir an, weil er die zuvor verhängte Strafe von 4 Millarden TL nicht gezahlt hatte. Nevzat Bingöl hatte im Laufe des Verfahrens angegeben, dass er über das Verbot dieser Lieder durch den Gouverneur für das Gebiet unter Ausnahmezustand nicht informiert worden sei. (Quelle: BIA, 16.10.02) 

MLKP Verfahren in Istanbul
Die 3. Kammer des SSG Istanbul sprach am 16. Oktober das Urteil in einem Verfahren mit 17 ver-meintlichen Mitgliedern der Marxistisch-Lenini-stischen Kommunistischen Partei (MLKP), darunter Journalisten und Gewerkschafter. Das Verfahren gegen den Gewerkschafter Süleyman Yeter war eingestellt worden, nachdem er am 7. März 1999 in Polizeihaft gestorben war. Die Angeklagten Necati Akbay, Hasan Ozan, Erdogan Yilmaz, Ayse Yil-maz, Ferhat Akçay, Mesut Gerçek, Mukaddes Çe-lik, Sultan Arikan, Birsen Kaya und Sedat Senoglu wurden freigesprochen. Das Verfahren gegen Bay-ram Namaz wurde ausgesetzt, weil er nach § 169 TSG angeklagt war. Die Journalistin Asiye Güzel Zeybek, Gönül Karagöz, Arif Çelebi, Zabit Iltimur und Erdogan Ber wurden zu 12,5 Jahren Haft we-gen Mitgliedschaft in der MLKP verurteilt. (Quelle: Özgür Gündem, 17.10.02)

Lehrer freigesprochen
Das SSG Diyarbakir sprach den Vorstand der Leh-rergewerkschaft wegen kurdischen Sätzen in einer Einladung zum Tag des Lehrers frei. Neben dem ehemaligen Vorsitzenden Hayrettin Altun waren die Vorstandsmitglieder Medeni Alpkaya, Niyazi Er-çek, Süleyman Yilmaz, Hasan Hayri Kiliç, Zemzem Fedai und Mehmet Atlihan von der Gewerkschaft TIS wegen Unterstützung der PKK angeklagt wor-den. (Quelle: Özgür Gündem, 17.10.2002)

Kurdische Namen
Das Zivilgericht in Siirt entschied auf Nichtzustän-digkeit in einem Verfahren gegen 20 Familien, die ihren Kindern zwischen dem 10. Juli 1997 und dem 19. März 2002 kurdische Namen gegeben hatten. Mit diesem Verfahren sollten die Eltern gezwungen werden, ihren Kindern andere Namen zu geben. (Quelle: Özgür Gündem, 18.10.02)
 
Minenexplosion
Durch die Explosion einer Mine in der Nähe des Dorfes Güneyce in der Provinz Sirnak kam Adalet Güngör (20) ums Leben. Ihre Cousinen Zahide Güngör (16) und Elmas Güngör (16) wurden ver-letzt. (Quelle: Zaman, 18.10.02)

Türkische Justiz strengt
 Verbotsprozess gegen islamische Partei an
Der türkische Generalstaatsanwalt hat knapp zwei Wochen vor den Parlamentswahlen ein Verbotsver-fahren gegen die islamische Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (AKP) eingeleitet. Das berich-tete die Nachrichtenagentur Anadolu am Mittwoch. Die Partei unter Führung des früheren Istanbuler Bürgermeisters Recep Tayyip Erdogan gilt als Favorit bei den Wahlen am 3. November. Erst kürzlich hatte die Wahlaufsichtsbehörde Erdogan untersagt, als Kandidat anzutreten. Dieses Verbot war im jüngsten Türkei-Bericht der EU-Kommission kritisiert worden. (Quelle: dpa)

Türkische Gelüste auf Nord-Iraks Reichtümer
Im rauhen Hochgebirge zum Nord-Irak laufen hektische Kriegsvorbereitungen. Washingtons wichtiger NATO-Verbündeter Türkei hat sich voll auf das unvermeidlich Erscheinende eingestellt. Zelte, Nahrungsmittel, medizinische Ausrüstung, Medikamente und allerlei andere Güter liegen in Südost-Anatolien bereit, um einem Strom von Flüchtlingen Erste Hilfe zu leisten. Ankara rechnet, dass mindestens 80.000, vielleicht aber viel mehr Menschen aus dem Nachbarstaat in der Türkei Zuflucht suchen, wenn die USA mit einem Großangriff beginnen.
Auch die militärischen Vorbereitungen der zweit-größten NATO-Streitkraft laufen auf Hochtouren. Eine Einheit von 15.000 Mann wurde bereits an der Grenze stationiert. Offiziell betont Ankara seine Ablehnung eines Krieges gegen den Nachbarstaat, mit dem man in jüngster Zeit wieder intensive ökonomische Beziehungen aufgebaut hat. Die Stim-mung in der Bevölkerung ist entschieden gegen einen US-Schlag eingestellt. Offiziell dementiert werden Medienberichte, dass Ankara einem Ansu-chen Washingtons zugestimmt habe, Häfen und Flughäfen für einen Kriegseinsatz zu benützen und US-Soldaten die Stationierung im Nord-Irak von der Türkei aus zu gestatten.

