Internationaler
Verein für Menschenrechte der Kurden
IMK Wocheninformationsdienst
Datum:
28. Juli – 4. August 2002 Nummer: 163
Anklage
wegen Tod in Haft
Die Staatsanwaltschaft
von Fatih (Istanbul) hat die Polizei-beamten Sefik Kul, st. Polizeichef,
Mehmet Artunay, Leiter der politischen Polizei, Osman Kursun, Saldiray
Öztürk, Celil Zilyaoglu, Yücel Ceylan und Ahmet Asim Isik wegen des Todes
von Yunus Güzel am 23. Oktober 2001 angeklagt. Das Verfahren wegen Verletzung
der Aufsichts-pflicht wird am 19. September vor dem 5. Strafgericht von
Fatih beginnen. Yunus Güzel war am 16.10.2001 festge-nommen worden. Er
sollte als Mitglied von DHKP/C ein Selbstmordattentat geplant haben. Nach
offizieller Darstel-lung beging er Selbstmord, indem er sich an dem an
der Wand aufgestellten Bett erhängte. Es soll jedoch Zeugen dafür geben,
dass er gefoltert wurde.
(Quelle: Evrensel
20.07.2002)
Folter in
Diyarbakir
Seyhmus Acu
hat angegeben, nach seiner Festnahme am 16. Juli in Diyarbakir gefoltert
worden zu sein. In den 6 Stunden seiner Haft sei er mit Wasser unter Hochdruck
abgespritzt worden, er sei geschlagen worden und man habe seine Hoden gequetscht.
Danach wurde er gezwungen, 15 Papiere zu unterschreiben, ohne sie gelesen
zu haben. Am 19. Juli stellte er Strafanzeige.
(Quelle: Yedinci
Gündem 20.07.2002)
Strafe wegen
kurdischer Musik
Abdullah Yagan
wurde vom SSG Diyarbakir zu einer Stra-fe von 45 Monaten Haft verurteilt.
Im August 2001 soll er in seinem Kleinbus kurdische Musik abgespielt und
damit die Fahrgäste zur Unterstützung einer bewaffneten Bande verleitet
haben. (Quelle: Evrensel 20.07.2002)
Die Zahl
der Namens-Anfragen steigt
Die türkische
Sprachbehörde ist als Autorität in Gerichts-verfahren wegen kurdischer
Namen tätig. Im Jahr 2000 waren es 45 Aufträge, im Jahr 2001 125 und in
den ersten 5 Monaten diesen Jahres 160. Namen, aufgrund dessen die Gerichte,
das Innenministerium, das zentrale Einwohneramt bei der Behörde anfragten,
ob diese z.B. mit der nationalen Kultur vereinbar seien. (Quelle: Özgür
Politika, 23.07.2002)
Misshandlung
von Anwälten
auch durch
den Anstaltsdirektor
Bei einem
Besuch ihrer Mandanten in der Haftanstalt Metris (Istanbul) am 19.Juli
wurden 2 Anwälte vom Direk-tor des Gefängnisses zuerst beschimpft und dann
mit Unter-stützung von weiteren ca. 15 Gefängnisbediensteten tätlich angegriffen
und heftig geschlagen, so dass sie sich nur durch Flucht retten konnten.
In einer breit unterstützten Pressekonferenz vor dem Gefängnis wurde die
sofortige Entlassung des Direktors und ein Tätigwerden des Justizministeriums,
sowie der Regierung gefordert. Die misshandelten Anwälte erhielten auch
Unterstützung durch ein Vorstandsmitglied der Anwaltskammer Istanbul. Die
Anwaltskammer (Istanbul) sah sich vor wenigen Wochen gezwungen, eine Plakat-Kampagne
zu starten gegen Folter und Misshandlungen von Inhaftierten und Festgenomme-nen.
Die Klienten der Anwältinnen, die besucht werden sollten, waren in der
Zeit der Festnahme gefoltert worden. Vor wenigen Tagen wurde in einer Polizeiwache
in Zeytin-burnu (Istanbul) ein Festgenommener in lebensgefährli
chem Zustand
nach der Folter aus der Wache gebracht; er sollte dort nicht sterben. Er
wurde in 2 Krankenhäusern behandelt und mehrere Wochen arbeitsunfähig geschrieben.
