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Internationaler Verein für Menschenrechte der Kurden
IMK Wocheninformationsdienst
Datum: 01. –07. März 2002                   Nummer: 149
 

Presserat kritisiert Entwurf für das neue Pressegesetz
Der Vorstand des Presserates hat in einer Erklärung den neuen Entwurf des Pressegesetzes als antide-mokratisch, rückständig und eine Bedrohung für die Kommunikationsfreiheit im Land kritisiert. Er rief die Regierung auf, den Entwurf nicht zu verabschieden, solange nicht die Ansichten von Presseeinrichtungen eingeholt worden seien.
Weiter kritisierte der Presserat, dass das Justizministerium vor der Erstellung des Gesetzesentwurfes zwar die Ansichten von Presseeinrichtungen eingeholt hätte, diese jedoch nicht in den Entwurf eingeflos-sen seien. Das Endprodukt sei weit davon entfernt, demokratisch oder zeitgemäß zu sein. Der Entwurf widerspräche insbesondere den von der EU geforderten kurzfristigen Reformen im Nationalprogramm und der Präambel des Nationalprogramms, worin die Erschaffung einer demokratischen Gesellschaft und ei-ner demokratischen Türkei als Ziele formuliert werden. 
Weiter sagt der Presserat, die freie Verbreitung von Gesetzen und die Respektierung des Rechts auf In-formation seien fundamentale Elemente einer demokratischen Gesellschaft, auch sage die neue Verfas-sung, es gebe keine Zensur von Nachrichten und es sei die Aufgabe der Presse, zu informieren und zu kritisieren. Doch der Gesetzesentwurf würde allen diesen Grundsätzen widersprechen. (Quelle: Turkish Daily News, 04.03.02) 

Entwurf zur Änderung des RTÜK-Gesetzes liegt vor
Bei einer gemeinsamen Sitzung des „Hohen Rates für Radio und Fernsehen“ und des Justizministeriums wurde signalisiert, dass durch die Herausnahme der Bestimmung über die Sprachen, die in Sendungen verwendet werden können, im Gesetz für Radio- und Fernsehsendungen, der Weg für Sendungen in Kur-disch geebnet werden könnte. Jedoch wurde darauf hingewiesen, dass diese Gesetzesänderung vom politischen Willen der Koalition abhängt. Das zweite Anpassungspaket, das die Anforderungen der EU hinsichtlich der Freigabe von muttersprachlichen Sendungen beinhaltet, muss laut EU-Fahrplan bis zum 19. März verabschiedet werden. 
Der vom RTÜK vorbereitete Gesetzesentwurf sieht weitere umfassende Gesetzesänderungen vor. So wird vorgeschlagen, den Sendeverbot als bisher gängige Strafe durch ein abgestuftes Strafsystem ersetzt wird. So sollen Radio- und Fernsehsender, die mit ihren Sendungen gegen Gesetze verstoßen zunächst verwarnt werden und sich bei Wiederholung öffentlich entschuldigen. Falls dies nicht geschieht, so soll das Programm, in dem das Gesetz verletzt wurde, höchstens 12 Mal ausgesetzt werden. Sollte auch da-nach der Gesetzesverstoß fortgesetzt werden, so soll der Sender, sofern er überregional ausstrahlt, zu einer Geldstrafe zwischen 71 und 150 Milliarden Lira verurteilt werden. Sendeverbot soll die höchste Stra-fe sein. (Quelle: Radikal, 28.02.02)

Streit in türkischer Regierung um das "Reue-Gesetz"
In der türkischen Regierung gibt es Streit um ein neues Amnestie-Gesetz für Mitglieder der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Aussteigern aus der PKK soll Strafnachlass gewährt werden, wenn sie den Sicherheitsbehörden wichtige Informationen über die PKK liefern. Regierung und Militärführung ver-sprechen sich von dem neuen "Reuegesetz", der Organisation "einen Schlag zu versetzen" und der PKK "ein Ende zu bereiten". Die Medien werteten den Vorstoß als Antwort auf jüngste Versuche der PKK, sich als politische Organisation zu profilieren.
Das erste "Reue-Gesetz", das nach der Festnahme von PKK-Chef Abdullah Öcalan 1999 verabschiedet worden war, habe nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Anders als damals sollten deshalb diesmal auch PKK-Führer und Mitglieder von dem Gesetz profitieren, die an Kämpfen beteiligt waren und Men-schen getötet haben. 
Ministerpräsident Bülent Ecevit äußerte Bedenken gegen das Gesetz. Es müsse verhindert werden, dass auch der inhaftierte PKK-Chef Abdullah Öcalan und sein ebenfalls zu Tode verurteilte ehemaliger Stellver-treter Semdin Sakik in den Genuss einer Strafminderung kommen könnten. (Quellen: dpa, 01.03.03; afp, 04.03.02) 
 

