MK –Wocheninformationsdienst
Datum:
16. November – 22. November 2001 Nummer: 135-136
9-Monatsbericht
des IHD kritisiert Menschenrechtslage
IHD-Vorsitzender
Hüsnü Öndül erklärte in einer Pressekonferenz in der IHD-Zentrale am 21.
November, dass in den ersten 9 Monaten diesen Jahres 762 Menschen Folter
und erniedrigender Behandlung ausgesetzt waren. Öndül sagte, die Bewertung
der EU-Kommission, eine Besserung der Menschenrechtssituation in der Türkei
nicht verzeichnen zu können, sei eine objektive Be-wertung.
Statt einer
Verbesserung sei im Gegenteil eine Steigerung im Falle von Folter und der
Verletzung der Meinungsfreiheit zu erkennen.
Zum Vergleich:
In den ersten 9 Monaten von 1999 seien 472 Personen mit Folter und erniedrigender
Behandlung konfrontiert gewesen, in der selben Periode in 2000 waren es
508 Personen, in 2001 sogar 762 Personen. (Quelle: Anadolu Ajansi, 21.11.01)
Gesetzesänderung
zur Zuständigkeit der Staatssicherheitsgerichte
Die Staatssicherheitsgerichte
(DGM) in der Türkei, vor denen gegen den Staat gerichtete Straftaten verhandelt
werden, sollen durch Reformen den anderen Gerichten angeglichen werden,
erklärte Justizminister Hikmet Sami Türk.
Wie in jedem
anderen demokratischen Land sollen die DGM in “Expertengerichte” umgewandelt
werden. Die Abschaffung des Artikels 313 des Gesetzes über Organisierte
Kriminalität aus dem Kontext der DGM sei dabei in wichtiges Ziel. Durch
die Geset-zesänderungen solle bei der organisierten Kriminalität zwischen
„Gewalttätern und denjenigen, die eine Bank ausrauben“ unter-schieden werden.
Weil diese Differenzierung zur Zeit fehle, wäre die Arbeit der DGM blockiert.
Von 4.036 Gerichten, die es zur Zeit in der Türkei gibt, seien 20 Staatssicherheitsgerichte.
Ein von der
islamischen Partei AKP [Abspaltung aus der ehemaligen Fazilet-Partei] eingebrachter
Änderungsvorschlag, Artikel 312/2 des türkischen Strafgesetzes aus der
Zuständigkeit der DGM zu streichen, wurde abgelehnt. 312/2 behandelt das
„Schüren von Hass und Feindschaft zwischen den Völkern durch das Hervorheben
von Unterschieden aufgrund der Rasse, Sprache, Religion, Region, Klasse
und dem sozialen Stand“. (Quelle: Turkish Daily News, 16.11.01; Turkish
Probe, 18.11.01)
Sorge um
Sicherheit des Menschenrechtlers Saban Dayanan (33), und Leiterin des Istanbuler
IHD-Büros Eren Keskin (41) sowie weiterer IHD-Mitarbeiter in Istanbul
Am 15. November
2001 drang um 14.30 Uhr der bewaffnete Zeki Genc in das Büro des Menschenrechtsvereins
(IHD) in Istanbul ein und drohte, die dortigen Mitarbeiter zu erschießen.
Er war mit einer Pistole und einem großen Messer bewaffnet und hatte ein
Paket bei sich, in dem seinen Angaben zufolge eine Bombe war. Er schoss
in die Luft, zwang alle Anwesenden, sich auf den Boden zu legen und drohte:
„Ich werde euch alle töten. Ich bin nicht alleine – ich habe Freunde.“
Eine Gruppe
von IHD-Mitarbeitern, darunter auch die Leiterin der Istanbuler IHD-Zweigstelle,
Eren Keskin, verbarrikadierten sich in einem der Büroräume. Zeki Genc drohte
damit, das Feuer auf sie zu eröffnen. Saban Dayanan und drei weiteren Anwesenden
gelang es jedoch, ihn zu Boden zu werfen und zu entwaffnen. Dabei fügte
der Täter Saban Dayanan eine schwere Schnittverletzung an der Hand zu.
