Internationaler
Verein für Menschenrechte der Kurden
IMK Wocheninformationsdienst
Datum:
16. Juli – 27. Juli 2002 Nummer: 162
Auferstehung
einer
autoritär-totalitären
Ideologie
In einer Presseerklärung
der prokurdischen Partei HAK-PAR vom 23. Juli 2002 wird dem türkischen
Ministerpräsi-denten Ecevit wegen seinen Erklärungen im türkischen Staatsfernsehen
TRT am 20. Juli eine autoritär-totalitäre und putschistische Ideologie
vorgeworfen.
Grund für
diese Vorwürfe sind Äußerungen von Ecevit bezüglich der Einmarschpläne
der USA gegen den Irak und der Parteien AKP und HADEP.
Bezüglich
des Krieges der USA gegen das Saddam-Regime hat Ecevit seine Befürchtung
zum Entstehen eines unab-hängigen kurdischen Staates innerhalb Iraks geäußert
und in diesem Falle mit einem Einmarsch in Südkurdistan (Nordirak) bzw.
mit einer Okkupation gedroht.
„Der gleiche
Politiker, der sich vehement für die Unabhän-gigkeit von Türken bzw. Muslimen
in Zypern, Kosovo, Bosnien-Herzegovina und Tschetschenien einsetzt, im
Falle eines möglichen unabhängigen kurdischen Staates im Nord-irak aber
einen Kriegsgrund sieht und mit einem militäri-schen Einmarsch droht.“
„Diese Drohung
ist nicht nur gegen jegliches internationales Recht, sondern auch eine
eindeutige Absicht, die Kurdenfrage in der Türkei nicht lösen zu wollen,
obwohl die Kurden 1/3 der Bevölkerung der Türkei bilden.“
Die AKP ist
eine islamistisch-religiöse Partei, die von Tay-yip Erdogan im letzten
Jahr gegründet wurde und die HADEP eine prokurdische Partei, die vom Staat
beschul-digt wird, der PKK nahe zu stehen.
In Bezug auf
diese beiden Parteien hat Ecevit mit seinen Äußerungen „gegen die Europäische
Menschenrechtskon-vention und andere zahlreiche internationale Konventionen
und Erklärungen verstoßen.“
„Das Recht
auf Meinungs-, Gedanken- und Organisationsfreiheit sind Grundpfeiler eines
demokratischen Rechtsstaates. Ecevit vertritt eine autoritär-totalitäre
sowie putschistische Ideologie, wenn er bezüglich der möglichen vorgezogenen
Wahlen im Herbst dieses Jahres die Bevölkerung vor diesen beiden Parteien
warnt, bzw. deren möglichen Einzug ins Parlament als Gefahr für den Bestand
des Staates sieht.“
HAK-PAR wirft
Ecevit vor, mit dieser Einstellung die Demokratisierung der Türkei zu verhindern
und die autori-tär-totalitär denkenden Kräfte in der Türkei stärken zu
wol-len. (Quelle: Presseerklärung von HAK-PAR, 23.07.02)
Das Verbot
gegenüber der kurdischen
Sprache
wird weiterhin aufrecht erhalten
Die türkische
Koalitionsregierung hält weiterhin daran fest, keine positiven Schritte
für die Anerkennung des Rechtes auf Bildung und Medien-Veröffentlichung
in kurdischer Sprache, sowie für die Abschaffung der Todesstrafe zu unternehmen.
Aus diesem Grunde befindet sie sich in einer ernsten politischen
Krise. Nachdem der MHP- (Partei der Nationalistischen Bewegung) Abgeordnete
Mesut Türk den türkischen Ministerpräsidenten Ecevit verbal angegriffen
hatte, erklärten nun auch der Vizevorsitzende des Türki-schen Parlaments,
Murat Sökmenoglu, und der Abgeordne-te Cemal Enginyurt (beide gehören
der MHP-Fraktion an), dass die MHP sich von der Koalition zurückziehen
werde, wenn für die Zulassung der kurdischen Sprache in den Bereichen Bildung
und Medien mit anderen Parteien außer-halb der Koalition Bündnisse
eingegangen werden sollten.
Lehrer wegen
Kurdisch versetzt
Gegen Vorstandsmitglieder
der Gewerkschaft Egitim-Sen (Gewerkschaft für Erziehung) aus Bingöl wurde
ein Ver-fahren eingeleitet, weil auf dem 1. Ordentlichen Kongress
der Egitim-Sen Transparente mit der Aufschrift "Mutter-sprache teilt nicht,
sie vereint" und "Muttersprache ist ein Recht und kann nicht verhindert
werden" angebracht wurden. Im Laufe des Verfahrens wurde gegen acht Vor-standsmitglieder
ein einjähriges Beförderungsverbot und gegen sechs Vorstandsmitglieder
ihre Versetzung außerhalb des Bezirks verhängt. Demnach wurde der
Vorsitzende der Egitim Sen von Bingöl nach Kastamonu versetzt, die
Vor-standsmitglieder Yavuz Karaaslan und Saliha Aydin nach Rize (Schwarzmeerregion),
Tarkan Demirkis nach Istanbul, Mustafa Akgül nach Yozgat und Cevdet
Caka nach Kocae-li.
Aufgrund der
Forderung nach kurdischer Sprache wurden in Van, in Diyarbakir und in Urfa
gegen Mitglieder von HADEP und Egitim-Sen Strafen wie Versetzung verhängt.
Gegen Vargül wurde vor dem Staatssicherheitsgericht in Van ein Verfahren
eingeleitet, weil er einen Vortrag gehal-ten hat über die negativen
Auswirkungen auf Kinder, wenn sie Bildung ausschließlich ohne Muttersprache
erhalten. In der Anklageschrift wird ihm vorgeworfen, eine Rede ge-mäß
der Konferenzbeschlüsse der PKK und des KADEK gehalten zu haben.
