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Internationaler Verein für Menschenrechte der Kurden 
IMK Wocheninformationsdienst
Datum: 1. Mai – 12. Mai 2002                   Nummer: 155

 
Ein Tief im türkisch-französischen
Verhältnis
Ankara droht mit Suspendierung der
Rüstungsaufträge

Die türkische Armeeführung hat am Mittwoch gedroht, ihre militärischen Beziehungen zu Paris, inklusive der Rüstungsaufträge, zu suspendieren.
Anlass zur unerwartet harschen Massnahme gab diesmal eine Karte der Organisation «Reporters sans frontières», auf der neben bekannten Potentaten des Nahen Ostens auch der türkische Generalstabschef als Feind der Pressefreiheit aufgeführt wird.
Die Organisation «Reporters sans frontières» (RSF) hat laut ihrer Stellungnahme die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Verletzungen der Presse- und Meinungsfreiheit lenken wollen, als sie am 3. Mai in der Pariser Metrostation Saint-Lazare eine riesige Weltkarte ausbreitete. Auf der Karte waren Länder mit beschränkter Pressefreiheit zu sehen sowie die Herrscher, welche die RSF für die Re-striktionen verantwortlich hält. 
Die RSF haben mit dieser zwei Wochen dauernden Ausstellung in Paris bezüglich der Situation der Medien folgendes aufgelistet:
· Im Jahr 2001 sind in der Türkei 31 Journa-listen verhaftet worden, 20 wurden tätlich angegriffen und 50 Journalisten, die Kritik an die türkischen Streitkräfte geübt haben, verurteilt.
· Gegen den Verantwortlichen Chefredak-teur der Zeitschrift IDEA POLITIKA, Erol Özkoray, wurden im Jahr 2002 drei Ver-fahren eingeleitet, weil er in einem Artikel die türkischen Streitkräfte wegen ihrer EU-Gegnerschaft kritisiert hat.
· Der Autor Fikret Baskaya wurde wegen seines Artikels, den er im Juni 1999 ver-faßt hatte, zu 16 Monaten Gefängnisstrafe verurteilt, weil er in diesem Artikel die zivilen und militärische Autoritäten der Türkei wegen ihrer Haltung gegenüber der Kurdenfrage kritisiert hat.
· Die von der Überwachungskommission für Radio- und Fernsehen (RTÜK) gegen Sender verhängten politisch bedingten Strafen sind viel länger. So z.B. wurde ein Sender wegen des Abspielens kurdischer Musik für ein Jahr geschlossen.
Dass der türkische Generalstabschef Hüseyin Kiv-rikoglu neben Machthabern wie dem irakischen Herrscher Hussein und dem iranischen Präsidenten Khamenei steht, wurde in Ankara als gröbste Belei-digung empfunden und hat heftige Reaktionen ausgelöst. (Quelle: Milliyet, 08.05.02,Milliyet, 09.05.02, IMK e.V.)

Suspendierung
 von Rüstungsaufträgen?

