Internationaler
Verein für Menschenrechte der Kurden
IMK Wocheninformationsdienst
Datum:
01. Dezember - 20. Dezember 2001 Nummer: 139-140
Folter als
"Kultur der Gewalt "
"Selbst wenn
die Türkei alle EU-Kriterien erfüllt, werden wir trotzdem
weiter foltern",
sagt der Vize-Chef der rechtsgerichteten türkischen
Regierungspartei
MHP, Sevket Bülent Yahnici. "Die Folter ist uns zum
Wesensbestandteil
geworden." Menschenrechtler geben dem europakritischen MHP-Politiker durchaus
recht: In der Türkei herrscht eine Kultur der Gewalt, die vom Staat heruntergespielt
und verteidigt wird. Yahnici reagierte wie seine übrigen Parteikollegen
von der MHP wütend auf die Gesetzesvorlage für eine Erweiterung des Rechts
auf Meinungsfreiheit, die Justizminister Türk im Rahmen der Anpassung an
die EU einbrachte.
Bei einer
Pressekonferenz gab Yahnici ein typisches Beispiel für den
Umgang der
Behörden mit der Folter: Er erinnerte daran, dass die
Regierung
das Folterverbot im Paragraph § 243 des türkischen Strafgesetzbuches verschärft
hatte, aber: "Dann kam der Polizeichef in den Justiz-Ausschuss und sagte:
,Amnestiert alle meine Leute, die nach dem 243er verurteilt wurden.'' Mit
anderen Worten: Folterer werden nicht bestraft, sondern von den Vorgesetzten
in Schutz genommen.
Dass Yahnici
freimütig über die Folterpraxis spricht, macht ihn zwar
längst nicht
zu einem Freund der EU oder zu einem Verfechter
entschiedener
Reformen, im Gegenteil: Der nationalistische Politiker wirft der EU vor,
von der Türkei Unmögliches zu verlangen und teilweise dieselben Forderungen
zu erheben wie die Kurdenrebellen von der PKK. Doch Yahnicis Unverblümtheit
schafft eine in der Türkei seltene Atmosphäre der Offenheit bei einem sensiblen
Thema, das von anderen Politikern in Ankara lieber totgeschwiegen wird.
Die Türken sind von ihren Regierungsvertretern die Aussage gewohnt, es
gebe keine systematische Folter. (Quelle: Bremer Nachrichten, Cumhuriyet,
14.12.01)
Gendarmerie-Geheimdienst
JITEM verbreitet Angst und Schrecken
Dauer der
Polizeihaft im Ausnahmezustandsgebiet nicht verfassungsgemäß
Anwälte in
Diyarbakir teilten mit, dass das Dekret 430, das im Jahre
1990 erlassen
wurde und eine längere Dauer der Polizeihaft im Gebiet
unter Ausnahmezustand
(OHAL) vorsah, wieder angewendet wird, obwohl laut Änderung der Verfassung
die maximale Dauer der Polizeihaft auf 4 Tage beschränkt wurde. In Diyarbakir
werden Menschen seit über einem Monat vom Geheimdienst der Gendarmerie
JITEM festgehalten. Wie bekannt wurde, sind dabei Aussagen gegen HADEP,
IHD und Vereine von Gefangenenangehörigen erzwungen worden.
Dieses Vorgehen,
gegen das die Anwaltskammern der Region heftig
protestieren,
wird seit 34 Tagen beharrlich fortgesetzt. Emrullah Karagöz, Mustafa Yasar
(34 Tage), Fehmi Ak, Veysi Gümüs und Remziye Dag (24 Tage) sowie Hatip
Alay (14 Tage) wurden vom JITEM aus dem Gefängnis zum Verhör geholt.
Anwalt Tahir
Elci führte dazu den Fall der verhafteten Studenten
Emrullah Karagöz
und Mustafa Yasar an. Beide Männer wurden am 28. Oktober festgenommen.
Das SSG Diyarbakir ordnete am 1. November die Verlängerung der Haft um
10 Tage an. Nach einer weiteren Verlängerung um 10 Tage wurden die Studenten
am 21. November in U-Haft genommen.
Die Forderung
des
Gouverneurs
nach einer weiteren Verlängerung um 10 Tage, damit die
Studenten
noch einmal verhört werden konnten, wurde vom Gericht zunächst abgelehnt,
doch nach dem Einspruch des Staatsanwaltes akzeptiert.
Rechtsanwalt
Irfan Eser berichtet über den Zustand seines Mandanten Mustafa Yasar: "Mein
Mandant konnte nicht stehen. Er zitterte am ganzen Körper und hatte Artikulationsprobleme.
Er stand unter großer Anspannung.
Sogar das
Atmen fiel ihm schwer. Seine Kleidung war zerfetzt und er
hatte stark
abgenommen. Sie haben ihn Aussagen gegen HADEP, IHD und THAY-DER unterschreiben
lassen. Mit verbundenen Augen."
Die Aufenthaltsdauer
in Polizeigewahrsam von Emrullah Karagöz und
Mustafa Yasar
hat insgesamt 44 Tage überschritten. Der Antrag auf ein fünftes Mal 10
Tage Polizeigewahrsam wurde vom SSG Diyarbakir abgelehnt.