M. Nesip Gültekin, Lehrer und Mitglied der Egitim-Sen, wurde auf
Anordnung des Gouverneurs des Ausnahmezustandsgebietes von Amed nach Karayazi
bei Erzurum versetzt. Der Grund ist eine Einladungskarte zu einer
Feier mit kurdischer Aufschrift.
Kommission
für "gefährliche" Namen
Mit einem
Erlass an die Gouverneure hat der türkische Innenminister die Bildung von
Namenskommissionen an-geordnet, um zu verhindern, dass Kinder kurdische
Namen erhalten. Diese Kommissionen sollen in allen Bezirken gebildet werden
und die Namen feststellen, die der "un-teilbaren Einheit des Staates" entsprechen
oder nicht. Das Innenministerium hat sich mit diesem Erlass auch an die
Einwohnermeldebehörden gewandt und gefordert, diejeni-gen zu denunzieren,
die für ihre Kinder einen kurdischen Namen beantragen wollen. Es wurde
auch bekannt, dass einige Beamte des Einwohneramtes Anträge mit kurdischen
Namen nicht bearbeiten.
(Quelle: Radikal,
Milliyet und BBC-Turkish vom 1. und 2. Juli 2002.)
3 Jahre Haft
für Chef-Redakteur
Der Chefredakteur
der 3-monatlich erscheinenden Kultur-Zeitschrift "Güney" wurde vom DGM
Istanbul zu 3 Jahren Haft wegen der Überschrift "Sei nicht still; wenn
du still bist, kommst auch du an die Reihe" wegen "Unterstützung einer
verbotenen Organisation" verurteilt; ersatzweise zu 6,5 Mrd. TL [das sind
nach derzeitigem Kurs ca. 4.200 Euro]. Ausserdem wurden 7 Tage Erscheinungsverbot
verhängt. (Quelle: Özgür Politika. 09.07.2002)
Strafversetzung
und Prügel für Lehrer
Bei einer
Protestaktion gegen Zwangsversetzungen von Egitim Sen - Mitgliedern in
Mersin griff die Polizei gegen die geplante Verlesung einer Pressererklärung
ein. Bei dem gewalttätigen Angriff der Polizei wurden vier Personen verletzt,
sechs Personen wurden festgenommen. Seit Newroz haben bisher 35 Lehrer
ihre Versetzungsnachricht erhalten, mit weiteren Zwangsversetzungen wird
in nächster Zeit gerechnet. Nachdem letztes Jahr 10 kurdische Ärzte versetzt
wurden, ebenfalls KESK - Mitglieder, trifft es dieses Jahr die Lehrer.
(Quelle: Özgür Politika, 10.7.2002)
Massengrab
gefunden
Nahe dem Weiler
Nawala Çarge (Besevler) vom Dorf Tan-ze (Heybeli) im Kreis Sason (Batman)
wurde ein Grab mit 8 Skeletten gefunden. Sie sollen zu einer Gruppe von
17 PKK Guerillas gehören, die im März 1999 mit chemischen Waffen getötet
wurden. Der IHD Batman hat Strafanzeige bei der Staatsanwalt in Batman
gestellt. (Quelle: Yedinci Gün-dem, 05.07.02)
Probleme
mit kurdischen Namen
Am 12. Juni
hat der Staatsanwalt in Kurtalan (Siirt) ein Verfahren vor dem Zivilgericht
in Siirt gestellt, um 19 Familien zu zwingen, die Vornamen ihrer Kinder
zu ändern. Die zwischen dem 10.07.97 und 19.02.2002 geborenen Kinder tragen
Namen wie Dilan, Sefkan, Helin, Nupelda, Gülsilan, Pelsin, Emine Helen,
Bersan, Sutail Can, Nujiyan, Berzan, Berfin, Zilan, Baran, Sipan, Zisar
and Dilges. In Balçova (Izmir) wurde dem Buchändler Gürsel Karabil nicht
erlaubt, seinem Sohn den Namen "Roger” zu geben. Am 4. Juli kamen Polizisten
der Anti-Terror-Einheit zu ihm nach Hause und nahmen ihn mit zum Polizeipräsidium,
wo er über 6 Stunden verhört wurde, ob er die Politisierung der PKK befürworte.
Der Staatsanwalt liess ihn anschliessend frei. (Quelle: Yedinci Gündem,
05./06.07.02)
Journalist
verurteilt
Am 9. Juli
verurteilte das SSG Istanbul Abdurrahman Dili-pak, der für Vakit schreibt,
für einen Artikel, der am 23. Juni 2000 in der Zeitschrift “Cuma” erschien
und die Schliessung von Koranschulen kritisierte. Die Strafe von 2 Jahren
Haft nach § 312/2 TSG wurde auf 18 Monate redu-ziert und nach § 59 TSG
zur Bewährung ausgesetzt. (Quelle: Vakit, 10.07.02)
Tod an der
Grenze
Am 11. Juli
versuchte eine Gruppe von 25 Personen die iranisch-türkische Grenze bei
Gölbasi am Fusse des kleinen Ararat zu überqueren. Sie sollen auf Sicherheitskräfte
ge-schossen haben, als sie zum Stehenbleiben aufgefordert wurden. Die Soldaten
schossen zurück und töteten eine Person. Eine andere Person wurde verletzt.
(Quelle: Yedinci Gündem, 06.07.02)
Ermordung
von Rückkehrern
Weitere Einzelheiten
zur Erschiessung von Rückkehrwilli-gen aus dem Dorf Nureddin, Kreis Malazgirt
(Mus) wurden nun bekannt. Yusuf Ünal (75), sein Sohn Abdurrahim Ünal (42)
und sein Bruder Abdulsamet Ünal (48) waren dort am 9. Juli erschossen worden,
nachdem sie mit 12 Landarbei-tern am 1. Juli in ihr Dorf, das sie 1993
hatten verlassen müssen, zurückgekehrt waren, um ihre Felder zu bestellen.
Sie hatten dazu sowohl den Landrat als auch die Gendarme-rie verständigt.