Zeki Genc wurde dann der Polizei übergeben und zusammen mit Saban Dayanan
ins Krankenhaus gebracht. Dort soll er Saban Dayanan mit den Worten gedroht
haben. „Beim nächsten Mal töte ich dich.“ Bombenentschärfungsexperten,
die das Paket von Zeki Genc untersuchten, bestätigten, dass es sich nicht
um eine Bombe handelte.
Nach vorliegenden
Informationen hatte Zeki Genc bereits am 14. November 2001 zwei HADEP-Büros
überfallen. Er betrat um 14:15 Uhr das HADEP-Büro im Istanbuler Stadtteil
Sisli, gab seinen Namen an und erklärte, er handle im „Namen des Staates“
und wolle den Tod seines Bruders rächen, der von Mitgliedern der Arbeiterpartei
Kurdistans (PKK) in Diyarbakir getötet worden sei. Dann schoss Zeki Genc
dem 19-jährigen Ömer Kalayci ins Bein.
Rund zehn
Minuten später erschien er in der nahegelegenen Istanbuler HADEP-Zentrale,
wo er Cemal Kilikli zweimal ins Bein stach und ein Paket ablegte, bei dem
es sich seinen Angaben zufolge um eine Bombe handelte. Dann soll er zu
den anwesenden Vertreterinnen der HADEP-Frauenorganisation, die gerade
in dem Büro eine Versammlung abhielten, gesagt haben: „Wenn ihr Männer
wärt, würde ich euch alle töten. Ihr habt meinen Bruder in Diyarbakir umgebracht.
Ich heiße Zeki Genc – ich arbeite im Namen des Staates und bin gekommen,
um meinen Bruder zu rächen. Ich habe die beiden HADEP-Mitglieder in Silopi
getötet [wahrscheinlich bezog er sich auf Serdar Tanis und Ebubekir Deniz,
die seit ihrer Festnahme durch Gendarmen im Januar 2001 „verschwunden“
sind (s. UA 26/01)]. Ich werde zurückkommen, um euch alle zu töten. Wenn
ihr euch bewegt, wird die Bombe explodieren, die ich dort hingestellt habe.“
Nach dem Überfall konnte Zeki Genc ungehindert aus dem Gebäude fliehen,
obwohl vor den HADEP-Büros ständig Polizisten postiert sind.
(UA 272/01-1
ai-Index: EUR 44/083/2001 15. November 2001 – bs) (Weitere Informationen
zu UA 272/01 (EUR 44/076/2001, 25. Oktober 2001)
Verfahren
gegen Folterer eröffnet
Vor dem Strafgericht
Nr. 3 in Ankara begann am 13. November das Verfahren gegen die Polizeibeamten
Ilhan Bozkurt, Ali Hasim Erkus, M. Kemal Yildirim, Musa Aktürk, Nedim Binay,
Yusuf Büyükoglu und Serafettin Varol wegen Folter an den Brüdern Metin
und Ismail Candogan auf einer Polizeistation in Mamak (Ankara).
Die Angeklagten
räumten ein, an dem Tag Dienst getan zu haben, aber von Folterungen sei
keine Rede gewesen. Der Geschädigte Metin Candogan sagte aus, dass er und
sein Bruder von 8-10 Beamten geschlagen und getreten wurden. Nach der Entlassung
hatten sie Atteste über 2 Wochen Arbeitsunfähigkeit erhalten. Das Verfahren
wurde vertagt, um den Angeklagten Yilmaz Cetin und den Geschädigten Ismail
Candogan zu hören. (Quelle: Evrensel, 14.11.01)
Verfahren
wegen Beleidigung der Streitkräfte
Am 9. November
begann das Verfahren gegen die Vorsitzende des IHD Istanbul, Eren Keskin,
Gültekin Kaya, den Chefredakteur der Zeitschrift “Yeni Aydinlik” und den
Reporter Ugur Yildirim. In einem Interview mit Eren Keskin sollen die Streitkräfte
beleidigt worden sein, so dass nach § 159 TSG verhandelt wird.
