Internationaler
Verein für Menschenrechte der Kurden
IMK Wocheninformationsdienst
Datum:
14. August – 22. August 2002
Nummer: 165
„EU-Anpassungspaket“
ist ein Betrug!
In einer Presseerklärung
vom 07. August hat der Generalsekretär der Sozialistischen Partei Kurdistan
(PSK), Kemal Burkay, sich zu dem Reformpaket des türkischen Parlaments
geäußert und dieses als Betrug und Irreführung der Öffentlichkeit im In-
und Ausland bezeichnet.
Nach Meinung
seiner Partei, haben die politischen Kreise, sowie die Medien der Türkei
das Anfang August vom türkischen Parlament verabschiedete „EU-Anpassungspaket“
mit Unrecht als die Erfül-lung der Kopenhagener Kriterien angepriesen.
Nach Einschätzung
der PSK ist dies weder realistisch, noch richtig. Wenn auch die Gesetzesänderungen
einige positive Aspekte aufweisen, so erfüllen sie weder die Kopenhagener
Kriterien, noch können sie als ein ernsthafter Schritt zur Lösung der Kurdenfrage
und zur Demokratisie-rung gewertet werden.
So wurde beispielsweise
die Todesstrafe bis auf „in Kriegssituationen oder bei drohenden Kriegssituati-onen“
aufgehoben. Doch gibt es Zeiten, in der sich die Türkei nicht im Krieg
oder am Rande eines Krieges befindet? Die Beziehungen der Türkei zu ihren
Nachbarn sind ständig angespannt und mit dem kurdischen Volk befinden sie
sich fast immer im Kriegszustand. Also wird es für die Regierenden zu keiner
Zeit ein Problem sein, die Anwendung der Todesstrafe auch in Zukunft zu
begründen.
Ausserdem
muss man fragen, ob die Todesstrafe in der Türkei der einzige Weg ist,
Menschen umzu-bringen. Obwohl seit 1984 in diesem Land keine Hinrichtung
mehr vollzogen wurde, starben Tausende von Menschen unter Folter und in
Gefängnissen. Mitten auf der Straße, ja sogar im eigenen Haus, wurden Menschen
willkürlich hingerichtet. Derzeit werden aus den F-Typ Gefängnissen tagtäglich
die Leichen von politi-schen Häftlingen herausgetragen. Werden von nun
an diese Praktiken ein Ende finden?
Nach Behauptung
der türkischen Medien würde mit den jüngsten Reformen die Bildung, sowie
Sendun-gen in Kurdisch zugelassen. Auch das ist nicht wahr! Die Hindernisse
der Bildung in der Mutter-sprache wurden nicht aufgehoben. Es ist lediglich
die Rede von Unterricht in der Muttersprache au-ßerhalb des Schulunterrichtes
in privaten Kursen. Es ist unklar, wie diese Kurse realisiert werden sollen.
Man dürfe sich nicht wundern, wenn selbst diese Kurse mit unzähligen Hürden
durch die Bü-rokratie, oder durch die Polizei verhindert werden.
Auch die Hindernisse
von Sendungen in der Mut-tersprache sollen angeblich aufgehoben worden
sein. Dies ist ein großer Irrtum! Durch die monatelang andauernden
Diskussionen über dieses Thema weiß man, dass das Regime keine derartige
Intention hat. Vielmehr sieht das Regime für die 20 Millionen Kurden eine
streng durch den Staat kontrollierte, täglich halbstündige Sendung vor.
Es wird unmissverständlich klargestellt, dass es nicht vorgesehen ist,
private Radio- und Fernsehsendungen in kurdisch oder in anderen Sprachen
zuzulassen. Wie bisher, auch in die Zukunft werden die Kurden keine Parteien
und Organisationen gründen können, die offen eine kurdische Identität bzw.
Namen tragen. Das Verbot solcher Freiheiten gilt heute ebenso wie gestern
als „Separatismus“.
