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Internationaler Verein für Menschenrechte der Kurden 
IMK Wocheninformationsdienst
Datum: 10. Juni – 14. Juni 2002       Nummer: 159

Folter in Istanbul
Ende Mai wurde Osman Karademir unter dem Verdacht des Diebstahls in Istanbul-Üsküdar fest-genommen. Er war selber zur Wache gegangen, um eine Aussage zu machen. Nach eigenen Angaben wurde er dort splitternackt ausgezogen, seine Hän-de wurden ihm auf dem Rücken verbunden und er erhielt Stromstösse über die Finger, Brustwarzen und den Penis. Nach der stundenlangen Folter wur-de er zum Krankenhaus gebracht, erhielt aber kein Attest, obwohl er sich beschwerte. (Quelle: Cumhuriy-et, 01.06.2002) 

Ahmet Kulaksiz freigesprochen
Am 3. Juni sprach die 4. Kammer des SSG Istanbul Ahmet Kulaksiz vom Vorwurf der Propaganda für eine illegale Organisation frei. Er hatte nach dem Tod seiner beiden Töchter Canan Kulaksiz (starb am 15. April 2001) und Zehra Kulaksiz (starb am 29. Juni 2001), die sich an einem Hungerstreik aus Solidarität mit den Gefangenen beteiligt hatten, ein Buch über ihr Leben veröffentlicht. Zusammen mit Ahmet Kulaksiz wurde auch der Verleger Muhar-rem Cengiz, vom Verlag Tavir freigesprochen. (Quelle: Cumhuriyet, 04.06.2002)

Verfahren gegen Politiker ausgesetzt
Am 4. Juni entschied die 1. Kammer des SSG Ankara, das Verfahren gegen Ibrahim Güçlü, stellvertr. Vorsitzender der Partei für Rechte und Freiheit (HAK PAR), Cevdet Kemal Kara und Resit Deli auszusetzen. Ihnen war Mitgliedschaft in der illegalen Demokratischen Partei von Nordkurdistan vorgeworfen worden. (Quelle: Evrensel, 05.06.2002)

Verfahren wegen extralegaler Hinrichtung
Die Staatsanwaltschaft in Malatya hat die Polizei-beamten Mesut Ayar, Musa Yücel und Erkan Çiftçi wegen der Erschiessung von Turan Çaliskan am 5. Mai im Stadtteil Yamaç angeklagt. Sie werden sich nach § 221 in Verbindung mit § 448/1 TSG wegen Mord unter Anwendung unangemessener Mitteln verantworten müssen und haben Strafen bis zu 26 Jahren Haft zu erwarten. (Quelle: Yedinci Gündem, 06.06.2002)

Minenexplosion
Am 4. Juni trat Esher Demir (14) auf eine Mine auf einem leeren Feld im Dorf Busan im Kreis Baskale (Van). Dabei verlor er den rechten Arm und ein Bein. Er wurde ins Krankenhaus eingeliefert, wo jedoch jede Hilfe zu spät kam. (Quelle: Yedinci Gündem, 06.06.2002)

Zeitschrift verurteilt
Die 3. Kammer des SSG Istanbul verurteilte den Besitzer der kurdischen Wochenzeitschrit ”Azadiya Welat”, M. Nuri Karakoyun, und den Chefredak-teur M. Salih Turan zu einer Geldstrafe von je 142 Millionen TL. Beanstandet wurden drei Artikel in der Ausgabe 292 vom 01.09.01. Darunter befanden sich Stellungnahmen von Osman und Abdullah Öcalan. Der Zeitschrift wurde das Erscheinen für eine Woche untersagt. (Quelle: Yedinci Gündem, 07.06.2002)

Verbot von Kopftüchern
Der Menschenrechtsverein Mazlum-Der in Istanbul hat Zahlen zum Verbot von Kopftüchern an den theologischen Gymnasien in Istanbul vorgelegt. Demnach wurden 1678 Schülerinnen nicht zum Unterricht zugelassen. Bei den Protesten wurden 1885 Personen festgenommen (10 von ihnen miss-handelt) und 396 SchülerInnen wurden der Schule verwiesen. (Quelle: Yeni Safak, 07.06.02)