Daraufhin
wurden Karagöz und Yasar ins Gefängnis von Sanliurfa gebracht.
"Tut irgendwas,
damit sie mich nicht wieder dort hinbringen." Diese
Worte gehören
zu der 60jährigen Remziye Dag, die seit 24 Tagen beim JITEM ist. Auch sie
wurde am 26. November zur Einholung der Genehmigung der Verlängerung der
Verhörzeit ins Gefängnis in Diyarbakir gebracht, wo ihre Anwältin Ayla
Akat mit ihr sprechen konnte. Wie Akat mitteilte, leidet ihre Mandantin
unter Bluthochdruck und Herzschwäche. Auf Grund ihrer Krankheit sei gegen
ihre Mandantin weniger Gewalt angewendet worden.
Remziye Dag
habe ihr gegenüber geäußert: "Fragt mich nichts weiter. In den ersten zehn
Tagen beim JITEM haben sie mir zwei Fragen gestellt. In diesen Fragen kamen
die Namen von Personen vor. Ich habe gesagt, dass ich sie nicht kenne.
Wir sitzen mit sechs Personen mit verbundenen Augen in einer Zelle. Tut
irgendwas, damit sie mich nicht wieder dort hinbringen." Weiter erklärte
die Anwältin, am Kopftuch ihrer Mandantin seien Blutspuren zu sehen gewesen.
RA Cihan Aydin
kündigte an, für ihre Mandanten Mustafa Yasar und
Remziye Dag
den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof (EuMRGh) anzurufen und dabei
wegen Dringlichkeit auf sofortige Behandlung des Falles und die Ergreifung
von sofortigen Maßnahmen zu plädieren.
Im Fall von
Fehim Ak , der nach seiner Verhaftung zehn weitere Tage in Gewahrsam gehalten
wurde, wurde der Verhörzeitraum auf Antrag des DGM-Staatsanwaltes um 10
Tage verlängert. (Quellen: Yedinci Gündem, 01.-07.12.01, Evrensel, 25.11.01;
Radikal, 18.12.01)
Dauer des
Polizeigewahrsams in Van außerhalb des
Ausnahmezustandsgebietes
überschritten
In Van, wo
kein Ausnahmezustand verhängt ist und somit der verlängerte Aufenthalt
in Polizeigewahrsam durch das Dekret 430 keine Gültigkeit hat, wurde im
Fall von Fehime Ete, die wegen der Unterstützung einer illegalen Organisation
inhaftiert wurde, überschritten. Ete wurde 20 Tage zum Verhör in Polizeigewahrsam
gehalten. Während des Aufenthalts in Polizeigewahrsam wurde Etes Anwälten
der Aufenthaltsort ihrer Mandantin nicht mitgeteilt.
Nach ihrer
Verurteilung am 25. Oktober 2001 wurde sie, laut Information der Gefängnisbediensteten,
am 25. November auf Befehl des Staatssicherheitsgerichtes durch die Gendarmerie
von Diyarbakir zum Verhör mitgenommen. Die Beschwerde des Anwaltes von
Ete hinsichtlich der Illegalität dieses Vorgehens wurde abgelehnt. Nachdem
der dritte Antrag der Sicherheitskräfte auf eine Verlängerung der Verhördauer
um weitere 10 Tage abgelehnt wurde, wurde Fehime Ete wieder ins Gefängnis
gebracht.
(Quelle: Radikal,
18.12.01)
AI-Urgent
Action:
Sorge um Yücel
Filizler, Reporter der Zeitschrift "Alinteri"
Hakan Kemaloglu,
Verwalter bei der Zeitung "Yedinci Gündem"
Hasan Kaya,
Vorsitzender des "Kurdischen Instituts" sowie 19 weitere
Personen Filizler,
Kemaloglu und Kaya sowie 19 weitere Personen wurden am 29. November 2001
während Polizeirazzien in den Büros von rund 20 legalen pro-kurdischen
und linksgerichteten Publikationen und Vereinigungen in Istanbul festgenommen.
Bis auf Yücel Filizler, der im Büro der Zeitschrift "Alinteri" festgenommen
wurde, werden alle Gefangenen in der Anti-Terror-Abteilung der Polizeizentrale
von Istanbul festgehalten und sind in Gefahr, misshandelt und gefoltert
zu werden. Da der Aufenthaltsort von Yücel Filizler nicht bekannt ist,
fürchtet amnesty international um seine Sicherheit.
Das Staatssicherheitsgericht
von Istanbul hatte die Razzien aufgrund
einer mutmaßlichen
"Kampagne des zivilen Ungehorsams" der verbotenen bewaffneten Oppositionsgruppe
"Arbeiterpartei Kurdistans" (PKK) angeordnet.
Von den Razzien
betroffen waren die Zeitungen "Yedinci Gündem" und
"Azadiya Welat";
die Verlage "Mem Basin" und "Zend"; die eitschriften
"Özgür Halk",
"Özgür Kadinin Sesi" und "Jiyana Rewsen"; das Kurdische
Institut";
das "Mesopotamische Kulturzentrum" (MKM); das
"Frauen-Kulturzentrum
Dicle"; das "Jugendkulturzentrum" und das "Anatolische Jugendzentrum".