Das türkische
Rechtssystem ist ein Labyrinth voller Fallen und Hindernisse für Rechte
und Freiheiten. Das gilt an erster Stelle für die Verfassung von 1982,
die ein Produkt der Junta ist. Es können keine ernsthaften Schritte in
Richtung Demokratie und Erfüllung der Kopenhagener Kriterien unternommen
werden, bevor diese Verfassung und das gesamte Rechtssystem nicht demokratisiert
werden.
Mit diesen
plakativen Gesetzesänderungen wird lediglich der Zweck verfolgt, einen
Termin für die EU-Beitrittsverhandlungen zu bekommen. Wie gewohnt, versucht
die türkische Seite die Öffent-lichkeit im In- und Ausland wieder zu täuschen.
Abgesehen
davon ist es zweifelhaft, dass das türkische Regime Reformen, die es auf
dem Papier akzeptiert, auch tatsächlich realisiert. Schließlich ist in
diesem Land Folter zwar den Gesetzen zufolge verboten, ja sogar eine Straftat,
doch das Räderwerk des Folterns dreht sich systematisch weiter.
Nach Meinung
der PSK wird das türkische Regime das kurdische Volk, deren Zahl allein
in den Gren-zen der Türkei 20 Millionen überschreitet, nicht mit solcher
Augenwischerei hereinlegen. Die Kurden würden den Sklavenstatus, die Unterdrückung
und solch erniedrigende Praktiken niemals akzeptieren. Wie jedes Volk würde
auch das kurdische Volk entschlossen nach Freiheit und Gleichheit verlan-gen.
Die Ersetzung
der herrschenden rassistischen und militaristischen Verfassung durch eine
demokrati-sche Verfassung, die die kurdische Identität aner-kennt, hat
nach Meinung der PSK Priorität. Sie fordert die Anerkennung der kurdischen
Sprache, die die Muttersprache von einem Drittel der Population des Landes
ausmacht, neben Türkisch als offizielle Sprache.
Die PSK fordert
in ihrer Presserklärung u.a. die vollständige Anerkennung der kulturellen
und poli-tischen Rechte des kurdischen Volkes, und zwar die Bildung in
Kurdisch von der Grundschule bis zur Universität; ganztägige Radio- und
Fernsehsendun-gen in Kurdisch; freie kurdische politische Parteien und
Organisationen sowie eine föderative Lösung auf der Basis der Gleichheit.
(Quelle: PE des General-sekretärs der PSK, 07.08.02)
Weiteres
Opfer des Todesfastens
Fatma Bilgin,
die das Todesfasten im Gefängnis von Malatya vor mehr als 430 Tagen begann
und am 1. August in das Numune Krankenhaus von Ankara eingeliefert wurde,
starb am 10. August. Sie war vor 7 Jahren als Mitglied der DHKP/C inhaf-tiert
worden und hatte eine Strafe von 12,5 Jahren Haft erhalten. (Quelle: TIHV,
12.08.02)
IHD fordert
Initiative des
Justizministeriums
Hüsnü Öndül,
der Vorsitzendes des IHD hat die neue Justizministerin Aysel Çelikel aufgefordert,
in Bezug auf das Todesfasten und die Isolation in den Gefängnissen vom
Typ F etwas zu unternehmen. Bislang habe das Ministerium nur mit der Bemer-kung
reagiert, dass die Gefangenen sich selber isolierten. Dies aber bedeute,
dem Sterben zuzuse-hen. Nach Auskunft des IHD befinden sich noch folgende
22 Gefangene im Todesfasten: im Ankara Numune Krankenhaus: Serdar Karabulut,
Tanju Mete, Talat Sanli, Birsen Hosver und Feride Har-man; im F-Typ Gefängnis
von Sincan: Yusuf Araci und Erkan Koncuk; im Krankenhaus von Bayram-pasa:
Zeliha Ertürk, Hamide Öztürk, Imdat Bulut, Berkan Abatay und Mehmet Kahraman;
im Gefängnis von Kütahya: Fatma Köse, Gülnihal Yilmaz und Özlem Türk; im
F-Typ Gefängnis von Tekirdag: Bülent Özdemir, Nihat Palabiyik, Yavuz Ates,
Mesut Akbulut, Ali Sahin, Sinan Akbayir und Sengül Arslan. (Quelle: Cumhuriyet,
13.08.02)
Ermittlungen
gegen den IHD
Die Staatsanwaltschaft
in Ankara hat Ermittlungen gegen die Führung des IHD angestrengt. Am 11.
