KOMKAR
PRESSEERKLÄRUNG
17/12-01
komkar@t-online.de
17.12.2001
An
Herrn Rolf
Ebbecke
Oberbürgermeister
der Stadt Bad Kreuznach
Per Fax:
0671 800345
Sehr geehrter
Herr Ebbecke,
Durch die
Medien haben wir erfahren, dass eine Büste von Mustafa Kemal Atatürk im
Kurpark in Ihrer Stadt eingeweiht wurde. Dieses Ereignis wurde durch nationalistische
türkische Medien als ein historisches Ereignis propagiert und als ein Sieg
des türkischen Staates gefeiert. Eine dieser Zeitungen ist Hürriyet und
ihr Logo ist mit dem Motto „Türkei den Türken“ betitelt.
Man müsste
dabei auf einige Erläuterungen eingehen; Mustafa Kemal Atatürk wird immer
als ein westlich, demokratisch und laizistisch denkender Führer bezeichnet.
Er ist kein demokratischer Mensch, weil er die Republik Türkei, die nie
in ihrer Geschichte demokratisch war, auf Kosten Hunderttausender von ermordeten
Kurden gegründet hat. Seit der Gründung der Türkei ist die kurdische Sprache
fast auf allen Ebenen des Lebens verboten. Wer sich für die Rechte der
Kurden einsetzte / einsetzt, wurde / wird als „Betreiber des Separatismus“
zu jahrelanger Haft verurteilt. Da Kurden durch die türkische Armee gezwungen
wurden, Exkremente zu essen, wurde der türkische Staat vom Internationalen
Menschenrechtsgerichtshof verurteilt. Und alles, was gegen die Kurden betrieben
wurde, sei angeblich als Routine im Rahmen der Terrorbekämpfung durchgeführt
worden. Diese Politik hat ihre Wurzeln in der kemalistischen Ideologie.
Gleich bei
der Gründung der Türkei wurde die Identität des kurdischen Volkes verleugnet.
Die Deportation der Armenier wurde fortgesetzt, Assyrer bekamen von der
angeblich neuen Politik wieder staatliche Repressalien zu spüren. Dafür
ist das folgende Motto von Atatürk bekannt; „Wie glücklich ist derjenige,
der sagt, ich bin ein Türke“. Ist es nicht nationalistisch? „Der erste
Schüler von Mustafa Kemal ist Mussolini und der zweite bin ich“ sagte Hitler
bei einem offiziellen Essen (zitiert nach dem Buch von F. Rifki Atay, eines
der engsten Freunde von Atatürk). Atatürk ist immer noch ein Tabu in der
Türkei wird per Gesetz geschützt. Kritik an M. Kemal ist gleich eine Straftat
und als Hochverrat zu verurteilen.
Der türkische
Staat will seine nationalistische Ideologie auch im Ausland durch die dort
lebenden MigrantInnen verbreiten. Der ADD (Vereine der Atatürk’schen Ideen)
ist ein rein nationalistischer Verein in der BRD und Urheber dieser Büsten-Aktion.
Der ADD ist ein Verein, der nicht einmal bei einer geschlossenen Sitzung
das Wort „Kurde“ hören will, weil er es nicht verkraften kann.
Wir bedauern,
dass die Stadtverwaltung und der Oberbürgermeister von Bad Kreuznach die
Büste von M. Kemal eingeweiht haben, da die kurdischen MigrantInnen und
andere Völker aus der Türkei diese Büste als Belohnung der nationalistischen
Propaganda des türkischen Staates betrachten.
Wir bitten
Sie, unsere oben aufgeführten Kritikpunkte eingehend zu berücksichtigen
und diese Büste im Interesse der nichttürkischen Ethnien, die sich als
Opfer kemalistischer Assimilationspolitik wähnen, zu beseitigen.
KOMKAR
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