Der Augenzeuge Dilaver Demir berichtete. “An dem Morgen war ein LKW gekommen,
der Gras mitnehmen sollte. Eine Gruppe von 20-25 bewaffneten Dorfschützern
kam und sagten zu Yusuf Ünal, dass er nichts verkaufen dürfe. Erst schlugen
sie ihn und dann gingen sie mit ihren Waffen auf uns zu. Sie schlugen uns
mit den Gewehrkolben und traten uns. Wir hörten Schüsse und rannten zur
Gendarmeriestation Konakkuran (Dügnük). Später erfuhren wir, dass Yusuf,
sein Sohn und sein Bruder erschossen worden waren.” Bei einer Gegenüberstellung
identifizierten die Überlebenden Mehmet Polat, Yilmaz Polat, Cemil Polat,
Kemal Erkoçak, Kemal Koçak, Nizamettin Çelik, Harun Çelik, Filit Koçak
und weitere 6 namentlich nicht genannte Dorfschützer, die in U-Haft genommen
wurden. (Quelle: Yedinci Gündem, 15.07.2002)
Reha-Zentrum
Diyarbakir vor Gericht
Am 16. Juli
begann der Prozess gegen den Anwalt Sezgin Tanrikulu als Vertreter der
Menschenrechtsstiftung in Diy-arbakir. Er muss sich vor dem 1. Strafgericht
von Diyarbakir wegen des Besitzes von verbotener Literatur verantworten.
Sezgin Tanrikulu sagte, dass die Durchsuchung der Räume am 7. September
ungesetzlich gewesen sei und die Publikationen der Stiftung zugeschickt
wurden, aber nach dem Lesen nicht aufbewahrt wurden. Die Verhandlung wurde
auf den 26. November vertagt. Die Akten eines Verfahrens vor dem 2. Strafgericht
von Diyarbakir wegen “unerlaubtem Eröffnen einer Gesundheitseinrichtung“
soll bis dahin zu Rate gezogen werden. (Quelle: TIHV, 17.07.2002)
Tod im F-Typ-Gefängnis
Am 15. Juli
soll sich Volkan Agirman (25) mit dem Bettla-ken im F-Typ Gefängnis von
Kandira erhängt haben. Er war nach den Operationen in den Gefängnissen
vom Dezember 2000 dorthin verlegt worden, hatte den Hunger-streik aufgegeben
und sich an die Haftregeln gehalten. Dennoch wurde er in Einzelhaft in
einer Zelle für 3 Perso-nen gehalten. Sein Onkel Ismet Agirman sagte, dass
dies die Strafe dafür war, dass er seine Mitgefangenen nicht beschuldigen
wollte. Nach der Autopsie beim Gerichtsme-dizinischen Institut wurde er
am 16. Juli beigesetzt. (Quelle: Cumhuriyet, 17.07.2002)
Urteil im
Dev-Yol Verfahren
Das 6. Strafgericht
von Ankara sprach am 16. Juli das Ur-teil im Verfahren gegen 23 Angehörige
des Revolutionären Weges (Devrimci Yol = Dev-Yol). Das Verfahren hatte
am 18.10.82 mit 574 Angeklagten begonnen. Bis zum Urteil des Militärgerichtes
von Ankara am 17.07.89 war die Zahl der Angeklagten auf 723 angestiegen.
7 Angeklagte wurden zum Tode verurteilt, 39 erhielten eine lebenslange
Haftstra-fe und 346 Angeklagte Haftstrafen zwischen 2 und 20 Jah-ren. Im
Falle der nun verurteilten Angeklagten hatte der Kassationsgerichtshof
die Strafen als zu gering befunden und argumentiert, dass sie ebenfalls
zum Tode verurteilt werden müssten. Dem folgte das Gericht nun und verurteil-te
Cahit Akçam, Halil Yasin Ketenoglu, Bünyamin Inan, Murat Parlakay, Turhan
Yalçin Bürkev, Erdogan Genç, Nuri Özdemir, Osman Nuri Ramazanoglu, Hidir
Adiyaman, Nurettin Aytun, Emin Koçer, Hasan Ertürk, Yasar Kambur, Atalay
Dede, Veli Yildirim, Hüseyin Aslan, Mehmet Akin Dirik, Melih Pekdemir,
Celal Mut, Hilmi Izmirli, Mehmet Hassoy und Yusuf Yildirim zum Tode. Die
Strafen wurden für Veli Yildirim und Hüseyin Aslan, die zur Tatzeit unter
18 waren, auf 16 Jahre und 8 Monate Haft reduziert. Die Strafen der anderen
Angeklagten wurden in lebenslängliche Haftstrafen verwandelt. Angesichts
der Strafreduzierung, die das sogenannte Anti-Terror-Gesetz vorsieht und
der Länge der U-Haft der Angeklagten wurde keine Strafhaft angeordnet.