(Quelle: Özgür Politika, 23.07.2002)
Ärztliche
Versorgung
nur ausnahmsweise
vorhanden
In den kurdischen
Provinzen wird die Gesundheitsversor-gung ständig schlechter. Auf einen
Arzt entfällt dort ein mehrfaches des Durchschnittes der Gesamttürkei.
Ein Arzt muss 2.154 Patienten betreuen; ein Facharzt 5.822 Patienten; ein
praktischer Arzt 3.418 Patienten. Auf einen Zahnarzt entfallen gar 19.225
Patienten. Um die Probleme im Gesundheitssystem zu lösen, seien Fachärzte
nicht in den Leitungs- und Verwaltungszentren nötig, sondern im "Gebiet"
wurde von Fachärzten betont. Um das Gesundheitspersonal im "Gebiet" zu
halten, seien Massnahmen zur Motivationsförderung nötig u.a.m. (Quelle:
Özgür Politika, 23.07.2002)
Vorfall
in Batman
Der Gouverneur
für diese Region (Ausnahmezustand) gab bekannt, dass drei PKK Kämpfer getötet
und einer verletzt worden sei, als sie auf der Strasse von Batman nach
Mardin mit einem Tanklaster unterwegs waren. Sie sollen angeblich zurückgeschossen
haben, nachdem der LKW angehalten wurde. Hürriyet meldete 4 Tote, während
Augenzeugen sagten, daß auf den LKW Raketen abgefeuert wurden. Der Name
der verletzten Person wurde in Yedinci Gündem mit Abdullah Çetinkaya angegeben.
(Quelle: Hürriyet/Yedinci
Gündem 24.07.2002)
Die F-Typ
Gefängnisse
In der Türkei
gibt es 6 Gefängnisse vom Typ F, in Edirne, Tekirdag, Bolu, Kocaeli-Kandira,
Ankara-Sincan und Iz-mir-Kiriklar. Dort ist Platz für 2.208 Gefangene in
Zellen für eine oder drei Personen. Das Personal beschwert sich darüber,
dass sie durch die abgelegene Lage der Gefäng-nisse, in deren Nähe sie
wohnen, mitgefangen sind. Sie mögen es auch nicht, dass sie durch Kameras
den ganzen Tag überwacht werden. Angehörige und Anwälte machen auf den
psychischen Effekt der Isolation aufmerksam, während die Ärztekammer Bedenken
hat, dass kranke Gefangene in Isolation gehalten werden. Zu den kranken
Häftlingen in Isolation zählen: Ali Yalçin, Nevzat Kalayci, Aziz Dogan,
Turgut Köklü, Güldede Çeven, Fevzi Saygili, Bekir Simsek und Haydar Ceylan.
Bislang wurden 293 Strafgefangene vorläufig entlassen. Die Gerichte entließen
80 Untersuchungshäftlinge und der Staatspräsident begnadigte 19 Gefangene
wegen schlechter Gesundheit. Es befinden sich noch 34 Gefangene im Todesfasten
und 5 in einem unbefristeten Hungerstreik. 24 dieser Gefangenen sind in
einem Krankenhaus. (Quelle: Cumhuriyet vom 24.07.2002)
Publizist
verurteilt
Das SSG Istanbil
verurteilte Fatih Tas, Besitzer des Verla-ges Aram wegen des Buches "Sprache
des Lebens in den Bergen" von Halil Uysal. Für „Propaganda für eine illegale
Organisation“ wurden ihm 45 Monate Haft auferlegt, die in eine Geldstrafe
von 6,5 Milliarden TL umgewandelt wurde. (Quelle: Yedinci Gündem
25.07.2002)
Angebliche
Anarchisten freigesprochen
Am 25. Juli
sprach das SSG Izmir Muammer Özgür Küçük-tekin, Ahmet Serkan Tomar, Sabri
Serkan Kazak, Onur Ayaz und Rahmi Tiril vom Vorwurf der Mitgliedschaft
in einer anarchistischen Organisation nach Artikel 7/1 des ATG frei. Sie
hatten auf einer Arbeiterdemonstration am 1. Dezember 2001 Flugblätter
verteilt und waren danach bis zum 3. April in Haft gewesen. Das Gericht
befand, dass die Straftat nicht begangen wurde. (Quelle: Evrensel
26.07.2002)
Demonstranten
sollen zahlen
Das Innenministerium
hat 29 Personen, die in Diyarbakir festgenommen worden waren, als sie zur
Kundgebung zum Weltfriedenstag am 1. September 2001 nach Ankara fahren
wollten, aufgefordert, einen Betrag von 8,6 Milliarden TL zu zahlen. Diese
Summe habe das Ministerium als Abfindung an die verletzten Polizeibeamten
Kubilay Yücesoy, Atilla Özyürek, Yusuf Arslan, Adem Beyazit, Semih Yilmaz,
Yusuf Güner, Ergün Kasap und Halil Subasi gezahlt. (Quelle: Yedinci Gündem
26.07.2002)
Rückschritt
in Ankara
Die türkische
Regierung verschärft das Mediengesetz – und will jetzt auch das Internet
stärker kontrollieren.