Vizepremier Yilmaz spricht von "Albtraum-Szenario"
Teile des türkischen Militärs stellen sich erstmals gegen Ankaras EU-Kurs
Erstmals hat ein hoher türkischer Offizier – der Generalsekretär des mächtigen Nationalen Sicherheitsrats - die Regierung in Ankara aufgefordert, ihre Absicht auf einen Beitritt zur Europäischen Union aufzugeben. Das türkische Militär unterstützte bisher öffentlich stets Ankaras EU-Ambitionen. Der Vier-Sterne-General Tuncer Kilinc verlangt nun eine radikale Änderung der türkischen Außenpolitik. Die EU werde die Türkei niemals akzeptieren, sagte Kilinc. Deshalb sollte Ankara neben den Beziehungen zu den USA nun vor allem die Annäherung an Russland und Iran suchen. Kilinc betonte, er spreche nur für sich selbst. Der General aber vertritt eine konservative Strömung in der Türkei, die sich gegen zahlreiche Reformvorhaben der Regierungsmehrheit wendet.
Vizepremier Mesut Yilmaz, zuständig für die Beziehungen Ankaras zu Brüssel, nannte solche Überlegun-gen ein "Albtraum-Szenario". Andere führende Politiker reagierten ebenfalls heftig, ohne Kilinc aber direkt zu kritisieren. 
Regierungschef Bülent Ecevit sagte, "historisch und kulturell" sei die Türkei ein europäisches Land. "Eini-ge Konservative" könnten dies "nicht verdauen". Zustimmung zu Kilinc zeigte offen nur die islamische Saadet Partisi. Sie frohlockte über eine "Wiederbelebung" der von Islamistenführer Necmettin Erbakan einst geforderten Allianz islamischer Länder. Kilinc hatte bei einer Veranstaltung der türkischen Kriegs-akademie in Istanbul gesprochen. Sein Auftritt wurde von mehreren Fernsehsendern übertragen.
Generalstabschef Hüseyin Kivrikoglu, der Kopf der türkischen Streitkräfte hat in einem Interview mit einer Militärzeitschrift die europäischen Staaten beschuldigt, terroristische Organisationen, die die Türkei im Visier haben, auch nach dem 11. September weiterhin zu unterstützen. In seinem Kampf gegen den Ter-rorismus hätte die Türkei nicht genügend Unterstützung erhalten. Kivrikoglu kritisierte, dass in den Antiter-ror Gesetzen der EU nur die Organisationen anvisiert worden wären, die die EU-Staaten bedrohen. Brüs-sel habe es vermieden, die kurdische PKK auf der EU-Terrorliste aufzuführen. (Quellen: NTV/MSNBC, 07.03.02; SZ, 09.03.02)

Europaparlament gegen HADEP-Verbot
Das Europaparlament rief die Türkei in einem kürzlich verabschiedeten Beschluss über die Menschen-rechtssituation in der Türkei auf, die HADEP nicht zu verbieten. „Die HADEP kämpft für die Zivilrechte der Kurden und streitet Verbindungen zur PKK oder zu einer anderen Terrororganisation ab“, heißt es in der Entscheidung des Parlamentes. Das Verfassungsgericht strebt seit drei Jahren schon den Verbot der HADEP wegen angeblicher Verbindungen zur PKK an. 
In diesem Zusammenhang forderte das Europaparlament die Türkei weiter auf, ihr Vorgehen gegen die Studenten, die Kurdischunterricht als Wahlfach fordern, zu beenden und wies die Türkei auf die noch zu erfüllenden Forderungen der EU hin. Das Parlament sprach seine Hoffnung aus, dass die Türkei in der Zukunft allen seinen Minderheiten alle legalen Rechte zuerkennen werde. „Die Türkei kann die Vollmit-gliedschaft nur erlangen, wenn sie die Kopenhagener Kriterien und die grundlegenden Menschenrechte respektiert“, hieß es in dem Beschluss. (Quelle: Turkish Daily News, 01.03.02)