Türkei wegen Maßnahmen gegen
kurdischstämmige Abgeordnete verurteilt
Die Türkei ist wegen des Mandatsentzugs für 13 kurdischstämmige Abgeordnete vom Europäischen Menschenrechtsgerichtshof verurteilt worden. Ankara habe damit gegen das Grundrecht auf freie Wahlen verstoßen, befanden die Straßburger Rich-ter am Dienstag in einem Urteil. Geklagt hatten die frühere Oppositionspolitikerin Leyla Zana und zwölf andere Mitglieder der mittlerweile aufgelös-ten pro-kurdischen Partei DEP. Ihnen muss die Regierung in Ankara dem Urteil zufolge nun je-weils 50.000 Euro Schadenersatz zahlen. (Quelle: AFP, 11. Juni 02)

Türkei will EU-Reformen beschleunigen - Gegensätze bleiben
Ein Gipfeltreffen türkischer Parteien zur EU-Politik des Landes hat nicht den von der türkischen Öffent-lichkeit erhofften Durchbruch erbracht. Die von Staatspräsident Sezer organisierte Runde, die am Freitag in Abwesenheit  des seit einem Monat kran-ken Regierungschefs Ecevit stattfand, einigte sich zwar darauf, die für den Beginn von EU-Beitrittsverhandlungen erforderlichen Reformen zu beschleunigen. In grundlegenden Fragen, wie der völligen Abschaffung der Todesstrafe und mehr kulturellen Rechten für die kurdische Minderheit, konnten die Gegensätze indes nicht überbrückt werden. 
Vizeregierungschef Bahceli, Vorsitzender der Par-tei der Nationalistischen Bewegung (MHP) und entschiedener Gegner von "Zugeständnissen", drohte dem Vernehmen nach, sich notfalls aus der Regierung zurückzuziehen. Von der Parlamentsopposition waren nur die Führer der beiden islamistischen Parteien erschienen. Die frühere Ministerpräsidentin Ciller von der Partei des Rechten Weges (DYP) hatte das Treffen boykottiert. Wegen der Krankheit Ecevits forderte sie den Rücktritt der Regierung und Neuwahlen für den Herbst.
Präsidentensprecher Ildem erklärte nach dem gut dreistündigen Treffen, die Teilnehmer hätten sich darauf geeinigt, dass das Parlament die eingebrach-ten Reformen zügig verwirklichen solle. Dies gelte für die in den so genannten Kopenhagener Kriterien festgeschriebenen Mindeststandards für Demokratie und Menschenrechte.
Ausdrücklich hingewiesen wurde auf die Europäische Menschenrechtskonvention und ihre Zusatzprotokolle. Der Europarat hatte jüngst einen Zusatz unterzeichnet, mit dem die Todesstrafe in Europa endgültig abgeschafft ist.
Die Türkei ist bemüht, den "Zug der EU-Erwei-terung" nicht zu verpassen. Sie strebt bis Ende dieses Jahres einen Zeitplan für Beitrittsverhand-lungen an. Vor dem Parteiengipfel in Ankara hatten zahlreiche Verbände und Gewerkschaften eine Überwindung der Reformblockade gefordert.
Die Arbeit der türkischen Regierung wird seit ei-nem Monat durch die Krankheit Ecevits gelähmt. Der nach Presseberichten an der Parkinsonschen Krankheit leidende Ministerpräsident hat sich seit zehn Tagen nicht mehr in der Öffentlichkeit ge-zeigt. (Quelle: dpa, 07. Juni 02)

Wirtschaft drängt den Fast-Premier
Der Druck der türkischen Unternehmer wird immer grösser: Sie wollen rasche Beitrittsverhandlungen  mit der EU. Damit aber bringen sie den Chef der wichtigen Regierungspartei MHP, Bahceli, in Be-drängnis. 
Nachdem die politische Bühne in der Türkei lange Zeit der Partei der heimlichen EU-Gegner zu gehö-ren schien, bemüht sich der Unternehmerverband Tüsiad nun massiv, das Steuer vor dem EU-Gipfel in Sevilla Ende des Monats herumzuwerfen. Zum einen soll die Öffentlichkeit mit einer grossen Anzeigenkampagne mobilisiert werden. Zudem - und das ist wichtiger - nahmen die Unternehmervertreter Verbindung zum Militär auf. Wer will, kann das Votum des NSR für die Aufhebung des Ausnahmezustands im kurdischen Provinzen sowie von Generälen anonym an die Presse gegebene Vorschläge zur Abschaffung der Todesstrafe und für eine sehr beschränkte Zulassung des Kurdischen auf diese Kontakte zurückführen.
Parallel zum TÜSIAD haben 175 NGO’s mit ca. 14 Mio. Mitgliedern die Politik aufgefordert die Re-formen zu beschleunigen, um die EU-Beitritts-verhandlungen nicht zu verpassen.  (Quelle: Basler Zeitung, 06.06.02)
 