Fikret Baskaya
ging das Risiko wissentlich ein. In einem Artikel der Tageszeitung "Özgür
Bakis" stellte der Gründer des "Forum Türkei und der Nahe Osten" am 1.
Juni 1999 das Vorgehen der türkischen Politik gegen die Kurden öffentlich
in Frage. Das Ergebnis kam wenig überraschend: Wegen der "Verbreitung separatistischer
Propaganda" musste er im Juni 2001 eine 16-monatige Haftstrafe antre-ten.
Es war nicht sein erster Gefängnisaufenthalt.
Die eingeschränkte
Presse- und Meinungsfreiheit am Bos-porus wird in der Europäischen Union
besonders kritisch betrachtet. Nun hat das Parlament in Ankara das Medienrecht
verschärft. Das Gesetz war im Juni vergangenen Jahres zunächst an einem
Einspruch von Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer gescheitert. Nach seiner
Auffassung waren rund die Hälfte der Paragrafen nicht mit den demokratischen
Traditionen und Verfassungsprinzipien zu vereinbaren. Zudem widerspreche
das Gesetz der Zusage, die die Regierung Brüssel gegeben habe, als demokratische
Reformen angekündigt wurden. Trotz Sezers Kritik entschied die Mehrheit
in der Nationalversammlung am 15. Mai nach zehnstündiger, kontroverser
und von Tumulten begleiteter Debatte, das Gesetz ohne Änderungen erneut
zu verabschieden. Ein weiteres Veto konnte Sezer nicht einlegen. Dem Staatschef
bleibt nur der Weg zum Verfassungsgericht: Nach Ansicht des Staatspräsidenten,
der früher selbst Richter am höchsten türkischen Gericht war, sind mehrere
Verbote im Gesetz so vage formuliert, dass Medien davon abgehalten werden,
"wahr und objektiv" zu berichten.
Der innenpolitische
Streit wird also in den kommenden Wochen und Monaten weitergehen. Doch
auch von außen gibt es Kritik am neuen Gesetzentwurf und das nicht
nur aus Brüssel. Die geplanten Maßnahmen dürften nach Auf-fassung der Organisation
"Reporter ohne Grenzen" (ROG) zu noch mehr Repressionen führen. Vor allem
die neu fest-gelegten Strafen bei Verstößen gefährden die Pressefreiheit.
Denn kleinere Verlage oder Rundfunk- und Fernsehstatio-nen könnten bei
Geldbußen von umgerechnet bis zu 200.000 Euro in ihrer Existenz gefährdet
werden. Die Stra-fen sind bis zu tausendmal höher als im alten Gesetz von
1994.
Unter Strafe
gestellt werden unter anderem Beiträge, die "falsche und beleidigende Inhalte"
verbreiten, "Pessimis-mus und Hoffnungslosigkeit schüren", das "Ansehen
der Türkei im Ausland beschädigen", den Staatsgründer Ata-türk beleidigen
oder auch "separatistische Propaganda" verbreiten. Mit Hilfe des letzten
Delikts werden bei Bedarf kritische Artikel zum Kurdenproblem oder einfach
Texte in kurdischer Sprache unter Strafe gestellt. Neben Geldstrafen können
Zensurmaßnahmen bis hin zu Sendeverboten erteilt werden.