Ebenfalls
vor dem Strafgericht Nr. 2 in Istanbul wurde ein Verfahren gegen Erol Özkoray,
Besitzer der Zeitschrift “Idea Politika”, eröffnet. In verschiedenen Artikeln
sollen die Republik und die Streitkräfte beleidigt worden sein. (Quelle:
Evrensel, 10.11.01)
Überfall
auf Solidaritätshungerstreikende in Kücükarmutlu und Alibeyköy
Am Morgen
des 13. November überfiel die Polizei eine dritte Wohnung von Solidaritätshungerstreikenden
in Istanbul-Kücükarmutlu. Selma Kubat und Vedat Celik (als Betreuer) und
die Hungerstreikenden Özkan Güzel, Ferhat Ertürk, Gamze Turan, Madimak
Özen, Halil Acar und Hüseyin Akpinar wurden ins Krankenhaus gebracht. Da
sie keine Zwangsernährung akzeptierten, wurden sie von dort ins Polizeipräsidium
gebracht. Ergin (Ersin) Karagöz verblieb im Krankenhaus, da er wegen Verletzungen
durch eine Gasbombe behandelt werden musste. Kurz nach Mittag wurde dann
eine Wohnung in Alibeyköy gestürmt, in der sich ebenfalls Hungerstreikende
befanden. Dort wurden die BetreuerInnen Gülten Kahraman, Beser Yildiz,
Ali Gül und Fatma Hanbayat sowie die Hungerstreikenden Hüseyin Yildiz,
Tekin Yildiz, Aydin Hanbayat, Cemal Keser, Yeter Güzel, Murat Sahin und
Orhan Gül festgenommen.
Am 14. November
wurden 18 bei den Operationen festgenommene Personen dem SSG Istanbul vorgeführt.
Gamze Turan, Selma Kubat und Vedat Celik unter dem Vorwurf der Mitgliedschaft
in einer illegalen Organisation in U-Haft genommen. Für die 10 Personen
aus dem Stadtteil Alibeyköy wurde zunächst Freilassung angeordnet, da aber
der Staatsanwalt Einspruch einlegte, ordnete ein anderer Richter die U-Haft
für Cemal Keser, Murat Sahin, Aydin Hanbayat, Orhan Gül und Yeter Güzel
an. (Quelle: TIHV, 14.11.01; Cumhuriyet, Milliyet, 15.11.01)
RTÜK bringt
BBC zum Schweigen
Der hohe Rat
für Radio und Fernsehen hat die türkischsprachigen Sendungen des BBC World
in der Türkei zum Schweigen gebracht. Der Rat forderte den türkischen Sender
NTV, der die BBC-Sendungen überträgt, auf, innerhalb von 30 Tagen die BBC-Sendungen
einzustellen.
Der BBC reagierte
auf diese Verfügung mit Unverständnis und erklärte, die RTÜK-Verfügung
widerspräche internationalen Ver-einbarungen. Das Programm des BBC könne,
bis eine Ausstrahlung über FM wieder genehmigt würde, über die Kurzwelle
emp-fangen werden.
RTÜK-Vorsitzender
Nuri Kayis hatte die Verhinderung von international renommierten Sendern
wie BBC oder Deutschlandfunk für bedenklich erklärt. (Quelle: Hürriyet,
18.11.01)
Festnahme
wegen kurdischer Musikkassetten
Weil er in
seinem LKW 12 Kassetten mit Musik von Siwan Perver und Dilges bei sich
hatte, wurde Fehmi Andan auf dem Weg von Diyarbakir nach Lice festgenommen.
(Quelle: Evrensel, 14.11.01)
Kritik und
Lob von Verheugen für die Türkei
Im Urteil
der EU-Kommission erfüllt die Türkei die rechtsstaatlichen Voraussetzungen
für die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen weiterhin nicht. Trotz den
weiterhin bestehenden Mängeln, auf die der Fortschrittsbericht 2001 hinweist,
warnte der für die Erweiterung zuständige Kommissar Verheugen davor, den
Reformprozess in der Türkei als bloße Kosmetik abzutun.
Den breiten
Konsens im Parlament über weitreichende Verfassungsänderungen wertete er
als ein klares Zeichen dafür, dass die Hinwendung nach Europa für die türkische
Politik nach wie vor die höchste Priorität habe. Die Heranführungsstrategie
zeige erste Erfolge und soll im Hinblick auf eine genauere Überprüfung
der türkischen Gesetze und auf ihre Angleichung an den EU-Acquis intensiviert
werden.