Februar hatte der Verein eine Anfrage an das In-nenministerium zu Foltervorwürfen
in der Provinz Bingöl geschrieben. Der Generalsekretär Selahattin Esme
hatte den Brief unterschrieben, aber als Erster wurde die Aussage des Vorsitzenden
Hüsnü Öndül aufgenommen. (Quelle: Evrensel, 14.08.02)
Lehrer vor
Gericht
Am 14. August
fand eine Verhandlung gegen 12 Lehrer und Funktionäre der Gewerkschaft
Egitim-Sen vor dem SSG Istanbul Nr. 4 statt. Sie werden beschuldigt, auf
verschiedenen Kongressen der Gewerkschaft in Istanbul zwischen dem 2. und
13. Februar Reden zum Recht auf Unterricht in der Muttersprache gehalten
und damit das Programm der PKK unterstützt zu haben. Die Angeklagten wiesen
die Vorwürfe zurück. Neben dem Vorsitzenden der Gewerkschaft, Alaattin
Dinçer, sind Ali Riza Aydin, Musa Biçer, Hasan Toprak, Muhammet Ekber Isik,
Ahmet Korkmaz, Necdet Uygun, Özgür Müftüoglu, Emin Ekinci, Kemal Yüksel,
Veysel Akdenizli und Agah Tuncay angeklagt. (Quelle: Evrensel, 15.08.02)
Kampagne
für Unterricht in Kurdisch
Vor der 2.
Kammer des SSG Istanbul wurde ein Verfahren gegen 8 StudentInnen, die Petitionen
für Kurdisch als Wahlfach dem Rektor der Universität übergeben hatten,
fortgeführt. Der Richter liess die bewaffneten Gendarmen und die von ihnen
beglei-teten 7 Angeklagten aus dem Gefängnis Bayrampasa nicht in den Saal.
Die Soldaten wiederum bestanden darauf zumindest in der Hälfte der Anzahl
der Angeklagten am Verfahren teilzunehmen. Daraufhin wurde die Verhandlung
vom 14. August auf einen Termin in 2 Monaten vertagt. Bis dahin werden
die Angeklagten Sahin Tücer, Ali Dogan, Nurettin Firat, Serhat Azizoglu,
Mürsel Sargut, Ali Turgay und Hasim Gülen in U-Haft bleiben, da ihre Aussagen
vor Gericht noch nicht aufgenommen wurden. Die Gefangene Ruken Buket Isik
wurde ebenfalls nicht entlassen, obwohl sie von unbewaffneten Soldaten
aus dem Gefängnis in Bakirköy für Frauen und Kinder hergebracht worden
war. (Quelle: Evrensel, 15.08.02)
KESK-Protestmarsch
nach Ankara
Mitglieder
der KESK-Gewerkschaften (für den öffentlichen Dienst) hielten vor dem Start
für einen Protestmarsch nach Ankara eine Pressekonferenz vor dem Gewerkschaftsgebäude
ab. Der Marsch soll vom 13. - 17. August dauern und von Istanbul sowie
Gebze, Izmit, Bursa, Eskiseir, Bolu, Zongul-dak und Ankara unterstützt
werden.