Mehr Rechte für die Kurden auf Druck der EU - Aber kaum bessere Lebensbedingungen
"Ein halbes Menschenleben ohne Recht, Gerechtig-keit oder Freiheit" - so charakterisiert der türkische Abgeordnete Ahmet Cemil Tunc die Notstandsver-waltung von Südostanatolien, die auf Beschluss des NSR in diesem Jahr endlich aufgehoben werden soll. Schon seit fast 25 Jahren gelten die verfas-sungsmäßigen Rechte der Türkischen Republik nicht mehr für die Bewohner ihrer südöstlichen Provinzen; seit 15 Jahren werden weite Teile der kurdisch besiedelten Region von einer Sonderbe-hörde mit dem Notstandsrecht regiert. Wenn bis zum Ende des Jahres auch die letzten vier Provin-zen - als Reaktion Ankaras auf massiven Druck der EU hin - aus dem Notstand entlassen werden, dann kommen Millionen Menschen erstmals in ihrem Leben in den Genuss der Grundrechte, die die Ver-fassung ihres Landes ihnen garantiert. 
Dass sie auch die Chance auf ein anständiges Leben erhalten, ist aber unwahrscheinlich. Denn nach 15 Jahren Krieg und 25 Jahren ohne Rechtsstaatlichkeit ist die Region wirtschaftlich, sozial und moralisch ruiniert. 
Ohnehin ist es mehr als fraglich, ob die offizielle Aufhebung des Notstandes in der Praxis eine baldi-ge Rückkehr zum Rechtsstaat bewirken kann. Sicher wäre viel gewonnen, wenn die kriegsrechts-ähnlichen Befugnisse der Behörde aufgehoben würden: Nach dem Ausnahmerecht kann der Sondergouverneur ganze Dörfer räumen lassen, missliebige Personen aus der Region verbannen, die Medien zensieren, Haussuchungen ohne Richterbefehl genehmigen und Dekrete mit Gesetzeskraft erlassen, die selbst vom türkischen Verfassungsgericht nicht überprüft werden dürfen. Was aber auch per Sicherheitsratsbeschluss nicht wiederhergestellt werden kann, das ist die Kultur der Rechtsstaatlichkeit, die völlig zerstört wurde. Weil Staats- und Sicherheitsbehörden im Notstandsgebiet nicht einmal angezeigt oder verklagt werden können, hat die staatliche Willkür dort tiefe Wurzeln geschlagen. 
Verwüstung und Armut.
Selbst wenn die Sonderbehörde aufgelöst werden sollte, würde sie unermessliches Elend hinterlassen. Dörfer sind verwüstet, das Land liegt brach, das Vieh wurde abgeschlachtet. Alternativen gibt es in der kriegsverwüsteten Region keine: In der Provinz Hakkari etwa sind von rund 200.000 verbliebenen Einwohnern nur 16.600 abhängig beschäftigt.
Kredite, Anschubfinanzierungen, Wiederaufbauhil-fen in unerschwinglichen Größenordnungen wären notwendig, um den Wiederaufbau dieser Region zu bewerkstelligen - und da fangen die Probleme erst an: Zehntausende Menschen haben im Krieg den Ernährer verloren, hunderttausende Kinder haben keine Schulausbildung erhalten, Millionen sind nach Istanbul, Izmir und Europa geflohen - alle diese Menschen bräuchten Unterstützung für einen Neubeginn.  (Quelle: Basler Zeitung, 06.06.2002)

