Kurds.dk > Deutsch
Main Page
News Sources in English
Archive
Links

Contact
Contact

Search
Site search
Web search
powered by FreeFind


 

 

| Dansk | English | Deutsch | Français | Kurdî | Türkçe | Farisî | Erebî |

Kurds.dk > deutsch


Internationaler Verein für Menschenrechte der Kurden 
IMK Wocheninformationsdienst
Datum: 5. Oktober – 16. Oktober 2002        Nummer: 170

In der Türkei werden dringend kurdisch sprechende Polizisten gesucht
Der Vorstand der türkischen Sicherheitsbehörde hat eine Anzeige herausgegeben in der er kurdisch sprechende Polizisten sucht, um sie in Orten einzu-setzen, in denen Bürger „kurdischer Abstammung“ leben.
Dies ist eine Entwicklung infolge des Reformpa-kets, zu der auch die Legalisierung von Unterricht sowie Fernseh- und Radiosendungen in kurdischer Sprache gehören. Viele Kurden, vor allem Ältere, sprechen kein Türkisch deshalb die Suche nach kurdisch sprechenden Polizisten für Gebiete in denen hauptsächlich Kurden leben.
Früher bildete schon der Verdacht kurdisch zu sprechen für Polizisten eine Gefahr ihren Job zu verlieren, jetzt scheinen solche Sprachkenntnisse  in einer sich wandelnden Türkei nützlich zu sein. Besonders im Südosten (Nord Kurdistan) gibt es mit der ländlichen Bevölkerung grosse Verständi-gungsschwierigkeiten. 
Dennoch es ist nicht klar, ob die Einführung kur-disch sprechender Polizisten zur Hilfe „Bürger kurdischer Abstammung“ sein soll, oder zu deren Verhören. (Quelle: KurdishMedia com, 30. 09. 02)

Separatismusanklage wegen eines 
kurdischen Sprichwortes
Der Kandidat der CHP (Republikanische Volkspar-tei) Orhan Ekmen hat bei einer Wahlveranstaltung in der Kreisstadt Kozluk der Provinz Batman das Wahlvolk in kurdisch begrüßt und ein kurdisches Sprichwort zitiert.
Daraufhin wurde vom Staatsanwalt in Kozluk ge-gen den Kandidaten Ekmen eine Untersuchung wegen „Verstoß gegen die Wahlbestimmungen und des Separatismus“ eingeleitet.
Laut der Richtlinien der Zentralen Wahlkommissi-on in Ankara vom 08. August 2002 „darf während des Wahlkampfes außer Türkisch keine andere Sprache, und zwar weder in Wort noch in Schrift verwendet werden.“ (Quelle: Hürriyet, 09.10.02)

Bemerkung der IMK-Redaktion:
Die Mogelpackung der „EU-Anpassungsgesetze“ vom 03. August diesen Jahres wird dadurch noch einmal deutlich.
Während die türkische Seite behauptet, dass mit diesem Gesetzespaket „endlich“ Kurdisch nicht mehr verboten wäre, verabschiedet die zentrale Wahlkommission in Ankara am 08. August Richtli-nien, in denen - ohne namentlich zu nennen – Wahlpropaganda in kurdischer Sprache verboten wird.

Kurdische Sprachkurse für nicht 
türkischsprechende Bürger verboten
Die Hauptgründe der EU Beitrittsvoraussetzungen, die noch nicht umgesetzt würden, seien ein Grund die Wahlen auf einen späteren Zeitpunkt zu ver-schieben, erklärte der Vorsitzende der “Mutterland Partei“ Mesut Yilmaz.
Einige der Voraussetzungen würden noch zu politi-schen Debatten führen.
Während des nächsten Kabinetttreffens soll unter der Leitung des Erziehungsministers über die Grundbedingungen zur Teilnahme am Kurdischun-terricht gesprochen werden.
Schüler, die das 18. Lebensjahr vollendet haben
8 Jahre Grundschule mit Diplom abgeschlossen 
In anderen Worten: zuerst türkisch sprechen können und türkische Erziehung, und dann weitere Verbote die Kleidung betreffend: männliche Kopfbedeckun-gen, Uniformen und Pullover in den Farben der Fahne, gelb, rot und grün.

Geschichte und Geographie verboten
In der betreffenden Vorschrift wird das Wort „Kur-disch“ ausdrücklich verboten. Generell ist die Rede von „Unterricht in unterschiedlichen Sprachen und Dialekten die von Türken gesprochen werden“. Der Unterricht wird streng nach den Vorschriften des MEB ausgerichtet sein, genau wie Englisch, Fran-zösisch oder Arabisch.
Der Erziehungsrat legt die Fächer fest, in denen Geschichte, Geographie, Politik, Mathematik oder Wissenschaften ausgenommen sind, weil sie das Ziel haben könnten, Kurdisch zu lehren. Sollten diese Vorschriften nicht beachtet werden, könnten sie zum Anlass genommen werden, den Unterricht wieder einzustellen. Damit will man verhindern, dass sich aus diesen Unterrichten möglicherweise Alternativschulen entwickeln, und um der Propa-ganda separatistischer Organisationen vorzubeugen.

Überwachte zweistündige Fernsehübertragung
RTUK gibt auch dem „Kurdischen Fernsehen“ den letzten Schliff.
Die Meinungen von Organisationen wie Nationaler Sicherheitsrat und MIT wurden auf Grund der Sen-sibilität dieser Angelegenheit eingeholt..
Nach dem ersten Entwurf werden die Sendungen nur über die staatliche Agentur erfolgen, wegen der Befürchtung, gewisse TV Kanäle könnten von separatistischen Organisationen unterstützt und für kurdisches Fernsehen ausgenutzt werden. Private Fernsehsender dürfen nicht in kurdischer Sprache senden. Das TRT wird jedoch in einem seiner Kanäle, GAP, täglich für 2 Stunden in Kurdisch, anderen Sprachen bzw. Dialekten ausstrahlen.
Das Kabinett wird jedoch das letzte Wort haben.