Die Akte von Yeter Günes wurde abgetrennt, weil er im Laufe des Verfahrens
nicht vernommen werden konnte (Quelle: Cumhuriyet, 17.07.2002)
Verbot der
Berichterstattung aufgehoben
Die 3. Kammer
des Staatssicherheitsgerichtes (SSG) Istan-bul hob das Verbot der 4. Kammer
des SSG Istanbul auf, über die Gefängnisse vom Typ F zu berichten. Dem
Gericht zufolge sei das Verbot bedeutungslos geworden, da kein Interesse
an solchen Nachrichten bestünde und Aufhetzung zu Hass und Feindschaft
sowie Propaganda für illegale Organisation als separate Straftaten verfolgt
werden könnte. (Quelle: Cumhuriyet, 18.07.2002)
Verfahren
wegen kurdischer Namen
Am 18. Juli
sprach das Strafgericht von Ardahan die Direk-torin für das Einwohnermeldeamt
für die zentralen Kreise von Ardahan, Kadriye Aksu, und die Beamtin Sengül
Gök vom Vorwurf des Dienstmissbrauches frei. Sie hatten Tufan Akcan vom
Dorf Bagdesen einen Ausweis für seine Toch-ter auf den Namen ''Berivan''
und Koçalak Koç vom Dorf Bayramoglu Ausweise für seine Kinder auf die Namen
''Rojhat'' und ''Rujin'' ausgestellt. Unterdessen entschied das SSG Erzurum,
dass gegen die Väter kein Verfahren nach § 169 TSG (Unterstützung einer
illegalen Organisation) zu eröffnen sei. (Quelle: Cumhuriyet, 19.07.2002)
Türkei räumt
gegenüber
Menschenrechtsgerichtshof
Misshandlungen
ein
Die Türkei
hat die Misshandlung eines Mitglieds der kurdi-schen Arbeiterpartei PKK
und einer linksradikalen Frau durch Polizisten eingeräumt. Die Regierung
in Ankara bedauere diese Verstöße gegen das Folterverbot, heißt es in einer
am Dienstag veröffentlichten Erklärung an den Euro-päischen Gerichtshof
für Menschenrechte in Straßburg. Die Türkei willigte in eine gütliche Einigung
mit den Klägern ein. Das 37-jährige PKK-Mitglied soll 32.000 Euro Scha-densersatz
erhalten, die 29 Jahre alte Frau rund 30.500 Euro. (Quelle: AFP, 16.07.02)
Türkischer
Verleger wegen
Kurden-Buches
vor Gericht
Weil er ein
Buch mit Anspielung auf ein "türkisches Kurdistan" herausgebracht hat,
ist gegen einen türkischen Verleger eine Klage anhängig. Abdullah Keskin
müsse im Falle einer Verurteilung mit einer Haftstrafe von bis zu drei
Jahren sowie einer Strafe von rund 2500 Euro rechnen, berichtete die in
Paris ansässige Zeitung "International Herald Tribune" am Montag. Das Buch,
das Keskin aus dem Amerikanischen ins Türkische übersetzen ließ, sei bereits
vom Markt genommen. Über die Klage werde am 31. Juli in Istanbul entschieden.
Keskin hatte das Buch "After Such Knowledge, What Forgiveness? My Encounters
With Kurdistan" des früheren "Washington Post"-Korrespondenten Jonathan
Randal übersetzen lassen. Darin schildert Randal die Verfolgung der Kurden
in der Türkei, Syrien, Irak und Iran. (Quelle: Paris, 22. Juli AFP)
16 Jahre
Menschenrechtsverein (IHD)
In Zusammenhang
mit dem Geburtstag des IHD gab der jetzige Vorsitzende Hüsnü Öndül eine
Erklärung an die Zeitung Özgür Politika. Trotz aller schmerzlichen Erfahrungen
in den 16 Jahren blicke er mit Hoffnung in die Zukunft. Die Bedingungen,
die den IHD erforderlich machten, seien immer noch vorhanden. Menschenrechte
und Freiheiten zu erweitern und die Rechtsverletzungen abzubauen - mit
diesem Ziel hatte der IHD 1986 seine Arbeit begonnen. In diesen 16 Jahren
verloren 14 Mitglieder und Vertreter des Vorstandes ihr Leben, wurden Zweigstellen
geschlossen, auf den Vorsitzenden A. Birdal wurde ein Attentat verübt,
das er mit schweren Verletzungen überlebte, gegen 300 Vorstandsmitglieder
wurden Prozesse eröffnet. Dazu kommen Normalitäten wie Festnahmen.
Aus Anlass
des 17. Gründungstages wurde in Istanbul die Menschenrechtsbibliothek eröffnet.
In der Bibliothek ist eine grosse Anzahl der verschiedensten Bücher vorhanden
, die sich mit dem Thema Kampf um die Menschenrechte befassen. (Quelle:
Netzeitung, 16.07.2002)
TIHV: Folter,
Mißhandlungen
und Ermordungen
dauern an
Die Menschenrechtsstiftung
der Türkei (TIHV) stellt in ihrem Bericht für den Zeitraum Januar 2001
bis Juni 2002 keine Veränderung der Situation fest. Systematische Folter,
Misshandlungen, herabwürdigende Behandlung, Verschwindenlassen oder Hinrichtung
ohne Urteil während der Festnahme oder in der Haftzeit haben im Berichtszeit-raum
gegenüber den früheren Jahren nicht abgenommen. Mindestens 806 Menschen
seien in der Zeit gefoltert worden, 11 Menschen seien in der Zeit der Festnahme
und 26 in der Haft ums Leben gekommen; (zusätzlich zu Hungerstreiks). "Die
Existenz von Folter ist sowohl eine Bedrohung für den Einzelnen als auch
für die Gesellschaft, die weiter andauert..." Insbesondere im Ausnahmezustandsgebiet,
aber auch sonst, würden die Täter unter den Schutz offizieller Stellen
gestellt, falls es doch zur Anklage käme, würden sie allenfalls Mindeststrafen
erhalten, die Staatsanwälte leiteten keine Untersuchungsverfahren ein.
Im Bericht stellte TIHV die Frage an das Justizministerium, was dagegen
unternommen worden sei. Seit seiner Gründung sei TIHV gegen diese Situation
aktiv. Von Seiten des Staats sei nichts gegen die Folter und die anderen
Bedrohungen der Gesellschaft unternommen worden. (Quelle: Özgür Politika,
15.07.2002)
Der OSZE-Bericht
weist auf
die kurdische
Frage hin
Vom 6. bis
10.07.02 trafen Parlamentarier der 55 Mitglieds-staaten der OSZE in Berlin
zu ihrer 11. Jahresversammlung im deutschen Bundestag zusammen. Die Jahresversamm-lung
diskutierte über die politischen, wirtschaftlichen und humanitären Aspekte
der internationalen Terrorismusbe-kämpfung, die mit einer Abschlußerklärung
endete.