Forderungen
sind:
Ein ausreichender
Lohn für ein menschenwürdiges Leben; Demokratisierung des Arbeitslebens;
Aus-zahlung der Gelder, die durch zwangsweises Sparen einbehalten werden;
Besetzung freier Arbeitsstel-len; Verkürzung der Arbeitszeit; Verlängerung
des Schwangerschafts- bzw. Geburtsurlaub; Ausrei-chende Zahl von Kinderhorten
(Özgür Politika,
13.08.02)
Egitim-Sen:
Seit einem Jahr verstärkt staatliche Unterdrückung und Willkür
Die Egitim-Sen
(Lehrergewerkschaft) hat insgesamt 98 Zweigstellen und 350 Vertretungen
mit ca.180.000 Mitgliedern. Das Schwergewicht ihrer Arbeit liegt in der
Betreuung und Gewinnung neuer Mitglieder. Seit etwa einem Jahr ist die
Gewerk-schaft verstärkten Repressionen des Staates ausgesetzt. Im Bezirk
Van sind in den letzten drei Monaten 19 Personen, im Bezirk Mersin in den
letzten fünf Monaten 38 Personen und im Bezirk Diyarbakir seit den 90er
Jahren 186 Personen zwangsversetzt worden. Bei den Versetzungen in Diyarbakir
gab es während des Ausnahmezustandes keine Möglichkeit, rechtlich dagegen
vorzugehen. Deswegen haben im Jahr 2001 17 Zwangsversetzte, im Jahr 2002
bisher fünf Mitglieder, Klage beim Menschenrechtsgerichtshof in Strassburg
eingereicht. Urteile sind bei den Klagen noch nicht gefallen. (Özgür Politika,
12.08.2002)
Türkisches
Militär:
Keine Präsenz
in Nordirak
Der türkische
Generalstabschef hat Berichte zurückgewiesen, wonach Truppen einen nordiraki-schen
Flughafen besetzt haben sollen.
Medienberichte
über die angebliche Übernahme des nordirakischen Flughafens Bamami durch
die Tür-kei hat der türkische Generalstabschef Hüseyin Kivrikoglu als falsch
bezeichnet.
Auch Informationen
über die Entsendung von 5000 türkischen Soldaten und Ausrüstung träfen
nicht zu, zitiert der Online-Dienst „Turkish Daily News“ am Dienstag aus
einer Erklärung Kivrikoglus. Der Bamami-Flughafen sei während des Golfkriegs
zerstört worden und könne seitdem nicht mehr genutzt werden.
Die türkische
Presse hatte am vergangenen Don-nerstag unter Berufung auf einen nordirakischen
Kurdenchef berichtet, die türkische Armee habe den Flughafen besetzt. Dies
wurde als Zeichen dafür gesehen, dass Ankara einen Angriff auf Irak vorbe-reitet.
Die Zeitung „Hürriyet“ schrieb, von Bamami aus könne die ganze Region kontrolliert
werden.
Talabani ist
der Chef der Patriotischen Union Kur-distans (PUK), die seit dem Ende des
Golfkriegs 1991 gemeinsam mit der rivalisierenden Kurdenor-ganisation KDP
den Norden Iraks beherrscht. (nz) (Quelle: Netzeitung, 13. 08. 2002)
Parlament
in Arbil bestätigt Gesetz zur
Beendigung
der „Ehrenmorde“
Das Gesetz,
das „Ehrenmorde“ legal machte, wurde im Parlament einstimmig abgeschafft.
Nach länge-ren Diskussionen mit verschiedenen par-lamentarischen Komitees,
Frauen- und Menschenrechtsorganisationen und religiösen Vertretern, stellte
das Parlament die Neufassung einiger Artikel des alten Paragraphen 111
aus dem Jahr 1969 vor.
In dieser
ausserordentlichen Sitzung erklärte der Parlamentspräsident, Dr. Rowsch
Nouri Shaways, wörtlich: “Frauen im Namen von Religion und Tradition zu
töten entbehrt jeder religiösen Basis und kann in keiner Weise toleriert
werden, tatsäch-lich widerspricht es den Regeln des Islam.“ Er erklärte
weiterhin, dass niemand das Recht habe, Gesetze in die eigene Hand zu nehmen.
In der Vergangenheit
waren viele unschuldige Frauen von ihren Ehemännern, Brüdern, Vätern und
anderen Verwandten, wegen des Verdachts der ehelichen Untreue, getötet
worden.