Der türkische Generalstab hat am Mittwoch als erstes eine Klage gegen die RSF erhoben. Die tür-kischen Generäle forderten von Paris zudem, innerhalb angemessener Zeit das Bild aus der Metrostation zu entfernen.
Wie die halbamtliche Nachrichtenagentur Anadolu am Mittwoch berichtete, hat Ankara zudem einen französischen Anwalt eingeschaltet, um rechtliche Schritte gegen "Reporter ohne Grenzen" zu prüfen.
Wie sie dem französischen Militärattaché in Ankara zu verstehen gaben, könnten anderenfalls die bilate-ralen Militärbeziehungen, einschliesslich die Rüs-tungsaufträge, storniert werden. Zugleich wurde der französische Botschafter in Ankara ins Aussenmi-nisterium zitiert, wo ihm der heftige Protest der türkischen Regierung übermittelt wurde.
Staatspräsident Sezer verurteilte den Versuch der RSF, den Generalstabschef und die Türkei zu dif-famieren, aufs Schärfste. Wie er der Presse erklärte, habe die Türkei mit den übrigen auf der Karte ab-gebildeten Ländern nichts gemein, denn sie sei ein demokratisches Land.
Dabei forderte er die Regierung in Paris auf, die Urheber der Verleumdungskampagne zu bestrafen.
Die antifranzösische Stimmung wurde am Donners-tag von den Medien noch angeheizt. Die Tatsache, dass man in der Metrostation theoretisch mit den Füssen auf Kivrikoglus Bild treten könnte, fand die überwältigende Mehrheit der Kommentatoren am Donnerstag als einen beleidigenden Akt.
Die RSF sei nicht seriös, pflege Kontakte mit mar-ginalen Gruppierungen und beschütze angeblich im Namen der Pressefreiheit Terrororganisationen, kommentierte etwa der Präsident des türkischen Presserats. Nur wenige, wie Vize-Regierungschef Yilmaz, bewahrten Distanz und fragten sich, ob die heftige Reaktion Ankaras tatsächlich angemessen sei. 
Der Politologieprofessor Hasan Köni warnte indes-sen davor, dass zwischen Ankara und Paris ein kalter Wind wehen könnte wie vor einem Jahr, als Paris den Genozid an den Armeniern von 1915 anerkannte und Ankara aus Protest gegen die «ge-schichtliche Verfälschung» seine Beziehungen zu Frankreich auf  einem Minimum einfrieren liess. 

RSF entfernt die umstrittene Weltkarte

"Reporter ohne Grenzen" (RSF) entfernten am Freitag Nachmittag eine Weltkarte in einem Pariser Bahnhof, der eine diplomatische Krise in der Türkei und Frankreich auslöste.  
Nachdem die Türkei starke Proteste gegenüber der französischen Regierung und dem Militär und einer Drohung gegenüber einer "Verteidigungszusam-menarbeit aussprachen," gab die Gruppe am Freitag eine Erklärung heraus, daß sie entschieden haben, das umstrittene Plakat zu entfernen. Die Gruppe gab auch an, daß die Reaktion der Türkei auf die Weltkarte zeigte, daß die Türkei "ungeeignet sei für einen EU-Zugang." 
Die Journalistenorganisation ”Reporter ohne Grenzen (RSF), die eine Abbildung vom Generalstabchef Kivrikoglu als Feind der Pressefreiheit abgebildet hatten, erklärten, daß sie keinen Druck von den französischen Behörden empfangen haben. Jean - Christophe Menet von der Organisation beantwortete unsere Fragen über das Internet und gab an, daß die französischen Behörden keinen Druck auf den RSF ausübten. Andererseits haben türkische Beamte in Ankara und Paris einige Versuche gestartet, gegenüber dem RSF ihren Protest Ausdruck zu geben. Das türkische Außenministerium hat den Botschafter von Frankreich, Bernard Garcia, eingeladen, gegen das Verhalten von RSF zu protestieren.  Menet erklärte, daß es nicht möglich ist, Druck anzuwenden, weil das RSF schwer reagieren würde.  Menet erwähnte, daß das RSF nicht eine französische nichtstaatliche Organisation ist, aber eine internationale nichtstaatliche Organisation, die meisten ihres Etats von der EU empfängt und daß der Präsident der nichtstaatlichen Organisation ein Spanier ist. RSF behält sich einen Gegenprotest vor. (Quelle: Türkische tägliche Nachrichten 11. Mai 2002)