Der Bericht
von Sevend J. Robinson im Namen der Kom-mission für Demokratie, Menschenrechte
und humanitäre Fragen unter dem Titel „Terrorismus: eine Herausforderung
für das 21. Jahrhundert“, wurde von der Jahresversammlung angenommen.
In dem Bericht
steht u.a.: “In der Türkei werden die Bür-germeister der HADEP ständig
schikaniert, so z.B. der Bürgermeister von Hakkari wurde wegen der Heraushabe
eines Kalenders in kurdischer und englischer Sprache an-geklagt, und zwar
wegen Staatsgefährdung.“
Ferner wurde
unterstrichen: „Die kurdische Sprache ist nach wie vor in der Bildung und
in den Medien verboten. Das ehemalige Parlamentsmitglied Leyla Zana ist
immer noch im Gefängnis.“
„In Van haben
die Sicherheitskräfte 500 Studenten wegen einer Petition, in der sie das
Recht auf den kurdischspra-chigen Unterricht gebeten haben, inhaftiert.“
Wie der Anwalt
Osman Baydemir vom Menschenrechts-verein in den folgenden Wochen nach dem
11. September sagte: „die Regierung denkt, sie kann jetzt tun was sie will
und der Westen wird wegschauen.“
In der Beschlussempfehlung
des Berichtes wurde vorgeschlagen: „Die Teilnehmerstaaten sollen ihre internationalen
Bemühungen stärken, damit die Ungerechtigkeit im Mittleren Osten beendet
und die Rechte der palästinensischen und kurdischen Minderheit respektiert
wird. Gleichzeitig muß das Recht aller Staaten in der Region in Sicherheit
und Frieden zu leben, respektiert und unterstützt werden.“ (Quelle: CILDEKT,
16.07.02)
Kurdin gewinnt
den Prozeß gegen die Türkei
Am 16. Juli
unterstrich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Entscheidung
zugunsten von Ülkü Ekinci, dass für den 1994 begangenen Mord an ihrem Ehemann,
einem bekannten kurdischen Rechtsanwalt, der türkische Staat verantwortlich
sei.
Das Gericht
fand den Staat schuldig den Art. 2 (das Recht auf Leben) und den Art. 13
(Rechtshilfe) der Europäischen Menschenrechtskonvention verletzt zu haben.
Am 25. 02.94
fanden Strassenbauarbeiter Yusuf Ekincis Leiche am Rand der E-90 TEM-Schnellstraße
in Gölbasi, am Stadtrand von Ankara. Eine Untersuchung wurde einge-leitet
und bei der am 26. Februar durchgeführten Autopsie fand man 11 Schußwunden
in seinem Körper, vor allem im Kopf und in der Brust.
Die Antragsstellerin
erklärte vor Gericht, dass der Mord an ihrem Mann einer der 400 sogenannten
Morde „mit unbe-kanntem Täter“ im Jahr 1994 war, was von verschiedenen
Menschenrechtsorganisationen dokumentiert wurde.
Die hauptsächlichen
Opfer waren prominente kurdische Geschäftsleute und Intellektuelle.
Als RA Ekinci
ermordet wurde, lag sein Heimatort Lice (Südosttürkei) und die umliegenden
Dörfer im Brennpunkt der Kampagne gegen den Terrorismus. Ausserdem war
die Art und Weise wie Yusuf Ekinci ermordet wurde, identisch mit den Morden
an Intellektuellen und Geschäftsleuten kurdischer Abstammung in den türkischen
Städten 1994. Die Antragsstellerin behauptete deshalb, dass ihr Mann mit
Kenntnis und Duldung der türkischen Behörden ermordet wurde und sein Tod
nicht gründlich untersucht wurde.
In seinem
Urteil betonte das Gericht zwar, es gäbe keine Augenzeugen des Mordes.
Das einzige gerichtsmedizini-sche Beweismittel bestand aus einer Anzahl
von Geschos-sen, die am Tatort gefunden worden sind, die aber keine Ähnlichkeit
mit den vorher untersuchten hatten.
Das Gericht
befand, dass trotz berechtigter Zweifel die Beweismittel nicht ausreichten
den Mord durch staatliche Kräfte oder mit deren Duldung am Ehemann beweisen.
Dennoch, durch die mangelhafte Untersuchung des Falles in dem man den Mord
an Ekinci und Behcet Cantürk, einen ehemaligen Klienten einen Monat vorher,
nicht miteinander in Zusammenhang brachte, obwohl auch in dem Fall der
Verdacht bestand, dass dort staatliche Kräfte mitgewirkt haben könnten.
Ohne Zweifel,
stellte das Gericht weiter fest, war Yusuf Ekinci reich, hatte sich öffentlich
als kurdischen Patrioten bezeichnet und war bis 1990 politisch aktiv. Ausserdem
fuhr das Gericht fort, hätte man von Anfang an die Verbin-dung der beiden
Fälle sehen können. Daraus schloß das Gericht war die Untersuchung des
Falles Ekincis weder angemessen noch erfolgreich.
Der türkische
Staat hat damit die Verpflichtung gemäß Art. 2, Leben zu schützen, in dem
Gerichtsverfahren nicht er-füllt. Das Gericht sprach der Antragsstellerin
einen Scha-densersatz in Höhe von 15.000 britischen Pfund zu.. (Quelle:
KHRP, 16.07.02)
Wolfowitz
bekräftigt Ablehnung
eines eigenen
Kurdenstaates
Die USA sind
entschieden gegen einen Kurdenstaat im Norden des Irak. Das versicherte
der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz seinen türkischen
Gesprächspartnern am Dienstag bei einem Besuch in Anka-ra. Im Zusammenhang
mit den amerikanischen Plänen zum Sturz des irakischen Diktators Saddam
Hussein war in der Türkei die Befürchtung geäußert worden, die etwaige
Bil-dung eines Kurdenstaates im Nordirak könnte auch bei den Kurden in
Ostanatolien Unabhängigkeitsbestrebungen aus-lösen. Vor Reportern lobte
Wolfowitz nach Gesprächen mit Ministerpräsident Bülent Ecevit, Verteidigungsminister
Sabahattin Cakmakoglu und dem Generalstabschef, die Türkei als "einzige
Demokratie in der Region" sowie die türkische Führung der internationalen
Schutztruppe ISAF in Afghanistan. Wolfowitz sagte, er habe den türkischen
Standpunkt zu verschiedenen Problemen kennenlernen wollen, vor allem zum
Irak. Er versprach Hilfe der USA bei der Überwindung der derzeitigen Wirtschaftskrise
in der Türkei und Unterstützung bei den Beitrittsbemühungen zur EU. (Quelle:
dpa, 16. 07.02)
KRG fordert
UN zum Kauf von Produkten
aus Kurdistan
auf
Beide kurdische
Verwaltungen im Südirak in den Einfluss-zonen von PUK und KDP fordern
in einem gemeinsamen Brief an die FAO landwirtschaftliche Produkte aus
Kurdis-tan zu kaufen.
