Internationaler
Verein für Menschenrechte der Kurden
IMK Wocheninformationsdienst
Datum:
23. August – 31. August 2002
Nummer: 166
„Beschränkungsbeleg
hinsichtlich
allgemeiner
Sicherheit“
Nach Informationen
der Parteizentrale von HAK-PAR in Ankara verweigern die Sicherheitsbehörden
mit ihrem Schreiben vom 22. Juli 02 dem Parteivorsitzenden Abdulmelik Firat
seinen entzogenen Paß auszuhändigen. Abdulmelik Firat ein bekannter kurdischer
Politiker, der in mehreren Wahlperioden als Abgeordneter ins türkische
Parlament gewählt wurde, hat sich in der Vergangenheit gegen die Kurdenpolitik
des Staates gewandt.
Herr Firat
benötigt dringend eine Behandlung im Ausland. Aber auch als Parteivorsitzender
möchte er gerne Gespräche mit den Parteien und Organi-sationen im europäischen
Ausland führen.
Unten geben
wir das Schreiben des Polizeipräsidi-ums Ankara wieder. (IMK e.V.)
Gouvernement
von Ankara-Polizeipräsidium
Az.: B051EGM4060048.03.
17.07.2002
Tah.Br.C-6/Int (7449) 02
Betr.: Abdulmelik
FIRAT
AN DAS POLIZEIPRÄSIDIUM
DES KREISES ÇANKAYA
BEZUG:
a) Schriftsatz
der Polizeigeneraldirektion vom 18.06.1997, Az.: B.05.1.EGM.0.13.02.05.129481
b) Schriftsatz
der Polizeigeneraldirektion vom 15.07.2002, Az.: B.05.1.EGM.0.13.02.05.151013
Für Abdulmelik
FIRAT, geb. 1927 als Sohn des Þahabettin und der Ayþe, registriert in der
Provinz Erzurum, Kreis Hýnýs, Holhisar, für den mit dem unter a) im Bezug
des genannten Schreibens ein Beschränkungsbeleg erlassen wurde, da eine
Abhil-fe des Antrags auf (Erteilung eines) Reisepasses gemäß dem durch
Art. 22 des Gesetzes Nr. 3463 geänderten Passgesetzes Nr. 5682 hinsichtlich
unse-rer allgemeinen Sicherheit für bedenklich erachtet wurde, hat sein
Bevollmächtigter Rechtsanwalt Mevlüt ÞENER mit Schriftsatz vom 26.06.2002
an unser Ministerium die Rückgabe des Reisepasses beantragt, damit sein
Mandant zwecks (ärztlicher) Behandlung ins Ausland gehen könne.
Der Fall des
Abdulmelik FIRAT wurde geprüft; eine Aufhebung des unter a) im Bezug genannten
Beschränkungsbelegs wurde beim derzeitigen Stand der Dinge nicht für angemessen
erachtet, doch andererseits, für den Fall, dass ein Attest einer Ge-sundheitskommission
eines staatlichen Kranken-hauses vorgelegt wird, aus dem hervorgeht, dass
eine Behandlung in der Türkei nicht möglich ist und daher im Ausland erfolgen
muss, kann der Fall seines Mandanten erneut geprüft werden. Ich bitte darum,
(diesen Sachverhalt) dem Rechtsanwalt Mevlüt ÞENER, tätig im Atatürk Bulvarý
Emek Ýþhaný 95/130 Kýzýlay – Ankara zuzustellen und die Zustellungsurkunde
(nach hierher) zuzusenden.
stellv. PP
des Kreises Çankaya
(Quelle: HAK-PAR
Parteizentrale in Ankara, 23. August 02)
Repression
gegen Azadiya Welat
und weiteren
Zeitungen
Wegen „Verkauf
einer verbotenen Zeitung“ sind in Agri drei MitarbeiterInnen der kurdischen
Wochen-zeitung Azadiya Welat festgenommen worden. Nach ihrer Festnahme
wurden Hatice Sen, Murat Demir und Serif Yildiz in einen Keller eines Ge-bäudes
der Antiterrorabteilung an einem unbekann-ten Ort gebracht, wo sie polizeilichen
Angriffen ausgesetzt wurden. Sie wurden unter Druck gesetzt, ihre Arbeit
einzustellen und später wieder freigelas-sen.