Territoriale Ambitionen treiben
türkische Führung
Ankara fürchtet, ein Krieg könnte seiner dahinsie-chenden Wirtschaft enormen Schaden zufügen. 30 Mrd. Dollar kosteten die Türken nach offiziellen Angaben die zwölfjährigen Sanktionen gegen den Irak an verlorenen Handelserträgen. Doch noch mehr beunruhigt die Aussicht, dass in den Kriegsturbulenzen im Nord-Irak ein unabhängiger kurdischer Staat geboren werden könnte, der erneut Unabhängigkeitsgelüste der unterdrückten kurdischen Minderheit der Türkei erwecken würde.
Hinter den Kulissen gestehen Regierungsvertreter offen ein, dass Ankara sich den Wünschen der USA, seines wichtigsten Verbündeten, nicht wider-setzen könne. Doch man fordert für Kooperation eine Gegenleistung. Von großzügiger ökonomi-scher Hilfe ist die Rede, ebenso aber von einer Garantie der Supermacht, dass nach einem Sturz des irakischen Regimes beim Aufbau eines neuen Iraks nationale Ambitionen der Kurden unterdrückt werden sollten. Fast täglich droht Premier Bülent Ecevit, die Türkei werde vor militärischer Interven-tion nicht zurückschrecken, wenn die Kurden "ex-zessive Autonomie" im Nord-Irak suchten.
Nationalistische Kreise wittern in einem Irak-Krieg aber auch ungeahnte Chancen, als "historisch" emp-fundenes Unrecht wieder gut zu machen. So stellte Verteidigungsminister Sabahattin Cakmakoglu jüngst klar: "Die Türkei betrachtet den Nord-Irak als ihren direkten Einflussbereich." Und der Minis-ter erinnert daran, dass der Nord-Irak innerhalb jener Grenzen liege, die im "National-Pakt" von 1920, nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches, als türkisches Territorium definiert wur-den.

80.000 Mann bereit zum Einmarsch im Nord-Irak
Das Gebiet sei später "mit Gewalt von der Türkei losgelöst" und der britischen Mandatsmacht des Iraks zugeschlagen worden.
Hinzu kommt: Der Nord-Irak birgt gigantische Ölvorkommen. Der größte Teil der in den vergan-genen 20 Jahren neu entdeckten Felder liegt in den Kurden-Gebieten von Zakho, Erbil und Barzan sowie dem alten Ölzentrum Kirkuk, das außerhalb der seit 1991 von Amerikanern und Briten aufrecht-erhaltenen Schutzzone für die Kurden liegt.
Ein jüngst von der "Demokratischen Partei Kurdis-tans/Irak" (KDP) und der "Patriotischen Union Kurdistans" (PUK), erarbeiteter Verfassungsent-wurf für einen föderativen, demokratischen Irak schließt Kirkuk in ein autonomes Gebiet Kurdistans mit ein. Ankara ist empört und versucht, nun auch die turkomanische Karte auszuspielen. In Kirkuk lebt der Großteil der winzigen Minderheit der Turkomanen von 20.000 Menschen. Die Türkei behauptet, deren Sicherheit sei bedroht, und eine Militärintervention nach dem Vorbild jener von 1974 zum Schutz der Türken Zyperns, könnte sich als "nationale Pflicht" erweisen (so Parlamentsspre-cher Omer Izgi). So hält sich eine 80.000 Mann starke Truppe für eine mögliche Invasion des Nord-Iraks bereit. (Quelle: Salzburger Nachrichten, 17.10.02)

Menschenrechtler auf der Anklagebank: Türkische Justiz geht weiter gegen
 Anprangerung sexueller Folter in Gefängnissen vor
Derzeit häufen sich in der Türkei Prozesse gegen Frauen, die öffentlich von sexueller Folter und Vergewaltigungen in den Gefängnissen sprechen. Im September wurde erneut ein Verfahren gegen die Menschenrechtlerin und Anwältin Eren Keskin eröffnet. Sie ist Mitbegründerin des FrauenRechts-Hilfe-Büros in Istanbul, das betroffene Frauen be-treut. Angeklagt ist sie wegen einer Rede bei einer Veranstaltung zum Thema »Frauenrechte sind Menschenrechte« am 8. März in Köln. Ihr wird vor-geworfen, die Bevölkerung öffentlich zu »Haß und Feindschaft« aufgerufen zu haben.
Der Prozess wurde auf November vertagt, aber die nationale Anwaltskammer in Ankara hat inzwi-schen wegen früherer Verurteilungen Eren Keskins ein einjähriges Berufsverbot ausgesprochen. Die schriftliche Zustellung steht zwar noch aus, aber es ist wahrscheinlich, dass Eren Keskin vorerst keine Frauen mehr im Kampf gegen sexuelle Folter un-terstützen kann.
Darunter werden auch die 18 Frauen und ein Mann zu leiden haben, deren Prozess schon letztes Jahr eröffnet wurde und in der vergangenen Woche in die fünfte Runde ging. Den Angeklagten wird vor-geworfen, den türkischen Staat und seine Sicher-heitskräfte beleidigt und verleumdet zu haben, indem sie im Jahr 2000 einen Kongress zum Thema sexuelle Folter in den Gefängnissen organisiert hatten. Die Veranstaltung war genehmigt; dort hatten betroffene Frauen zum ersten Mal in organi-sierter Form öffentlich über das Thema gesprochen. Auch der fünfte Prozesstag wurde ohne neue Er-kenntnisse vertagt - auf den 25. Februar 2003.
Häufig sind Frauen, die sexuelle Folter anprangern, auch öffentlicher Hetze ausgesetzt. So begann ge-gen die Gruppe der 19 nach der Anklageerhebung in Köln eine massive Hetzkampagne in den Me-dien. Der Journalist Fatih Altayli bedrohte sie in einem Radiosender und in der Zeitung Ikinci mit sexueller Gewalt. Wegen seiner Äußerungen steht er heute selbst vor Gericht. Gegen ihn wurde ein Straf- und ein Schmerzensgeldverfahren eingeleitet. (Quelle: junge Welt, 16.10.02)