Grunderwerb wird streng überwacht
Nach Meinung der ausführenden Behörde in Bezug auf den Erwerb von Grund und Boden, sagte Staatsminister, Ali Dogan, würde dies bei Minder-heiten streng geprüft. 
Nach den Vorschriften. können Minderheiten ihr gemeinsames Eigentum jetzt innerhalb von 6 Monaten nachträglich eintragen lassen, wenn sie es auf Grund der alten Gesetze vorher nicht konnten. Allerdings müssen sie ihren Anspruch darauf, selbst wenn sie es bereits jahrelang benutzten, durch Quit-tungen für Strom -Wasser -und Erdgasrechnungen belegen.
Eigentum Einzelner wird nicht ins Grundbuch ein-getragen. (Quelle: Sabah, 18. 09.02)

Werden Kurdisch-Sendungen in 
Zukunft möglich sein?
Nach Angaben der türkischen Tageszeitung Milliyet vom 10.10.02 hat die Zentrale Überwachungskommission für Radio- und Fernsehsendungen (RTÜK), nach dem sie die Meinung des Nationalen Sicherheitsrates (NSR), des Generalstabs und der anderen staatlichen Institutionen (gemeint ist u.a. der Geheimdienst MIT, Bemerkung der IMK-Redaktion) eingeholt hat endlich die Richtlinien für „Kurdisch“-Sendungen in Radio und Fernsehen erlassen.
In diesen Richtlinien kommt das Wort Kurdisch nicht vor. Stattdessen ist die Rede von „traditionel-len Alttagssprachen und Dialekte von türkischen Staatsbürgern“.
Laut Richtlinien dürfen die Sender zuallererst eine schriftliche „Treue-Garantie“ geben, in der sie versichern, dass sie „die Verfassung der Republik Türkei in allen ihren Bestimmungen achten, und garantieren ihre Sendungen gemäß der Einheit des Staates und der Nation sowie den Bestimmungen der RTÜK gestalten werden“.
Die Sender können einen Antrag lediglich für eine Sprache oder für einen Dialekt stellen.
Radiosender dürfen in der Woche an einem Tag und an Wochenenden an einem Tag, höchstens aber 6 Stunden lang in der genehmigten Sprache oder Dialekt senden. Die gesendeten Programme müssen anschließend auch in Türkisch wiedergegeben wer-den.
Die Fernsehsender können in der Woche lediglich an einem Tag, und zwar höchstens 2 Stunden sen-den. Während der Sendung muß die türkische Ü-bersetzung im Untertitel eingeblendet sein.
Sendezeiten dürfen auf keinen Fall überschritten werden. Eine Programmänderung der Sender bedarf erst einer Genehmigung der RTÜK.
Nun ist die Öffentlichkeit im IN- und Ausland ge-spannt, ob unter solchen Bedingungen überhaupt muttersprachliche Sendungen in Kurdisch, sei es von den staatlichen Sendern sei es von Privaten, in Zukunft möglich sein werden oder können. Denn die Richtlinien der RTÜK bilden unüberwindbare Hürden und große Risiken insbesondere für die privaten Sender.
Das türkische Parlament und die Regierung hat nach der Verabschiedung der „EU Anpassungsge-setze“ behauptet, die Kopenhagener Kriterien er-füllt zu haben. Das Geschrei der türkischen Seite über die Aufhebung des Verbotes der kurdischen Sprache konnte man sogar am Nordpol hören!
Das hässliche Gesicht des türkischen Nationalismus wird durch die beschlossenen, bzw. erlassenen Richtlinien für den „Kurdisch-Kurs“, für die „Kur-disch-Sendungen“ und Verbot der Kurdischen Sprache während der Wahlkampfveranstaltungen sichtbar. Weder in dem verabschiedeten Gesetzes-paket vom 03. August noch in den Richtlinien kommt das Wort „Kurdisch“ oder  die „kurdische Sprache“ vor. Ist das die Anerkennung der kurdi-schen Identität und die Erfüllung der Kopenhagener Kriterien? 
Angesichts dieser Farce appellieren wir sowohl an die Bundesregierung als auch die europäischen Institutionen wie Europa Parlament und Europarat, sowie die EU-Kommission für die Erweiterung, dringend tätig zu werden. (Quelle: IMK e.V., 12.10.02)

Einreiseverbot für Haluk Gerger
 in die USA
Am 1. Oktober wurde dem türkischen Politikwis-senschaftler und Menschenrechtler, Haluk Gerger und seiner Frau, in New York die Einreise in die USA nicht gestattet mit der Begründung, sein für 10 Jahre ausgestelltes Visum sei vom State De-partment aufgehoben worden. Das Ehepaar Gerger wurde mit dem gleichen Flugzeug nach München zurückgeschickt.
Gerger gehört zu den Wissenschaftlern, die in der Türkei wegen ihres Einsatzes für die Meinungsfrei-heit verfolgt wurden. 1996 erhielt er von der Ame-rikanischen Vereinigung für den Fortschritt der Wissenschaft (AAAS) einen Preis wegen seines aktiven Engagements für die Förderung und den Schutz der Menschenrechte. Im selben Jahr war er auch einer der Träger des Hellmann-Hammett-Preises von Human Rights Watch für verfolgte Schriftsteller. (Quelle: Info-Turk, 06.10.02)

Haft für Kurdische Musik
Der Staatsanwalt (StA) am SSG Diyarbakir hat Haydar Çevik (20), Abdi Çevik und A.Y (17) we-gen Unterstützung der PKK/KADEK angeklagt. Sie waren am 6. September in Sirnak in U-Haft genommen worden, nachdem sie sich kurdische Musik angehört hatten. (Quelle: Özgür Gündem, 04.10.02)

TKEP/L Verfahren in Istanbul
Am 4. Oktober sprach das SSG Istanbul das Urteil in einem Verfahren mit 7 vermeintlichen Mitglie-dern der Kommunistischen Arbeiterpartei der Türkei/Leninist (TKEP/L). Die Anklage hatte gewaltsame Aktionen, u.a. die Ermordung des Polizisten Ebubekir Yildirim am 10. Juli 1993 eingeschlossen. Das Gericht verurteilte Ümit Onursal Özat und Serif Kartoglu zu lebenslanger Haft ohne die Möglichkeit einer vorzeitigen Entlas-sung. Jedoch wurde Serif Kartoglu, der sich seit über 400 Tagen im Todesfasten befand, aufgrund seines Gesundheitszustandes freigelassen. Necdet Temel wurde zu 36 Jahren und Nurettin Vural zu 30 Jahren Haft verurteilt. Yilmaz Eksi wurde freigesprochen. Das Verfahren gegen Ali Riza Özgür wurde wegen Verjährung eingestellt. Das Verfahren gegen Mahmut Murat Ördekçi war zuvor schon eingestellt worden, weil er im Todesfasten verstorben war. (Quelle: Yeni Safak, 05.10.02)

Zeitungsverteiler verprügelt
Metin Acet, der für das Verteilen der Tageszeitung “Yeniden Özgür Gündem” in Gaziantep zuständig ist, gab bekannt, dass der Verteiler Mehmet Türk-men von Polizisten verprügelt wurde, als er ihnen die Liste der Abonnenten nicht zeigen wollte und sagte, dass er sie nicht dabei habe. (Quelle: Özgür Gündem, 09.10.02)