Nachirvan
Barzani, KRG, begrüsste die Gesetzes-änderung ebenfalls als einen wichtigen
Schritt in Richtung auf eine neue Wertschätzung der Frauen. (Quelle: Kurdistan
Today , 13. 08.02)
Iran lässt
zwei Journalisten frei
Zwei zu mehrjährigen
Haftstrafen verurteilte iranische Journalisten sind gestern gegen Kaution
vorläufig auf freien Fuß gesetzt worden. Wie der Journalist Issa Sahar-Khis
gegenüber AFP sagte, kamen
seine seit
27 Monaten inhaftierten reformorientier-ten Kollegen Akbar Gandschi und
Emadeddin Bagi gegen jeweils 25.000 Euro Kaution zunächst für eine Woche
frei. Gandschi war wegen Teilnahme an der Berliner Iran-Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung
vom April 2000 wegen "Gefährdung der Staatssicherheit" zu sechs Jahren
Haft verurteilt worden. Er hatte Kreise um Exstaatspräsident Ali Akbar
Rafsandschani für den Mord an Oppositio-nellen Ende 1998 verantwortlich
gemacht. Bagi
verbüßt eine
dreijährige Haftstrafe wegen "regie-rungsfeindlicher Propaganda". (Quelle:
taz, 19.8.02)
Iran soll
Übersetzer Khalil Rostamkhani frei lassen
Das deutsche
PEN-Zentrum hat an die iranische Regierung appelliert, den Übersetzer Khalil
Rostamkhani zu begnadigen und nach Deutschland ausreisen zu lassen. Rostamkhanis
Frau, die mit dem Sohn in Deutschland lebt, sei an einem Hirn-tumor erkrankt
und auf die Hilfe ihres Mannes angewiesen. Der 49-jährige Khalil Rostam-khani
und seine Frau Roshanak Daryoush waren an der Irankonferenz der Heinrich-Böll-Stiftung
im April 2000 in Berlin beteiligt. (Quelle: FR, 16.08.2002)
Ankara will
in Nordirak Flüchtlingslager bauen
Die Türkei
plant die Errichtung von Flüchtlingsla-gern in Nordirak, um bei einem Angriff
der USA auf das Nachbarland gewappnet zu sein. "Unsere Priorität ist die
Schaffung einer etwa 15 Kilometer breiten Pufferzone in Nordirak, um dort
Flüchtlinge
versorgen
zu können", sagte der regionale Leiter der Hilfsorganisation Roter Halbmond
in der süd-ostanatolischen Stadt Diyarbakir. In einer ersten Phase sollten
fünf Zeltlager auf der irakischen Seite gebaut werden, die etwa 2000 Flüchtlingsfamilien
aufnehmen könnten: "Wir haben Zelte, Decken sowie Vorräte an Lebensmitteln
und Arznei bereit-gestellt."
Bereits 1991
waren hunderttausende irakische Kur-den vor den Truppen Bagdads über die
Berge in die Türkei geflohen. Die türkischen Streitkräfte ver-suchten sie
zurückzuhalten, musste dann aber vor dem Andrang immer neuer Menschen kapitulieren.
(Quelle: FR, 21.08.02)
Konflikt
zwischen Türkei und dem
KDP-Präsidenten
Barzani
Angesichts
eines möglichen US-Angriffs auf den Irak schaukeln sich die Spannungen
zwischen der Türkei und der kurdischen Führung in Südkurdistan (Nordirak)
im Nordirak hoch - und nehmen zuneh-mend kriegerische Töne an. Der KDP-Präsident
Massud Barzani antwortete jetzt auf die Provokati-onen und Einmarschdrohungen
der türkischen Seite mit der Gegendrohung, man werde den türkischen Streitkräften
"ein Grab" schaufeln, wenn sie im Nordirak intervenieren sollten.
Was ist passiert?
Seit sich
US-Präsident George W. Bush intensiv darum bemüht, die kurdischen Oppositionsparteien,
und zwar hauptsächlich die KDP-Irak und die PUK, in seine Pläne für einen
Sturz des irakischen Staats-chefs Saddam Hussein einzubinden, wächst beim
NATO-Partner Türkei der Argwohn. Zwar könnte Ankara mit einem Regimewechsel
in Bagdad leben. Unterstützung für einen US-Militärschlag machen türkische
Regierung und Armeeführung jedoch davon abhängig, dass die Entstehung eines
Kurdenstaates im Nordirak auf jeden Fall verhindert werden müsse.