Zahlreiche Autoren vor Gericht

Ob die Situation der Presse in der Türkei tatsächlich mit jener im Irak verglichen werden kann, wie dies die RSF tut, dürfte umstritten sein. Unumstritten ist hingegen die Tatsache, dass die Presse in der Türkei nach wie vor zahllosen Restriktionen untersteht. 
Bezeichnend ist, dass der öffentlich-rechtliche Ho-he Radio- und Fernsehrat (RTÜK) letztes Jahr 62 Fernseh- und 50 Radiosender bestraft hatte, indem er deren Sendungen für insgesamt 3236 Tage sus-pendierte. Zudem befanden sich, selbst nach Anga-ben des betont regimenahen türkischen Presserates, Anfang dieses Jahres noch immer 15 Journalisten wegen ihrer angeblich staatsfeindlichen Schriften hinter Gitter.
Wie die internationale Schriftstellerorganisation PEN kritisiert, ist die Zahl der Gerichtsverhandlun-gen gegen Autoren, deren Vergehen allein ihre kritische Haltung gegenüber der offiziellen Staats-politik ist, in der Türkei übermässig gross.
Der Vorfall zeigt laut der englischsprachigen «Tur-kish Daily News», wie «riesig die Kluft zwischen unseren Normen und jenen der EU» ist. Einen poli-tischen Führer scharf zu kritisieren oder ihn gar zu beleidigen, betrachte der Europäer als sein Recht auf Kritik und Meinungsfreiheit.
Den Generalstabschef in der Türkei zu kritisieren, sei hingegen aus kulturellen wie praktischen Grün-den undenkbar. Denn wer dies tue, werde automa-tisch vor Gericht geschleppt. (Quelle: Neue Zürcher Zeitung,, 10. Mai 2002) 

Die „interessanten“ Verfahren gegen die Journalisten

Nach einem Bericht der Juristenkommission, die von der Istanbuler Zweigstelle der Vereinigung von zeitgenössischen Journalisten, einberufen wurde, werden in Kürze zahlreiche Journalisten wegen einer angeblichen Mitgliedschaft bei verbotenen Organisationen vor Gericht stehen. Den Titel dieses Berichtes hat die Juristenkommission als „interessante“ Fälle der angeklagten Journalisten bezeichnet.
In diesem der Öffentlichkeit vorgestellten Bericht sind alle Journalistinnen und Journalisten nament-lich genannt und ihre „Fälle“ aufgeführt. Diese sind: Mehmet Kutlular, Hasan Özgün, Memik Ho-ruz, Irfan Aydin, Asiye Zeybek Güzel, Azad Adiy-aman, Nureddin Sirin, Kemal Evcimen, Mustafa Benli, Sadik Celik, Filiz Gülkokuer.
Der Journalist Azad Adiyaman, wurde am 21 April 2002 während eines Empfangs der Jugendorganisa-tion der HADEP in Mersin zusammen mit zwei HADEP-Führungsmitgliedern verhaftet. Während seiner Vernehmung wurde er von den Sicherheits-beamten der Anti-Terrorabteilung beschuldigt „während des NEWROZ-Festes die Bevölkerung angestachelt zu haben.“ Auf Grund dieser Beschul-digung wurde Azad Adiyaman in Anwesenheit seines Anwaltes verhaftet.
Nach einer Erklärung der Tageszeitung Yedinci Gündem wurde ihr Mitarbeiter Adiyaman aus Ra-che der Sicherheitskräfte verhaftet, weil er seit 3-4 Jahren in Mersin für diese Zeitung arbeitet. 
Hasan Özgün wurde am 9. Dezember 1993 in Diy-arbakir inhaftiert, und zwar, als er damals für die Tageszeitung Özgür Gündem arbeitete. Das Staats-sicherheitsgericht in Diyarbakir beschuldigte ihn der PKK-Mitgliedschaft und verurteilte ihn am 17. Februar 1996 zu 12 Jahren und 6 Monaten Gefängnisstrafe. Am 2. April wurde Özgün aus dem Gefängnis in Diyarbakir nach Aydin in ein E-Type-Gefängnis verlegt.
In dieser Zeit schrieb er sowohl an das Justizminis-terium als auch an andere Instanzen und bat um erneute Aufnahme seines Verfahrens. Er hat bis heute keine Antwort erhalten. Es wurde gegen ihn wegen „Beleidigung der Streitkräfte und der Si-cherheitskräfte des Staates“ ein zweites Verfahren eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft in Diyarbakir fordert eine Gefängnisstrafe von 4 bis 12 Jahren. Sein Anwalt hat sich auf Grund dieser Entwicklung an den Europäischen Gerichtshof für Menschen-rechte gewandt. (Quelle: BIA Nachrichtenagentur Istanbul, 08.05.02)