Journalist verurteilt
Die 6. Kammer des SSG Istanbul verurteilte Meh-met Sevket Eygi für seinen Artikel “Terror von religiöser Feindschaft”, den er in seiner Kolumne in der Tageszeitung “Milli Gazete” veröffentlicht hatte. Er und der Chefredakteur Selami Çaliskan wurden zu je 20 Monaten Haft verurteilt. Die Strafe von Caliskan wurde in eine Geldstrafe von 1,84 Milliarden TL verwandelt. Der Zeitung wurde ein Erscheinungsverbot von 3 Tagen auferlegt.  (Quelle: Hürriyet, 10.10.02)

Kurdische Zeitschrift „bestraft“
Am 10. Oktober mussten sich Besitzer und Chefre-dakteur der kurdischen Zeitschrift “Azadiya Welat” vor dem SSG Istanbul verantworten. Sie waren wegen Fotos vom PKK/KADEK Führer Abdullah Öcalan und Militanten seiner Organisation nach verschiedenen Strafbestimmungen angeklagt wor-den. Der Besitzer, Mehmet Nuri Karakoyun, und der ehemalige Chefredakteur, Mehmet Salih Turan, wurden von Vorwürfen nach § 312/2 TSG und Artikel 8 des Anti-Terror Gesetzes freigesprochen. Mehmet Nuri Karakoyun wurde auch vom Vorwurf unter § 169 TSG freigesprochen, aber Mehmet Salih Turan erhielt eine Strafe von 4,5 Jahren Haft. Sie wurde in eine Geldstrafe von 7,8 Milliarden TL verwandelt. Der Zeitschrift wurde ein Erschei-nungsverbot von 15 Tagen auferlegt. (Quelle: Özgür Politika, 11.10.02)

Verfahren wegen kurdischen Namens
Die Meldebehörde in Mersin hat ein Verfahren gegen die Familie Yilmaz angestrengt. Sie soll damit gezwungen werden, ihrem 7-jährigen Sohn einen anderen Namen als “Rojhat” (Sonnenaufgang) zu geben. Das Verfahren soll am 26. November vor der 3. Kammer des Zivilgerichtes in Mersin beginnen.  (Quelle: Özgür Politika, 11.10.02)

IHD: Rechtsverletzungen 
in der Region nehmen ab
Die Diyarbakir Sektion des IHD hat seinen Bericht über die Menschenrechtsverletzungen vom August /September diesen Jahres vorgestellt. Der IHD-Vorsitzende von Diyarbakir, Selahattin Demirtas hat bei der Presseerklärung im IHD-Büro der Sekti-on gesagt, dass die Anträge und Rechtsverletzungen vom August und September 2002 im Vergleich zum selben Zeitraum des letzten Jahres um 300% abgenommen haben. Demirtas, der mitteilte, dass die Monate August und September 2001 eine beunruhigende Zeit waren, sagte: „Auf Grund der Sensibilität und Vorsicht hat die Region in diesem Jahr eine Zeit fern von Vorfällen und Gewalt erlebt.“ Demirtas, der darauf aufmerksam machte, dass in der Region insbesondere die Feiern zum Weltfriedenstag am 1.September meist von Gewalt und Auseinandersetzungen überschattet waren, sagte folgendes:
„Dieses Jahr wurden die Feiern zum Weltfriedenstag am 1.September sowohl durch die Vorsorge des Volkes, der zivilen Organisationen als auch der öffentlich Verantwortlichen in friedlicher Atmosphäre durchgeführt.“

Lösung für Selbstmorde
Demirtas erwähnte, dass aufgrund der höher wer-denden Zahl von Selbstmordversuchen eine Arbeit begonnen worden ist, an der zivile Organisationen in hoher Zahl teilnehmen, er sagte, dass nach er-folgreicher Arbeit dies der Öffentlichkeit bekannt gemacht wird. Demirtas sagte: „Wir wünschen uns, dass mit einer Aufhebung des Ausnahmezustand nach einer kurzen Zeit eine Freiheit erlebt werden kann und es gleichzeitig zu einer noch stärkeren und ernsthaften Verringerung der Rechtsverletzun-gen führt.“ ... (Quelle: DIHA, 07.10.02)

Türkei laut EU-Bericht noch nicht reif für Beitrittsverhandlungen
Die Türkei kann sich noch keine Hoffnungen auf baldige Beitrittsverhandlungen mit der Europäi-schen Union machen. Zu diesem Schluss kommt die EU-Kommission nach Informationen der "Frankfurter Rundschau" (Samstagausgabe) bei der routinemäßigen Bewertung der "Reife" der insge-samt 13 Anspirantenstaaten durch die Brüsseler Behörde. Der Zeitung liegt nach eigenen Angaben der Entwurf des "Fortschrittsberichts" vor, den die EU-Kommission weitgehend fertig gestellt habe. Darin bescheinige Brüssel der Türkei zwar gewisse positive Entwicklungen. In zentralen politischen und rechtlichen Aspekten sei das Land aber noch weit davon entfernt, EU-Standards zu genügen, so die Zeitungsberichte.
Ankara habe dem Bericht zufolge einiges auf den Weg gebracht. Gleichwohl seien die "Auswirkun-gen der Reformen noch begrenzt", und es gebe nur "wenige klare Signale", dass diese "umfassend umgesetzt und ausgelegt" würden. Im Einzelnen bemängelt die Expertise laut Zeitungsbericht den immer noch "restriktiven" Charakter des im Frühsommer geänderten türkischen Gesetzes über Vereinigungen. Es gebe nach wie vor "zahlreiche Begründungen", mit denen politisch unliebsame Bewegungen verboten werden könnten. Kritisch angemerkt werde auch, dass für Häftlinge, die von Staatssicherheitsgerichten verurteilt wurden, die Isolationshaft angewandt werden könne.
Nachholbedarf sehe die Kommission auch hinsicht-lich der wirtschaftlichen Beitrittskriterien. (Quelle: dpa, 04.10.02)

Türkisches Verfassungsgericht weist 
Antrag gegen EU-Reformen ab
Das türkische Verfassungsgericht hat am Dienstag einen Antrag der mitregierenden Nationalisten, einige der Anfang August vom türkischen Parlament verabschiedeten Reformgesetze im Eilverfahren außer Kraft zu setzen, einstimmig abgewiesen. Die MHP unter Vizeregierungschef Devlet Bahceli hat unter anderem gegen die Abschaffung der Todesstrafe und die Gewährung kultureller Rechte für die Kurden Verfassungsklage erhoben. Von den Reformen erhofft sich die Türkei eine baldige Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union (EU). (Quelle: dpa, 08.10.02)