Haftbefehl gegen kurdischen Autor aufgehoben
Der Prozess gegen den kurdischen Schriftsteller Mehmed Uzun wurde vom Gericht auf den 19. April ver-tagt. Der bestehende Haftbefehl gegen den Autor sei aufgehoben worden, berichtete sein Anwalt. Uzun wird vorgeworfen, zum Separatismus angestachelt zu haben. Er hatte vor zwei Jahren in einer Rede in der türkischen Stadt Diyarbakir Kritik an dem Verbot der kurdischen Sprache im öffentlichen Gebrauch geübt. Dafür drohen dem Schriftsteller, der seit 1978 in Schweden lebt, bis zu acht Jahre Haft. Der 47-jährige Autor, der sich wegen des gegen ihn bestehenden Haftbefehls geweigert hatte, in die Türkei zu-rückzukehren, will nun aber nach Angaben seines Anwalts bei der Verhandlung in Diyarbakir aussagen. Uzun hat etwa ein Dutzend Novellen in Türkisch und Kurdisch verfasst und gilt als einer der führenden kurdischen Schriftsteller. (Quellen: ap, NZZ, 09.03.02)

Journalist Fehmi Koru wird freigesprochen
Das Verfahren gegen den Journalisten Fehmi Koru, dem vorgeworfen wurde, in seinem Fernsehkommen-tar nach dem Erdbeben im Marmara-Gebiet “durch die Diskriminierung auf der Basis der Religion, Rasse und Klasse Hass unter den Menschen verbreitet zu haben“, endete mit einem Freispruch vor dem Istanbuler Staatssicherheitsgericht. Koru drohten 6 Jahre Haft. Sein Freispruch war durch die Veränderung des Artikels 312 möglich geworden. (Quelle: Turkish Daily News, 06.03.02)

Staatlich gefördert, staatlich verboten: Der Erfolgsfilm "Großer Mann, kleine Liebe"
Der türkische Film "Großer Mann, kleine Liebe", den bereits mehr als 100.000 Menschen in türkischen Kinos gesehen haben und der beim wichtigsten Filmfestival des Landes groß abräumte, wurde letztend-lich verboten, obwohl er vom Kulturministerium gefördert worden war. Sogar zum türkischen Oscar-Kandidaten war der Film von Handan Ipekci gekürt worden.
In "Großer Mann, kleine Liebe" zieht die kleine Hejar zu Verwandten nach Istanbul, nachdem ihre Eltern im Krieg zwischen der türkischen Armee und den kurdischen PKK-Rebellen getötet wurden. Bei einer Polizeirazzia in Istanbul werden die Verwandten getötet; nur Hejar entkommt und wird vom Nachbarn, dem alten Richter, aufgenommen. Der ist ein typischer Vertreter des Staates, der keine Sprache außer Türkisch duldet; doch langsam ändert sich seine Sicht der Dinge.
Hin und wieder sind sogar türkische Untertitel unter kurdischen Dialogen zu sehen - unerhört für eine mit Staatsgeldern geförderte Produktion. Verboten wurde der Film nun von einem Zensur-Gremium des Kul-turministeriums, das damit einer Aufforderung der Polizei entsprach. In dem Streifen sei zu sehen, wie Polizisten ohne Vorwarnung in eine Wohnung stürmten und alle Bewohner töteten, beschwerten sich die Sicherheitskräfte - als ob dies im türkischen Alltag noch nie vorgekommen wäre. Zudem werde in dem Film eine "kurdische Identität" thematisiert.
Diese Beschwerden genügten dem Zensur-Ausschuss, um den erfolgreichen und auch von der Kritik ge-lobten Film aus dem Verkehr zu ziehen. Kulturminister Istemihan Talay verteidigte das Verbot, musste aber etwas kleinlaut zugeben, den Film selbst nicht gesehen zu haben. Um die Fördergelder seines Minis-teriums zu rechtfertigen, beschuldigte der Minister die Regisseurin, sich das Geld erschlichen zu haben: Nach dem Drehbuch sei sein Haus von "guten und schönen Zielen" des Films ausgegangen, doch das Endprodukt sei aus Profitstreben verändert worden. (Quellen: NRZ, 05.03.02; SZ, 08.03.02)