Türkische Menschenrechtler rufen zum Ende des "Todesfastens" auf

Der türkische Menschenrechtsverein IHD hat zu einem Ende des "Todesfastens" linksgerichteter Häftlinge in türkischen Gefängnissen aufgerufen. Dabei haben sich bislang 50 Gefangene zu Tode gehungert. Die Häftlinge sollten ihren Protest beenden, um eine Lösung durch Gespräche zu ermöglichen. Dies erklärte der IHD-Vorsitzende Hüsnü Öndül am Donnerstag nach einem Treffen mit dem türkischen Justizminister Hikmet Sami Türk.
Nach Angaben des Ministeriums beteiligen sich derzeit 55 Häftlinge an dem "Todesfasten", nach-dem sich gerade erst 8 weitere angeschlossen haben. Die im Oktober 2000 begonnenen Hunger-streiks richten sich gegen die angebliche Isolierung der Häftlinge in den neuen türkischen Hochsicher-heitsgefängnissen. Die meisten Hungerstreikenden gehören der Revolutionären Volksbefreiungspar-tei/Front (DHKP-C) an, die die EU jüngst auf ihre Terrorliste gesetzt hat. Die türkische Regierung hat Verhandlungen stets abgelehnt. Bei einem Ende des Hungerstreiks will sie ein "internationales Gefängnis-Symposium" ausrichten, um im Lichte der Ergebnisse eine Lösung zu suchen. (Quelle: IHD, 9.5.2002)

Drohende Folter und Misshandlung
Mitglieder der Lehrergewerkschaft “Egitim-Sen”

Yusuf Basboga, Ahmet Ökten, A. Kerim
Kochan, Mikail Bülbül, Mahsun Ilen, Faruk Kilic, Nurettin Demir, Zübeyir Avci, Mahmut Kuzu, A. Aziz Yücedag, Lokman Kochan,
Sermin Erbas

Die zwölf genannten Mitglieder der Lehrergewerk-schaft “Egitim-Sen” wurden am 7. Mai 2002 um 22 Uhr in der Stadt Kiziltepe in der Provinz Mardin von der Polizei festgenommen, weil sie sich für die Schulbildung in kurdischer Sprache eingesetzt haben sollen. Die Männer und Frauen werden in der Antiterrorabteilung der Polizeizentrale von Mardin festgehalten, wo sie in Gefahr sind, misshandelt oder gefoltert zu werden.
Seit November 2001 sind Hunderte von Personen festgenommen worden, nachdem sie bei ihren Schulen und Universitäten Petitionen eingereicht hatten, in denen sie Kurdisch-Unterricht und Lehr-veranstaltungen in kurdischer Sprache forderten. Obwohl eine vor kurzem in Kraft getretene Verfas-sungsänderung das Recht garantiert, Eingaben bei den Behörden zu machen, wurden viele der Unterzeichner der Petitionen von Polizisten oder Gendarmen festgenommen und inhaftiert. Einige der Gefangenen wurden in der Haft misshandelt und gefoltert; andere wurden der Schule bzw. Hochschule verwiesen.
Eine aus Kiziltepe stammende Frau wurde nach vorliegenden Informationen am 5. Mai 2002 fest-genommen und drei Tage lang in der Polizeizentra-le von Mardin gefangengehalten. Sie soll von fünf Polizisten gefoltert worden sein. Der Staatsanwalt von Mardin hat Ermittlungen bezüglich der Folter-vorwürfe eingeleitet.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Während aus den türkischen Gefängnissen selten Berichte über Folterungen gemeldet werden, ist Folter in den Polizeiwachen offenbar gängige Pra-xis. Folter wird angewandt, um “Geständnisse" oder Informationen über illegale Organisationen zu erpressen, um die Gefangenen zu Spitzeldiensten für die Polizei zu bewegen oder als Strafe für die mutmaßliche Unterstützung einer verbotenen Organisation. Zu den häufigsten Foltermethoden gehört es, die Gefangenen auszuziehen und ihnen die Augen zu verbinden, sie mit einem eiskalten Hoch-druckwasserstrahl abzuspritzen, sie an den auf dem Rücken zusammengebundenen Armen aufzuhän-gen, ihnen Elektroschocks zuzufügen, sie auf die Fußsohlen zu schlagen, ihr Leben zu bedrohen oder sie sexuell zu misshandeln.

EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben Sie bitte Telefaxe oder Luftpostbriefe, in denen Sie
· Ihre Sorge um die Sicherheit der zwölf Mitglieder der Lehrergewerkschaft “Eðitim-Sen” zum Aus-druck bringen, die in der Polizeizentrale von Mar-din festgehalten werden;
· um die Zusicherung bitten, dass sie nicht gefoltert oder misshandelt werden;
· fordern, dass man ihnen sofort den Kontakt zu Rechtsanwälten gewährt sowie dass die Gefangenen umgehend einem Richter vorgeführt und entweder einer erkennbar strafbaren Handlung angeklagt oder sofort freigelassen werden;
· die türkische Regierung an ihre Verpflichtun-gen gemäß der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreihei-ten erinnern ("Niemand darf der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden").

APPELLE AN:
Herrn Rüstü Kazim Yücelen, Icisleri Bakanligi, 06644 Ankara, REPUBLIK TÜRKEI (Innenminis-ter)
Telefax: (00 90) 312 418 1795

Herrn Orhan Kaya, Emniyet Müdürü, Mardin Em-niyet Müdürlügü, Mardin, REPUBLIK TÜRKEI
(Polizeichef von Mardin)
Telefax: (00 90) 482 213 56 40

KOPIEN AN:
Herrn Nejat Arseven, Büro des Ministerpräsiden-ten, Basbakanlik, 06573 Ankara, REPUBLIK TÜRKEI (Minister und Beauftragter für Menschen-rechtsfragen)
Telefax: (00 90) 312 417 0476

Kanzlei der Botschaft der Republik Türkei, Run-gestr. 9, 10179 Berlin
(S. E. Herrn Osman Taney Korutürk)
Telefax: 030-2759 0915
E-Mail: turk.em.berlin@t-online.de

Türkische Polizei fasst 248 illegale
Einwanderer

Die türkische Polizei hat im Süden des Landes 248 Flüchtlinge festgenommen. Die Menschen hatten versucht, illegal über die Grenze nach Griechenland zu kommen, wie die Nachrichtenagentur Anadolu am Montag meldete. 160 der an der Bogsak-Bucht gefassten Flüchtlinge hätten die türkische Staats-bürgerschaft gehabt, hieß es. Die Türkei ist eines der wichtigsten Transitländer für illegale Einwande-rer aus Asien und dem Nahen Osten nach Europa. (Quelle: afp 13.5.2202)