Ecevit droht mit möglichem Angriff 
gegen Kurden in Nordirak
Der türkische Ministerpräsident Bülent Ecevit hat den Kurden im Nordirak im Falle von Unabhängig-keitsbestrebungen mit einem möglichen Angriff gedroht. "Unsere Augen werden auf Nordirak gerichtet sein, und wir werden die nötigen Maßnah-men ergreifen, sollte die kleinste negative Entwicklung auftreten", sagte Ecevit am Sonntag dem Fernsehsender TV8, wie die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Einen Angriff schließe er nicht aus. Die Türkei hatte zuvor bestätigt, dass bereits eine "gewisse Anzahl" von Soldaten in Irak sei. (Quelle: AFP, 06.10.02) 

Türkei: Eren Keskin
wegen ihres Einsatzes als 
Menschenrechtsverteidigerin verfolgt
Gegen Eren Keskin - Vorsitzende der Istanbuler Zweigstelle des Menschenrechtsvereins (IHD) und eine der Gründerinnen des Rechtshilfeprojektes für sexuell gefolterte Frauen - wurden im Zusammenhang mit ihrer Menschenrechtsarbeit bereits Dutzende von Verfahren und Untersu-chungen eingeleitet. 
In einem der Verfahren beruht die Anklage auf Pres-seerklärungen und Bulletins zum Thema "Kurdische Sprache und Kultur", die der IHD zwischen Januar und März 2002 herausgegeben hat. Sie ist angeklagt nach Artikel 169 des Türkischen Strafgesetzbuches, mit diesen Veröffentlichungen die illegale Kurdische Arbeiterpartei (PKK - jetzt als KADEK bekannt) unterstützt zu haben.
In einem weiteren Verfahren ist sie nach Artikel 8 des Anti-Terror-Gesetzes angeklagt, in Äußerungen während einer Podiumsdiskussion über "Gewalt gegen Frauen" am 25. November 2001 'separatisti-sche Propaganda' verbreitet zu haben.
In einem dritten Verfahren ist sie - nach Artikel 312 des türkischen Strafgesetzbuches - angeklagt wegen 'Aufstachelung zum Hass' in Äußerungen auf einer öffentlichen Veranstaltung am 16. März 2002 in Köln/Deutschland. Nach dieser Veranstaltung wurde sie zum Ziel einer größeren Schmutzkampagne in den türkischen Medien. Ein männlicher Journalist drohte ihr öffentlich in einer Radiosendung mit se-xueller Gewalt. Aufgrund einer Kampagne von Frauen entschied der türkische Presserat am 4. Juli 2002, den betreffenden Journalisten zu verwarnen.
(Nähere Informationen unter: www.ai.de)

Türkei im Irak-Konflikt 
unter Feuer von zwei Seiten
Noch hofft die Türkei, dass es vor ihrer Haustür nicht zum Krieg kommt. Doch je mehr sich der Konflikt zwischen den USA und dem Irak zuspitzt, desto stärker erweist sich die exponierte geostrate-gische Lage des Landes als Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite wird Ankara heftig umworben, wie die fast zeitgleichen Besuche einer hochrangigen Delegation des US-Außenministeri-ums sowie des irakischen Vizeregierungschefs Ta-rik Asis in der türkischen Hauptstadt verdeutlichten. Andererseits gerät das NATO-Land am Bosporus zunehmend "unter Feuer von zwei Seiten", wie die türkische Zeitung "Radikal" am Dienstag anmerkte.
Bagdad führt vor allem ökonomische Verheißungen ins Feld. Eindringlich erinnerte Asis an die immen-sen wirtschaftlichen Verluste, die Ankara in Folge des Golfkrieges 1991 zu erleiden hatte. Er sei über-zeugt, dass die türkische Regierung angesichts der Drohungen der USA gegen Bagdad eine Entscheidung "zum Nutzen der Türkei" treffen werde. Doch bei allem Zuckerbrot, wie dem Angebot einer langfristigen lukrativen wirtschaftlichen Zusammenarbeit, ähnlich der mit Moskau geschlossenen Vereinbarung, wird auch die Peitsche nicht vergessen. Natürlich sei es mit der Freundschaft vorbei, wenn Ankara zulasse, dass amerikanische Kampfflugzeuge über die Türkei gegen Bagdad fliegen, stellte Asis fest.
Auch bei den Gesprächen mit der US-Delegation unter Leitung der für Europa und Eurasien zustän-digen Staatssekretärin Elizabeth Jones rückten die türkischen Diplomaten die befürchteten wirtschaft-lichen Nachteile in den Vordergrund. Ankara sorgt sich angesichts der Gewitterwolken über dem Irak um den Anstieg der Ölpreise, um das noch sehr labile Gleichgewicht, das die Türkei nach der schwersten Wirtschaftskrise seit 1945 wiedergefun-den zu haben scheint, fürchtet das Fernbleiben ausländischer Investoren sowie schwere Einbußen im Tourismus. Die US-Delegation habe davon Notiz genommen, sagte der türkische Außenminis-ter Sükrü Sina Gürel. Zusicherungen nach einem Ausgleich gab es nicht, schrieb die Zeitung "Cum-huriyet".
Beobachter gehen indes davon aus, dass es sich die Türkei gar nicht wird leisten können abseits zu stehen, wenn die USA militärisch zuschlagen soll-ten. Bereits seit dem Golfkrieg steigen regelmäßig amerikanische und britische Kampfflieger vom südtürkischen Stützpunkt Incirlik zur Überwachung der Flugverbotszone im Norden des Iraks auf. Re-gierung und Militärführung in Ankara haben sehr wohl zur Kenntnis genommen, dass es Washington um mehr als die Rückkehr der UN Waffeninspek-teure in den Irak geht.
Gerade erst am Montag beriet der Nationale Sicher-heitsrat, in dem sich die türkischen Generäle mit der Regierung absprechen, über alle Eventualitäten einer "auf einen Regimewechsel im Irak zielenden Militäroperation". Nur wenn sich die Türkei mit den USA arrangiert, wird sie bei einer Neuordnung des Iraks mitreden können. Wiederholt hat Ankara auf seine nationalen Interesse im Norden des Nach-barlandes hingewiesen. Die Entstehung eines Kur-denstaats im Nordirak, den Ankara auf alle Fälle verhindern will, um Autonomiebestrebungen der "eigenen" Kurden vorzubeugen, wäre für die Türkei ein "Kriegsgrund". (Quelle: dpa, 01.10.02)