Diesen Brief
übergab eine Delegation aus Suleymania und Arbil an den Repräsentanten
der FAO in Bagdad am 01. Juli 02.
Zur Zeit werden
durch das Programm „Oil for Food“ land-wirtschaftliche Erzeugnisse nach
Südkurdistan (Nordirak) eingeführt. Diese Produkte konkurrieren mit den
örtlichen und bestrafen so die Bauern und Produzenten. Das Oil-for-food
Programm sollte Armut beheben aber hat in der Regi-on zu Arbeitslosigkeit
geführt mit all seinen Problemen, die daraus entstehen. (Quelle:
Kurdish Media, 11.07.02)
PUK unterstützt
Turkomanen-Front
Nach Angaben
der PUK ist in letzter Zeit die Zahl von Turkomanen, u.a. auch Bewaffnete,
in Suleymania dras-tisch gestiegen, insbesondere im Hauptquartier der Turko-manen
Front (ITC).
Die Zeitung
„Kurdistan Niwe“ berichtete vom Leiter des Auswärtigen Büros der PUK, Sadi
Ahmad Pire, über den Empfang einer Delegation der ITC, unter der Leitung
von Siah Kurachi. Das PUK-Auswärtige Büro sagte: dass die PUK bereit sei,
die ITC stärker zu unterstützen.
Der ITC-Repräsentant
bedankte sich bei der PUK und ihrer Regionalregierung in Suleymania für
die freundliche und realistische Haltung.
Vertreter
der beiden Seiten betonten, dass Turkomanen und Kurden in Kurdistan ein
gemeinsames Schicksal hätten und mit gegenseitiger Toleranz und Patriotismus
die bestehen-den Fragen lösen und die Aufgaben lösen können.
Die Irakische
Turkomanen Front (ITC), geführt von Senan Ahmet Aga, befolgt eine harte
Linie in seiner Organisation.
Diese Front
wird von der Türkei unterstützt und schwer bewaffnet. Ihre Direktiven erhält
ITC aus Ankara und hat hauptsächlich die Aufgabe in der befreiten Region
Südkur-distan (Nordirak) für Destabilisation zu sorgen und vor allem den
de-facto Staat Kurdistan zu unterminieren.
Viele, auch
andere turkomanische Organisationen glauben, dass ITC auch von dem Baath-Regime
in Bagdad unter-stützt wird. (Quelle: Kurdistan Niwe, 11.07.02 und IMK)
Irakische
Exil-Militärs versprechen
Demokratie
nach Sturz Saddams
Mit einem
Versprechen, nach einem Sturz von Saddam Hussein im Irak eine zivile Regierung
zu unterstützen und einen demokratischen Staat aufzubauen, hat am Freitag-abend
in London ein Treffen von 70 führenden irakischen Exil-Offizieren begonnen.
An der "Militärkonferenz" der "Nationalen Koalition des Irak", einem breiten
Oppositi-onsbündnis, nahmen auch zahlreiche Vertreter politischer Gruppen
teil.
"Der Irak
hat genug geblutet. Jetzt sind wir bereit, die Wunden zu heilen", sagte
Generalmajor Khlaid Shams al-Din, Generalsekretär der 1999 gegründeten
Organisation der ins Ausland geflüchteten Militärs. "Wir bitten die inter-nationale
Gemeinschaft, uns zu unterstützen."
Shams al-Din
sagte weiter: "Äußerst aggressive Maßnahmen werden nötig sein, um den Terror
Saddams zu beenden." An der Londoner Konferenz, die nach Angaben von Shams
al-Din ausschließlich von den irakischen Exil-Militärs selbst und nicht
von den USA finanziert wurde, nahm überraschend auch Prinz Hassan von Jordanien
teil, ein Bruder des verstorbenen Königs Hussein.
Shams al-Din
sagte, die Exil-Offiziere versprächen "auf ihre Ehre, für den Wandel zu
arbeiten und nicht für die eigene Machtergreifung".
"Wir wollen,
dass im Irak eine zivile Regierung geschaffen wird und dass sich die Rolle
des Militärs auf die Kasernen beschränkt", sagte der frühere Generalmajor.
Bei dem bis
zum Sonntag dauernden Treffen geht es nach den Worten von Sharif Ali Bin
Alhussein darum, "das Va-kuum nach dem Sturz Saddams zu füllen und Chaos
zu verhindern". Deswegen müssten sich die militärische und die zivile Opposition
rechtzeitig vorher über das künftige Aussehen des Irak verständigen. "Ich
habe keinen Zweifel daran, dass die USA es mit dem Kampf gegen Saddam ernst
meinen", sagte Alhussein, der als Cousin von Ex-König Feisal die Bewegung
für die Wiederherstellung der Monarchie anführt.
"Das Militär
hat auch unter Saddam gelitten. Es wird in die Kasernen zurückkehren. Wir
wollen eine Gesellschaft, in der es Wahlen und ein freies Parlament gibt
und in der eine zivile Regierung arbeitet", sagte Sharif Mohamed Ali Mo-hamed
am Rande der Konferenz.