Auch die Büros
der Kulturzentren "Tohum" "Yüz Cicek Acsin" und der
Zeitschriften
"Isci Köylü", "Devrimci Demokrasi", Atilim", "Alinteri" und
"Kizil Bayrak"
waren ebenfalls Zielscheibe von Razzien. Ihnen wurde
vorgeworfen,
linksgerichtet zu sein und die Hungerstreiks von Gefangenen und deren Familienangehörigen
zu unterstützen, die sich gegen die neuen Gefängnisse des Typs F wenden,
da sie befürchten, dass Häftlinge dort in Einzelzellen isoliert werden.
Während der
Razzien wurden Akten, Bücher, Dokumente und Computer konfisziert. Polizisten
warfen den Mitarbeiterinnen des
"Frauen-Kulturzentrums
Dicle" Berichten zufolge vor: "Ihr bekommt Anweisungen aus Imrali [der
Insel, auf der PKK-Chef Abdullah Öcalan, inhaftiert ist]. Ihr werdet
von dort gesteuert."
(Quelle: UA
308/01, ai-Index: EUR 44/087/2001, 30. November 2001 - bs. Den kompletten
Text der urgent action finden Sie auf unserer
Internet-Seite:
www.kurden.de)
Besetzung
der Gefängnisbeobachtungskommissionen sorgen für Kontroverse
Die Besetzung
der Gefängnisbeobach-tungskommission in Izmir macht das Problem deutlich.
Ein pensionierter Staatsanwalt, der während des Konfliktes im Gefängnis
von Buca am 21. September 1995, bei dem 3 Häftlinge getötet wurden, Staatsanwalt
von Izmir war, und der Staatsanwalt Melih Dari, der damals im Amt war,
wurden für die Kommission ausgewählt. Noyan Özkan, Vorsitzende der Anwaltskammer
Izmir macht deutlich, dass diese
Personen nicht
für eine Kommission, die Menschenrechtsverletzungen
verhindern
soll, ausgewählt werden sollten.
Da die auf
der Grundlage des veränderten Antiterrorgesetzes gegründeten Kommissionen
zur Beobachtung der F-Typ Gefängnisse Vertreter der Anwalts- und Ärztekammern
entgegen der estimmungen im Gesetz ausschließen, hat die Anwaltskammer
von Izmir eine eigene
Gefängnisbeobachtungskommission
eingerichtet.
Ismail Hanoglu,
Vorsitzender der Gefängnisbeobachtungskommission der Anwaltskammer Izmir
berichtet, dass entwürdigende Behandlung und Folter in Gefängnissen weiterhin
Praxis seien. "Bedauerlicherweise hat die Änderung des Antiterrorgesetzes
bisher keine Auswirkungen gezeigt. Es wird durchgehend Musik gespielt.
Die Häftlinge können die Musik weder leiser drehen, noch ausschalten. Während
der Transfers in die F-Typ Gefängnisse wurden die Häftlinge geschlagen
und ihre Haare wurden abgeschnitten.
Mit der Änderung
des Antiterrorgesetzes wurde zwar die Isolation
insofern aufgehoben,
dass die Häftlinge einander sehen können. Jedoch dürfen sie laut Beschwerden
der Häftlinge gegenüber ihren Anwälten nicht miteinander reden. Wenn wir
solche Informationen erhalten, informieren wir den Staatsanwalt von Izmir."
Hanoglu und
Özkan kritisieren, dass alle von der Anwaltskammer Izmir
vorgeschlagenen
sehr kompetenten Mitglieder von der städtischen
Justizkommission,
die für die Besetzung der Kommission zuständig ist, abgelehnt wurden. Genauso
erging es dem Vorsitzenden der Ärztekammer von Izmir, Fatih Sürenkök. Die
Justizkommission habe zwar von ihm Namen für die Gefängnisbeobachtungskommission
angefordert, jedoch seien alle Vorgeschlagenen abgelehnt worden. Dies widerspräche
dem Gesetz, der die Beteiligung der Berufskammern in der Kommission vorsieht.
(Quelle: TDN, 06.12.01)
Kampagne
für Erziehung und Unterricht in Kurdisch sorgt für Spannungen
Eine von kurdischen
Studenten an mehreren Universitäten durchgeführte Kampagne für Erziehung
und Unterricht in Kurdisch fordert die Einführung von Kurdisch als Wahlfach
an den Universitäten. Sie berufen sich darauf, dass kein Artikel in der
Verfassung die kurdische Sprache verbietet und die Kopenhagener Kriterien
ein Verbot der kurdischen Sprache unmöglich machen und rufen zur einer
demokratischen und multikulturellen Gesellschaft auf.
200 Studenten
der Universität Istanbul haben die Kampagne mit Anträgen begonnen, im ganzen
Land wurden bisher 7.000 Anträge eingereicht.