Reporter ohne Grenzen:
31 Journalisten im Jahr 2001 getötet

Mindestens 31 Journalisten sind nach Angaben der Organisation "Reporter ohne Grenzen" im vergan-genen Jahr in Ausübung ihres Berufs getötet wor-den. In weiteren 27 Fällen werde untersucht, ob der Tod der Reporter im Zusammenhang mit ihren Recherchen und Veröffentlichungen steht, teilte die Organisation am Donnerstag in Berlin zum "Inter-nationalen Tag der Pressefreiheit" (3. Mai) mit. Seit Anfang 2002 seien bereits weitere acht Journalisten getötet worden, 116 Reporter seien zur Zeit inhaf-tiert. Mit 27 Journalisten hinter Gittern sei Nepal das "weltweit größte Gefängnis für Medienvertre-ter", erklärte die Organisation.
In vielen Ländern gebe es noch gravierende Ein-schränkungen der Pressefreiheit. Einem Drittel der Weltbevölkerung werde das Recht auf freie Meinungsäußerung und ungehinderten Zugang zu Informationen verweigert. In China, Kuba, Laos, Nordkorea und Vietnam diktierten die jeweiligen Parteien, was gedruckt, gesendet oder ins Internet gestellt wird.
Auch in nicht-kommunistischen Staaten wie Syrien, Irak oder in Birma, Tunesien und Saudi-Arabien kontrollierten Regierungen die Beschaffung und Verarbeitung von Information. Nach den Anschlä-gen des 11. September 2001 werde der Zugang zu Information in USA und Kanada im Namen des "Kampfes gegen den Terrorismus" eingeschränkt.
Nach den Worten des Vorsitzenden der Europäischen Journalisten-Föderation (EJF), Gustl Glattfelder, wird die Medienvielfalt immer stärker auch von internationalen Konzernen bedroht.
In Italien, wo sich Ministerpräsident Silvio Berlus-coni nicht von seinem privaten Medienimperium trenne, braue sich eine "explosive Mischung" zusammen, erklärte Glattfelder, der auch Vizepräsi-dent der Internationalen Journalisten-Föderation ist, zum "Tag der Pressefreiheit".
Nach Angaben von "Reporter ohne Grenzen" hat es auch positive Entwicklungen gegeben. So seien zwei jahrelang inhaftierte Journalisten, der Syrer Nizar Nayyuf und San San Nweh aus Birma, im vergangenen Jahr freigelassen worden. Auch der Sturz des Taliban-Regimes in Afghanistan habe ein Zeichen für die Pressefreiheit gesetzt. (Quelle: Repor-ter ohne Grenzen, www.reporter-ohne-grenzen.de) 

Buch über Musikerinnen empört
iranischen Klerus

Ein Buch über Musikerinnen sorgt beim schiitischen Klerus in Iran für Empörung. Die Regierungszeitung "Iran" wurde am Samstagabend zunächst von der Justiz geschlossen, weil sie in ihrem Feuilleton eine Besprechung des Buches von Tuka Maleki veröffentlicht hatte. Das Oberhaupt des Justizwesens, Ajatollah Mahmud Haschemi Scharudi, hob die Suspendierung der Zeitung jedoch wieder auf, wie die offizielle Nachrichtenagentur IRNA am Sonntag meldete. In der Besprechung des Buches "Frauen in der Musik Irans" hatte die Rezensentin Banafscheh Samgis geschrieben, auch der Prophet Mohammed habe gern Frauen beim Musizieren zugehört. Die Justiz betrachtet das Buch und die Rezension als eine Beleidigung der islamischen Prinzipien und des Propheten. Ein Teheraner Gericht erließ bereits am Dienstag Haftbefehle gegen Autor Maleki, die Journalistin Samgis und den Verleger des Buches Massud Kasari. Nach Verhören durften sie jedoch wieder nach Hause gehen.  Weitere Vernehmungen sollen folgen. In der heiligen Stadt Qom hatten zuvor zahlreiche Kleriker mit einem Sitzstreik gegen das Buch und insbesondere die Besprechung protestiert. Eine mit öffentlichen Geldern finanzierte Zeitung dürfe einen derartig beleidigenden Artikel nicht veröffentlichen. Sie forderten von den Behörden, umgehend gegen den "Verrat und die gotteslästerliche Schandtat" vorzu-gehen. (Quelle: dpa, 5.Mai 2002)