Desweiteren
wurde das Hauptbüro der Zeitschrift "Brot und Gerechtigkeit" (Ekmek ve
Adalet) in Istanbul-Aksaray von der Polizei überfallen. Es kam zu Festnahmen
von 15 anwesenden Personen, darunter acht BesucherInnen. In einer Erklärung
des Rechtsbüros des Volkes heißt es, die Polizei habe ohne Angabe von Gründen
die Tür aufgebrochen und alle Anwesenden festgenommen. Eine weitere Razzia
mit 15 Festnahmen hat laut Erklärung bei der Zeitschrift "Jugend in unserem
Land" (Ülke-mizde Genclik) stattgefunden. (...) (Quelle: Özgür Politika,
21.08.2002)
Türkei-Rechnung
beim Europäischen Menschenrechtsgerichtshof: 4 Trillionen TL
Bis heute
hat die Türkei aufgrund von Prozessen vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof
(EuMRGh) fast vier Trillionen TL Schadensersatz geleistet. In 260 eingeleiteten
Verfahren entschied der Gerichtshof gegen die Türkei, in elf weiteren zu
Gunsten der Türkei. Nach Angaben des Justiz-ministeriums stehen Zahlungen
von 6.729.814 englischen Pfund Sterling, 15.510.661 französi-schen Franc,
12.023.596 Dollar und 162.491.572 Euro noch aus.
Auf die Anfrage
des AKP-Abgeordneten Azmi Ates gab das Justizministerium an, die Türkei
habe bis heute aufgrund von Prozessen vor dem EuMRGh Zahlungen von knapp
4 Trillionen TL geleistet. (...) (Quelle: Özgür Politika, 21.08.2002)
Kranke Gefangene
Güzel Sahin,
die Mutter von Zeki Sahin, warf den Behörden vor, ihren gefangenen Sohn
nicht zu behandeln, obwohl er einen Gehirntumor und Leis-tenbruch habe
und an Epilepsie leide. Er sei bei der medizinischen Fakultät von Cerrahpasa
untersucht worden, aber im Gefängnis erhalte er nicht die nötige Diät.
Im F-Typ Gefängnis in Sincan soll der Gefangene Ali Gülmez, dessen Schwester
am 11. April 2001 im Verlauf des Todesfastens starb, an verschiedenen Krankheiten
leiden. (Quelle: Evrensel vom 18.08.2002)
Strafe wegen
Rede in Medya TV
Am 13. August
verurteilte das SSG Diyarbakir Sultan Ogras, Vorsitzende der Frauenabteilung
bei der HADEP in Nusaybin (Mardin), zu einer Strafe
von 45 Monaten
Haft. Mit einer Rede am 7. Januar im Medya TV soll sie die PKK unterstützt
haben.
Sie wurde
bis zur Rechtskraft des Urteils aus der U-Haft entlassen. (Quelle: Yedinci
Gündem vom 18.08.2002)
Kind bei
Explosion getötet
Am 16. August
starb Ömer (Agit) Bayar (13) und Abbas Atak (12) wurde verwundet, als eine
Land-mine nahe des Berges Namaz in der Provinz Sirnak explodierte. Der
Vater, Bahattin Bayar, warf den Verantwortlichen vor, seinen Sohn erst
nach 4 Stunden ins Krankenhaus gebracht zu haben und den Leichnam nicht
herauszugeben. Er bezweifelte ausserdem, dass die Explosion einer Landmine
zu den Verletzungen führte, da die Kinder nur an den Knien verletzt waren.
(ein Onkel des verletzten Abbas Atak sagte später, dass sein Neffe von
einem grellen Licht gesprochen habe, was eher auf Feuerwerfer oder andere
Waffen hindeute, der Übersetzer). (Quelle: Yedinci Gündem vom 17.08.2002)
Folter in
Elbistan
Verwandte
von Abbas Görür, Ali Tas und Oruç Ay behaupteten, dass die Jugendlich nach
ihrer Fest-nahme in Elbistan (Maras) am 28. Mai gefoltert wurden. Damals
seien 20 Personen wegen Malens von Parolen festgenommen und diese drei
wurden in U-Haft genommen. Aus Angst vor der Polizei hätten sie bislang
nichts von der Folter erzählt, die Abspritzen mit Wasser unter Hochdruck
und Schlä-ge umfasst habe. (Quelle: Evrensel vom 21.08.2002)
Überfall
auf sozialistische Presse
Am 20. August
überfiel die Polizei in Istanbul die Büros der Zeitschriften “Ekmek ve
Adalet” und “Gençlik Gelecektir” sowie des Vereins TAYAD im Stadtteil Aksaray.