Zum nachhaltig
rechtsstaatlichen Schutz der Bürger- und Minderheitsrechte sowie zur Sicherung
des Primats der Politik über das Militär als Voraussetzungen für die Aufnahme
von Beitrittsverhandlungen verlangt der Bericht aber über die beschlossenen
„be-merkenswerten“ Reformen hinaus noch weiterreichende legislative und
administrative Anstrengungen. (Quelle: NZZ, 14.11.01)
IWF lobt
Fortschritte der Türkei bei Reformen und kündigt neue Finanzspritze an
Der Internationale
Währungsfonds (IWF) hat der in großen Finanznöten steckenden Türkei einen
neuen Kredit in Aussicht gestellt. IWF-Chef Horst Köhler erklärte, er empfehle
dem Direktorium, die Auszahlung der nächsten Tranche über drei Milliarden
Dollar eines bereits geplanten Darlehens rasch zu prüfen und im Dezember
über einen zusätzlichen Notkredit zu verhandeln. Die Türkei habe "sehr
gute Reformfortschritte" erreicht. Über die Höhe des Notkredits machte
Köhler zwar keine Angaben, doch aus IWF-Kreisen hieß es, es handele sich
um rund zehn Milliarden Dollar. Die Organisation hat ihre Kreditlinie für
die Türkei in diesem Jahr bereits zwei Mal aufgestockt.
Unterdessen
kündigte die Regierung in Ankara an, die öffentlich Ausgaben zu senken.
Damit wolle das Land auch die Voraussetzungen für weitere IWF-Kredite schaffen,
teilte Ministerpräsident Bülent Ecevit mit. Unter anderem würden die Kosten
des Ge-sundheitswesens begrenzt und Subventionen für die Landwirtschaft
teilweise gestrichen.
Experten aus
dem eigenen Hause sollen dem IWF-Direktorium einen neuen Kredit in Höhe
von acht bis zwölf Milliarden Dollar empfohlen haben. Darin seien fünf
Milliarden Dollar enthalten, mit denen die Türkei im nächsten Jahr fällige
Raten an den IWF zurückzahlen will. Nach Angaben aus Ankara braucht das
Land rund 13 Milliarden Dollar neue Kredite, um im nächsten Jahr über die
Runden zu kommen. Die USA sprachen sich ebenfalls für einen neuen IWF-Kredit
für die Türkei aus und lobten deren Reformbemühungen. Das NATO-Mitglied
gilt als wichtige Bastion im Krieg gegen die Taliban in Afghanistan. (Quelle:
reuters, Frankfurter Rundschau, 17.11.01)
Gefängnisse
im Irak: „Todesurteile in Minuten“
Auszüge aus
einem Interview mit Murad Mohammad (Name von der Redaktion geändert), Beauftragter
des Iraqi National Congress für Menschenrechtsfragen:
„Im Irak [gibt
es] neben den regulären Gefängnissen viele geheime Haftanstalten. [...]
Wir vermuten, dass die Zahl der Inhaftierten im Irak zwischen 700 000 und
einer Million Menschen liegt. Diese Zahlen beziehen sich auf alle Inhaftierten,
also auch auf Untersuchungsgefangene, Gefangene, die ohne Haftbefehl festgehalten
werden, und Insassen von Militärgefängnissen. Das größte Gefängnis liegt
in Bagdad und heißt Abu Graib, dort sind 5 000 bis 6 000 Menschen inhaftiert.
Alleine in Bagdad gibt es noch fünf weitere Gefängnisse, die alle überfüllt
sind. Zusätzlich unterhält jeder der Geheimdienste eigene Gefängnisse,
ebenso das Militär und das Innenministerium. Dann gibt es noch die sogenannten
Detention Camps, in denen Leute ohne Haftbefehl und konkrete Anklage festgehalten
werden. [...] Die allgemeinen Bedingungen in den Gefängnissen sind grauenhaft.
Abgesehen von regelmäßig angewandter brutaler Folterung sterben dort täglich
Menschen an Unterernährung oder weil ihnen Medikamente und ärztliche Versorgung
vorenthalten werden. Nur in Abu Graib, wo auch diejenigen sitzen, die regulär
zu langen Haftstrafen verurteilt worden sind, ist die Situation der Gefangenen
etwas besser, weil ihre Familien sie versorgen dürfen. Aber selbst in Abu
Graib gibt es Trakte, zu denen die Familien keinen Zutritt haben. Und das
sind auch die Sektionen, die den Menschenrechts-organisationen und dem
Roten Kreuz ver-schlossen bleiben. Dasselbe gilt natürlich für alle Geheimdienstgefängnisse.