Die staatliche
Nachrichtenagentur Anadolu vermeldete daraufhin,
"Sympathisanten
der Terrororganisation PKK" würden bezwecken, mit dieser Aktion Spannungen
an den Universitäten zu erzeugen. Auch der Hochschulrat YÖK reagierte:
"Werft diejenigen, die Bildung in Kurdisch verlangen, von der Universität!"
Er forderte die Studenten mit einer Plakatkampagne auf, die Anträge zurückzunehmen.
200 Studenten folgten der Aufforderung.
In Diyarbakir
wurden bei einer Demonstration in Diyarbakir-Carikli 6
Grundschüler
unter dem Vorwurf, eine Demonstration für Bildung in der Muttersprache
durchgeführt zu haben, festgenommen und nach ihrer
Vernehmung
wieder freigelassen. In Izmir wurde gegen 900 Studenten, die einen Antrag
eingereicht hatten, eine Untersuchung eingeleitet. Dabei wurden 13 Studenten
in Polizeigewahrsam genommen. In der Dicle-Universität in Diyarbakir wurden
drei Studenten, die dem Rektorat 1.500 Unterschriften überbrachten, in
Polizeigewahrsam genommen.
29 Studenten
wurden von der Fakultät für bildende Künste der
Universität
von Istanbul verwiesen, weil sie sich am 21. März dieses Jahres an Newroz-Feierlichkeiten
beteiligt hatten.
In Malatya
wurden 6 Studenten für ein Jahr von der Uni verwiesen, weil sie sich für
Bildung in Kurdisch ausgesprochen hatten. Vier weitere Studenten haben
sich für 6 Monate von der Uni fernzuhalten. Sie hatten sich an einem Protest
gegen den Hochschulrat YÖK beteiligt.
In Bismil
wurden drei Gymnasiallehrer festgenommen, da an der Schule Parolen mit
Forderungen nach Bildung in Kurdisch an die Wände geschrieben worden sein
sollen.
(Quellen:
Cumhuriyet, Yedinci Gündem, 04.12.01; Milliyet, 13.12.01;
Radikal, 15.12.01)
Innenminister
Yücelen gesteht Folter ein und erklärt die Seelenlage der Sicherheitskräfte
Innenminister
Rüstü Kazim Yücelen hat im Zusammenhang mit einer
Beschwerde
des AK-Parti Abgeordneten Faruk Celik über Foltervorwürfe in Polizeiwachen
eingestanden, dass den Maßnahmen zum Trotz weiterhin gefoltert wird.
Yücelen erklärte,
warum es trotz der Verfassungsänderung bei
"gesellschaftlichen
Ereignissen" zu unverhältnismäßiger Gewaltanwendung kommt. Es handele sich
dabei um Einzelaktionen die nicht vorsätzlich seien, sondern aus der Unfähigkeit
zur Unterdrückung der Aufregung innerhalb der Massenpsychologie resultierten.
Angesprochen
auf das gewalttätige Vorgehen bei den Protesten gegen den Hochschulrat
sagte der Innenminister, die Folter sei keine
systematische
Politik, sondern ein rein individuelles Problem. Die Polizei würde die
Ermächtigung für die Gewaltanwendung von den bestehenden Gesetzen beziehen.
Um diese individuellen Gewaltprobleme zu überwinden wurde ein Bildungsprogramm
begonnen, das fortgesetzt werden wird.
Yücelen rechtfertigte
das polizeiliche Vorgehen bei illegalen
Demonstrationen.
Auch die Polizei der EU-Staaten setze auf Warnung, Wasserwerfer, Tränengas
und den Einsatz von Schlagstöcken. Dies sei im Zuge der Anpassung an die
EU durchaus angemessen. (Quelle: Milliyet, 12.12.01; Yeni Safak, 13.12.01)
Unrühmliche
Bilanz der Menschenrechtssituation
Vor 53 Jahren
hat die Türkei die Internationale Erklärung der Menschenrechte unterzeichnet,
doch die Bilanz der enschenrechtssituation in der Türkei ist erschreckend.
Wie die Gouverneure
der Ausnahmezustandsgebiete mitteilten, wurden in den vergangenen 14 Jahren
23.500 "Terroristen" und über 5.000
Sicherheitskräfte
getötet. Gemeinsam mit Zivilisten liegt die Zahl der Toten bei über 33.000.
Offiziellen Angaben zufolge wurden in der Region aufgrund des Terrors insgesamt
3.092 Siedlungen und Dörfer entleert. Angaben der Gewerkschaften zufolge
wurden seit 1991 mehr als 500 Verbannungen ausgesprochen, davon allein
in Diyarbakir 275.
Die schmerzlichste
Erfahrung für die Bevölkerung in den
Ausnahmezustandsgebieten
bilden die sog. Morde unbekannter Täter. So sind in der Region von 1989
bis 1991 62 Morde unbekannter Täter zu verzeichnen, 119 in 1992, 193 in
1993, 214 in 1994, 104 in 1995, 219 in 1996 107 in 1997, 78 in 1998 und
209 in 1999. Insgesamt verloren 1.305 Menschen ihr Leben durch Morde unbekannter
Täter.