In den Büros der Zeitschriften wurden 19 Personen festgenommen, von denen
4 einen Tag darauf wieder freigelassen wurden. Nach Angaben von TAYAD handelt
es sich bei den Fest-genommenen um Hüseyin Fevzi Tekin, Sadi Naci Özpolat,
Sadik Eroglu, Metin Yavuz, Ali Ercan Gökoglu, Gülizar Kesici, Inan Gök,
Mehmet Do-gan, Yilmaz Kaya und Hidir Gül (Festnahme bei “Ekmek ve Adalet”),
Ayhan Mimtas, Tugba Iyigün, Yeliz Türkmen, Songül Ergül, Sema Koç, Sevilay
Balikçi, Ercan Kutlu, Celal Agar und Figen Kurtu-lus (Festnahme bei "Gençlik
Gelecektir"). Der An-walt Behiç Asçi sagte, dass Inan Gök und Hüseyin Fevzi
Tekin wegen schlechter Gesundheit aufgrund des Todesfastens und Hidir Gül
und Sevilay Balikçi wegen Minderjährigkeit wieder freigelassen wur-den.
(Quelle: Cumhuriyet vom 21.08.2002)
Weiteres
Opfer des Todesfastens
Am 22. August
verstarb Melek Birsen Hosver (23) im Ankara Numune Krankenhaus. Sie war
wegen Mitgliedschaft bei der DHKP/C inhaftiert und hatte vor ca. 330 Tagen
die Aktion im Gefängnis von Malatya begonnen. Die Zahl der Opfer des Todes-fastens
hat sich damit auf 53 erhöht (35 Gefangene, 7 Angehörige und 11 entlassene
Gefangene). (Quelle: TIHV vom 23.08.2002)
Weitere
Aktion gegen sozialistische Presse
Nach den Operationen
bei "Ekmek ve Adalet" und "Gençlik Gelecektir" werden nun die Büros der
Zeitschrift “Yeniden Atilim” von der Polizei überwacht, um dort einen Solidaritätshungerstreik
zu verhindern. Neben der Festnahme der MitarbeiterInnen Müge Molvali, Nadiye
Gürbüz, Burcu Gümüs, Sevil Gültekin und Nurcan Vahiç wurde von der Festnahme
von Düzgün Akyol (von “Dayanisma”), Hasibe Çoban (von “Ekmek ve Adalet”),
Fehmi Kiliç und Volkan Er (Mitarbeiter bei “Devrimci Hareket”) gemeldet.
Trotz der Behinderungen sollen Hüsniye Seçkin (von “Yeniden Atilim”), Murat
Güner (von “Yeniden Atilim”), Selma Kaan (von “Isçi Köylü”), Süleyman Karadag
(von “Ekmek ve Adalet”), Yalçin Akar (von “Gençlik Gelecektir”), Yilmaz
Dursun (von “Kizil Bayrak”) und Kemal Aydeniz (von “Odak”) einen Hungerstreik
begonnen haben. (Quelle: Bianet vom 23.08.2002)
Das Todesfasten
Am 24. August
starb Gülnihal Yilmaz im E-Typ Gefängnis von Kütahya. Sie war seit April
2001 im Todesfasten. Im Juli 1993 war sie Ankara verhaftet worden und wurde
im Juni 1995 wegen Mitglied-schaft in Devrimci Sol verurteilt. Justizministerin
Aysel Çelikel sagte unterdessen, dass sich noch 26 Gefangene im Todesfasten
befinden und 8 davon in einem kritischen Zustand seien. Sie bezeichnete
die Lage in normalen Gefängnissen als unerträglich und sprach sich für
den Bau von weiteren Gefäng-nissen vom Typ F aus. (Quelle: Milliyet/Cumhuriyet
vom 25./26.08.2002)
Folter in
Bismil
Aus dem Kreis
Bismil (Diyarbakir) wurde gemel-det, dass die Gendarmerie die Organisierung
der HADEP in der Stadt Ambar mit verschiedenen Schikanen verhindern wollte.