Das kurdische Parlament 
in Südkurdistan tritt erstmals 
seit 1994 zusammen
Am Freitag, den 04.10.2002 trat in der kurdischen Stadt Hewler (Arbil) das kurdische Parlament nach acht Jahren wieder zusammen. Neben den beiden Führern der regierenden Parteien, Massoud Barzani (DPK) und Jalal Talabani (PUK), nahmen einige ausländische Gäste, darunter Frau Daniele Mitterand, Ehefrau des verstorbenen französischen Präsidenten Mitterand teil. Anwesend waren auch zahlreiche Beobachter und Journalisten aus dem Ausland. Nur zehn Kilometer entfernt vom Parla-mentsgebäude hatte der irakische Diktator Saddam Hussein zwar seine Panzer auffahren lassen, um die kurdischen Abgeordneten einzuschüchtern, diese zeigten sich vom Säbelrasseln Bagdads aber nicht beeindruckt.
Folgende Themen waren auf der Tagesordnung:
· Eröffnungsrede des Parlamentspräsidenten Dr. Nuri Roj Schaweys
- Bekanntgabe der Botschaft des amerikani-schen Außenministers Collin Powel
- Rede von Frau Daniele Mitterand
- Ergänzung der Liste von grüner Fraktion (PUK)
- Ratifizierung des Washingtoner Abkom-mens zwischen KDP und PUK
- Rede von Massoud Barzani (KDP) sowie von Jalal Talabani (PUK)
In seiner Eröffnungsrede hat Dr. Nuri Roj Scha-weys (KDP), die Botschaft des amerikanischen Außenministers Powel bekannt gegeben. Powel hat  den Kurden die Unterstützung seines Landes zuge-sichert und das Zusammenkommen des kurdischen Parlamentes als einen historischen und wichtigen Schritt für die Einführung der Demokratie, Rechts-staatlichkeit und Gründung eines pluralistischen Staates im Irak und in der Region bezeichnet. Er wisse, dass es  nicht einfach sei, dabei sollen sie aber mit seiner Unterstützung rechnen.  Weiterhin schätze er die Haltung der Kurden sehr, dass sie auch gegen den Terror und  die Gewaltanwendung seien, so Powel. 
Danach hat Frau Mitterand eine Rede gehalten, wobei sie sich auf die Fortführung der demokrati-schen Entwicklung und das Experiment in Süd-Kurdistan aussprach und betonte, dass das für die ganze Region des Nahenosten wichtig sei. Sie hat die Parlamentarier aufgefordert, schon am Anfang die Todesstraffe abzuschaffen, weil die Demokratie und Frieden ohne Einhaltung der Menschenrechte nicht funktionieren könne. Weiterhin sollen alle gemeinsam eine weltweite Kampagne anfangen, die zur Abschaffung des § 51 der vereinten Nationen führt, das den Großmächten die Führung eines Krieges mit der Begründung der Selbstverteidigung (ohne angegriffen worden zu sein), ermöglicht. 
Die Fraktion von (PUK) wurde dann ergänzt, da deren 23 damaligen Abgeordneten austraten bzw. nicht mehr am Leben waren. Die neuen wurden nach ihrer Vorstellung vereidigt.
Das Washingtoner Abkommen zwischen PUK und KDP aus dem Jahre 1998, mit Anwesenheit der damaligen amerikanischen Außenministerin Frau Ulbraight, wurde auch mit absoluter Mehrheit ratifiziert. Nun soll das Abkommen in die Tat umgesetzt werden.
In seiner Rede hat Massoud Barzani das Zusam-mensetzen des kurdischen Parlamentes für eine sehr wichtige Botschaft an das kurdische Volk und für die Weltöffentlichkeit gehalten. Die Botschaft heißt, dass die kurdischen Parteien mit diesem Schritt ihre langjährigen Konflikte beiseite gelegt und die Priorität auf das Interesse des kurdischen Volkes gesetzt haben. Wegen zum Teil heftiger Auseinandersetzungen zwischen beiden Parteien in den vergangenen Jahren, wobei Hunderte Pesch-mergas von beiden Seiten ums Leben kamen, hat er um Entschuldigung bei dem Volk gebeten. Wenn aber das kurdische Volk das nicht annimmt, wäre er bereit, daraus Konsequenzen zu ziehen. Er zitierte eine kurdische Redewendung und sagte: „Hier ist unser Hals und das ist das Messer des Volkes“.
Danach hat er die Nachbarstaaten zu einer Zusammenarbeit für ein friedliches Zusammenleben aufgefordert, gleichzeitig hat er sie darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich in innere Angelegenheit der Kurden nicht einmischen sollen. Sie sollen die Entscheidung des kurdischen Volkes, wie es sein Schicksal bestimmen möchte, respektieren.
Talabani hat sich im Namen seiner Partei auch bei dem kurdischen Volk wegen der bewaffneten Aus-einandersetzungen und deren Opfer entschuldigt und die Parlamentarier gebeten, ein Gesetz zu ver-abschieden, das jegliche Gewaltanwendung für die inneren Konflikte streng verbietet. Er hat, wie Barzani auch, den Nachbarstaaten versichert, dass ein föderales Kurdistan keinerlei Gefahr für sie darstelle. Im Namen des Volkes hat er den Staaten Amerika, Großbritannien, Frankreich, Türkei, Iran und einigen europäischen Ländern auch für ihre Unterstützung gedankt. Er hat versichert, dass weiterhin die Rechte anderer Minderheiten, darunter Turkmenen, Aschhurer in Kurdistan gewährt und gesichert werden.
Beide Führer haben betont, dass sie die Gründung eines föderativen irakischen Staates anstreben. (Quelle: Brayeti, Nr. 3808, 05.10.02)