Anklage wegen kurdischer Namen
Im Kreis Dicle (Diyarbakir) wurden 7 Familien aus den Dörfern Meydan, Ugrak, Üzümlü, Bozoba und Cavli angeklagt, weil die Vornamen von insgesamt 21 Kindern dem § 16 des Gesetzes 1587 zum Meldewesen widersprechen sollen. 
Beanstandet wurden die Namen Serhat, Berivan, Zilan, Rojda, Baver, Velat, Kendal, Zinar, Hebun, Baran, Rojhat, Agit, Zelal und Zozan. Sie passten nicht zur "nationalen Kultur, zu Ethik, Normen und Traditionen" der Türkei, hieß es. Das Verfahren folgte einem Erlass des Innenministers Rüstü Kazim Yücelen vom Dezember 2001, in dem er an frühere Dekrete vom 15. Oktober 1986, 7. August 1990 und 30. März 1992 erinnert hatte. (Quelle: Radikal, 04.03.02) 

Polizisten zum dritten Mal wegen Tod in Polizeihaft verurteilt
Das Strafgericht von Aydin hat am 5. März zum 3. Mal 6 Polizeioffiziere wegen des Foltertodes von Baki Erdogan, der Verantwortlicher der DHKP-C für die Ägäis gewesen sein soll, zu 5,5 Jahren Haft verurteilt.
Erdogan war am 11. August 1993 festgenommen worden und starb am 21. August. Dafür waren die Poli-zisten Ibrahim Türedi, Necmettin Aydinkaya, Cavit Sandikçi, Abdurrahman Çetinkaya, Ali Kumal und Ay-han Erdal am 21. April 1998 und 25. Juni 1999 schon einmal verurteilt worden. Der Kassationsgerichtshof hatte die Urteile aufgehoben. Im Plädoyer hatte der Staatsanwalt Freispruch gefordert, aber das Gericht blieb bei seinem ursprünglichen Urteil, das nun erneut vom Kassationsgerichtshof geprüft wird. (Quelle: Hürriyet, 06.03.02) 

Türkei entfernt Keuschheitstests und Jungfräulichkeitstests aus der Disziplinarregelungfür Schu-len
Die Türkei hat die Disziplinarregelung für Schulen, die Jungfräulichkeitstest bei Schülerinnen ermöglicht, verändert. Wegen dieser Zwangsuntersuchungen gab es jedes Jahr mehrere Selbstmorde von Schülerin-nen. Doch erst nachdem 1999 fünf Schülerinnen aus Angst vor einem erzwungenen Jungfräulichkeitstest mit Rattengift Selbstmord begangen hatten, erließ die Regierung ein Dekret, das diese erzwungenen Tests verbot. Die Praxis der Jungfräulichkeitstest war insbesondere in staatlichen Internaten und Schüle-rinnenheimen in ländlichen Gebieten üblich. 
Jedoch war die Notwendigkeit der Überprüfung der Keuschheit auch nach der Gesetzesänderung in der Disziplinarregelung für Schulen verblieben. Dies wiederum ermöglichte die Durchführung von Jungfräu-lichkeitstests. Die „Keuschheitsregelung“ machte es möglich, Schülerinnen und Schüler zu Bestrafen oder von der Schule zu verweisen, wenn sie gegen das „Gebot der Keuschheit“ verstießen. 
Die veränderte Klausel besagt nun, dass Studenten bestraft werden können, „wenn ihr Verhalten nicht mit den allgemeinen Werten und Normen der Gesellschaft kompatibel sei und die Atmosphäre für den Unter-richt störe“. (Quelle: reuters, 28.02.02)

Staudamm ohne Schweizer UBS-Bank
Die Schweizer UBS-Bank hat gestern ihren Rückzug aus dem umstrittenen türkischen Staudammprojekt Ilisu erklärt. Der seit 1997 bestehende Mandatsvertrag mit dem Lieferantenkonsortium für den Bau des Wasserkraftwerks sei aufgelöst worden, teilte die UBS mit. Als Grund wurden unbefriedigende Fortschritte und fehlende Maßnahmen zur Eindämmung der sozialen und ökologischen Auswirkungen angegeben. Vor der UBS hatten sich schon schwedische, britische und italienische Konsortialpartner zurückgezogen. (Quelle: taz, 06.03.02)