In der über
strittige Fragen waltenden Aufsichtsbehörde RTÜK sollen künftig mehrheitlich
Mitglieder der Regie-rung oder von ihr benannte Personen sitzen. Nicht
nur "Re-porter ohne Grenzen" befürchtet deshalb eine zunehmende staatliche
Kontrolle der RTÜK. Das könne auch nicht da-durch ausgeglichen werden,
dass künftig auch die beiden größten Journalistenvereinigungen im Gremium
vertreten sind, betont ROG-Generalsekretär Robert Ménard. Ihm wurde am
Tag nach der Verabschiedung des Gesetzes die Einreise in die Türkei verweigert,
wo er eine Pressekonfe-renz abhalten wollte.
Auch ohne
Verschärfung der Gesetze ist die Lage für Jour-nalistinnen und Journalisten
nicht einfach. Zwar hat sich am Bosporus in den vergangenen zehn Jahren
eine durchaus vielfältige Medienlandschaft entwickelt, in der auch zahl-reiche
engagierte und kritische Redakteure arbeiten. Korruptionsfälle oder andere
politische Skandale werden hartnäckig recherchiert und schonungslos aufgedeckt.
Doch vor allem bei drei Themen wird es nach Erkenntnissen von amnesty international
heikel: Artikel zur Kurdenproblema-tik, Kritik an den Hochsicherheitsgefängnissen
und Plädoyers für die Stärkung des Islam geraten schnell ins Visier der
Behörden. So wurden im vergangenen Jahr gegen 50 türkische Journalisten
und Verleger Anklagen erhoben, die meist gegen diese Tabus verstoßen hatten.
Mindestens sechs Medienschaffende sind laut ROG zurzeit inhaftiert. Es
könnten noch mehr werden, denn die gleichen Maßstäbe wie für Zeitungen,
Zeitschriften, Funk und Fernsehen sollen bald auch für das Internet gelten.
Dessen Kontrolle wird laut Parlamentsbeschluss ebenfalls unter das neue
Mediengesetz fallen. Vor allem die Macher von Nachrichtenportalen und kurdischen
Websites sehen die Entwicklung mit Sorge. Sollte das Verfassungsgericht
das Gesetz nicht stoppen, müssen Internet-Provider künftig alle ihnen zur
Verfügung gestellten Seiten zur Genehmigung einreichen. Sogar für den Inhalt
von Chatrooms sollen sie verantwortlich gemacht werden können. Harald Gesterkamp
(Quelle: ai-Journal Juli/August 2002 TÜRKEI)
Türkei will
"begrenzter" Militäraktion
im
Irak zustimmen
Die Türkei
hat nach einem Zeitungsbericht erstmals Zu-stimmung zu einer begrenzten
US-Militäraktion in Irak signalisiert. Das sei das Ergebnis von Beratungen
von Regierung und Militärs im Nationalen Sicherheitsrat, berichtete die
angesehene Zeitung "Cumhuriyet" am Freitag. Laut "Cumhuriyet" bekräftigte
der Rat zwar die Bedenken Ankaras gegen einen US-Angriff zur Entmachtung
des irakischen Staatschefs Saddam Hussein. Der stellvertretende US-Verteidigungsminister
Paul Wolfowitz habe bei seinem kürzlichen Besuch in Ankara aber die Entschlossenheit
Washingtons bei diesem Thema deutlich gemacht. Deshalb betonte der Rat
der Zeitung zufolge, eine US Militäroperation müsse "so begrenzt wie möglich"
sein. Unter dieser Bedingung stimme die Türkei einer Militäraktion zu.
(Quelle: AFP, 26.o7.02)
Alarmstimmung
in Ankara
Türkische
Zeitung "Hürriyet" berichtet über Kriegsvorbe-reitung der USA gegen den
Irak. Patriot-Abwehrraketen sollen im Land stationiert werden. Kein Dementi
der türki-schen Regierung
In der Türkei
mehren sich die Zeichen, dass die USA be-reits dabei sind, konkrete militärische
Vorbereitungen für einen Angriff auf den Irak zu treffen. Jüngstes Indiz
ist eine Meldung der größten türkischen Tageszeitung, Hürriyet, am gestrigen
Mittwoch. Seit letzten Freitag, so das Blatt, ist eine Gruppe amerikanischer
Spezialisten im Land, die die Stationierung von Patriot-Abwehrraketen vorbereitet.
