Internationaler
Verein für Menschenrechte der Kurden
IMK Wocheninformationsdienst
PRESSEERKLÄRUNG
Expansionsgelüste
der Türkei stoppen – Invasionspläne der türkischen Streitkräfte für Südkurdistan
(Nordirak
Seit dem
die Diskussion der US-Administration durch einen Krieg gegen den Irak,
um den blutrünsti-gen Diktator Saddam Hussein zu stürzen, läuft, werden
auch Verlautbarungen und Drohungen sowohl der türkischen Regierung als
auch des Generalstabs bezüglich eines möglichen unabhängigen kurdi-schen
Staates innerhalb des Territoriums im Irak immer aggressiver und bedrohlicher.
Zu Beginn
der Diskussion hat sich die türkische Seite vehement gegen einen Angriff
der USA auf den Irak ausgesprochen, weil dabei einerseits die Interessen
der Türkei sehr stark berührt werden und an-dererseits die Sorge um die
Entstehung eines unabhängigen kurdischen Staates sich konkretisieren würde.
Nach Gesprächen
mit der US-Administration erklärte sich die türkische Seite kurze Zeit
später bereit, bei einem Angriff der USA auf den Irak unter bestimmten
Bedingungen ihre Stützpunkte für die US-Streitkräfte freizugeben. Sie verlangten
gleichzeitig von den USA die Garantie, dass nach Saddams Sturz im Nordirak
kein unabhängiger kurdischer Staat entsteht.
In den
letzten Wochen werden in den türkischen Medien die verbalen Attacken und
Drohungen der türkischen Politiker und des Generalstabs der türkischen
Streitkräfte gegen die föderalen Strukturen in Südkurdistan bzw. gegen
die regierenden kurdischen Parteien lauter und häufiger.
Seit die
Diskussion um eine zukünftige Struktur des Iraks nach der Saddam-Aera,
sowohl innerhalb der irakischen Opposition, zu der auch die kurdische Seite
gehört, als auch hauptsächlich in den US-Medien ausführlich geführt wird,
wird auch die Haltung der türkischen Seite gegenüber Südkurdistan aggressiver.
Weil die
kurdischen politischen Führer im Nordirak die Großstadt Kirkuk nach der
Saddam-Aera in-nerhalb der föderalen Zone Südkurdistan sehen wollen und
dies wünschen, melden sich plötzlich be-stimmte turkmenische Organisationen
und Nationalistengruppen, die von der Türkei unterstützt und gesteuert
werden, zu Wort und erheben Anspruch auf eigene föderale Strukturen bzw.
auf die Stadt Kirkuk.
Die Türkei
hat seit der Unterzeichnung des Lausanner Vertrages 1923 bis heute nicht
auf die Provin-zen Mossul und Kirkuk verzichtet. Nach türkischer Meinung
gehören diese beiden Provinzen gemäß des Nationalpaktes „Misaki Milli“
zur Türkei.
In Kirkuk
gelingt dem Baat’h-Regime seit Jahrzehnten nicht, trotz Zwangsvertreibung
und Umsied-lungspolitik die bestehende Bevölkerungsmehrheit der Kurden
zugunsten der Araber zu verändern. Dabei werden auch Turkmenen und Assyrer
zwangsumgesiedelt bzw. vertrieben. Unabhängig davon, hat nach Angaben der
irakischen Opposition es weder in Kirkuk noch in Mossul eine turkmenische
Mehrheit gegeben.
Die türkische
Seite hat sich die Forderung dieser turkmenischen Nationalisten zu eigen
gemacht und fordert eine föderale Zone für Turkmenen, die auch Kirkuk einschließt.
Sie beabsichtigt sogar eine mögliche Invasion in Südkurdistan, um einerseits
nach eigenen Angaben die Entstehung eines unab-hängigen kurdischen Staates
zu verhindern und andererseits die Interessen der Turkmenen in der Pro-vinz
Kirkuk sicherzustellen.
Die Öffentlichkeit
weiss, dass die Türkei auch in der Vergangenheit mehrmals in Südkurdistan
ein-marschiert ist und Pläne für eine von türkischen Streitkräften kontrollierte
50km breite Zone im Nord-Irak geschmiedet hat. Wenn auch diese Pläne auf
Druck der westlichen Verbündeten der Türkei wie-der zurückgezogen wurden,
so sind sie nicht vom Tisch. Die Verstärkung, der türkische Streitkräfte
an der irakischen Grenze, und zwar mit schweren Kriegsgeräten, deuten auf
eine Invasion in Südkurdis-tan hin, die eine Zerschlagung der föderalen
Strukturen in Südkurdistan zur Folge haben wird.
Die Absichten
und Pläne der türkischen Seite verstossen gegen internationales Recht.
· Wir protestieren
gegen die Drohungen und Pläne der türkischen Regierung und des türkischen
Generalstabs in Südkurdistan (Nordirak) einzumarschieren.
· Wir rufen
die EU und deren Mitgliedsstaaten sowie die US-Administration auf, die
türkische Seite von ihren Plänen abzubringen und im Falle einer Invasion
mit Sanktionen zu belegen.
Gleichzeitig
fordern wir die UN und andere internationale Gremien dazu auf, auf die
Türkei einzuwir-ken, sie von ihren Aggressionsplänen abzubringen.
Ein Land,
das beabsichtigt Mitglied der EU zu werden, kann nicht gleichzeitig internationales
Recht verletzen, um in ein Nachbarland einzumarschieren.
Die kurdische
Führung in Südkurdistan möchte in einem demokratischen Irak mit föderalen
Strukturen friedlich mit anderen Bevölkerungsgruppen zusammenleben.
Wir unterstützen
die diesbezüglichen Erklärungen der kurdischen Parteien und Führung in
Südkurdis-tan und fordern die Öffentlichkeit auf, die Aufrechterhaltung
der föderalen Strukturen in Südkurdistan mit allem Nachdruck zu unterstützen.
Bonn, 30.08.02
Abubekir
Saydam
(Büroleiter)
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