Verhaftungswelle gegen Mitglieder von HAK-PAR in Diyarbakir / Türkei
Am 12 Juni 2002 gegen Mitternacht wurden mehre-re Mitglieder der prokurdischen “Partei für Rechte und Freiheiten (HAK-PAR)” in Diyarbakir, Südost-türkei, verhaftet. Unter den Verhafteten befinden sich, nach Angaben der Parteizentrale von HAK-PAR in Ankara, der stellvertr. Vorsitzende Bayram BOZYEL, Parteigründungsmitglied Ümit TEKTAS, Mitglieder des Bezirksvorstandes von Diyarbakir, Mehmet Eren und Kemal Aras, die Parteimitglieder Sait Bozyel, Pasa Akdogan, Suphi Ekinci, Ramazan Eren, Naci Eren, Haydar Karaas-lan, Haydar Karaaslan, Zana Budak, Sergir Budak Ömer Baylav und Frau Evin Sitki, sowie weitere namentlich bis jetzt nicht bekannten 16 Personen.
Diese Repressionswelle und Willkür gegen HAK-PAR sind nach Meinung des IMK e.V. eklatante Verletzungen der Art. 9 (Gedankenfreiheit), Art. 10 (Recht auf freie Meinungsäußerung), Art. 11 (Ver-sammlungs- und Organisationsfreiheit) und Art. 14 (Verbot der Diskriminierung) der Europäischen Menschenrechtskonvention, die auch von der Tür-kei ratifiziert wurde.
Dieses Vorgehen gegen die HAK-PAR Mitglieder und Funktionäre  stellt noch einmal die Glaubwür-digkeit und Ernsthaftigkeit der Türkei, Mitglied der EU zu werden, in Frage.
Der IMK e.V. fordert die Regierung in Ankara auf, die verhafteten HAK-PAR Funktionäre und Mit-glieder unverzüglich freizulassen und die europäi-schen Standards im Bereich der Menschenrechte zu implementieren.
Der Vorstand des Internationalen Verein für die Menschenrechte der Kurden – IMK e.V.  bittet die EU-Kommission, den zuständigen Kommissar des Erweiterungsprozesses, Herrn Dr. Günter Verheu-gen, die EU-Regierungen und die Mitglieder des Europäischen Parlaments auf die Türkei einzuwirken, damit die türkische Regierung diese antidemokratische und antieuropäische Repressionsmaßnahmen einstellt und die Frei-lassung der verhafteten Personen bewirkt.

Hintergrundinformationen zu HAK-PAR
Die Partei für Rechte und Freiheiten (HAK-PAR) wurde nach dreijähriger Vorbereitungszeit am 11. 02.2002 in Ankara gegründet. Sie will gemäß ihres Programms eine Türkei aufbauen, die modern und rechtstaatlich ist, in der die Demokratie und Verfas-sung den Standards der EU entsprechen und in der Rechte und Freiheiten garantiert werden. Über die Multikulturalität und Multilingualität des Landes soll ein zukünftiger gesellschaftlicher Konsens erzielt werden.
Die Kurdenfrage, welche die zentrale und grundlegende Frage der Türkei darstellt, soll in einer pluralen, partizipatorischen und demokratischen Türkei als ein gesellschaftliches Projekt angegangen werden, denn der existierende Konflikt stelle eine Bedrohung des gesellschaftlichen Friedens dar und führe zu schwerwiegenden Verletzungen der Rechte und Freiheiten. So hat die Partei die Lösung der Kurdenfrage als ein zentrales Anliegen beim Neuaufbau der Demokratie in der Türkei in ihr Parteiprogramm aufgenommen.
 Besonderen Wert legt die Partei auf eine neue Kultur in der Politik und Parteiarbeit. So ist der Parteivorsitz auf drei Perioden beschränkt. Die Partei versteht sich als eine partizipatorische, plura-le, kollektive und demokratische Volkspartei und will so transparent wie möglich arbeiten.
Der Vorsitzender der Partei ist Abdulmelik Firat, ein renommierter Kurde und ehemaliger, langjähri-ger Mitglied des Türkischen Parlaments. (Quelle: Presseerklärung des IMK e.V., 13.06.02)

Weitere Arabisierungswelle in der 
Provinz KIRKUK
Die Tageszeitung Brayeti in Hawler berichtet über intensivierte Arabisierungskampagne des Saddam-Regimes in der Provinz Kirkuk.
Das Regime hat im Zuge dieser Maßnahme tausende junge Palmen an den Straßen von Kirkuk gepflanzt, um die Ansiedlung von Arabern aus Süd- und Zentralirak in Kirkuk schmackhaft zu machen. Für arabische Siedler aus dem Südirak wurden 200 neue Häuser gebaut. 
Das Regime hat Anfang 2002 eine Kommission gebildet, die alle Todesfälle zwischen 1991-1996 untersuchen soll, mit dem Ziel, Verwandte und Familienangehörige aus Kirkuk zu vertreiben, die 1991 an dem Aufstand zur Befreiung der Stadt von den Saddam-Streitkräften beteiligt waren.
Unbewohntes Land und Gebäude werden nur noch an Araber vergeben bzw. verkauft. Kurden dürfen dort keine Geschäfte mehr eröffnen. Damit werden die dort ansässigen Kurden, Turkmenen und Assy-rer als zweitklassige Bürger abgestempelt und ihrer konstitionellen Rechte beraubt. Tausende von Kurden und Turkmenen, vertrieben aus Kirkuk, leben in provisorischen Lagern, wie Zelten und verlassenen alten militärischen Einrichtungen ausserhalb der Städte.
Obwohl in den letzten 50 Jahren keine Volkszäh-lung mehr stattgefunden hat, nimmt man an, dass die nichtarabische Bevölkerung im Irak zwischen 25-30 Prozent liegt. (Quelle: Kurdische Media von 06.06.02 )
 