Über 12000 Minenopfer 
in Südkurdistan
Nach Informationen der in Kurdistan tätigen Orga-nisationen gegen Landminen sind schätzungsweise 20-25 Millionen Minen in Kurdistan ausgelegt. Das irakische Regime hat bei seinen Militäraktionen gegen die Kurden, vor allem  während der berüch-tigten Anfal Operationen, Vertreibungen und Zer-störung von Tausenden Dörfern eine sehr breite Fläche Kurdistans vermint und sie „Verbotszone“ genannt. Während des Krieges zwischen dem Irak und Iran sind noch weitere Millionen Minen von beiden Seiten in Kurdistan ausgelegt. Bis jetzt sind über 12000 Menschen Opfer von Minenexplosionen geworden.  Sie waren und sind gleichzeitig ein großes Hindernis bei den landwirtschaftlichen Tätigkeiten und dem Wiederaufbau von Dörfern nach der Befreiung Kurdistans.
MAG (Beratungsstelle gegen Minengefahr) ist eine der Organisationen, die seit 1992 ihre Arbeit in Kurdistan aufgenommen hat. Sie klärt die Men-schen über die Gefahr der Minen auf und setzt ihre Spezialkräfte bei der Minenräumung ein. In den letzten zehn Jahren hat sie 2238 verminte Gebiete mit einer Fläche von 6.000.000 m², wo 90841 Mi-nen verlegt worden waren, aufgeräumt. Regionale Behörden und Experten rufen die internationale Gemeinschaft zur Verstärkung der Arbeit dieser Organisationen in Kurdistan auf. (Quelle: Brayeti, Nr. 3807, 03.10.02)

Arabisierung der kurdischen Gebiete mit allen Mitteln
Vertreibung der Kurden aus ihrer Heimat und Un-terbringung der Araber an ihre Stelle in Irak hat eine neue Dimension erreicht. Obwohl dieses menschenrechtsverletzende Vorgehen des irakischen Regimes im Jahresbereicht der Menschenrechtskommission der Vereinten Nation in Genf scharf kritisiert wurde, dauert die Welle der Zwangsvertreibung in Kurdistan an.
Neuen Berichten zufolge bekommt jeder Araber, der nach Kurdistan umgesiedelt ist, eine Prämie in Höhe von 4 Millionen irakischen Dinar, wenn er den Sarg seiner verstorbenen Angehörigen auch mit sich nimmt. Das verstößt sogar gegen die islami-schen Regeln, weil viele der Verstorbenen in ihrem Testament geschrieben, bzw. ihre Kinder vereidigt haben, ihre Leiche nach ihrem Tod in ihrer Heimat zu begraben. 
Jetzt sollen die kurdischen Friedhofe auch arabisiert werden, in dem alle kurdischen Namen der Ver-storbenen gelöscht und mit arabischen Namen über-schrieben werden. 
Die noch verbliebenen Kurden dürfen kein Grundstück kaufen. Ihre Häuser müssen sie nur den Arabern verkaufen. Die beschlagnahmten Häuser und Grundstücke von Vertriebenen werden versteigert, wenn bis dahin noch keine neuen umzusiedelnden Araber angemeldet sind, sonst werden sie ihnen geschenkt. Diejenigen Kurden, die ein Haus oder Grundstück in den befreiten Gebieten Kurdistans haben, müssen ab sofort ihren jetzigen Wohnsitz verlassen bzw. werden zwangsvertrieben, ohne etwas mitnehmen zu dürfen.
Den jungen Arabern aus dem Süden und aus der Mitte des Landes wird angeboten, ihre Hochzeit in kurdischen Regionen zu machen, weil sie in diesem Fall eine große finanzielle Unterstützung des Re-gimes bekommen.  Z.B. bekommen sie zuerst einen Betrag in Höhe von 3 Millionen Dinar und ein Grundstück, wenn gerade keine beschlagnahmten Häuser vorhanden sind. Nach Fertigung ihrer Häu-ser erhalten sie weitere 6 Millionen Dinar. (Quelle: Taerib Nr. 10, .Juni 02)

KADEK (PKK-Nachfolgepartei) richtet eigene Schutzzone in Süd-Kurdistan ein
Am 25.09.02 hat die KADEK nahstehende Fern-sehsendung MEDYA-TV das Einrichten von einer Schutzzone in den Regionen Ghandil, Bradost und Badinan (Süd-Kurdistan) angekündigt. Der Bericht stand in auch auf KADEK-Internetseiten. Die Schutzzone hat man den Namen „Schutzzone MEDYA“ gegeben. Die Sicherheit dieser Zone soll von HPG (Sicherheitskräfte des Volkes) gewähr-leistet werden. In einer Erklärung von HPG bezüg-lich der Notwendigkeit dieser Schutzzone steht:
„Angesichts der bevorstehenden militärischen In-tervention der Alliierten im Irak und die Entstehung eines Vakuums soll jeder wissen, welche Regionen unter unserer Kontrolle sind. Um jedes verwirren-den Vorgehen der regionalen und internationalen Mächte vorzubeugen und sie darauf aufmerksam zu machen, sich für eine demokratische Lösung der kurdischen Frage einzusetzen, nennen wir unter unserer Kontrolle stehende Gebiete „Schutzzone MEDYA“. HPG schreibt weiter, dass sie aus dieser Schutzzone keinen Staat bzw. keine andere  regio-nale Parteien angreifen werden. Sie seien bereit, mit allen zu verhandeln 
Zehn Tage davor, am 15.09.02 hat das KNK (der KADEK nahestehendes kurdisches Nationalkon-gress)  die Südkurdischen Parteien KDP und PUK dazu aufgerufen, die KADEK an ihren Verhandlun-gen zu beteiligen, weil ohne eine Beteiligung des KADEK seien  ihre Verhandlungen nicht legitim.
Das ist nicht das erste Mal, dass KADEK, damalige  PKK, sich als eine Macht und einen Verhandlungs-partner in Süd-Kurdistan betrachtet und einige Gebiete für sich beansprucht.  Sie hat in den neunziger Jahren schon mal zuerst die Republik „Badinan-Botan“ und später die “Republik Zap“ in Süd-Kurdistan ausgerufen. In beiden Fällen waren aber ihre Versuche erfolglos geblieben. (Quelle:  Media, Nr. 133, 01.10.02)

Irakisches Regime 
verbietet kurdische Namen
Die irakischen Behörden in der Stadt Machmur haben Anträge zweier kurdischen Familien zur Ausstellung der Geburtsurkunden abgelehnt, weil sie ihren Kindern kurdische Namen gegeben hatten. 
Die eine Familie hatte ihrer Tochter den kurdischen Namen „Aschiti“ und die andere ihrem Sohn „Sa-fin“ gegeben. Als der Beamte der dafür zuständigen Behörde die kurdischen Namen auf den Anträgen gesehen hatte, hat dieser sie mit rassistischen Schimpfwörtern aus dem Zimmer rausgeschmissen und ihre Anträge zerrissen. Dann hatte er ohne die kurdischen Familien zu fragen, ihre Kinder umbe-nannt, und arabische Namen gegeben. Das Mäd-chen heißt jetzt Fatima und der Junge „Sabur“. Erst nach dieser Zwangsumbenennung konnten ihre Geburtsurkunden ausgestellt werden. (Quelle: Media, Nr. 133, 01.10.02)