Iranische Justiz verbietet zwei reform-orientierte Tageszeitungen

Die iranische Justiz hat die reformorientierte Tageszeitung "Iran" verboten. Dies teilte die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA am Samstag mit. Gegen das vor neun Jahren gegründete Blatt liegen nach Angaben des Heraus-gebers fast hundert Beschwerden vor, darunter eine wegen "Verletzung der geheiligten Werte des Islam". Auch die für ihre Kritik an der konservativen Staatsführung bekannt gewordene Tageszeitung "Bonjan" darf nach eigenen Angaben vorerst nicht mehr erscheinen. Die von der Regierung kontrollierte Justiz hat seit April 2000 rund 20 liberale Tageszeitungen und etwa 40 Zeitschriften verboten. 15 Journalisten mussten ins Gefängnis.  (Quelle: afp, 4.5.2002)
 
 

 
Neue Dokumentation erschienen

Die Dokumentation der Tagung Kurden im Irak und Iran – Chancen sowie Perspektiven von Au-tonomie und Selbstverwaltung ist nun erschienen. Sie können sie zum Preis von 4,60 EUR plus Porto u. Verpackung über den IMK e.V..
Die Tagung war Ende letzten Jahres durch die Evangelische Akademie Bad Boll, den IMK e.V. in Bonn, das Diakonische Werk Württemberg und die Evangelische Jugendsozialarbeit Bayern durchge-führt worden. Sie bot ein Forum der Diskussion über die aktuelle Lage der kurdischen Bevölkerung im Nordirak und Westiran. Expertinnen und Experten wie im Exil lebende Vertreterinnen und Vertreter kurdischer Parteien und Minderheiten sowie von deutscher Seite sprachen über die geostrategische und wirtschaftliche Bedeutung Kurdistans für die internationale Gemeinschaft und die Folgen einer möglichen militärischen Intervention der USA im Irak. Einigkeit bestand darüber, dass die Wirtschafts-sanktionen gegen den Irak vom UN-Sicherheitsrat aufgehoben werden sollten, weil sie der gesamten Bevölkerung schaden. Allerdings müssten gleichzeitig Garantien für die sichere Zukunft der kurdi-schen Selbstverwaltung in Südkurdistan (Nordirak) sowie die Rechte der anderen ethnischen und religiösen Minderheiten im Irak integraler Bestandteil der Bedingungen für die Aufhebung der Sanktio-nen sein. Die Dokumentation enthält interessante und spannende Beiträge zur aktuellen Situation in der Region. Die Diskussion wird in diesem Jahr in Bad Boll vom 6.-8. Dezember 2002 fortgesetzt, wenn es im Vergleich um die Lage der kurdischen Bevölkerung in der Türkei und im Nordirak und Möglichkeiten einer föderalen bzw. Autonomie-Entwicklung geht. 

Wieder haben wir interessante Beiträge auf unserer Website abgelegt. Wir möchten darauf hinweisen, dass diese Beiträge nicht unbedingt unsere Meinung, sondern die aktuell für unser Themengebiet interessanten Diskussio-nen wiedergeben. Besuchen Sie doch einmal www.kurden.de.

Mit freundlichen Grüßen, Ihre Redaktion

ISSN 1438- 08 Herausgeber: IMK e.V., Postfach 07 38, D-53137 Bonn, Telefon: + 49 228 362 802,Fax: + 49 228 363 297, E-Mail: IMK-Bonn@t-online.de und imkkurds@aol.comBesuchen sie auch unsere Website: http://www.kurden.de Verantwortlicher Leiter: Abubekir SaydamAbonnementbedingungen (pro Jahr):· Stiftungen, Parteien, Regierungen und internationale Organisationen sowie Gremien: Euro 92,00 · Gerichte, Rechtsanwälte, Menschenrechtsorganisationen, Flüchtlingsberatungsstellen: Euro 46,00 · Förderabonnement, Einzelpersonen und kleinere Vereine: Euro 31,00 Spendenkonto: Volksbank Bonn (BLZ: 380 60 186),   Konto-Nr.: 201 246 90 23


 

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