Nachdem zunächst
die Bedenken überwogen, eine Militärintervention im Irak könne die ganze
Region destabilisieren und die ohnehin angeschlagene türkische Wirtschaft
in den Ruin treiben, hat sich die Türkei mittlerweile auf einen US-Schlag
einge-stellt. "Wir treffen politisch und militärisch unsere Vorbereitungen",
erklärte jüngst Ministerpräsident Bülent Ecevit. Zu wichtig sei der Türkei
die "stra-tegische Partnerschaft" mit den USA.
Erste Anzeichen
für Spannungen zwischen der Türkei und Massud Barzani tauchten auf,
als Bush die nordirakischen Oppositionsgruppen Anfang August nach Washington
einlud. Dass statt Barzani ein Stellvertreter teilnahm, erklärten türkische
Me-dien damit, Ankara habe seinen Diplomatenpass eingezogen.
Wichtiger
wohl noch: Den Beteuerungen Barzanis, die nordirakischen Kurden strebten
keinen eigenen Staat an, vermag Ankara nicht recht zu glauben. Türkische
Medien berichteten dieser Tage, Barzanis Demokratische Partei Kurdistans
(KDP-Irak) und die Patriotischen Union Kurdistans unter Dschalal Talabani,
die sich seit dem Golfkrieg 1991 die Macht im autonomen Nordirak teilen,
hätten sich jüngst auf eine weitere Verfestigung staatlicher Strukturen
geeinigt.
Das Fass zum
Überlaufen aber brachte eine von türkischen Medien Barzani zugeschriebene
Nord-irak-Karte, in der die Stadt Mossul als "kurdische" Stadt ausgewiesen
wurde. Bei türkischen Nationalisten wurden umgehend Erinnerungen an den
Zerfall des Osmanischen Reiches zu Beginn des 20. Jahrhunderts wach.
"Mossul und
Kirkuk ist Gebiet der Turkmenen. Dass jemand ein Auge darauf wirft, ist
für uns uner-träglich", polterte Verteidigungsminister Cakmakoglu von der
Partei der Nationalen Bewegung (MHP). Das Gebiet um Mossul, in dem nach
türkischen Presseangaben angeblich rund 400 000 der drei Millionen Turkmenen
im Irak leben, war bereits damals Streitobjekt - vor allem wegen der Ölvorkommen.
Erst auf Druck der Briten gaben die Türken nach und erkannten 1926 die
Grenze zum Irak an. (Quelle: dpa,22.08 02
Flüchtlinge
vor Sizilien gerettet
Die italienische
Küstenwache hat in der Nacht zum Montag 151 Flüchtlinge, zumeist Kurden
und Afri-kaner, südlich von Sizilien gerettet. Das Boot hatte ein Leck
und drohte auf der Fahrt über das Mittel-meer zu sinken. (Quelle: FR, 20.8.02)
Verehrte
Leserinnen und Leser,
Der IMK e.V.
wird in Kooperation mit der Medizinischen Flüchtlingshilfe Bochum eine
Veranstaltungsreihe zum Thema „Trauma und Therapie“ durchführen. Die erste
Veranstaltung wird am 21. September 2002 in Köln statt-finden. Das gesamte
Programm der Veranstaltungsreihe können Sie unserer WEB-Seite entnehmen.
Wie zuvor auch
diesmal möchten wir an Sie appellieren, uns mitzuteilen falls Sie eine
e-mail-Adresse haben, denn der Versand über e-mail ist kostengünstiger
und schneller.
Wir möchten
Sie gleichzeitig auf unsere WEB-Seite hinweisen, die interessante Beiträge
enthält. Diese Beiträge tragen nicht unbedingt unsere Meinung, sondern
geben die aktuell für unser Themengebiet interessanten Diskus-sionen wieder.
Besuchen Sie doch einmal www.kurden.de.
Mit freundlichen
Grüßen,
Ihre Redaktion
ISSN 1438- 08 Herausgeber: IMK e.V., Postfach 07 38, D-53137 Bonn, Telefon:
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(pro Jahr):· Stiftungen, Parteien, Regierungen und internationale Organisationen
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Flüchtlingsberatungsstellen: Euro 46,00 · Förderabonnement, Einzelpersonen
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