Die 15-köpfige Gruppe solle untersuchen, welche Städte und Industrieanlagen
neben den militärischen Objekten im Süd-osten des Landes gegen mögliche
irakische Raketenangriffe geschützt werden sollen. Im letzten Golfkrieg
hatte Iraks Präsident Saddam Hussein sowohl Israel als auch Saudi-Arabien
mit Scud-Raketen angreifen lassen. Damals war bereits diskutiert worden,
amerikanische Patriot-Stellungen aus Deutschland in die Türkei zu verlegen.
Das türkische
Außenministerium wollte gestern den Zei-tungsbericht so nicht bestätigen,
sondern sprach von einer Nato-Delegation, die routinemäßig im Land sei.
Tatsächlich jedoch herrscht in Ankara alles andere als Routine. Bereits
am Dienstag häuften sich Irak-Konferenzen in einer Dichte, dass einige
Beobachter bereits an eine unmittelbar bevorstehende Operation glaubten.
Zweimal erschien US Botschafter Robert Pearson im Außenministerium, worauf
jeweils Außenminister Gürel, Ministerpräsident Ecevit und Generalstabschef
Hüseyin Kivrikoglu zu hektischen Treffen zusammenkamen. Das Ganze mündete
in einer Visite des Ministerpräsidenten und des Generalstabschefs bei Präsi-dent
Sezer. Am Abend erklärte Ecevit dann vor laufenden Kameras, man treffe
Vorsorge für einen möglichen Krieg gegen den Irak.
Bereits Ende
letzter Woche hatte der Nationale Sicherheits-rat, das entscheidende Gremium
in der türkischen Politik, erstmals nach einer langen Sitzung erklärt,
man sei bereit, einen US-Angriff auf den Irak bedingt zu unterstützen,
um damit möglichst Schaden von der Türkei abzuwenden. Bei einem unmittelbar
vorangegangenen Besuch hatte der stell-vertretende US-Verteidigungsminister
Paul Wolfowitz nach dem Motto seines Präsidenten "Wer nicht für uns ist,
ist gegen uns", eine Entscheidung in Ankara verlangt. Angeb-lich soll das
türkische Militär nun bereit sein, neben logistischer Unterstützung für
die USA mit eigenen Truppen bis zu einer bestimmten Linie in den Nordirak
einzumarschieren, um dort eine Pufferzone zu bilden. Mit dieser Pufferzone,
über deren Ausmaß es bislang nur Spekulationen gibt,
verfolgt die
Türkei mehrere Ziele. Einmal soll dem amerikanischen Versprechen, keinen
kurdischen Staat im Nordirak zuzulassen, Nachdruck verliehen werden, zum
anderen wollen die Militärs innerhalb dieser Zone Schutzgebiete für Flüchtlinge
einrichten, damit diese - anders als 1991/92 - erst gar nicht bis in die
Türkei kommen.
Trotz aller
Hektik in Ankara ist das türkische Militär tat-sächlich seinen routinemäßigen
Abläufen treu geblieben. Trotz anders lautender Spekulationen im Vorfeld
trat Gene-ralstabschef Kivrikoglu gestern termingerecht sein Amt an den
bisherigen Chef des Heeres, Hilmi Özkök, ab. JÜRGEN GOTTSCHLICH (Quelle:
taz 1.8.2002)
Scott Ritter,
UNO-Waffeninspekteur,
bestreitet
das Vorhandensein von
Massenvernichtungswaffen
im Irak und warnt vor einem Krieg
IPPNW fordert
Beweise für Massenvernichtungswaffen im Irak und zivile Lösung für Konflikt
Berlin, den
02. August 2002: Der Streit um den bevorste-henden Krieg gegen den Irak
spitzt sich weiter zu. In einer bisher nicht in Deutschland veröffentlichten
Rede vom 23. Juli 2002 in der Suffolk Law School in Boston sagte Scott
Ritter, der Hauptwaffeninspekteur der Vereinten Nationen im Irak bis 1998,
dass es keine irakische Bedrohung gebe und nichts einen neuen Krieg rechtfertige.