Deutsche Firma modernisiert türkische Kampfhubschrauber
Die zum Luft- und Raumfahrtkonzern EADS (European Aeronautic Defense and Space Company) gehö-rende „Systems and Defense Electronics“ soll türkische Kampfhubschrauber mit einem modernen Rake-ten-Warnsystem ausstatten. "Die Deutschen haben die Ausschreibung gewonnen", sagte ein Sprecher des türkischen Verteidigungsministeriums in Ankara. Ein Sprecher des Ulmer Unternehmens sagte, der-zeit liefen noch Gespräche zwischen dem Unternehmen und den türkischen Behörden. Probleme mit der Ausfuhrgenehmigung durch die Bundesregierung sind offenbar nicht zu erwarten. "Es gibt eine Exportge-nehmigung", sagte der Firmensprecher. 
Bei dem Auftrag, der nach türkischen Presseberichten ein Volumen von umgerechnet rund 200 Millionen Euro hat, geht es um die Modernisierung von etwa 350 Kampfhubschraubern. Der Auftrag für das deut-sche Unternehmen sieht den Einbau von Sensoren vor, die der Hubschrauberbesatzung den Start feindli-cher Raketen melden sollen. Der Firmensprecher in Ulm sagte, es handele sich um einen "rein passiven Selbstschutz".
Eine andere zu EADS gehörende Firma, LFK im bayerischen Unterschleißheim, hatte sich 1998 um den Zuschlag in dem Geschäft beworben und damals bereits eine Anfrage an die Bundesregierung gerichtet, die positiv beantwortet wurde. LFK gab den betroffenen Geschäftsbereich innerhalb der EADS inzwischen an die Ulmer Firma ab. Das LFK-System stützt sich auf Sensoren, die an den Helikoptern angebracht werden und den Abschuss feindlicher Boden-Luft-Raketen durch deren Antriebswärme erfassen. Die Warnung des Sensoren-Systems gibt der Hubschrauberbesatzung etwa drei bis fünf Sekunden Zeit, um der anfliegenden Rakete auszuweichen oder andere Schutzmaßnahmen einzuleiten. 
Türkischen Medienberichten zufolge werden die zu modernisierenden 350 Kampfhubschrauber auch im Kurdenkonflikt eingesetzt. Die Entscheidung zur Anschaffung des Systems sei nach dem Abschuss meh-rerer Helikopter durch die PKK 1997 und 1998 gefallen. (Quelle: dpa, 05.03.02)

Iraks Kurden lehnen Rolle der Nordallianz ab
PUK-Vorsitzender Jalal Talabani hat auf dem Weg in die USA einen Stopp in Ankara eingelegt. An sei-nem Terminkalender ließ sich ablesen, welches Interesse man in der türkischen Hauptstadt am Besuch des irakischen Kurdenführers hat: Von der Regierung empfing ihn mal gerade ein Staatssekretär im Au-ßenministerium. Dagegen wollte man im Generalstab und im Geheimdienst durchaus mit ihm sprechen. Solange man in Washington den Sturz des irakischen Staatschefs Saddam Hussein anvisiert, ist Talabani auf dem Schachbrett der Weltpolitik kein ganz unbedeutender Bauer. Er und Massoud Barzani von der Demokratischen Partei Kurdistans können in Nordirak ein paar zehntausend kurdische Kämpfer aufbieten. Nicht genug, um Saddam zu stürzen, aber wesentlich mehr als alle anderen Gruppen der irakischen Op-position.
Doch Talabani will nicht mit den Führern der afghanischen Nordallianz verglichen werden. Er sagt, die Kurden wollten die Vergangenheit nicht noch einmal erleben. Eine bittere Anspielung: 1975 ließen die USA die irakischen Kurden im Krieg gegen die Bagdader Zentralgewalt hängen, und sie erlitten eine ver-nichtende Niederlage. Nach dem zweiten Golfkrieg 1991 forderte US-Präsident George Bush sen. die irakische Bevölkerung auf, ihren Diktator selbst zu stürzen. Was er nicht sagte: dass die Iraker nicht auf die USA zählen könnten. Daher mündete der Aufstand der Kurden in eine Massenflucht und eine humani-täre Katastrophe.
Doch für Jalal Talabani hat die Demokratisierung des Irak Priorität. Wenn Saddam mit militärischen Mitteln gestürzt werde, würde nur ein neuer Diktator nachfolgen, meint Talabani. Er befürchtet, dass ein neuer Diktator vor allem nach dem Gutdünken der arabischen Nachbarn ausgesucht und dass wieder ein sunni-tischer Araber eingesetzt würde, der die Kurden im Norden und die Schiiten im Süden unterdrückt. (Quelle: Basler Zeitung, 07.03.02)