Ausländische Organisationen dürfen nur mit Gefangenen sprechen, die von
den Sicherheitsdiensten ausgewählt werden. Sie wurden vorher auf diese
Treffen vorbereitet, um so ein beschönigendes Bild der Haftbedingungen
zu zeichnen. [...]
Seit den Volksaufständen
im Jahre 1991 gibt es immer wieder Massenverhaftungen von Leuten, die verdächtigt
werden, der Opposition anzugehören oder sich dissident zu verhalten. Um
die große Zahl von Verhafteten schnell aburteilen zu können, hat das Regime
per Dekret Sondergerichte geschaffen, die in der Verfassung nicht vorgesehen
sind. Der größte Inlandsgeheimdienst, die Sicherheitsdienste des Militärs
und des Innenministeriums unterhalten derartige Schnell- oder Sondergerichte.
Ein Gericht untersteht Saddam Hussein persönlich. Die Verfahren sind geheim
und den Angeklagten steht keinerlei Rechtsbeistand zu. Normalerweise werden
sie angeklagt, Spione zu sein, Mordattentate gegen die politische Führung
oder Sabotage geplant zu haben. In der Regel werden die Angeklagten dann
innerhalb von Minuten für schuldig befunden, fast alle werden zum Tode
verurteilt.
[...] Es gibt
auch quasi standrechtliche Erschießungen ohne jeden Prozess. Aber die von
Sondergerichten Verurteilten lässt man warten, meist zwischen zwei und
vier Wochen lang. Sie wissen, dass sie sterben werden, weil sie in besonderen
Todestrakten inhaftiert sind. Aber den Tag ihrer Hinrichtung kennen sie
bis zuletzt nicht. Zweimal wöchentlich finden regelmäßig Hinrichtungen
statt, jeden Sonntag und jeden Mittwoch. Dabei werden jedesmal etwa 40
bis 50 Menschen getötet. Ihre Leichen werden in anonymen Massengräbern
verscharrt. Üblicherweise sind an den Hinrichtungstagen Vertreter des Geheimdienstes
und von Saddams Garden anwesend.
[...] Wir
wissen, dass seit 1994/95 in Abu Graib wöchentlich ungefähr 100 Menschen
hingerichtet werden. Und wir reden die ganze Zeit nur über dieses Gefängnis,
weil wir von dort verlässliche Zahlen und oft auch die Namen der Opfer
haben. [...] Doch auch in anderen Gefängnissen werden viele Menschen getötet.
Wir haben da keine so genauen Infor-mationen, aber wir wissen, dass es
auch systematische Hinrichtungen in Mossul, Raduaniah und Al-Makassa gibt.
Demnach werden jede Woche 400 bis 500 Menschen in irakischen Gefängnissen
exekutiert. Zusätzlich gibt es Exekutionen in den Detention Camps. Die
dort Inhaftierten stammen aus verschiedenen Gruppen. Teilweise handelt
es sich um Mitglieder der Baath-Partei selbst, die der Illoyalität angeklagt
sind [...]. Andere Gruppen bestehen aus Leuten mit einem religiösen Hintergrund,
die zusammen mit ihren Familien in Untersuchungshaft genommen wurden. Wir
sind sicher, dass sie diesen Säuberungen zum Opfer gefallen sind, weil
es sehr lange her ist, dass man irgendetwas von ihnen gehört hat. Dann
sind da noch beispielsweise jene etwa 8.000 Kommunisten, die 1978 festgenommen
wurden. Bis heute weiß niemand, was mit ihnen wirklich geschehen ist. Wir
gehen davon aus, dass sie getötet wurden.
[...] Was
in den Gefängnissen geschieht, zeigt das innerste Wesen dieses Regimes.