Erst wurden die Organisierer bedroht und am 27. August wurden Hakki Ak
und M. Halim Özçinar festgenommen. Hakki Ak sagte: “Die Gendarmen kamen
ins Cafe, weil sie mich nicht zu Hause antrafen. Der Gefreite Birol packte
mich am Kinn und beschimpfte mich. Er meinte, dass er mich nun erwischte
habe und bedrohte mich mit dem Niederbrennen meines Hauses. Auf der Gendarmeriestation
wurde ich brutal und mit Schlagstöcken geschlagen. Ich wurde aufgefordert,
in zwei Tagen mit der Organisierung aufzuhören.“ M. Halim Özçinar sagte,
dass er vom stellvertretenden Leiter der Gendarmeriestation mit einer Pistole
an der Schläfe bedroht wurde. Dieser drückte auch ab, aber es war keine
Kugel drin. Auf der Wache sei er dann für eine Stunde lang verprügelt worden.
Beide Politiker liessen sich im Staatskrankenhaus von Bismil untersuchen
und erhielten Atteste über 3 Tage Arbeitsunfähigkeit. Sie stellten Strafanzeige
und werden sich bei der TIHV um kostenlose Behandlung bemühen. (Quelle:
Yedinci Gündem vom 29.08.2002)
Kranker
Gefangener
Anwältin Gülizar
Tuncer gab bekannt, dass die Familie von Ahmet Ugur, der während der Operation
gegen die Gefängnisse vom Dezember 2000 verletzt worden war, Geld für den
Transport bezahlen musste, als er zur Behandlung ins Gefängnis in Antakya
verlegt wurde. Er sollte dort wegen einer psychischen Persönlichkeitsstörung
behandelt werden. Zuvor war er im F-Typ Gefängnis von Kandira in Isolation
gehalten worden. Die Familie musste 600 Millionen TL (ca. 400 Euro) zahlen
und hat Strafanzeige gegen das Justizministerium wegen Verletzung der Dienstpflicht
gestellt. (Quelle: Evrensel vom 29.08.2002)
Südkurdistan:
Türkei
verstärkt Präsenz in Nordirak
Die türkische
Armee hat ihre Präsenz in Nordirak nach Angaben der irakischen Kurdenpartei
DPK verstärkt. Das Militär sei derzeit mit zwei Dutzend Panzern sowie Bodentruppen
und Hubschraubern in der Region um Bamemi im Norden Iraks präsent, sagte
DPK-Chef Massud Barsani dem US-Radiosender NPR laut der türkischen Nachrichten-agentur
Anadolu. Er forderte den unverzüglichen Abzug der Armee.
Der nordirakische
Kurdenführer Dschalal Talabani erklärte unterdessen laut Presseberichten,
die USA hätten zugesichert, dass die Türkei sich an einem US-Militäreinsatz
gegen Irak nicht beteiligen wer-de. Die Türkei als einziger moslemischer
NATO-Staat lehnt die Pläne von US-Präsident George W. Bush zum Sturz des
irakischen Präsidenten Saddam Hussein ab. (Quelle: afp, 30.08.2002)
Saddam bietet
Türkei Riesensummen
Milliardenaufträge
sollen Ankara
offenbar von
Teilnahme am Anti-Irak-Krieg der USA abbringen
Die international
zunehmende Kritik an den Plänen der US-Regierung für eine Militäraktion
zum Sturz des irakischen Regimes lässt Staatschef Saddam Hussein hoffen,
dass er das Blatt vielleicht doch noch zu seinen Gunsten wenden könne.
Bei seiner neuen "Charme-Offensive" setzt der irakische Staatschef nun
vor allem auf die "Überzeugungs-kraft des Geldes". Dem für die Amerikaner
als Operationsbasis in einem Irak-Krieg strategisch wichtigen Nachbarland
Türkei bietet Bagdad Milli-ardenaufträge an. Einigen afrikanischen Staaten
sollen die Iraker laut arabischen Presseberichten sogar Bargeld angeboten
haben, falls sie keine amerikanischen Soldaten auf ihrem Territorium und
in ihren Häfen dulden.
Nachdem der
Irak vor einigen Tagen Wirtschaftsprojekte im Umfang von etwa 40 Mrd. Euro
mit Russland vereinbart hat, sucht der irakische Handelsminister Mohammed
Mahdi Saleh derzeit in der Türkei Kooperationspartner für Projekte in den
Bereichen Landwirtschaft, Erdöl und Erdgas sowie Verkehr und Gesundheit.