Prokurdische Partei darf bei Wahlen in Türkei antreten
Die türkische Wahlaufsichtsbehörde hat am Diens-tag einer prokurdischen Partei erlaubt, bei den für den 3. November angesetzten Parlamentswahlen im Land anzutreten. Mit der Entscheidung wurde nach Ansicht von politischen Beobachtern ein zu erwartender Sturm des Protestes von Menschenrechtsgruppen und der Europäischen Union für den Fall abgewendet, dass die Partei von dem Urnengang ausgeschlossen worden wäre. In einer knappen Erklärung der Behörde hieß es, die Demokratische Volkspartei (DEHAP) habe die notwendigen Voraussetzungen für die Registrierung zu Wahl erfüllt.
Der türkische Generalstaatsanwalt, Sabih Kanadoglu, hatte zuvor bei dem Amt Antrag auf Ausschluss der Partei von der Wahl gestellt.
Als Begründung führte er an, die Partei verfüge nicht über die notwendige Zahl von Ortsgruppen.
Die DEHAP gilt als Vehikel für die prokurdische HADEP Partei, gegen die seit Jahren ein Verbots-verfahren wegen angeblicher Unterstützung der kurdischen Rebellen läuft. Vergangene Woche hatte Rebellenführer Osman Öcalan, der Bruder des verurteilten früheren Anführers der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Abdullah Öcalan, gewarnt, die Kurdenrebellen würden den Kampf wieder aufnehmen, sollte die DEHAP von den Wahlen ausgeschlossen werden.  
Seit 1999 sind die Kämpfe zwischen kurdischen Rebellen und Regierungstruppen praktisch zum Erliegen gekommen. Die PKK nannte sich im ver-gangenen April in den "Kongress für Freiheit und Demokratie Kurdistans" (KADEK) um und schwor der Gewalt ab. (Quelle: dpa, 15.10.02)

Polizisten wegen Folter verurteilt
Ein Gericht in der westtürkischen Stadt Manisa hat am Mittwoch zehn Polizisten wegen Folter zu Haft-strafen zwischen fünf und elf Jahren verurteilt. Ob sie die Strafen absitzen müssen, ist offen, denn die Beamten kündigten Berufung an.
Der Fall hatte die türkische Justiz fast sieben Jahre beschäftigt und auch international Aufsehen erregt. Die Polizisten werden beschuldigt, zwischen 26. Dezember 1995 und 5. Januar 1996 eine Gruppe von 16 Jugendlichen im Polizeigewahrsam gefoltert zu haben. Die seinerzeit zwischen 14 und 18 Jahre alten Jugendlichen waren festgenommen worden, weil sie linksradikale Parolen an eine Hauswand gesprüht haben sollen. Sie berichteten, die Beamten hätten sie geschlagen, nackt ausgezogen, an den Ar-men aufgehängt, mit Elektroschocks gequält und sexuell missbraucht.
Durch Zufall wurde ein Parlamentsabgeordneter Zeuge der Folterungen. Sabri Ergül, Abgeordneter der sozialdemokratischen CHP, wartete im Polizei-präsidium von Manisa auf einen Gesprächstermin beim Polizeipräsidenten, als er hinter einer Tür Schreie hörte. Er öffnete die Tür und sah, wie Polizisten dabei waren, mehrere teilweise nackte Jugendliche zu foltern. Ergül forderte eine Untersu-chung, brachte den Fall vors Parlament, aber nichts geschah. Schließlich hängte er ein Schild mit der Aufschrift "Hier wird gefoltert" an die Tür des Polizeipräsidiums und weckte damit das Interesse der Medien.
Die Jugendlichen wurden wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zunächst von einem Staatssicherheitsgericht zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, nach fünf Jahren aber in der Berufungs-instanz freigesprochen. Sie haben den türkischen Staat auf eine Entschädigung von 800 000 Euro verklagt.
Die der Folter beschuldigten Beamten wurden in zwei Verfahren 1998 und 1999 freigesprochen. Das Kassationsgericht hob jedoch beide Urteile auf und verwies den Fall zurück. Das Verfahren galt wegen der Schwere der Vorwürfe, aber auch wegen der vorangegangenen Freisprüche als Musterprozess in Sachen Folter. Die EU-Kommission hatte im jüngsten Menschenrechtsbericht den Fall als Beispiel für die unzureichende Ahndung von Folter und Misshandlungen . (Quelle: FR, 17.10.02)

Besuch bei Todesfasterin 
Autoren intervenieren im Konflikt
Wenige Tage vor dem 2. Jahrestag des Beginns der Hungerstreiks gegen Hochsicherheitsgefängnisse und "Isolationshaft" in der Türkei haben sich zwei prominente türkische Schriftsteller, Yasar Kemal und Orhan Pamuk, für eine Lösung des Problems eingesetzt. Die Autoren besuchten am Dienstag eine am "Todesfasten" beteiligte Frau in ihrem Haus in Istanbul, wie die Nachrichtenagentur Anadolu mel-dete. "Man kann ein Problem nicht lösen, indem man es ignoriert", sagte Orhan Pamuk. "Vielleicht werden wir wahrgenommen", meinte der fast 80-jährige Yasar Kemal, der 1997 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten hatte.
Die Auseinandersetzung um die Verlegung links-extremistischer Häftlinge in die modernen Haftan-stalten hat bislang nahezu 100 Menschen das Leben gekostet. Verhandlungen mit den Hunger-streikenden hat die türkische Regierung dennoch bisher stets abgelehnt. (Quelle: dpa - taz, 16.10.02)