Im Zusammenhang
mit den Morden unbekannter Täter ist das Verschwinden in Gewahrsam aktuell.
Die jüngsten "Verschwundenen" sind die HADEP'ler Serdar Tanis und Ebubekir
Deniz, die seit 11 Monaten verschwunden sind.
Die Klagen
wegen Folter und Vergewaltigungen nehmen kein Ende. (Quelle: Cumhuriyet,
11.12.01)
Skandal:
Film "Großer Mann, kleine Liebe" soll Metapher für den
Widerstand
der Kurden sein
Wieder sorgt
ein Film in der Türkei für große Aufregung. Diesmal geht
es um den
Film "Großer Mann, kleine Liebe", der die Liebe eines
pensionierten
Richters zu einem kurdischen Mädchen schildert.
Erster Skandal:
Die Verfasser des englischen Textes einer Broschüre für den Filmfestival
in Antalya, zwei Hochschullehrer, haben von "einem fünf Jahre alten Mädchen
aus Kurdistan" gesprochen und zur Strafe ihren Job verloren. "Kurdistan"
ist das Tabu-Wort in der Türkei! Die Festivalleitung, die das Versehen
auf den Zeitdruck bei der Herstellung zurückführte, stoppte die Verteilung
der Broschüre sofort. Der Film hatte beim 38. Filmfestival in Antalya in
fünf Gebieten die "goldene Orange" gewonnen.
Zweiter Skandal:
Das Ministerium für Kultur hat dem Film einen
Finanzzuschuss
von 45 Mrd. Lira gewährt. Der Film wurde bereits erfolgreich in Kinos gezeigt.
Die türkischen Medien haben für den Film geworben.
Dritter Skandal:
Im Film geht es nur vordergründig um die Liebe des
pensionierten
Richters Rifat Bey zum 5-jährigen kurdischen Mädchen Hejar.
Der Film,
die Personen und die Handlung sind eine Metapher auf die
Situation
des kurdischen Volkes, symbolisiert durch Hejar, und seinen
Widerstand
gegen den türkischen Staat, symbolisiert durch Rifat Bey. Die Botschaft
des Filmes ist: Erkennt die Realität der Kurden an!
Nach diesen
etwas verspäteten Einsichten fordert die Zeitung Star
Kulturminister
Istemihan Talay auf, diesen Skandal zu erklären. (Quellen: Cumhuriyet,
05.12.01; NRZ, 06.12.01; Star, 11.12.01)
Todesurteile
im Dev-Sol Prozess
Am 27. November
ging das Wiederholungsverfahren gegen 21 Personen vor dem SSG Izmir zu
Ende. Sie waren wegen Mitgliedschaft und Aktionen für die DHKP/C angeklagt
worden, nachdem es am 30. November 1998 zu einer bewaffneten Auseinandersetzung
im Dorf Balkica, Kreis Tavas (Denizli) gekommen war, bei der 3 Militante
der DHKP/C und der Soldat Cumali Kaya getötet wurden.
Das erste
Urteil, darunter 5 Todesurteile, wurde durch den
Kassationsgerichtshof
am 5. Februar aufgehoben. Dieses Mal wurden drei Angeklagte zum Tode verurteilt.
Die Todesurteile gegen zwei Angeklagte wurden in lebenslange Haft umgewandelt.
Zwei weitere Angeklagte wurden zu jeweils 15 Jahre Haft verurteilt, ein
Angeklagter zu 5 Jahren Haft.
(Quelle: TIHV,
30.11.01)
Ankara lässt
sich die Mitarbeit in der "Anti-Terror-Allianz" versüßen
Powell in
Ankara: Noch keine Entscheidung über Angriff auf Irak
In der Frage
eines möglichen Angriffs auf Irak im Rahmen der
Antiterror-Kampagne
hat die US-Regierung den NATO-Verbündeten Türkei vorerst beruhigt: US-Präsident
George W. Bush habe über eine mögliche nächste Phase des Krieges noch keine
Entscheidung getroffen, sagte US-Außenminister Colin Powell bei seinem
Arbeitsbesuch in Ankara. Gleichwohl würden die USA alles unternehmen, um
Irak an der Beschaffung von Massenvernichtungswaffen zu hindern. Washington
sei weiterhin beunruhigt darüber, dass Bagdad seit Jahren Terroristen unterstütze.
Überlegungen
zu Angriffen auf das Nachbarland Irak haben in der Türkei in den vergangenen
Wochen für Unruhe gesorgt. Ankara hatte den USA bei ihrem Einsatz in Afghanistan
volle Unterstützung zugesagt, lehnt eine Ausweitung der Angriffe auf Irak
jedoch ab.
(Quelle: afp,
5.12.01)
Initiative
für Demokratie und Lösung der Kurdenfrage kündigt
Parteigründung
an
Wie die Initiative
für Demokratie und Lösung der Kurdenfrage am 1.
Dezember 2001
in Ankara mitteilte, steht die Gründung einer neuen Partei Ende Januar
2002 bevor. An der Partei wird sich auch die "Kurdische Demokratische Plattform"
beteiligen.