Irakischer Oppositionsführer fordert US-Angriff auf Irak
Der irakische Oppositionsführer Ahmed Chalabi hat die USA aufgerufen, Irak anzugreifen und dem iraki-schen Volk beim Sturz von Saddam Hussein zu helfen. Auf einer Konferenz des "Aspen Institute" in Berlin begrüßte Chalabi am Donnerstag die Verbindung, die US-Präsident George W. Bush zwischen dem Anti-Terror-Kampf und Irak hergestellt hatte. "Saddam ist der erfahrenste Terrorist der Welt", sagte der Präsi-dent des von den USA unterstützten Irakischen Nationalkongresses, dem Dachverband der Opposition. Washington habe die Hoffnung des Volkes geweckt, Saddam Hussein zu stürzen und einen demokrati-schen Staat aufzubauen. "Es kann losgehen, sobald die USA dies wollen", sagte Chalabi. (Quelle: afp, 07.03.02)

Reiseverbot für die Einwohner des Bezirkes Makhmoor
Berichten der Zeitung Birayati zufolge hat die Irakische Verwaltung den Bewohnern der kurdischen Stadt Makhmoor verboten, ohne ausdrückliche Genehmigung des irakischen Geheimdienstes Mukhabarat nach Arbil zu reisen. Die Stadt Makhmoor, die nur 20 km von Arbil entfernt ist und seit der Gründung des iraki-schen Staates in 1925 ein Teil von Arbil ist, ist von der Kampagne der „ethnischen Säuberung“ und der Arabisierung besonders stark betroffen. Gezielt werden hier Araber aus dem Südirak angesiedelt, ausges-tattet mit falschen Geburtsurkunden, die besagen, dass sie in Makhmoor geboren seien. Die Ansiedlung wird den Arabern durch Anreize wie kostenlose Häuser, Land und Geld schmackhaft gemacht. 
Im vergangenen Jahr wurde die Benutzung der kurdischen Sprache in den Schulen in Makhmoor verbo-ten. Alle kurdischen Lehrer wurden in andere Distrikte zwangsversetzt. Um die kurdische Bevölkerung aus Makhmoor zu vertreiben, schikaniert die irakische Verwaltung sie durch beispielsweise Reiseverbote zu ihren Freunden und Verwandten in Arbil und durch das Abschalten der Stromversogung. (Quelle: Kurdistan Newsline, 27.02.02)

Irak verstärkt die Verfolgung der Familien von Dissidenten
Die irakische Regierung verstärkt den Druck auf die Familien von Dissidenten, die im Ausland leben. Die Familienangehörigen wurden aufgefordert, ihre Verwandten im Ausland anzurufen und ihnen zu sagen, sie sollten von regimefeindlichen Handlungen und Aussagen abstand nehmen. Die Familien werden von besonderen Sicherheitsteams unter der Leitung von Mitgliedern der Baath-Partei verfolgt und beobachtet. 
Vergangenen Monat hat das Satellitenfernsehen des irakischen Regimes Sendungen ausgestrahlt, in denen Familien ihre Angehörigen im Ausland kritisiert und verurteilt haben. Der Sender agiert als ein Un-terdrückungswerkzeug zur Terrorisierung von Oppositionellen von Saddams Regime. Informierten Quellen zufolge sollen die Sicherheitsdienste von Saddams Sohn Qusai nun auch alle eingehenden und ausge-henden Auslandsgespräche kontrollieren. (Quelle: Iraq Press, 04.03.02)

Schwedische Gruppe auf Kulturreise in Südkurdistan
Als Teil eines kontinuierlichen Kulturaustauschprogramms besuchte eine Gruppe von Schweden Südkur-distan. In der Gruppe befanden sich schwedische Künstler aus den Bereichen Theater, Tanz, Malerei und Mosaik. Als Teil des Austauschprogramms haben die schwedischen Besucher Vorstellungen gegeben und ihre Kunst in Workshops in Kultureinrichtungen und in der Universität vorgestellt. Zwei der Künstler, Pearl Koren und Dana Rauf, haben im Kunstinstitut in Suleymania ein Seminar über schwedisches Thea-ter abgehalten. Die Gruppe wurde von Premierminister Dr. Barham Salih empfangen. (Quelle: Kurdistan News-line, 26.02.02) 