Kurdische Opposition für US-Hilfe bei möglichem Umsturz in Irak
Die Patriotische Union Kurdistans (PUK) hat sich am Freitag für einen Sturz des irakischen Diktators Saddam Hussein mit Hilfe der USA ausgesprochen. Die irakische Opposition einschließlich der Kurden wollten "einen radikalen Wechsel, um ein demokra-tisches und friedliches Regime einzusetzen, das die Rechte des irakischen Volkes anerkennt", sagte ein Sprecher der PUK am Freitag. Einem Bericht der "Washington Post" zufolge haben die USA ihre Kontakte mit irakischen Oppositionskreisen ver-stärkt, um sich deren Unterstätzung für einen Sturz der Regierung in Bagdad zu sichern. Irak gilt als mögliches nächstes Angriffsziel in Washingtons Kampf gegen den internationalen Terrorismus. (Quelle: DPA, 07.06.02)

Das europäische Parlament fordert die Einrichtung eines Gerichtshofes zur Verfolgung der Verantwortlichen im Irak
Die europäische Initiative soll verhindern, daß hochrangige irakische Regierungsvertreter in Staa-ten der europäischen Union einreisen 
Der Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten des Europäischen Parlaments hat die irakischen Behör-den wegen ihren fortdauernden Men-schenrechtsverletzungen scharf angegriffen und über die führenden Vertreter ein Einreiseverbot in die Staaten der Europäischen Union verhängt. Der Ausschuß veröffentlichte einen Resolutionsentwurf, in welchem die wiederholten Verstöße gegen internationale humanitäre Gesetze sowie die zahlreichen Todesstrafen und willkürlichen Hinrichtungen ohne vorherige Gerichtsverhandlung verurteilt werden, ebenso wie die Folter und Vergewaltigungen und die gewaltsame Vertreibung von Menschen aus ihren angestammten Wohngebieten. Der Ausschuß, der auch für Menschenrechte, allgemeine Sicherheit und die Verteidigungspolitik zuständig ist, ruft in diesem Entwurf dazu auf, das Wirtschaftsembargo, das aus ”humanitären Gründen” gegen den Irak verhängt wurde, aufzuheben. Nur das Verbot von Waffenlie-ferungen solle bestehen bleiben. Mit Nachdruck wird auf die Bedeutung einer umfassenden politi-schen Lösung der irakischen Frage unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen hingewiesen. Weiters schlägt dieser Resolutionsentwurf vor, die Beschuldigten wegen ihrer Menschenrechtsverletzungen vor ein internationales Gericht zu stellen und empfiehlt, einen internationalen Strafgerichtshof speziell für den Irak zu schaffen, nach Vorbild des internationalen Strafgerichtes, dessen Einrichtung erst vor kurzem beschlossen wurde. Der Aus-schuß weist auch darauf hin, daß das Regime nichts zum Schutz der Umwelt tut, und führt als Beispiel die Zerstörung der Sumpfgebiete im Südirak an. Ebenso wird betreffend der Einhaltung der Menschenrechte die Entsendung internationaler Beobachter in alle Gebiete des Irak sowie die Schaffung eines Büros zur Untersuchung der Menschenrechtsverletzungen angeregt. Hochrangigen Regierungsvertretern sollte die Einreise in die Staaten der Europäischen Union untersagt und ihr Vermögen eingefroren werden. Gleichzeitig fordert der Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten, unter Bezug auf das demokratische Experiment der Selbstverwaltung in den Kurdengebieten im Nordirak ein ähnliches Programm ins Leben zu rufen, um die zivile Gesellschaft und ihre Institutionen weiter zu entwickeln. Die Vereinten Nationen werden aufge-fordert, einen Teil der Einkünfte aus dem Erdölverkauf dazu zu verwenden, um den 3,5 Millionen irakischen Flüchtlingen, Emigranten und Vertriebenen zu helfen. Darunter sind auch Folteropfer und Überlebende von Armeeangriffen mit chemischen oder biologischen Waffen. (Quelle: Irak Aktuell, Juni 02)