Deutschen Stiftungen in der Türkei droht Anklage wegen Spionage
Den deutschen Stiftungen in der Türkei droht eine Anklage wegen "geheimer Absprachen gegen die Sicherheit des (türkischen) Staates". Nach mehrmo-natigen Ermittlungen habe die Staatsanwaltschaft in Ankara die Anklageschrift fertiggestellt, berichtete die halbamtliche Nachrichtenagentur Anadolu am Mittwoch.
Darin fordere der Ankläger Haftstrafen zwischen 8 und 15 Jahren für die Vertreter der Konrad-Adenauer-, der Heinrich-Böll-, der Friedrich-Ebert- und der Friedrich-Naumann-Stiftung sowie des Orient-Instituts.
Zusammen mit türkischen "Partnern" hätten die parteipolitischen Stiftungen Aktivitäten entfaltet, die "gegen die Einheit des Landes und die laizisti-sche Republik" gerichtet seien. Es gebe "ernste Anzeichen für legale Spionageaktivitäten", heißt es in der Anklageschrift. (Quelle: dpa, 23.10.02)

AA bestätigt: Deutschen Stiftungen in der Türkei droht Verfahren
Das Auswärtige Amt (AA) hat bestätigt, dass deut-schen Stiftungen in der Türkei ein Verfahren vor dem Staatssicherheitsgericht droht. "Die Bundesre-gierung hat in der Tat Informationen erhalten, dass eine Klage gegen deutsche Stiftungen in der Türkei vor dem Staatssicherheitsgericht eingereicht wur-de", sagte eine AA-Sprecherin am Freitag vor Jour-nalisten in Berlin.
Die halbamtliche Nachrichtenagentur Anadolu hatte zuvor berichtet, den Stiftungen drohe eine Anklage wegen "geheimer Absprachen gegen die Sicherheit des (türkischen) Staates". Der Ankläger fordere Haftstrafen  zwischen 8 und 15 Jahren für die Ver-treter der Konrad- Adenauer-, der Heinrich-Böll-, der Friedrich-Ebert- und der Friedrich-Naumann-Stiftung sowie des Orient-Instituts.
Die AA-Sprecherin betonte, die Anschuldigungen seien haltlos. Man sei zuversichtlich, dass sich das im Laufe des Verfahrens schnell erweisen werde "und wir die Stiftungen am Ende öffentlich rehabilitieren". Den Stiftungen sei die Anklageschrift nach Kenntnisstand des AA noch nicht zugestellt worden, sagte die Sprecherin. Auch dem Ministerium lägen noch keine Einzelheiten vor.
In der Anklageschrift heißt es, zusammen mit türkischen "Partnern" hätten die parteipolitischen Stiftungen Aktivitäten entfaltet, die "gegen die Einheit des Landes und die laizistische Republik" gerichtet seien. Es gebe "ernste Anzeichen" für Spionageaktivitäten. (Quelle: dpa, 25.10.02)

Hohe Geld- und Gefängnisstrafen für prokurdische Periodikas
Das Regime in Ankara ist trotz sogenannten „EU-Anpassungpakets“ nicht bereit, die verabschiedeten „Reformgesetze“ mit Leben zu erfüllen.
Die Staatssicherheitsgerichte (SSG) Nr. 4 und 5 in Istanbul haben sich nicht damit begnügt, die 14-tägig in kurdisch und türkisch erscheinende Zeitung Dema Nu (Neue Zeit) und die Zeitschrift DENG (Die Stimme) mit hohen Geldstrafen zu belegen, sondern beschlossen, deren Erscheinen vorüber-gehend zu verbieten.
Der frühere Herausgeber von DENG, Fadil Özcelik erhielt wegen „Separatismuspropaganda“ gemäß Antiterrorgesetz, § 8, eine Geldstrafe in Milliarden-höhe und der ehemaliger Chefredakteur Bülent Demirel neben fast vier Milliarden Geldstrafe auch eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr und vier Monaten. Das Gericht beschloss außerdem ein 7-tägiges Er-scheinungsverbot der Zeitschrift.
Im Fall von Dema Nu verurteilte das gleiche SSG den früheren Herausgeber Fadil Özcelik wiederum gemäß des Antiterrorgesetzes, §8, zu einer Geldstrafe in Höhe von 100.000.000 TL und den ehemaligen Chefredakteur der Zeitung zu 3,9 Milliarden TL Geldstrafe und wiederum zu einer Gefängnisstrafe von 1 Jahr und vier Monaten. Auch diese Zeitung darf eine Woche lang nicht erscheinen. (Quelle: Dema Nu  Nr. 39, 15-31.10.02)