Der Irak werde über viele Jahre hinweg unfähig sein, irgendein Programm
atomarer, chemischer oder biologischer Waffen wiederauf-zubauen. Zwischen
90 und 95 Prozent des irakischen Arse-nals seien zerstört worden. Scott
Ritter, der zwischen 1991 und 1998 mehr als 40 Inspektionen im Irak durchgeführt
hat, davon 15 als Leiter der Mission, betonte in der Rede, dass es in Wahrheit
um amerikanische Innenpolitik gehe. Die nationale Sicherheit Amerikas liege
in den Händen von einer Handvoll neo-konservativer Politiker, die ihre
Machtposition ausnutzten, um ihre ideologisch besetzten politischen Ziele
durchzusetzen. "Wenn der Irak heute wirklich Waffen produzieren würde,
hätten wir dafür einen definitiven Beweis", so Ritter. Damit widerspricht
neben dem früheren Chef der UNSCOM Richard Butler ein zweiter hochrangiger
UNO-Mitarbeiter der US-Regierung und warnt explizit vor einem Krieg.
Vor diesem
Hintergrund fordert die IPPNW die US-Regierung auf, Beweise für die Existenz
von Massenver-nichtungswaffen vorzulegen. "Wir befürchten, dass die aktuelle
Diskussion darüber den USA lediglich als Vor-wand dient, um die Zustimmung
der Bevölkerung für einen Krieg gegen den Irak zu gewinnen", sagt Ute Watermann,
Sprecherin der IPPNW. Es gibt Alternativen zum Krieg wie z.B. den Aufbau
einer internationalen Allianz der europäi-schen Staaten inklusive Russland
sowie China und Indien, die unter dem Dach der UN eine zivile Lösung der
Irak-Frage durch eine Wiederkehr von UN-Inspektoren ins Land bei gleichzeitiger
Aufhebung des Embargos anstreben könnten. Wir fordern die Bundesregierung
auf, ihre "bedin-gungslose Solidarität" im sogenannten "Anti-Terror-Krieg"
aufzukündigen und die deutschen ABC-Spürpanzer aus Kuwait und den Seefernaufklärer
"Breguet Atlantic" vom Horn von Afrika zurückzuziehen. (Quelle: IPPNW)
Drei weibliche
Richterinnen
In der kurdischen
Region (Sulaymaniya-Nordirak) wurden erstmalig drei weibliche Richterinnen
in den Öffentlichen Dienst aufgenommen.
Die kurdische
Regionalverwaltung hatte dazu qualifizierte Frauen aufgefordert, ihre Bewerbungen
einzureichen.
Anfang diesen
Jahres leitete erstmalig eine Richterin eine Gerichtsverhandlung. (Quelle:
Kurdistan Newsline, 25.7.2002)
PUK und
KDP Gespräche
Führende Repräsentanten
der beiden grössten politischen Parteien der kurdischen Region trafen sich
am 22.7. in Sulaymaniya zu vorbereitenden Gesprächen im Zusam-menhang mit
Washingtons Friedensabkommen.
Die Gespräche
wurden als positiv und produktiv empfunden, und es sollen weitere Konsultationen
der beiden politischen Geschäftsstellen stattfinden.
Die PUK wurde
vertreten durch: Dr.Kamal Fuad, Omar Said Ali und Emad Ahmad, Arsalan Bayez,
Saadi Ahmad Pera, aso Ali,und Khasraw Shera, die KDP Delegation durch Sami
Abdul Rhaman, Dr. Roj Nuri Shawais, Zaem Ali, Brusk Nuri Shawis und Mamosta
Hassan. (Quelle: Kur-distan Newsline, 25.7.2202)
U.S. Flugzeuge
bombardieren
irakisches
Kommunikationszentrum
Als Antwort
auf die letzten beiden Angriffe von irakischen Bodentruppen mit Radar und
Flugabwehrwaffen auf briti-sche und amerikanische Flugzeuge, die die no-Fly“Zone
über Südirak bewachen, bombardierten U.S. Flugzeuge im Abstand von wenigen
Tagen zweimal ein Kommuni-kationszentrum in der Nähe von Diwanya, ca. 80
Meilen südöstlich von Baghdad.
Das U.S. Hauptkommando
bezeichnete beide Bombardie-rungen als Selbstverteidigung.