Die Zeitung Babel bezeichnet zwei 
Drittel der Iraker als Hurensöhne
Die im Besitz von Odai Saddam befindliche Zei-tung Babel hat eine unbeherrschte rassistische Kampagne gegen die Angehörigen der Schia, zu der sich die Mehrheit der irakischen Bevölkerung be-kennt, gestartet. Die Schia würde Homosexualtität erlauben, schrieb die Zeitung, und bezeichnete die 16 Millionen schiitischen Iraker als Hurensöhne!
In ihrer Ausgabe vom 10. April dieses Jahres zog die Zeitung des Präsidentensohnes auf niedrigste Weise über große Teile der irakischen Bevölkerung her und behauptete, Wallfahrtsorte wie die Grabmä-ler von Ali ben Abi Talib, Hussein oder Musa ben Jaafar seien Orte der sexuellen Freizügigkeit.
Weiter führte die Zeitung von Odai Saddam, der für seine Übergriffe gegen Frauen und seine Aus-schweifungen bekannt ist, aus, die Schia erlaube Homosexualität und andere verwerfliche sexuelle Spielarten. Auch wurde der niederträchtige Vor-wurf erhoben, dies sei ein Mittel, um die Zahl der Schiiten durch Fortpflanzung zu vermehren, und im Nachhinein interessiere niemanden mehr, ob es sich um eine sündhafte Verbindung gehandelt habe oder nicht.
Weiter beschuldigte die Zeitung verdienstvolle Re-ligionsgelehrte, die sündhaften sexuellen Beziehun-gen zwischen jungen Frauen und Männern zu verschleiern und behauptete, die jungen Menschen würden deshalb an den religiösen Zeremonien teil-nehmen, weil dies der beste Weg wäre, um Perso-nen des anderen Geschlechts kennen zu lernen, direkt unter dem Schutz der Geistlichen .. Wer lasse sich diese Gelegenheit schon entgehen?
Irakische Kreise haben Religionsgelehrte, Menschenrechtsorganisationen und nationale Parteien dazu aufgerufen, die Gefährlichkeit dieser Anschuldigungen zu erkennen. Sie wiesen darauf hin, daß die Behörden mit solchen Aussagen den Weg für einen neuerlichen Genozid an der Bevölkerung, vor allem der mehrheitlich schiitischen Bevölkerung im Südirak, ebnen würden. Dies könnte bei jedem neuerlichen Aufstand gegen die Zentralmacht in Bagdad der Fall sein. Man rief auch dazu auf, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um ein neuerliches Blutbad unter der irakischen Bevölkerung zu verhindern. (Quelle: sciri-vienna, Oktober 02)

Die Behörden verstecken Raketen und anderes Militärgerät
in den Sumpfgebieten
Laut unseren Quellen hat das Regime in jüngster Zeit einige Raketen und anderes Militärgerät in die trockengelegten Sumpfgebiete transportieren und dort verstecken lassen, aus Angst, sie könnten bei einem Militärschlag zerstört oder von den UN-Waffenkontrollen entdeckt werden, was für das Regime eine große Blamage wäre, da ja immer behauptet wurde, es gäbe keine Massenvernich-tungswaffen mehr im Irak.
Weiter wurde bestätigt, dass die Behörden des Re-gimes seit drei Monaten unermüdlich diese Waffen mit Fahrzeugen des Rüstungsministeriums in den Süden bringen lassen, unter der Aufsicht von Geheimdienstoffizieren und beschützt von Sondereinheiten der Republikanischen Garde. (Quelle: sciri-vienna, Oktober 02)

IPPNW gegen neue 
UN-Resolution zum Irak
Die IPPNW fordert die Mitglieder des Sicherheits-rates der UN in einem Brief an ihre Botschafter auf, sich nicht dem Druck der USA zu beugen und den vorläufigen Resolutionsentwurf der USA und Groß-britanniens abzulehnen. 
Die IPPNW befürchtet, dass die neue Resolution einen Krieg gegen den Irak forciert. "Durch die be-kannt gewordenen Fristsetzungen versucht die USA einen Automatismus zu installieren, der zum Krieg führt. Einen solchen Kriegs-Automatismus lehnen wir ab", sagt Dr. Ute Watermann, Sprecherin der IPPNW.
Die Pressemitteilung können Sie lesen unter
http://www.ippnw.de/presse/2002/020930un.htm

Das Mulla- Regime in Teheran hat 6 Kurden hingerichtet
Die iranischen Sicherheitskräfte haben am Diens-tag, den 08.10.02 sechs Kurden in der kurdischen Stadt Sardascht hingerichtet. Sie wurden beschuldigt, mit den kurdischen Parteien zusammengearbeitet zu haben. Die Namen von zwei Hingerichteten sind schon bekannt gegeben worden:
1. Chalid Ziwey   2. Hamze Ghadri.  Beide stammten aus der Stadt Sardascht. Sicheren Quellen zufolge, wurden ihre Leichen erst gegen 23.00 Uhr ihren Eltern übergeben worden und sie waren ge-zwungen worden, schon in der Nacht die Leichen, ohne Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, zu beer-digen.. Die Namen der 4 weiteren sind noch nicht bekannt. 
Mehr als zweihundert Militärfahrzeuge sind (bis zum Erhalt dieser Nachricht) in der Umgebung des Polizeigebäudes einsatzbereit plaziert gewesen. Die Sicherheitskräfte sind zu einer außerordentlichen Sitzung aufgerufen worden. Sie befürchteten Mas-senproteste der kurdischen Bevölkerung.

Protest vor Syriens Botschaft in Bonn
Mehrere hundert Kurden kamen
Kurdische Demonstranten zogen am Samstag von der Bundeskunsthalle vor die syrische Botschaft an der Ludwig-Erhard-Allee. Nach Angaben der veranstaltenden kurdischen Parteien und Organisationen protestierten zwischen 700 und 900 Menschen gegen die "diskriminierende Behandlung der kurdischen Minderheit in Syrien". (…)
Die Demonstranten wollten nach eigenen Angaben auch auf den Jahrestag der "rassistischen Volkszäh-lung" in Syrien sowie die Landreform aufmerksam machen, die dort in den 60er Jahren vorgenommen worden sei und Tausende Kurden zu mittellosen Ausländern im eigenen Land gemacht habe.
Er habe das Land verlassen, nachdem sein regime-kritischer Film "Mohnblume" bekannt geworden sei, sagte Filmemacher Akram Kiro. Wie Kiro möchte auch Farid Khoufa, der seit 17 Jahren in Deutschland lebt, "lieber heute als morgen zurück in die Heimat". (Quelle: Bonner General Anzeiger, 07.10.02)