Die Partei
werde sich für eine neue, pluralistische und demokratische
Türkei einsetzen,
hieß es in der Erklärung. Es sei unaufschiebbar für
die Lösung
der Kurdenfrage Partei zu ergreifen und sich mit den dabei
entstehenden
Risiken auseinanderzusetzen, hieß es in der Erklärung.
Die Partei
werde von einer breiten, pluralen Basis von Personen und
Gruppen unterschiedlicher
Ansichten unterstützt.
(Quelle: Erklärung
der "Initiative für Demokratie und Lösung der
Kurdenfrage",
01.12.01)
Türkei einverstanden
mit Zugriff der EU-Eingreiftruppe auf NATO-Anlagen Powell verspricht Ankara
finanzielle Hilfe
Ankara hat
seinen Widerstand gegen den Zu-griff der geplanten
EU-Streitmacht
auf NATO-Anlagen aufgegeben. Damit kann diese von Stützpunkten in der Türkei
aus operieren. Sie darf allerdings nicht in der Ägäis und auf Zypern eingesetzt
werden.
Die türkische
Regierung hat überraschenderweise dem für 2003 geplanten Einsatz einer
EU-Streitmacht auf NATO-Stützpunkten in der Türkei zugestimmt, kurz vor
einem Besuch des amerikanischen Aussenministers Powell.
In Gesprächen
mit Washington und London seien die "berechtigten
Erwartungen"
der Türkei weitgehend berücksichtigt worden, erklärte
Ministerpräsident
Ecevit nach einem Sondertreffen, an dem neben wichtigen Ministern auch
Generalstabschef Hüseyin Kivrikoglu teilnahm.
Von den Entwicklungen
positiv überrascht kam Powell der Türkei in der Irak-Frage entgegen. Präsident
Bush habe den nächsten Schritt im Kampf gegen den Terror noch nicht beschlossen.
Die Türkei hat gegen eine neuerliche militärische Operation gegen den Irak
Bedenken. Der letzte Golfkrieg 1991 und die Uno-Sanktionen gegen den Irak
haben dem Land Verluste in Milliardenhöhe beschert.
Powell versicherte
Ankara der Unterstützung der amerikanischen
Regierung,
damit die Türkei vom Internationalen Währungsfonds das neue Hilfspaket
in Höhe von zehn Milliarden Dollar erhält. (Quelle: NZZ; 05.12.01, 06.12.01)
Internationale
Süßwasser-Konferenz in Bonn appelliert an die Regierung, die Hermes-Bürgschaft
für den umstrittenen Ilisu-Staudamm in Türkei-Kurdistan zu verweigern
"Die Bundesregierung
verliert ihre Glaubwürdigkeit für ihr Engagement
für eine nachhaltige
Wassernutzung, wenn sie mit einer Bürgschaft die Zwangsumsiedlung von 60.000
Kurden fördert", erklärte die Gesellschaft für bedrohte Völker am 2. Dezember
2001 in Bonn. Nur um die Anti-Terror-Koalition zu festigen, dürften Menschenrechte
nicht mit Füßen getreten werden.
Aufgrund ihres
Engagements in der Antiterror-Koalition verspreche sich die Türkei ähnlich
wie Indien Entgegenkommen bei der Vergabe einer von der deutschen Niederlassung
des Schweizerisch -österreichischen Unternehmens Sulzer Hydro beantragten
Hermes-Bürgschaft. Durch den Ilisu-Staudamm würde ein 313 Quadratkilometer
großes Gebiet am Tigris geflutet, unter anderem auch Teile der archäologisch
und kulturhistorisch bedeutsamen Stadt Hasankeyf. 101 kurdische Dörfer
und Städte sollen in den Fluten
versinken.
15.500 Kurden in 88 Dörfer hätten ihre Häuser bereits
verlassen
müssen. Die enteigneten Kleinbauern seien noch nicht angemessen entschädigt
worden. Weiteren 43.700 Kurden drohe noch die Zwangsumsiedlung.
Das Megaprojekt
Ilisu-Staudamm berge auch schwerwiegende
sicherheitspolitische
Risiken, warnte die GfbV. So hätten die nur 65 Kilometer entfernten Nachbarstaaten
Syrien und Irak bereits massiv protestiert. Sie befürchteten, die Qualität
und die Menge des Wasserzuflusses in ihre Länder würde durch den Staudamm
beeinträchtigt. Ein Krieg um Wasser wäre aber das Letzte, was die krisenreiche
Region brauche. [...] (Quelle: Presseerklärung GfbV, 2.12.01. Weitere
Informationen zum Thema auf der GfbV-Homepage www.gfbv.de).
Reporter
ohne Grenzen begrüßt Freilassung von Iraner
Alidschani
Die Journalistenvereinigung Reporter ohne Grenzen (RSF) hat die Freilassung
des iranischen Regimekritikers und Journalisten Reza Alidschani begrüßt.