Es kann nicht geändert, sondern nur abgeschafft werden. Wir versuchen auf
verschiedenen Ebenen, das Regime zu bekämpfen. Eine Ebene ist die Forderung
nach Durchsetzung der UN-Resolution 688, die vom irakischen Regime verlangt,
die Unterdrückung der Bevölkerung zu beenden und die Bewegungsfreiheit
für humanitäre Hilfsorganisationen zu gewährleisten. Außerdem unterstützen
wir die internationale Kampagne, die Saddam Hussein und seine Clique vor
ein internationales Tribunal stellen will. Trotz intensiver Aufklärungsarbeit
der irakischen Opposition haben viele Leute immer noch Illusionen über
den Charakter dieses Regimes. So haben sich in letzter Zeit viele Menschen
an so genannten Solidaritätsflügen in den Irak beteiligt, weil sie ihre
Solidarität mit der irakischen Bevölkerung zeigen wollten. Diese Leute
haben eine völlig verzerrtes Bild des Irak, und wir würden sie gerne bitten,
einmal das Regime zu fragen, ob sie die Gefängnisse und Detention Camps
aufsuchen können. Die Antwort des Regimes nämlich wäre Nein. (Quelle: Jungle
World, 21.11.01)
Irakische
Regierung exekutiert 15 kurdische Oppositionelle in Kirkuk
Wie der Radiosender
der Konservativen Irakisch-Kurdistans am 17. November meldete, soll die
irakische Regierung in Kirkuk 15 kurdische Oppositionelle exekutiert haben,
die die irakischen Sicherheitskräfte im vergangenen Monat in Kirkuk und
Umgebung festgenommen hatten. Die Toten sollen in einem Massengrab in einer
Garnison im Norden Kirkuks begraben worden sein.
Weiterhin
wurde gemeldet, dass Saddams Sicherheitsapparat in kurdischen und schiitischen
Gebieten seine Aktivitäten in den vergangenen Monaten intensiviert und
zahlreiche Verhaftungen durchgeführt habe. Doch trotz der wachsenden Repressionen
nehme auch die Opposition gegen „Saddams Clique“ täglich zu. (Quelle: KurdishMedia.com,
19.11.01)
Saddam will
Kurden mit Drohungen zum Gespräch bewegen
Saddam Hussein
hat den Kurden im Nordirak gedroht, er würde zu Gewalt greifen, wenn sie
weiter den Dialog verweigerten. „Wir sind nicht außerstande Waffen einzusetzen,
selbst wenn Amerikaner oder Briten im Norden und Süden des Landes präsent
sind“, sagte er. Die südkurdischen Führer Barzani und Talabani hatten einen
Aufruf Saddams zum Dialog abgelehnt. Die Drohungen wurden im irakischen
Fernsehen, Radio und Zeitungen wiederholt veröffentlicht.
Im Focus seiner
Angriffe ist Jalal Talabani und die PUK. Er könne jederzeit die kurdische
Provinz besuchen wenn er es wolle, niemand könne ihn davon abhalten. Doch
aus psychologischen Gründen ginge er nicht dorthin. Diese unverhohlenen
Drohungen und die irakischen Truppenansammlungen an den Grenzen zur Schutzzone
verunsichern die Kurden.
Die Drohgebärden
wurden von kurdischer Seite unterschiedlich bewertet. Während die einen
diese Drohungen als ein Zeichen der Schwäche werten, sind sie für andere
als „außerordentlich gefährlich“ einzustufen. Die kurdische Zeitung Hawalati
enthüllte, dass Saddam nur wenige Tage vor diesen Drohungen erneut Barzani
und Talabani zum Dialog aufgerufen hatte. Ihm soll es darum gehen zu erfahren,
welche Position die Kurden im Falle eines Angriffes der USA auf den Irak
einnehmen würden. (Quelle: afp, 16.11.01; Iraq Press, 18.11.01)
Kurdische
Polizei rekrutiert Frauen
Die neuen
Kurse der Polizeiakademie Kurdistans haben begonnen. Diesmal sind unter
den 140 Kadetten auch 6 Frauen als Anwärterrinnen dabei, die die erste
Stufe der Vorauswahl bestanden haben und in den nächsten 6 Monaten eine
Ausbildung durch-laufen werden.
Die Akzeptanz
von Frauen als Polizistinnen ist mit 15% in der Bevölkerung zwar sehr gering,
doch es wird als ein guter Start angesehen. (Quelle: KurdishMedia.com,
15.11.01)
Kurdischer
Landwirtschaftsminister wirbt in Australien, Großbritannien und den USA
um Unterstützungsprogramme
Dr. Jemal
Fuad, Minister für Landwirtschaft und Bewässerung der Kurdistan Regionalregierung
Suleymania, kündigte nach seiner Rückkehr von einer zweimonatigen Auslandsreise
mit Gesprächen in Australien, Großbritannien und den USA an, eine Delegation
von australischen Regierungsvertretern und Parlamentariern werde nach Kurdistan
kommen, um die Bedürfnisse der Region zu untersuchen und Möglichkeiten
der Unterstützung des kurdischen Volkes zu finden.