72 illegale Einwanderer an bulgarisch-türkischer Grenze festgenommen
Die bulgarische Grenzpolizei hat in der Nacht zum Freitag an der Grenze zur Türkei 72 illegale Ein-wanderer vornehmlich aus asiatischen und afrika-nischen Staaten festgenommen. Es handelte sich nach Angaben des bulgarischen Innenministeriums um 30 Afghanen, 22 Iraker, 13 Staatsbürger Sierra Leones, vier Bürger Ruandas und drei Türken, die die Landgrenze zu Bulgarien illegal passieren wollten. Sie sollen in die Türkei zurückgeführt werden. (dpa, 11. 10.02)

196 Asiaten in Lkw-Anhänger eingepfercht - Reise endete in Türkei
Eingepfercht im Anhänger eines Sattelschleppers sind 196 illegale Zuwanderer aus Pakistan, Bangla-desch, Afghanistan, Indien und dem Irak bei einer Verkehrskontrolle in der osttürkischen Provinz Er-zurum entdeckt worden. Die Flüchtlinge, die für die Fahrt nach Istanbul pro Kopf 200 Dollar (203 Euro) gezahlt hatten, mussten ihre Notdurft "an Bord" verrichten und hatten zum Atmen Luftlöcher in die Planen geschlitzt, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu am Dienstag. Der Fahrer, ein Kundschaf-ter, der in einem Taxi vorausgefahren war, und ein dritter Türke, der den Flüchtlingen im Anhänger Anweisungen gab, wurden in Polizeigewahrsam ge-nommen. Die illegalen Zuwanderer sollten umge-hend ausgewiesen werden. (Quelle: dpa, 15.10.02)
 

Verehrte Leserinnen und Leser,
 

Der IMK e.V. wird in Kooperation mit der Medizinischen Flüchtlingshilfe Bochum eine Veranstaltungsreihe zum Thema „Trauma und Therapie“ durchführen. Die erste Veranstaltung hat am 21. September 2002 in Köln statt-gefunden. Das gesamte Programm der Veranstaltungsreihe können Sie unserer WEB-Seite entnehmen.
Auch das Programm der Wochenendtagung „Kurden im Irak und in der Türkei – ihre Zukunft zwischen Aghas, Sheiks und Öl-Multis“ vom 6.12. bis 08.12.2002, in der Ev. Akademie Bad Boll kann über uns bezogen oder von unserer WEB-Seite www.kurden.de heruntergeladen werden.
 

Neue Publikation
Liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Interessierte,

der IMK e.V.  möchte alle Interessierten und MitarbeiterInnen in der Flüchtlingsarbeit auf die Diplomarbeit von Herrn Mehmet Bayval zum Thema „Psychosoziale Entwicklung von Kinderflüchtlingen“ hinweisen. 
In der Diplomarbeit werden die Rahmenbedingungen, unter denen Kinderflüchtlinge in der Bundesrepublik leben, dargestellt. Hierbei werden psychologische, soziologische, ethnologische, politische, und rechtliche Gesichtspunkte berücksichtigt.  

· Im ersten Teil der Diplomarbeit werden die notwendigen Definitionen, die Fluchtursachen, Statistiken und in-ternationale bzw. nationale gesetzliche Grundlagen veranschaulicht. Hierbei handelt es sich, um Fragen des Bleiberechts, um Aufenthaltstitel, sowie, um Einreiseverfahren. 
· Im zweiten Teil werden die konkrete Lebenssituation, die psychosoziale Entwicklung der Kinderflüchtlinge – z.B. in den Bereichen Unterbringung, Bildung und Identitätsentwicklung, unter Herausarbeitung der Maßnah-men, die die Lebenssituation der jungen Flüchtlinge beeinflusst – im Mittelpunkt stehen. 

Die Diplomarbeit kann in gebundener Form bei uns gegen die Errichtung eines Betrages von 6,-- Euro ( inkl. Ver-sandkosten) bestellt werden. 
 

Wie zuvor auch diesmal möchten wir an Sie appellieren, uns mitzuteilen falls Sie eine e-mail-Adresse haben, denn der Versand über e-mail ist kostengünstiger und schneller.

Wir möchten Sie gleichzeitig auf unsere WEB-Seiten hinweisen, die interessante Beiträge enthält:

· Ein Bericht des Turkish Daily News über das Dorfschützersystem (Deutsch und Englisch)
· Presserklärung des IMK e.V. zum 40. Jahrestag der rassistischen Sondervolkszählung in Syrien (Deutsch)
· Eine Analyse über das Verhalten der türkischen Medien während den Bundestagswahlkampfes in Deutschland (Deutsch) 
· Ein Jahresbericht der PSK über die Entwicklungen in der Türkei und Nord-Kurdistan (Deutsch und Englisch)
· Ein Artikel vom Ashiti Amir über Syrien und Syrisch-Kurdistan (Deutsch)
· Die Erklärung der PSK zum „EU-Anpassungspaket“ des Türkischen Parlaments (Deutsch und Eng-lisch)
· Der Artikel „Kurden und Kurdistan“ von Shahin Sorekli aus Australien (Englisch)

Diese Beiträge tragen nicht unbedingt unsere Meinung, sondern geben die aktuell für unser Themengebiet interes-santen Diskussionen wieder. Besuchen Sie doch einmal www.kurden.de.

Mit freundlichen Grüßen, 

Ihre Redaktion
 

   ISSN 1438- 08 Herausgeber: IMK e.V., Postfach 07 38, D-53137 Bonn, Telefon: + 49 228 362 802,   Fax: + 49 228 363 297, E-Mail: IMK-Bonn@t-online.de und imkkurds@aol.com   Besuchen sie auch unsere Website: http://www.kurden.de    Verantwortlicher Leiter: Abubekir Saydam   Abonnementbedingungen (pro Jahr):· Stiftungen, Parteien, Regierungen und internationale Organisationen sowie Gremien: Euro 92,00 · Gerichte, Rechtsanwälte, Menschenrechtsorganisationen, Flüchtlingsberatungsstellen: Euro 46,00 · Förderabonnement, Einzelpersonen und kleinere Vereine: Euro 31,00    Spendenkonto: Volksbank Bonn (BLZ: 380 60 186),   Konto-Nr.: 201 246 90 23
 

© KURDS, 2000  |  e-mail/e-posta
KOMKAR, den kurdiske forening i DK.
Nansensgade 30, 1. th, 1366 København K - Danmark
telefon & fax  +45 33 13 75 01

» Letztens aufdatieret
20/10-2002
»Aktelle themen
»