"Wir dürfen aber nicht vergessen, dass der Iran immer noch das größte Gefängnis
im Mittleren Osten für Journalisten ist", erklärte die Organisation am
Dienstag in Berlin. Vor drei Wochen war Alidschani wegen seiner Verdienste
um die Pressefreiheit in Iran der diesjährige Menschenrechtspreis der in
Paris ansässigen Journalistenvereinigung verliehen worden. (Quelle: afp,
18.12.01)
KDP-Führer
Massoud Barzani nimmt zu den Drohungen der Türkei und des Irak Stellung
Die Drohungen
der Türkei gegen ein auto-nomes Kurdistan, das nach einem eventuellen US-Angriff
auf den Irak entstehen könnte und auch das massive Militäraufgebot der
Türkei und des Irak an der Nord- und Südgrenze Südkurdistans haben KDP-Führer
Massoud Barzani veranlasst, in einer Ansprache an seine Partei am 29. November
dazu Stellung zu nehmen.
Barzani stellte
klar, dass die Sicherheit des kurdischen Volkes und der
Frieden die
Hauptprioritäten der KDP sind und die KDP bei allen
Handlungen
die Interessen des kurdischen Volkes im Focus hat. Bezogen auf die Drohungen
von türkischer Seite gegen einen kurdischen Staat im Nordirak und auf die
Drohungen Saddams sagte er: "Wir werden nicht mit dem Schicksal unserer
Nation spielen. Wir kennen die aktuelle Situation in der Welt sehr gut
und sind uns unserer Grenzen bewusst. Unser Ziel ist klar [...]. Wir wollen
die Frage des Volkes von Kurdistan auf der Basis des Föderalismus im Rahmen
eines demokratischen Irak lösen. [...] Wir haben diesen Weg gewählt, weil
wir glauben, dass er gangbar ist. Wir haben nicht einen unabhängigen Staat
gefordert. Nicht, weil es nicht unser Recht wäre, sondern weil wir uns
der aktuellen Situation bewusst sind. Eine
solche Angst
oder Sensibilität zu demonstrieren ist schlichtweg eine
Provokation
der Gefühle der Kurden. Warum werden die Kurden einer Sache beschuldigt,
die sie nicht gefordert haben? Was die Drohungen anbelangt, wir sind eine
friedliche Nation und wollen nicht bedroht werden, weil auch wir niemanden
bedrohen. Doch wenn jemand glaubt uns seinen Willen mit Gewalt aufzwingen
zu können oder uns zu einer Handlung verleiten zu können, die gegen die
Interessen unseres Volkes gerichtet ist, macht er einen großen Fehler.
Wenn wir gezwungen werden, die Kurden und Kurdistan zu verteidigen, so
sind wir dazu bereit und auch zu allen Opfern. Wir werden unseren friedlichen
und demokratischen Weg fortsetzen und uns nicht provozieren lassen."
Weiter sagte
Barzani, die kurdische Frage könne nicht durch Ignoranz
von Staaten
gelöst werden. Es sei die Frage eines Volkes von 30 bis 40 Millionen Menschen,
die sich weder durch Gewalt, noch durch Völkermord lösen ließe. Dies sei
im vergangenen Jahrhundert nicht möglich gewesen und würde es auch in den
kommenden Jahrhunderten nicht sein.
Bezogen auf
die Position seiner Partei zum Terrorismus erklärte
Barzani, Frieden
und Dialog, wie lang sie auch sein mögen, seien die einzigen Wege. Dies
sei nicht erst seit dem 11. September die Haltung der KDP dazu, sondern
sei schon lange vorher ein Grundsatz der KDP gewesen.
(Quelle: Iraqi
Kurdistan Dispatch, 05.12.01)
US-Delegation:
Kein zweiter Grenzübergang zwischen Türkei und Irak
Wie die KDP
nach einem Gespräch mit der US-Delegation mitteilte, hat Washington Massoud
Barzani garantiert, dass kein zweiter Grenzübergang zwischen der Türkei
und dem Irak eröffnet wird. Unterdessen erhört die US-Führung den Druck
auf die Türkei, die versucht, ihre Beziehungen zum Irak zu normalisieren
und den Handel über die Grenze anzukurbeln. Ein zweiter Grenzübergang würde
den Grenzübergang Habur entlasten, jedoch auch das Gleichgewicht der Kräfte
im Nordirak beeinflussen.
Ein zweiter
Grenzübergang würde die von der KDP regierte Region durch einen Korridor
durch irakisch kontrolliertes Gebiet umgehen und damit die KDP von einer
wichtigen Einnahmequelle ausschließen. (Quelle: Cumhuriyet, 15.12.01)
UNO und
Irak unterzeichnen "Öl gegen Lebensmittel"-Programm
Der Irak und
die Vereinten Nationen haben den Vertrag zur Verlängerung des Programms
"Öl gegen Lebensmittel" unterzeichnet. Das UN-Programm läuft voraussichtlich
Ende Mai 2002 aus, wie UN-Sprecher Fred Eckhard in New York mitteilte.