Wo immer er Station macht, wird Minister Saleh herzlich empfangen. Das
hindert Ankara allerdings nicht daran, gleichzeitig mit den USA über eine
Kompensation für die wirtschaftlichen Nachteile zu sprechen, die der Türkei
im Falle eines Irak-Krieges entstehen würden.
Auch bei den
arabischen "Brüdern" setzt Bagdad auf die Überzeugungskraft wirtschaftlicher
Vortei-le. Das Handelsvolumen mit Ägypten, Jordanien, den Vereinigten Arabischen
Emiraten und Tunesien ist in den vergangenen Monaten kräftig gewachsen.
Selbst das Königreich Saudi-Arabien, das im Golf-krieg 1991 Ziel irakischer
Scud-Raketen gewesen ist, wird am 9. September erstmals seit zwölf Jahren
wieder eine Handelsmesse in Bagdad ausrichten.
Was die arabischen
Nachbarn betrifft, so hat das Regime in Bagdad noch eine zweite Trumpfkarte
in der Hand - und die heißt "Israel". Denn erstens möchte sich wegen der
nach arabischer Auffassung "ungerechten Haltung" Washingtons im israelisch-palästinensischen
Konflikt derzeit kein arabischer Führer ohne Wenn und Aber auf die Seite
der Ame-rikaner stellen. Zweitens hat die Regierung von Ministerpräsident
Ariel Scharon klar gemacht, dass sie diesmal nicht wie im Golfkrieg von
1991 still-halten würde. Stattdessen wolle sie jeden irakischen Raketenangriff
auf Israel militärisch beantworten und sich als "guter Soldat" auf die
Seite der USA stellen, hieß es. Eine derartige Konstellation mit den USA
und Israel auf der einen und dem Irak auf der anderen Seite würde jedoch
selbst die so ge-nannten gemäßigten arabischen Staaten in die Arme Saddam
Husseins treiben.
Zeitungskommentatoren
von Dubai bis Ägypten werfen den Amerikanern vor, sie wollten letztlich
nur die Kontrolle über den Irak, das ölreiche Land zwischen Euphrat und
Tigris, anstreben. Um die derzeitige Krise zu entschärfen (ohne die Amerika-ner
vor den Kopf zu stoßen), wollen die arabischen Staaten Saddam Hussein dazu
bringen, die UNO-Waffeninspektoren wieder ins Land zu lassen. (Quel-le:
Salzburger Nachrichten, 28.08.2002)
Terrorgruppe
Ansar Al-Islam
experimentiert
mit chemischen Waffen
Von hoher
offizieller kurdisch-irakischen Stelle wurde am Donnerstag gesagt, dass
mit al-Qaida in Verbindung stehende radikale Araber in entlegenden kurdisch-irakischen
Gebieten in Laboratorien mit chemischen Waffen für Terror Anschläge experimentierten.
Bahram Salih,
ein hoher Funktionär der PUK sagte wenige Tage nach seinem Treffen mit
Vizepräsi-denten Cheney und Verteidigungsminister Rums-field in Washington
über mögliche Pläne einer eventuellen militärischen Aktion gegen den Irak.
PUK Geheimdienst
bestätigt die Möglichkeit der Ansar al-Islam Gift und chemische Waffen
in Ter-rorakten einzusetzen .Gleichzeitig lehnte es Salih in seinem telephonischen
Interview aus Washington ab, Einzelheiten darüber zu berichten. Er fuhr
fort indem er sagte, dass sich PUK-Kräfte in etwa 30km Entfernung zu den
gut gesicherten und in schwieri-gem Gebiet liegenden Laboratorien befänden.
Die radikale Gruppe hat ihre Basis in verschiedenen Dörfern nahe der iranischen
Grenze.
Von offizieller
Seite sagten die USA dazu, ihre Beobachtungen zeigten, dass diese Experimente
in der Erprobung von biologischen und chemischen Waffen auf Tierfarmen
durchgeführt würden und bislang wenigstens ein Opfer erfordert hätte. Dies
würde allerdings noch keinen militärischen Angriff rechtfertigen,
allerdings bereitete ihnen diese Grup-pe Ansar al-Islam, die auch den aus
Afghanistan vor den US Truppen geflüchteten Al-Qaida Kämp-fern Schutz bot,
zunehmend Sorgen.