Ziel der Reise
sei gewesen, von der UN und von Regierungen sowie von NGO’s, die der kurdischen
Sache positiv gegenüberstehen, Unterstützung für ein langfristiges Programm
zur Wiederbelebung der Region zu erhalten.
In New York
habe die Delegation Biton Sivan, UN-Vertreter, zuständig für das „Oil for
Food Programm“ getroffen und die Frage der Beschleunigung der vereinbarten
Projekte zum Thema Gesundheit, Kommunikation und Elektrizität diskutiert.
Den Besuch
in Australien hob er als besonders wichtig und erfolgreich hervor. Die
australische Regierung habe dem kurdischen Volk und dem demokratischen
Experiment Kurdistan ihre Sympathie ausgesprochen. Auch dort habe die kurdische
Delegation mit australischen Regierungsvertretern über politische, technische
und akademische Fragen sowie über die Menschenrechte und die Haltung des
Irak diskutiert.
Er regte an
die kurdische Verwaltung an, ein Büro für Programme zu eröffnen, um an
den Programmen der entwickelten Industrieländer wie USA, UK und Japan für
die Unterstützung der Entwicklung von Ländern und Nationen wie Kurdistan,
teilnehmen zu können. Die Prog-ramme beinhalteten finanzielle Zuwendungen
ebenso wie Ausstattung, Beratung, Training, Universitätsstudium und viele
andere Möglichkeiten. (Quelle: KurdishMedia.com, 14.11.01 aus: Anba'
Kurdistan)
Syrischer
Vizepräsident trifft PUK-Vertreter
Syriens Vizepräsident
Abdul Haleem Khadam traf den Direktor des Büros für Arabisch Beziehungen
der PUK, Adil Murad. Murad informierte Khadam über die aktuelle Situation
in der Kurdistan Region und den Friedensprozess zwischen der PUK und der
KDP. Thema des Gesprächs waren auch die Ereignisse in Folge des 11. September
sowie die Greueltaten der Jund Al Islam-Gruppe in Südkurdistan, insbesondere
das grausame Massaker von Khaili Hama am 23. September.
Vizepräsident
Khadam drückte seine Zufriedenheit über die positiven Entwicklungen zwischen
der KDP und der PUK aus, die für eine stabile Demokratie in der Region
notwendig seien. Er betonte den Glauben Syriens in die territoriale Integrität
des Irak drückte seinen Wunsch nach einem kontinuierlichen Dialog zwischen
der syrischen und der kurdischen Führung aus. (Quelle: Kurdistan Newsline,
12.11.01)
Bei Abschiebung
"modern" gefesselt
Bei der Abschiebung
eines Kurden in die Türkei ist jetzt erstmals das sogenannte Body-Cuff-System
eingesetzt worden. Nach Angaben aus dem Bremer Innenressort war der Mann
durch Sondereinsatzkräfte an Händen und Beinen so gefesselt worden, dass
er bewegungsunfähig war. Frühere Abschiebungsversuche des Kurden waren
an dessen Gegenwehr gescheitert. Ein Helm wurde bei der Abschiebung nicht
eingesetzt. Nach Auskunft des Bundesinnenministeriums ist mit der Auslieferung
neu entwickelter Helme auch nicht vor Jahresbeginn 2002 zu rechnen. Hintergrund:
Das Bundesinnenministerium hatte den Einsatz bislang benutzter Helme verboten,
nachdem ein Nigerianer bei einer Abschiebung darin erstickt war. (Quelle:
TAZ Bremen, 13.11.01)
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die wir aus Platzgründen nicht im WID wiedergeben können, abgelegt.
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Wir möchten
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Jinên Kurd
– Kurdische Frauen
Ausweg Flucht!
Ausweg Flucht?
07. - 09.12.2001
in Bremen
Fachtagung:
Kurdische Kinderflüchtlinge
14. - 16.
Dezember 2001, Königswinter
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