Aus für Staudammprojekt in der Ost-türkei - Antike Stadt Hasankeyf gerettet
 Die von einem Staudammprojekt bedrohte antike Stadt Hasankeyf in den kurdischen Gebieten im Osten der Türkei scheint vorerst gerettet zu sein. Nachdem sich zuvor schon die Geldgeber in mehre-ren europäischen Ländern von dem Projekt zurück-gezogen hatten, erklärte jetzt auch die deutsche Bundesregierung definitiv, keine Hermes-Bürgschaften zum Bau des Ilisu-Staudammes zur Verfügung zu stellen. Für das Megastaudammpro-jekt dürfte diese Entscheidung das Aus bedeuten.
 Dem Petitionsausschuss im Bundestag lag eine formelle Petition mit Tausenden Unterschriften gegen die Vergabe von Hermes-Bürgschaften an die am Südostanatolienprojekt GAP beteiligten deutschen Firmen vor. Der Ausschuss verweist darauf, dass die Petition bei der Bundesregierung, den Fraktionsführungen der Parteien und den zuständigen Ministerien außerordentliche Beachtung gefunden habe.
 Menschenrechtsorganisationen, Umweltschützer und Archäologen hatten während einer mehrjähri-gen Kampagne unter dem Motto »Save Hasankeyf« auf die verheerenden Folgen des Staudammbaus hingewiesen. Neben der bereits angelaufenen Ver-treibung von 25000 Menschen aus 70 Dörfern hätte der Staudammbau auch die Vernichtung unschätz-barer archäologischer Kulturgüter in den Fluten des Tigris bedeutet. Hasankeyf ist die älteste erhaltene Stadt in Obermesopotamien. Bereits im vierten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung führte hier eine Nebenstrecke der späteren Seidenstraße ent-lang. Die drohende Überschwemmung Hasankeyfs wurde von kurdischen Organisationen auch im Zusammenhang mit der Verleugnung und Vernich-tung der kurdischen Identität durch den türkischen Staat gesehen. (Quelle: JW, 18.10.02)

Drei Mitglieder der DPK-I vom irani-schen Regime hingerichtet
Nachdem bekannt wurde, dass das iranische Regime ein Mitglied der demokratischen Partei Kurdistans –Iran mit dem Namen Hamze Ghaderi am 08.10.02 hingerichtet hat, ist die Partei kurz danach informiert worden, dass zwei weitere Parteimitglieder Namens Chalid Schauqi, 50 Jahre alt, verheiratet, geboren in „Geli Ghassemlu“ im Gefängnis von der Stadt Urmiye (Wurme) und Jalil Ziwey, 30 Jahre alt, aus der Stadt Sardascht hingerichtet worden sind. Das Regime hat ihre Familie gezwungen, die Leichen in Dunkelheit und ohne Wissen der Öffentlichkeit und ohne einen Trauertag danach zu begraben.
Chalid Schauqi war jahrelang aktives Mitglied der Partei. Seit 1989, nachdem er aus familiären Grün-den nicht mehr Vollzeit für die Partei arbeiten konnte, hat er das Land verlassen, mit der Hoff-nung, in einem anderen Land ohne Verfolgung leben zu können. In der Türkei wurde er aber fest-genommen und ist in den Iran ausgeliefert worden. Dort hat man ihn sofort ins Gefängnis geschickt, jahrelang gefoltert und er wurde wegen Mitglied-schaft in der DPK-I zum Tode verurteilt (Quelle: Brayeti, 17.10.02) 

Neue Hinrichtungswelle 
in Ost-Kurdistan 
Neben neuer Konzentration von iranischen Truppen in Kurdistan hat das Mullah Regime in Teheran seine Repressalien gegen das kurdische Volk ver-schärft. Kurdische Parteien berichten  von neuen Hinrichtungen ihrer Mitglieder. In den letzten zwei Wochen sind drei Mitglieder der DPK-I (Demokra-tische Partei Kurdistans- Iran) hingerichtet worden. Vielen weiteren Inhaftierten droht das gleiche Schicksal. Es ist nicht Zufall, dass Haschemi Rafs-sanjani, damaliger Präsident und heutiger Leiter des „Gremiums der Inspekteuren des islamischen Sys-tems“ unangemeldet nach Kermaschah (größte kurdische Stadt) reist. In dieser Zeit ist von einem bevorstehenden militärischen Angriff der USA auf den Irak die Rede und gleichzeitig setzt sich das kurdische Parlament erst nach acht Jahren wieder zusammen, um vor allem sich für die neuen Wahlen vorzubereiten, die zwei geteilte regionale Verwal-tungen zusammenzuschließen und ihr neues Konzept für einen  föderativen Staat nach Saddam Hussein und für ein föderales Kurdistans innerhalb des Irak zu ratifizieren. Der Iran, wie die Türkei auch, befürchtet, das die positiven Entwicklungen in Süd-Kurdistan ein Vorbild für die Kurden in anderen Teilen Kurdistans wird. Die Türkei will die Gründung eines föderalen Kurdistans auch mit militärischen Mitteln verhindern, gleichzeitig fordert sie noch mehr Autonomie und Rechte für die in Kurdistan lebende turkmenische Minderheit.  
Rafsanjani reiste damals auch an der Spitze der Generäle seiner Armee  nach Kurdistan, um sie bei dem Krieg gegen die Kurden zu stärken. Seine jetzige Reise nach Kurdistan und  der gleichzeitige Beginn einer neuen Welle von Hinrichtungen soll eine drohende Botschaft an die  Kurden in Iran sein, sich wegen den neuen Entwicklungen in Süd-Kurdistan keine  Hoffnungen zu machen. Mit der Konzentration und Verstärkung der Truppen an der Grenze zu Süd-Kurdistan und der Schließung von Grenzübergängen  will das Regime den Druck auf Süd-kurdische Parteien erhöhen und die Gründung eines föderalen Kurdistans verhindern. Nach einem Bericht der persischsprachigen Radiosendung in Israel hat der amtierende iranischer Präsident Mo-hammad Chatemi gedroht, jede Erweiterung der kurdischen  Autonomie im Irak  verhindern zu wollen. (Quelle: Peyke Iran 16.10.02)  