Ali Mohamed
ist Führer der Shia-Minderheit im Irak. "Wir möchten uns mit den Offizieren
über deren Zusammenar-beit mit der Opposition verständigen."
Zu den prominentesten
Teilnehmern der Militärkonferenz gehören Generalmajor Tawfiq Yassiri, der
1991 einen Putschversuch gegen Saddam organisierte, sowie General-major
Najib al-Salhi, der bis 1995 eine Panzerdivision der irakischen Nationalgarde
kommandierte. Nach Angaben der "Nationalen Koalition des Irak" sind rund
1500 Offiziere der unterschiedlichsten Ränge ins Ausland geflohen. Die
meisten hofften darauf, nach dem Sturz Saddams die Uni-formen wieder anziehen
zu dürfen.
Der Sprecher
des US-Außenministeriums, Richard Bou-cher, betonte unterdessen in Washington,
die USA seien sehr an der Konferenz und ihren Ergebnissen interessiert
und hätten einen Beobachter geschickt. Treffen dieser Art seien ein nützliches
Mittel, um der irakischen Bevölkerung zu einer "besseren Zukunft nach Saddam
Hussein" zu verhelfen. Der Umstand, dass militärische Regimegegner zusammenkämen,
sei eine wichtige Entwicklung. Sie zeige, auf welch breiter Grundlage die
Unzufriedenheit mit Sad-dam stehe. Das Treffen werde allerdings finanziell
nicht von Washington unterstützt. (Quelle: dpa, 12.07.02)
Sittenpolizei
verstärkt Party-Razzien
in iranischer
Hauptstadt
Teherans Sittenpolizei
will mit schärferen Kontrollen gegen feiernde Jugendliche in der iranischen
Hauptstadt vorgehen. Bei ihren Aktionen gegen "unmoralisches Verhalten"
wollten die Beamten Feiern mit lauter Musik und Alkoholkonsum bekämpfen,
kündigte der Leiter der Polizei an. Das berichtete am Dienstag die Zeitung
"Entekhab".
Am Wochenende
hatten die Beamten bei einer Party 17 Jungen und Mädchen festgenommen.
Die Jugendlichen wurden zu Peitschenhieben und Geldstrafen verurteilt.
Im islamischen Iran dürfen junge Paare nur dann eine Bezie-hung unterhalten,
wenn sie verlobt oder verheiratet sind.
Die Teheraner
Polizei verteidigte die Aktionen: Die Sittenpolizei reagiere damit auf
Beschwerden von Bürgern. Reformorientierte Kreise kritisierten die Razzien
als illegale Eingriffe in die Privatsphäre. Schärfer vorgehen wollen die
Sittenwächter auch gegen Frauen, die die vorgeschriebene Bekleidung aus
weiten Umhängen und Schleiern gegen modische Röcke und Tücher eingetauscht
haben, die nur Teile der Frisuren bedecken. (Quelle: dpa, 09.0.02)
52 Anklagen
im Zusammenhang
mit Demonstrationen
in Teheran
Nach den verbotenen
Demonstrationen in Teheran Anfang des Monats hat ein iranisches Gericht
nun Anklage gegen 52 Demonstranten erhoben. Wie die staatliche Zeitung
"Iran" am Montag berichtete, werden ihnen Verstöße gegen die nationale
Sicherheit zur Last gelegt. Bei verbotenen Protestaktionen aus Anlass des
Jahrestages der Studenten-unruhen von 1999 waren am 9. Juli mehr als 200
Personen festgenommen worden, von denen 140 vorübergehend in Gewahrsam
genommen wurden. Nach Angaben der Zeitung wurden 90 Personen wieder freigelassen,
nachdem sie sich schriftlich verpflichtet hatten, solchen Kundgebungen
in Zukunft fernzubleiben.
Anfang Juli
1999 hatten Hunderttausende von Studenten auf dem Universitätsgelände von
Teheran gegen die Ein-schränkung der Meinungsfreiheit protestiert, nachdem
zu-vor zahlreiche regimekritische Zeitungen verboten und führende Journalisten
inhaftiert worden waren. Außerdem war das Pressegesetz verschärft worden.
Bei den Zusammenstößen mit radikalen Unterstützern des radikalislamischen
Regimes und der Polizei wurden damals mindestens sechs Studenten getötet
und Hunderte von Demonstranten als "Konterrevolutionäre" und "Ungläubige"
festgenommen. (Quelle: dpa, 22.07.02)
Reformpolitiker
über Zukunft
Irans tief
besorgt
Der Vorsitzende
der reformorientierten Regierungspartei Irans (IIPF) und Bruder des iranischen
Präsidenten, Mo-hammed-Resa Chatami, hat sich tief besorgt über die Zukunft
seines Landes geäußert. Menschen fragten sich, wenn Regierungsvertreter
festgenommen und vor Gericht gebracht würden, was um Gottes Willen geschehe
dann mit den einfachen Leuten, sagte Chatami am Mittwoch in Tehe-ran auf
dem Jahreskongress der sozialdemokratischen Par-tei der kollektiven Zusammenarbeit.
Mohammed-Resa
Chatami bezog sich dabei auf Festnahmen von Parlamentariern, ehemaligen
Ministern, Mitgliedern von Reformer- Gruppen und Journalisten sowie die
Schließung von mehr als 80 Publikationen auf Grund von Anordnungen der
von der Opposition beherrschten Gerichtsbehörden. Terroristen würden von
Gerichten begnadigt, aber ehemalige Minister und anerkannte Persönlichkeiten
säßen weiterhin hinter Gefängnisgittern, sagte der Parteivorsitzende, der
auch Vizepräsident des Parlaments ist. Chatami kritisierte ferner das Vorgehen
der Sittenpolizei während der vergangenen Wochen, die im Kampf gegen "gesellschaftliche
Unmoral" selbst Geburtstagspartys gestürmt, Jugendliche festgenommen, ausgepeitscht
und mit Geldstrafen belegt habe. Er verurteilte diese jüngsten Razzien
als eine Verletzung der Privatsphäre. Im Ausland lebende Iraner könnten
bei dieser Handlungsweise kaum ermutigt werden, in ihr Heimatland zurückzukehren
und dort ihr Geld zu investieren.