Drama vor Sizilien: 50 Vermisste
Ein Schiff mit 65 illegalen Einwanderern zumeist kurdischer Herkunft ist in der Nacht zum Freitag vor der Küste Siziliens gekentert. Italienischen Medien zufolge wurden elf Passagiere gerettet, während rund fünfzig weitere Personen als vermisst gelten. (Quelle: taz , 09.03.02)

Liebe Leserinnen und Leser, 

hier ein Veranstaltungshinweis für Sie:
 „Vom Tigris zum Teuto“ 
Zu einer literarischen Lesung in Kurdisch und Deutsch, mit Musik und Diashow, laden der kurdischer PEN und der Verband der Schriftsteller (VS-OWL) am 22. März um 19.30 Uhr in die Universität Bielefeld, AUDI-MIN, ein. Es lesen vom kurdischen PEN Younes Bahram (Gedichte), Zaradachet Hajo (Gedichte aus: Lieder aus dem Exil), Hüseyin Kartal (Ausgewähltes aus "Monodialog"), Helim Yousuf (Kurzgeschich-ten), Nezif Telek (Briefe von und nach Kurdistan) und Moustafa Rechid (Kurzgeschichten, Gedichte). Vom Verband der Schriftsteller OWL lesen Nilgün Demirkaya (Lyrik), Gisela Huson (Kurzgeschichten), Helgard von Spiegel (Prosa) und Illona Walger (Prosa).
Internationale Musik gibt es von und mit Sanjay Kumar, Pathmo Kanes, Ihsan Akpinar, Ulrich Hilkenkamp und weiteren MusikerInnen. 
 

Wieder haben wir interessante Beiträge auf unserer Website abgelegt. Wir möchten darauf hinweisen, dass diese Beiträge nicht unbedingt unsere Meinung, sondern die aktuell für unser Themengebiet interes-santen Diskussionen wiedergeben. Besuchen Sie doch einmal www.kurden.de.

Danke an alle, die positiv auf unsere Kampagne „500 Soli-Abonnement oder Fördermitgliedschaft bis Ende März 2002“ reagiert haben. Wir sind leider immer noch von unserem Ziel weit entfernt. Also, geben Sie sich einen Ruck und beteiligen Sie sich an unserer Kampagne.

Mit freundlichen Grüßen, Ihre Redaktion 

Kurden im Irak und Iran - Chancen sowie Perspektiven von Autonomie und Selbstverwaltung

Hierzu führten Evangelische Akademie Bad Boll, IMK e.V. in Bonn, Diakonisches Werk Württemberg und Evang. Jugendsozialarbeit Bayern Ende letzten Jahres eine Tagung durch. Die Vorträge sind
nun in der Reihe epd-Dokumentation (Nr. 7/2002) erschienen ( zum Preis von 4,60 EUR plus Porto u. Verpackung beim IMK e. V. oder der Ev. Akademie erhältlich).
Die Tagung bot ein Forum der Diskussion über die aktuelle Lage der kurdischen Bevölkerung im Nordirak und Westiran. ExpertInnen wie im Exil lebende VertreterInnen kurdischer Parteien und Minderheiten sowie von deut-scher Seite sprachen über die geostrategische und wirtschaftliche Bedeutung Kurdistans für die internationale Ge-meinschaft und die Folgen einer möglichen militärischen Intervention der USA im Irak. Einigkeit bestand darüber, dass die Wirtschaftssanktionen gegen den Irak vom UN-Sicherheitsrat aufgehoben werden sollten, weil sie der ge-samten Bevölkerung schaden. Allerdings müssten gleichzeitig Garantien für die sichere Zukunft der kurdischen Selbstverwaltung in Südkurdistan (Nordirak) sowie die Rechte der anderen ethnischen und religiösen Minderheiten im Irak integraler Bestandteil der Bedingungen für die Aufhebung der Sanktionen sein. 
Die Dokumentation beinhaltet Interessante und spannende Beiträge zur aktuellen Situation in der Region. Die Dis-kussion wird in diesem Jahr in Bad Boll vom 6.-8. Dezember 2002 fortgesetzt, wenn es im Vergleich um die Lage der kurdischen Bevölkerung in der Türkei und im Nordirak und Möglichkeiten einer föderalen bzw. Autonomie-Entwicklung geht.  

© KURDS, 2000  |  e-mail/e-posta
KOMKAR, den kurdiske forening i DK.
Nansensgade 30, 1. th, 1366 København K - Danmark
telefon & fax  +45 33 13 75 01

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15/03-2002
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