Steinigungen in Ost-Kurdistan
Die iranischen Sicherheitskräften steinigten am 25.10.02. eine Frau mit dem Namen „Goli Nick-chu“ und einen Mann Namens „Junes Asaadi“  in der Stadt „Naghadeh“. Sie wurden vor 12 Jahren festgenommen und waren seitdem im Gefängnis. Man hat ihnen vorgeworfen, in einer nichtehelichen  Beziehung  miteinander gewesen zu sein und des-halb sind beide nach islamischen Gesetzten zum Tode in Form von Steinigung verurteilt worden. Sie wurden vor den Augen der Öffentlichkeit  auf ei-nem Platz in der Innenstadt bis zur Hüfte in eine Kluft begraben und dann mit Steinen beworfen, bis sie starben. (Quelle: Pressebericht von Komala, Nr. 85, 18.10.02)    

Iran auch will die Entstehung eines kurdischen Staates in Süd-Kurdistan mit allen Mitteln verhindern
Das Mullah-Regime in Teheran hat sich mit noch schärferen Tönen gegen die Gründung eines unab-hängigen Kurdistans geäußert. Der amtierende iranische Präsident Mohammad Chatami, der sich  wegen Teilnahme an der Sitzung  der EKO- Mitgliedstaaten in Istanbul aufhielt, betonte, ein Kurdenstaat sei eine Gefahr für den Iran und andere Staaten der Region. Sein Land will das mit allen Mitteln verhindern. Die Mullahs hatten bis jetzt die regionale Verwaltung im irakischen Kurdistan nur geduldet. Weiterhin sagte Chatami, die islamische Republik Iran sei prinzipiell gegen jegliche Unabhängigkeit von nationalen, religiösen und ethnischen Gruppierungen. Alle Staaten dieser Region müssen  sich für den Erhalt der territorialen Integrität Iraks einsetzen. Seit der Wiedereröffnung des kurdischen Parlamentes hat der Iran auch seine Töne gegen Kurden in Irakisch-Kurdistan und Un-terdruckung seinen eigenen Kurden im Iran massiv verschärft. Die Teheraner Machthaber befürchten, dass ein kurdischer föderaler Staat im Nordirak ein Vorbild für die Kurden im Iran wird. In Teheran hat sich der Sprecher des Auswärtigen Amts „Ha-midreza Assefi“ auch gegen neue Entwicklungen in Kurdistan geäußert und gedroht, man werde im Interesse seines Landes jede Entwicklung, die zur Entstehung eines Kurdenstaates führt, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern.
Es ist auch interessant zu erwähnen, dass sich Herr Haidar Alijew, Präsident von der damaligen Sow-jetrepublik und heute unabhängigen  Aserbaidjan auch gegen ein unabhängiges Kurdistan ausgespro-chen hat. Er war auch zur der Sitzung der EKO- Mitgliedstaaten nach Istanbul eingeladen worden. In einem Interview sagte er: „Gründung eines Kur-denstaates ist nicht zu dulden“. Die kurdischen Parteien haben in den letzten Wochen und Monaten allen Staaten Türkei, Iran, Syrien und Irak versi-chert, keinen souveränen Staat gründen zu wollen. Sie wollen innerhalb der irakischen Grenzen bleiben und gemeinsam mit anderen irakischen Oppositionellen  für einen demokratischen Irak kämpfen, wo ihre nationalen Rechte auch gesichert sind.  (Quelle: Radio Israel in persischen Sprache, 19.10.02)

Meinungsforscher wegen
Umfrageergebnis verhaftet
Der iranische Meinungsforscher Behruz Geran-payeh ist wegen eines pro-amerikanischen Umfra-geergebnisses verhaftet worden. Wie die staatliche Zeitung Iran am Donnerstag berichtete, wirft die Justiz dem Leiter des Nationalen Meinungsfor-schungsinstituts Nirs vor, bei zwei Umfragen über die USA falsche Ergebnisse ermittelt zu haben. 75 Prozent der Befragten hatten darin die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zum iranischen Staats-feind USA befürwortet. Die Umfrageergebnisse hatten in konservativen Kreisen wütende Reaktio-nen ausgelöst. Nirs hatte im Auftrag von Reformpolitikern Menschen befragt. Der Auswärtige Ausschuss des Parlaments hatte mehrfach die Richtigkeit der Ergebnisse bestätigt.
Der Abgeordnete des Reformflügels, Ahmed Bur-qani, und der Leiter der amtlichen Nachrichtenagentur Irna, Abdullah Nasseri, wurden deswegen vor Gericht geladen. Geranpayeh soll nun wegen der Verbreitung von Lügen angeklagt werden. (Quelle: Frankfurter Rundschau, 18.10.2002)