Es erlaubt der Regierung in Bagdad, unter UN-Kontrolle begrenzte Mengen
Erdöl zu exportieren, um von dem Erlös Lebensmittel und Medikamente für
die Bevölkerung einzuführen. Ab Juni kommenden Jahres sollen die Einfuhrbeschränkungen
gelockert werden. Die UNO will dann eine Liste mit Produkten veröffentlichen,
die für militärische Zwecke genutzt werden könnten und die Irak ohne Genehmigung
durch die
Vereinten
Nationen weiterhin nicht importieren darf. Das Einfuhrverbot für alle anderen
Produkte soll dagegen aufgehoben werden. Der Sicherheitsrat der Vereinten
Nationen hatte der Verlängerung am vergangenen Donnerstag zugestimmt. (Quelle:
afp, 04.12.01)
Organisierter
Menschenschmuggel aus dem Irak
Die Flucht
von Intellektuellen aus dem Irak dauert trotz der harten
Bestrafung
der Flüchtenden und der Schlepper durch die Regierung an. Die Liste der
Personen, die den Irak nicht verlassen dürfen, ist lang. Unter ihnen sind
Universitätsprofessoren, Armeeoffiziere, Ärzte und Ingenieure, die mit
der Waffenproduktion des Irak zu tun hatten. Doch aus dem streng bewachten
Irak können selbst Häftlinge aus den Gefängnissen ins Ausland geschmuggelt
werden, sofern sie die 12.000 US-Dollar zahlen konnten.
Drahtzieher
dieses großangelegten Schleppernetzwerks ist der
hochrangige
Offizier Amer al-Nasseri aus dem Sicherheitsgeneralstab. Einige der aus
dem Land geflohenen Irakis gaben an, dass sie all ihren Besitz an al-Nasseri
überschrieben hätten, damit er ihre Namen aus der Ausreiseverbotsliste
streicht und ihnen Pässe mit Ausreisevisa beschafft.
Al-Nasseri
ist ein Verwandter von Saddam Hussein und angehöriger des Stammes aus Tikrit,
Saddams Geburtsort. (Quelle: Iraq Press, 03.12.01)
Carl-von-Ossietzky-Medaille
ehrt Kirchenasyl-Initiativen
Die Initiativen
für Kirchenasyl erhalten die diesjährige
Carl-von-Ossietzky-Medaille
der Internationalen Liga für Menschenrechte. Die Kirchengemeinden hätten
sich mit Zivilcourage gegen die Abschiebung von Flüchtlingen eingesetzt,
begründete die Liga die Auszeichnung. Mit der Medaille wolle die Liga Bürgerinnen
und Bürger dazu ermutigen, sich für die Verwirklichung der Grund- und Menschenrechte
einzusetzen. Die Initiativen für Kirchenasyl böten Flüchtlingen Schutz,
wenn begründete Zweifel an einer gefahrlosen Rückkehr in ihre Heimat bestünden.
Sie stellten sich zwischen Flüchtling und Behörden, um eine erneute Prüfung
des Falles zu
erwirken und
eine Abschiebung zu verhindern.
Geehrt wurden
in Berlin die Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der
Kirche, die
Berliner Arbeitsgemeinschaft Asyl, die evangelischen
Kirchengemeinden
in Guben und Moers sowie das Wanderkirchenasyl NRW.
Wie die Arbeitsgemeinschaft
Kirchenasyl mitteilte, werde es für Kirchen immer schwerer, Verfolgten
Asyl anzubieten. Der Staat sei immer seltener bereit, gemeinsam mit der
Kirche eine Lösung für Menschen zu finden, die Kirchenasyl erhielten, sagte
Pastor Quandt, Vorstand der "Ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl
in der Kirche".
Quandt kritisierte,
die Polizei habe ihre Zurückhaltung aufgegeben, in
kirchliche
Räume einzudringen. Sie mache Durchsuchungen und
beschlagnahme
Gesprächsprotokolle. "Das ist eine Tabugrenze, die sogar in der schlimmsten
Zeit von 1933 bis 1945 weitgehend vom Staat respektiert wurde.
Die Menschenrechte
müssen höher bewertet werden als das Recht des Staates, seine Zuwanderung
zu regeln." (Quelle: taz, 05.12.01, 08.12.01)
Genozid
und Gedenken: Vertreibung, Verfolgung, Vernichtung von Armeniern
Zum Gedenken
an den Völkermord an den Armeniern von 1915 werden vom 13. bis 22. Januar
2002 im Bürgerzentrum "Alte Feuer-wache" in Köln eine Fotoausstellung sowie
zahlreiche Begleitveranstaltungen stattfinden. Die Ausstellung wird am
13. Januar von Karekin Bekdjian, S.E. Erzbischof der armenisch-apostolischen
Kirche in Deutschland. Nach einem Vortrag von Ralph Giordano wird Edgar
Hilsenrath aus seinem Roman "Das Märchen vom letzten Gedanken" vorlesen.
(Das vollständige
Programm finden sie auf unserer Internetseite unter
www.kurden.de.)
Liebe Leserinnen
und Leser,
dies ist die
letzte Ausgabe des Wocheninformationsdienstes in diesem
Jahr.
Ihre Redaktion
Besinnliche
Feiertage und ein erfolgreiches neues Jahr
Serkevtî û
saxî li sala nu da. Sersala we pîroz be.
Merry Christmas
and a succesfull New Year.
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