Diese Gruppe
bestünde aus etwa 500 Mitgliedern von denen ca. 120 in Afghanistan ausgebildet
wä-ren , erklärte Salih weiter. Die Gruppe operiere zwar ausserhalb der
Einflussgebiete von Saddam Hussein und es gäbe auch Stimmen, die behaupte-ten
sie seien gegen das irakische Regime wären doch auch andere wiederum der
Meinung, dass sie es direkt oder indirekt unterstützten indem sie Zwi-schenfälle
mit Saddams kurdische Opponenten provozierten .PUK Kämpfer hatten wiederholt
Zusammenstösse mit Ansar-Kämpfern. Allein im Juli wurden bei einem bewaffneten
Zwischenfall 9 PUK Kämpfer getötet und 50 verwundet. Er lehne es
aber ab, über mögliche von der PUK geplante militärischen Aktionen zu sprechen.
Einem Mordanschlag durch Ansar-Angehörige in Suleymania konnte Salih unverletzt
entkommen. Eine Abordnung des US-Aussenministeriums, die sich gerade
mit kurdischen Politikern traf, war nahe genug um die Schüsse zu hören.
Einige Experten
sind der Meinung, dass Ansar al-Islam vom Iran Waffen erhält um die PUK
an einer noch engeren Bindung an die USA zu hindern. Von Salih wurde dies
jedoch verneint, es gäbe darauf keine Hinweise – im Gegenteil empfänden
die Iraner selbst diese Gruppe als Bedrohung ihrer eigenen Sicherheit.
(Quelle: AP, 21.August 02)
200 Flüchtlinge
an
süditalienischer
Küste gelandet
Fast 200 illegale
Einwanderer sind am Samstag mit
einem Boot
an der süditalienischen Adriaküste gelandet. Bei den Flüchtlingen handle
es sich um Kurden aus dem Irak, berichtete das staatliche Fernsehen. Zunächst
war von lediglich 150 Menschen die Rede gewesen. Inoffiziellen Informationen
zufolge hatten die Kurden während der letzten Tage ihrer Fahrt keine Lebensmittel
und auch kein
Wasser mehr
an Bord. Die Flüchtlinge hätten ihre Reise via die Türkei vor etwa sieben
Wochen be-gonnen und umgerechnet 2000 bis 3000 Euro dafür bezahlt.
Weil das Schiff
kein Navigationssystem hatte, konnte es nur in Küstennähe fahren. Weiter
hieß es, die Menschen seien in guter gesundheitlicher Ver-fassung und kämen
zunächst in Auffanglager.
Die italienische
Küstenwache hatte das Boot bereits in der Nacht zum Samstag entdeckt. Angehörige
der Küstenwache gingen an Bord und begleiteten das Schiff in den Hafen
Maria di Leuca. In Südita-lien landen jährlich etwa 20 000 Einwanderer
vor allem aus Albanien, der Türkei und dem Irak. Viele Kurden betrachten
Italien aber als nur Transitland und wollen weiter nach Deutschland oder
Frank-reich. (Quelle: dpa, 24.08.02)
Küstenwache
vereitelt Flucht von 231 Migranten nach Italien
Die türkische
Küstenwache hat am Samstag die Flucht von 231 Migranten nach Italien vereitelt.
Die aus der Türkei und mehreren asiatischen Ländern stammenden Flüchtlinge
waren angeblich mit meh-reren Bussen aus Istanbul an die Mittelmeerküste
gebracht worden, von wo aus sie in See stechen sollten. Nach Angaben der
Behörden wurden 63 Menschen an Bord eines 30 Meter langen Schiffes festgenommen,
das nahe der Küste auf Grund gelaufen war. Die übrigen Flüchtlinge wurden
am Ufer in Gewahrsam genommen. Der türkische Ka-pitän und die Besatzung
würden verhört, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu.
Erst am Samstagmorgen
waren fast 200 illegale Einwanderer, die ihre Seereise ebenfalls in der
Tür-kei begonnen hatten, mit einem Boot an der süditalienischen Adriaküste
gelandet. Bei den Flüchtlingen handle es sich um Kurden aus dem Irak, berichtete
das staatliche italienische Fern-sehen. (Quelle: DPA, 24.08.02)
Folter und
Misshandlung: Urgent Aktion von AI:
Türkei: Abdulkadir
Yakut, 27 Jahre alt
Berichten
zufolge ist Abdulkadir Yakut im Polizei-gewahrsam in Diyarbakir (Südosten
der Türkei) gefoltert worden. Derzeit befindet er sich in Diyar-bakir in
Gendarmeriegewahrsam. amnesty international befürchtet, dass seine Foltervorwürfe
von den türkischen Behörden nicht untersucht werden, und dass Abdulkadir
Yakut weiterhin in Gefahr ist, gefoltert oder misshandelt zu werden.