Gelderpressungen auch in Süd-Kurdistan
PCDK, der verlängerte Arm der KADEK (PKK-Nachfolgepartei) in Süd-Kurdistan hat in den letz-ten Wochen Bauern aus den Dörfern „Horneh“ und „Berehschken“ in der Grenzregion „Sedekan“ ge-zwungen, dieser Partei pro Kopf einen Betrag in Höhe von 50 irakische Dinar zu zahlen. Das sind Ackerbauer und Viehzüchter, die im Sommer in die Gebirge  umziehen, um ihr Zuchtvieh, ihre wichtige Einnahmequelle, zu grasen. PCDK-Leute haben andere Dorfbewohner in der Umgebung auch ver-pflichtet, den o.g. Betrag unverzüglich an die Partei zu zahlen. Die Bauern fühlen sich erpresst und sagen, dass sie in diesem Jahr vor allem, wegen schlechter Konjunktur in der Region ihre landwirt-schaftlichen Erzeugnisse nicht verkaufen konnten.    (Quelle: Media, Nr. 134, 15.10.02)
Einem Bericht des Reporter von Hawelati zufolge sind die Guerillas von der KADEK am 11.10.02 in das Dorf „Kolitan“ eingedrungen und verlangten von Dorfbewohnern 50 bis 100 Dinar  pro Haus-halt. Man hat die Peschmergas von der KDP be-nachrichtigt und dabei kam es zum Schusswechsel zwischen beiden Parteien. Es gab keine Toten oder Verletzte. KADEK-Leute mussten sich dann unter dem Druck der Peschmergas und der Bevölkerung zurückziehen. (Quelle: Hawelati, Nr. 95, 21.10.02)

Zur Aufklärung des Schicksals von 182.000 Anfal-Opfer bittet das Men-schenrechtsbüro in Süd-Kurdistan die Menschenrechtsorganisation der Ver-einten Nationen um Zusammenarbeit
Im folgenden dokumentieren wir den Inhalt des Schreibens vom kurdischen Menschenrechtsbüros:

Sehr geehrte MitarbeiterInnen von Menschen-rechtsorganisation  der Vereinten Nationen,
Sehr geehrter Herr Andreas Mafromatis, zuständig für die Einhaltung der Menscherechte in Irak!

Nach ihrer Gründung im Jahre 1945 haben die Vereinten Nationen im § 1 ihrer Deklaration die Einhaltung der allgemeinen Menschenrechte und Gewährleistung des Friedens für alle Völker zusi-chert und haben auf das Recht aller Völker, in Frieden und Freiheit und auf der Basis von Gleichberechtigung ihr Schicksal selbst zu bestimmen, betont. Damit wurden alle Mitglieder der Vereinten Nationen, darunter der Irak auch, vertragsgemäß verpflichtet, diese besonders zu achten und zu praktizieren.
Der Irak hat aber, schon seit seiner Gründung, nicht einmal auf diese Verpflichtungen geachtet, sondern im Gegensatz zu den allen unterschriebenen inter-nationalen Abkommen hat er vertragswidrig gehan-delt und  die Menschenrechten massiv verletzt.
Seit der Machtübernahme der Baathpartei 1968 hat das irakische Regime mehrmals die elementaren Rechte seiner eigenen Staatsbürger mit Füßen getreten. Unter diesen Gräueltaten leidet insbesondere das kurdische Volk. Die kurdische Bevölkerung ist ständig der Verfolgung, Vertreibung, ethnischer Säuberung, Massakern und Vernichtung durch C-Waffen von der Seite des Regimes ausgesetzt. Dieses wurde alles bewiesen und von Menschenrechtsorganisationen bestätigt und dokumentiert.    
Heute ist das Regime wegen seinen völkerrechts-widrigen Handlungen international isoliert und unter Druck gesetzt. Von daher bitten wir Sie, ge-mäß § 25, Absätze 39, 40 und 41 der Vereinten Nationen, die irakische Regierung dazu zu zwingen, den folgenden Forderungen unverzüglich nachzu-kommen:

1. Aufklärung des Schicksals von 182.000 Kurden, die von irakischen Militärs wäh-rend der berüchtigten Anfal-Operationen spurlos verschunden sind. 
2. Aufklärung des Schicksals von acht Tau-send Barzani Kurden, sowie von Tausen-den Faili-Kurden, die mit einem Beschluss des sogenannten irakischen Revolutionsrat verschleppt wurden und bislang von ihnen jede Spur fehlt.
3. Freilassung aller politischen Gefangenen und lückenlose Aufklärung des Schicksals der politisch Inhaftierten, die seit 1968 spurlos verschwunden sind. 
4. Gründung einer Untersuchungskommissi-on von Menschenrechtsorganisationen, die unbeschränkt die Haftbedienungen  aller bekannten und geheimen Gefängnissen un-tersucht. 
5. Zulassung von Menschenrechtlern, die die Einhaltung der Menschenrechte im gesam-ten Irak beobachten. 
6. Sofortige Beendigung der Politik von eth-nischen Säuberungen                                                                                                  (Quelle: Kurdistani Newe,,  Nr. 2896, 23.10.02)  
 
 

Saddams Regime verbietet kurdischen Sprachunterricht
Bisher gab es nur zwei Schulen in der kurdischen Stadt Machmur, wo die kurdischen Kinder Kur-dischunterricht hatten. Die Stadt ist noch unter der Kontrolle des irakischen Regimes.  Parallel zu der Arabisierungskampagne der Zentralregierung in Bagdad gegen alles, was kurdisch ist, hat Saddam Hussein diese noch gebliebenen kurdischen Schu-len (Machmur- und Missaghschule) von seinen zu-ständigen Behörden schlissen lassen. Die kurdischen Schülerinnen und Schüler sind gegen ihren Willen in eine andere arabische Schule (7.Nissan Schule) verlegt worden. Quelle: Birayeti, Nr. 3816, 14.10.02) 

Einwanderer: Leichen auf Lesbos
Die griechische Küstenwache hat gestern auf der griechischen Ägäis-Insel Lesbos die Leichen von sechs Einwanderern entdeckt. Die Küstenwache ging davon aus, dass sie bei dem Versuch ertranken, die Meerenge zwischen der türkischen Küste und Lesbos zu überqueren. (Quelle: dpa,17.10.02)
 