Gegner Saddams sprechen mit US-Adminstration
Vertreter von mehreren irakischen Oppositions-gruppen sind am Montag (Ortszeit) in Washington mit US-Regierungsbeamten zusammengetroffen. Die Begegnung war Teil der US-Bemühungen, Alternativen zu Iraks Präsident Saddam Hussein zu entwickeln. US-Außenamtssprecher Richard Bou-cher sagte, die USA wollten mit einer Serie von Treffen auf der Ebene von Arbeitsgruppen eine größere Konferenz der Anti-Saddam-Kräfte in diesem Sommer in Europa vorbereiten. Wie das US-Aussenministerium weiter mitteilte, wurden dem in London ansässigen Oppositionsbündnis Irakischer Nationalkongress (INC) acht Mio. Dollar neuer Hilfsgelder bewilligt. US-Verteidigungs-minister Rumsfeld machte in Kuwait deutlich, dass seine Regierung den Sturz von Saddam für die einzige Lösung für das Problem von Massenver-nichtungswaffen in Irak hält. (FR, 12.06.2002 und AFP, 05.06.02)

Brief des MR-Zentrums Irak an den Sonderberichterstatter der UN
Das Menschenrechtszentrum Irak schrieb an den Sonderberichtserstatter der UN, Mavromatis, fol-genden Brief:
“Anläßlich des 22. Jahrestages des Erlasses Nr. 666 des Revolutionären Kommandorates des Irak vom 7.5.1980 betreffend die ungerechte Ausbürgerung einer großen Anzahl von irakischen Staatsbürgern möchten wir Ihnen den erwähnten Beschluß zur Kenntnis bringen und auf die Probleme dieser Ausgebürgerten hinweisen, die noch immer einer Lösung harren. 
Die Gründe für diese Ausbürgerung können ver-schieden interpretiert werden, denn viele Bürger waren von dieser Resolution nur indirekt betroffen. 
Im Hinblick auf den Prozentsatz der direkt betroffenen Bürger bleibt der Grund für die Ausbürgerung aber unklar, da infolge der Staatenlosigkeit soziale Probleme auftauchten, ganz abgesehen von den Verhaftungen betroffener Familien und den willkürlichen Ausbürgerungen. 
Es liegen uns zuverlässige Studien und sowohl staatliche als auch nichtstaatliche Dokumente vor, die auf die gefährlichen Aspekte dieser Resolution hinweisen. Zudem ist bis jetzt keine Lösung der Probleme von dieser Maßnahme betroffener Perso-nen gefunden wurden, wie die Studie aufzeigt. 
Wir ersuchen Sie, mit den Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu intervenieren und eine Lösung für jene irakischen Bürger zu suchen, die von dieser Resolution betroffen waren.” 
Die meisten der Ausgebürgerten sind Feyli-Kurden (Quelle: Irak Aktuell, Juni 02)

Illegale mussten vor Italiens Küste an Land schwimmen - 4 Tote
Vier illegale Einwanderer sind am Samstag vor der süditalienischen Adriaküste ertrunken, weil Schlep-per sie gezwungen hatten, bei schwerer See an Land zu schwimmen. Die Opfer waren Nicht-schwimmer. Weitere 39 Flüchtlinge, bei denen es sich überwiegend um Kurden handelt, konnten sich aus eigener Kraft an Land retten. Die Schlepper hätten die Flüchtlinge gezwungen, etwa 100 Meter vor der Küste über Bord zu springen.
Zwei Flüchtlinge seien von den Schleppern mit Messern verletzt worden, weil sie sich zunächst geweigert hätten, ins Wasser zu springen. Die Schlepper konnten mit ihrem Boot entkommen. 
Die Regierung in Rom hatte erst vor wenigen Ta-gen schärfere Ausländergesetze beschlossen. Sie verlangt auch, dass sich andere europäische Länder an Patrouillen vor der italienischen Küste beteili-gen. Viele Kurden aus der Türkei betrachten Italien lediglich als Durchgangsland und wollen nach Deutschland oder Frankreich. (Quelle: dpa, 08. Juni 02)
 

 

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