Nähere Informationen
unter: www.ai.de
Der Staudamm-Skandal.
Die kurdische
Stadt Hasankeyf bangt
Ein gigantisches
Staudamm-Projekt in der Türkei - unterstützt durch eine Hermes-Bürgschaft
der Bun-desrepublik und anderer europäischer Geldgeber - vereint Kirchen,
Umweltschützer, Archäologen und Kunsthistoriker im Protest.
50 kurdische
Orte sollen in den nächsten fünf Jah-ren vom Wasser des Ilisu-Staudammes
überflutet werden, 80 000 Menschen würden damit aus ihrem Land vertrieben,
ohne Entschädigung, ohne die Möglichkeit, juristisch gegen das Projekt
vorzuge-hen. Es gibt nicht einmal einen Umsiedlungsplan für die meist armen
Bauern.
Diese Verletzung
der Menschenrechte und die un-überschaubaren ökologischen Folgeschäden
führten in England - anders als in Deutschland - politisch dazu, eine Bürgschaft
abzulehnen. Auch die Welt-bank lehnt das Projekt ab.
In seiner
Reportage sucht Michael Enger die Orte auf, die es bald nicht mehr geben
soll, begleitet und hinterfragt den Protest der einfachen und organisierten
Menschen, die versuchen, die heiligen Stätte des Landes, ihre Lebensgrundlage
zu erhalten.
Im WDR Fernsehen
Sonntag, 15.
September 2002, 16:30 Uhr
Wiederholung
Freitag, 20. September 2002, 11:30 Uhr und Freitag, 04. Oktober 2002, 13:30
Uhr
Verehrte
Leserinnen und Leser,
Der IMK e.V.
wird in Kooperation mit der Medizinischen Flüchtlingshilfe Bochum eine
Veranstaltungsreihe zum Thema „Trauma und Therapie“ durchführen. Die erste
Veranstaltung wird am 21. September 2002 in Köln statt-finden. Das gesamte
Programm der Veranstaltungsreihe können Sie unserer WEB-Seite entnehmen.
Wie zuvor auch
diesmal möchten wir an Sie appellieren, uns mitzuteilen falls Sie eine
e-mail-Adresse haben, denn der Versand über e-mail ist kostengünstiger
und schneller.
Wir möchten
Sie gleichzeitig auf unsere WEB-Seite hinweisen, die interessante Beiträge
enthält:
· Interview
mit dem Generalsekretär der PSK, Kemal Burka (Deutsch und Englisch)y
· Interview
mit Ahmad Berwari, Repräsentant der PUK in Deutschland (Deutsch)
· Ein Artikel
vom Ashiti Amir über Syrien und Syrisch-Kurdistan (Deutsch)
· Die Erklärung
der PSK zum „EU-Anpassungspaket“ des Türkischen Parlaments (Deutsch und
Eng-lisch)
· Die Presseerklärung
des IMK e.V. zu den Agressionsplänen der Türkei (Deutsch)
· Der Artikel
„Kurden und Kurdistan“ von Shahin Sorekli aus Australien (Englisch)
Diese Beiträge
tragen nicht unbedingt unsere Meinung, sondern geben die aktuell für unser
Themengebiet interes-santen Diskussionen wieder. Besuchen Sie doch einmal
www.kurden.de.
Mit freundlichen
Grüßen,
Ihre Redaktion
ISSN 1438- 08 Herausgeber: IMK e.V., Postfach 07 38, D-53137 Bonn, Telefon:
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und imkkurds@aol.com Besuchen sie auch unsere Website: http://www.kurden.de
Verantwortlicher Leiter: Abubekir Saydam Abonnementbedingungen
(pro Jahr):· Stiftungen, Parteien, Regierungen und internationale Organisationen
sowie Gremien: Euro 92,00 · Gerichte, Rechtsanwälte, Menschenrechtsorganisationen,
Flüchtlingsberatungsstellen: Euro 46,00 · Förderabonnement, Einzelpersonen
und kleinere Vereine: Euro 31,00 Spendenkonto: Volksbank
Bonn (BLZ: 380 60 186), Konto-Nr.: 201 246 90 23
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