Verehrte Leserinnen und Leser,

Der IMK e.V. führt in Kooperation mit der Medizinischen Flüchtlingshilfe Bochum eine Veranstaltungsreihe zum Thema „Trauma und Therapie“ durch. Die erste Veranstaltung hat am 21. September 2002 in Köln stattgefunden. Die zweite Veranstaltung wird am 16. November 02 wiederum in Köln durchgeführt. Das gesamte Programm der Veranstaltungsreihe können Sie unserer WEB-Seite entnehmen.
Auch das Programm der Wochenendtagung „Kurden im Irak und in der Türkei – ihre Zukunft zwischen Aghas, Sheiks und Öl-Multis“ vom 6.12. bis 08.12.2002, in der Ev. Akademie Bad Boll kann über uns bezogen oder von unserer WEB-Seite www.kurden.de heruntergeladen werden.

Neue Publikation
Liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Interessierte,

der IMK e.V.  möchte alle Interessierten und MitarbeiterInnen in der Flüchtlingsarbeit auf die Diplomarbeit von Herrn Mehmet Bayval zum Thema „Psychosoziale Entwicklung von Kinderflüchtlingen“ hinweisen. 
In der Diplomarbeit werden die Rahmenbedingungen, unter denen Kinderflüchtlinge in der Bundesrepublik leben, dargestellt. Hierbei werden psychologische, soziologische, ethnologische, politische, und rechtliche Gesichtspunkte berücksichtigt.  
Im ersten Teil der Diplomarbeit werden die notwendigen Definitionen, die Fluchtursachen, Statistiken und internationale bzw. nationale gesetzliche Grundlagen veranschaulicht. Hierbei handelt es sich, um Fragen des Bleiberechts, um Aufenthaltstitel, sowie, um Einreiseverfahren. 
Im zweiten Teil werden die konkrete Lebenssituation, die psychosoziale Entwicklung der Kinderflüchtlinge – z.B. in den Bereichen Unterbringung, Bildung und Identitätsentwicklung, unter Herausarbeitung der Maßnahmen, die die Lebenssituation der jungen Flüchtlinge beeinflusst – im Mittelpunkt stehen. 

Die Diplomarbeit kann in gebundener Form bei uns gegen die Errichtung eines Betrages von 6,-- Euro ( inkl. Versandkosten) bestellt werden. 

FOTOAUSSTELLUNG
des IHD-Vorstandsmitglieds Saban Dayanan in Wiesbaden

Flüchtlingsrat Wiesbaden hat eine Fotoausstellung von Saban Dayanan organisiert. Parallel dazu werden Veranstaltungen zur Türkei durchgeführt. Nähere Informationen über Flüchtlingsrat Wiesbaden, Tel.: 0611 / 49 52 49 oder email: fluechtlingsrat@naspa-online.de 
 

Wie zuvor auch diesmal möchten wir an Sie appellieren, uns mitzuteilen falls Sie eine e-mail-Adresse haben, denn der Versand über e-mail ist kostengünstiger und schneller.

Wir möchten Sie gleichzeitig auf unsere WEB-Seiten hinweisen, die interessante Beiträge enthält:

· 
· Die gemeinsame Presseerklärung von GfbV, KOMKAR, Kurdische Gemeinde in Deutschland ung IMK e.V. vom 24. Oktober (in Deutsch)
· Ein Bericht des Turkish Daily News über das Dorfschützersystem (Deutsch und Englisch)
· Presserklärung des IMK e.V. zum 40. Jahrestag der rassistischen Sondervolkszählung in Syrien (Deutsch)
· Eine Analyse über das Verhalten der türkischen Medien während den Bundestagswahlkampfes in Deutschland (Deutsch) 
· Ein Jahresbericht der PSK über die Entwicklungen in der Türkei und Nord-Kurdistan (Deutsch und Englisch)
· Ein Artikel vom Ashiti Amir über Syrien und Syrisch-Kurdistan (Deutsch)
· Die Erklärung der PSK zum „EU-Anpassungspaket“ des Türkischen Parlaments (Deutsch und Englisch)
· Der Artikel „Kurden und Kurdistan“ von Shahin Sorekli aus Australien (Englisch)

Diese Beiträge tragen nicht unbedingt unsere Meinung, sondern geben die aktuell für unser Themengebiet inte-ressanten Diskussionen wieder. Besuchen Sie doch einmal www.kurden.de.

Mit freundlichen Grüßen, 

Ihre Redaktion

   ISSN 1438- 08 Herausgeber: IMK e.V., Postfach 07 38, D-53137 Bonn, Telefon: + 49 228 362 802,   Fax: + 49 228 363 297, E-Mail: IMK-Bonn@t-online.de und imkkurds@aol.com   Besuchen sie auch unsere Website: http://www.kurden.de    Verantwortlicher Leiter: Abubekir Saydam   Abonnementbedingungen (pro Jahr):· Stiftungen, Parteien, Regierungen und internationale Organisationen sowie Gremien: Euro 92,00 · Gerichte, Rechtsanwälte, Menschenrechtsorganisationen, Flüchtlingsberatungsstellen: Euro 46,00 · Förderabonnement, Einzelpersonen und kleinere Vereine: Euro 31,00    Spendenkonto: Volksbank Bonn (BLZ: 380 60 186),   Konto-Nr.: 201 246 90 23
 

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KOMKAR, den kurdiske forening i DK.
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telefon & fax  +45 33 13 75 01

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