Chatami prophezeite,
dass der islamische Dogmatismus und die "Ausrottung" liberaler Dissidenten
und Journalisten durch das von der orthodoxen Geistlichkeit beherrschte
Gerichtswesen am Ende scheitern werde. Die Menschen in Iran wollten mehr
Demokratie, als es die Reformkräfte ermöglichen könnten, sagte der Parteivorsitzende.
(Quelle: dpa, 17.07.02)
Schiff mit
174 Flüchtlingen
in Süditalien
eingetroffen
Ein Fischkutter
mit 174 Flüchtlingen an Bord ist in der Nacht zum Montag im süditalienischen
Hafen von Crotone eingetroffen. Es handele sich großteils um pakistanische
Bürger und Kurden, berichtete die Polizei am Montag. Auch 31 Kinder und
25 Frauen hätten die vermutlich vor einer Woche vor der türkischen Küste
begonnene Fahrt mitgemacht, hieß es.
Zwölf Personen
sind unter dem Verdacht festgenommen worden, zur Besatzung gehört zu haben.
Die italienische Küstenwache hatte das Schiff auf offener See abgefangen
und in den Hafen an der kalabrischen Küste geschleppt. (Quelle: dpa, 15.07.02)
Über 150
Flüchtlinge in Griechenland
eingetroffen
– Rettungsaktion
In Griechenland
sind am Wochenende über 150 illegale Einwanderer angekommen. Die griechische
Küstenwache hatte am Samstagabend mit einer umfangreichen Aktion 26 Flüchtlinge
und zwei Besatzungsmitglieder eines ukraini-schen Kleinfrachters gerettet,
der wenige Seemeilen vor der Insel Euböa in Seenot geraten war. Wie die
halbamtliche griechische Nachrichtenagentur ANA meldete, drohte das ukrainische
Schiff "Shkval" wegen Ausfalls der Maschine auf den Felsen der Insel zu
zerschellen.
Schnellboote
der Küstenwache konnten rechtzeitig den Frachter erreichen und in Schlepp
nehmen. Alle Einwande-rer, überwiegend irakische Kurden, seien an Land
gebracht worden, hieß es.
Die beiden
ukrainischen Besatzungsmitglieder wurden als mutmaßliche Schleuser festgenommen.
Wenige Stunden zuvor hatte ein unbekanntes Schiff weitere 52 illegale
Ein-wanderer aus verschiedenen asiatischen Staaten an einem einsamen Strand
der Insel Euböa ausgesetzt.
Am Sonntagmorgen
entdeckten Einwohner der der Hafenstadt Piräus vorgelagerten Insel Ägina
weitere 80 Einwanderer kurdischer Abstammung, die an Bord einer Yacht eines
Briten von der Türkei nach Griechenland gebracht worden waren. Die Polizei
nahm den britischen Kapitän der Yacht fest. (Quelle: dpa, 21.07.02)
Griechische
Hafenpolizei nimmt
52 Flüchtlinge
auf Euböa fest
Die griechische
Hafenpolizei hat auf der Insel Euböa in der Ägäis 52 Flüchtlinge festgenommen.
Die Einwanderer, unter ihnen 14 Kinder, seien am Morgen am nordöstlichen
Ufer der Insel aufgegriffen worden, teilten die Behörden mit. Bei den meisten
von ihnen handele es sich um Kurden aus Irak. Die Marine suche vor der
Küste nach einem Schiff, das die Menschen vermutlich auf der Insel abgesetzt
habe. Ein türkischer Schlepper, der in seinem Boot sechs Iraker illegal
nach Griechenland gebracht hatte, war von einem Gericht auf der Insel Samos
am Freitag zu dreiein-halb Jahren Gefängnis und 1500 Euro Geldstrafe verurteilt
worden. (Quelle: AFP, 20.07.02)
Verehrte Leserinnen
und Leser,
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Sie auf zwei Publikationen aufmerksam machen, die Sie bei uns bestellen
können:
1)
Titel: „Depression – Wege aus der Krankheit“
Kurzbeschreibung:
Depressive Erkrankungen sind mit verschiedenen ärztlichen und psychologischen
Verfahren gut behandel-bar – besonders wenn sie frühzeitig erkannt werden.
Das Buch behandelt u.a. die depressive Erkrankung hinsichtlich ihrer Entstehung
und Behandlungsmöglichkeiten unter Berücksichtigung migrationsspezifisch-kultureller
Aspekte. Damit möchten wir Betroffenen und ihren Angehörigen in leichtverständlicher,
aber sachgerechter Form helfen.
Das Vorwort ist in Deutsch und Türkisch geschrieben. Das Buch „Depresyon
– Hastaligi Yenmenin Yollari“ ist in türkischer
Sprache verfasst.
Autor: Dr. Ilhan Kizilhan - 146 Seiten, Preis: (einschließlich Porto)
Euro 10,50
2)
Titel: „Fluchtland Türkei / Inländische Vertreibung-Asyl-Festung Europa“
Das Heft beinhaltet
die Ergebnisse eines Projekts, das der Niedersächsische Flüchtlingsrat
(NFR), PRO ASYL und die Türki-sche Stiftung TAV seit Mitte Mai 2000 zwei
Jahre lang in Kooperation mit dem Menschenrechtsverein IHD und mit finanzieller
Unterstützung der Europäischen Kommission durchführten. Ziel des Projektes
war es, gemeinsam mit der Menschenrechtsbe-wegung in der Türkei die Basis
für den Aufbau von Unterstützungsstrukturen für Flüchtlinge innerhalb der
Türkei zu schaf-fen. DIN A4, 97 Seiten, Preis: (einschließlich Porto) Euro
6,80
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