Amerikanische
und britische Flugzeuge führen seit dem Ende des Golfkrieges 1991 Überwachungsflüge
über Nord- und Südirak durch, um irakische Übergriffe auf das kurdi-sche
Gebiet im Norden und auf das muslimisch-schiitische im Süden zu verhindern.
(Quelle: Kurdstan Newsline, 25 07.02)
Iranisches
Revolutionsgericht
verbietet
liberale Partei
Ein iranisches
Revolutionsgericht hat am Samstag eine traditionsreiche liberale Partei,
die Freiheitsbewegung, aufgelöst. Dies meldete die staatliche Nachrichtenagentur
IRNA. Die Freiheitsbewegung, die die erste iranische Re-gierung nach der
islamischen Revolution von 1979 stellte, wurde mit allen angeschlossenen
Gruppen und Organisationen für illegal erklärt. 33 Parteimitglieder erhielten
Freiheitsstrafen zwischen vier Monaten und zehn Jahren. Ihre Namen nannte
die Agentur nicht. Acht Angeklagte erhielten Geldstrafen, und 21 Parteimitgliedern
wurde jegliche politische Betätigung für die nächsten zehn Jahre untersagt.
Die Beschuldigungen lauteten auf Gefährdung der nationalen Sicherheit,
Vorbereitungen zum Sturz des islamischen Systems in Iran, Kontakte mit
Ausländern und Sammeln geheimer Informationen.
Über 50 Mitglieder
der Freiheitsbewegung und angeschlossener Organisationen waren im März
2001 verhaftet worden. Parteichef ist der 70-jährige Ebrahim Yazdi als
Nachfolger des 1992 verstorbenen ersten Ministerpräsidenten nach der 79er
Revolution, Mehdi Bazargan. Yazdi war erst im April nach einer Krebsbehandlung
aus den USA zurückgekehrt. Unklar blieb, ob er unter den zu Haftstrafenverurteilten
ist. (Quelle: DPA, 27.07.02)
Iranische
Richter verbieten erneut
reformorientierte
Zeitung
Irans fundamentalistische
Richter haben erneut eine re-formorientierte Zeitung verboten. Außerdem
muss der Herausgeber der Tageszeitung "Noruz", ein Parlamentsabgeordneter,
ins Gefängnis. "Noruz" werde nicht mehr erscheinen, kündigten Mitarbeiter
der Zeitung am Donnerstag nach der Entscheidung eines Berufungsgerichts
in Teheran an. Dieses hatte ein Urteil aus dem April bestätigt, das "Noruz"
für sechs Monate verbot. Die Zeitung gilt als einflussreichstes Organ der
Reformkräfte in dem islamischen Land.
Herausgeber
Moshen Mirdamadi muss für sechs Monate und zwei Tage ins Gefängnis. Außerdem
wurde ihm für vier Jahre jede journalistische Betätigung untersagt. Der
Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des iranischen Parlamentes wurde
in 22 Fällen unter anderem der Ver-leumdung, der Beleidigung von Vertretern
des Staates und der versuchten Aufhetzung der Öffentlichkeit schuldig gesprochen.
Der Politiker ist einer der renommiertesten Ansprechpartner für ausländische
Delegationen in Iran.
Die von radikalen
Islamisten dominierte Justiz hat in den vergangenen zweieinhalb Jahren
mindestens 40 Zeitungen und Zeitschriften verboten, die Mehrzahl von Reformpoliti-kern
herausgegeben. Dabei wurden auch zahlreiche liberale Journalisten inhaftiert.
(Quelle: News Bote, 25.07.02)
Türkei stoppt
Schiff mit 147 Flüchtlingen
auf Weg
nach Griechenland
Der türkische
Küstenschutz hat ein Schiff mit 147 illegalen Zuwanderern aus Afghanistan
und dem Irak sieben Seemei-len vor der türkischen Ägäisküste aufgebracht.
Die Flüchtlinge hätten nach Griechenland übersetzen wollen, berichtete
die türkische Nachrichtenagentur Anadolu am Montag. Der aus der Ukraine
stammende Kapitän sei festgenommen worden. Das unter amerikanischer Flagge
fahrende 25 Meter lange Schiff "Melissa" sei schon einmal im vergangenen
November gestoppt worden. Damals hatten sich 99 Flüchtlinge an Bord befunden.
(Quelle: DPA, 29.07.02)
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