MK –Wocheninformationsdienst
Datum:
15. – 22. Oktober 2001 Nummer: 129-130
Europäischer
Koordinationsrat der Kurden stellt „Kurdische Deklaration“ vor
Der Europäische
Koordinationsrat der Kurden, der seit Frühjahr 2001 besteht und aus zahlreichen
kurdischen Parteien, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Initiativen
von Intellektuellen sowie Künstlern aus Nordkurdistan besteht, hat aus
Anlass der Verfassungsreformen in der Türkei und des bevorstehenden Fortschrittsberichtes
der EU-Kommission verschiedene politische Gespräche in Brüssel geführt.
In Gesprächen
mit Frau Renilde Loecks, im Belgischen Außenministerium, Direktorin des
Dienstes für Westeuropa, Herrn Luc van den Brande, Vorsitzender der außenpolitischen
Kommission des flämischen Parlamentes sowie Frau Anne van Lancker, Mitglied
der Sozialistischen Gruppe im Europaparlament, machte die Delegation den
Gesprächsteilnehmern deutlich, dass die Verfassungsreformen in keinster
Weise die Realität der Kurden anerkennt und keinen ernsthaften Schritt
zur politischen und demokratischen Lösung der Kurdenfrage darstellt.
Die kurdischen
Vertreter stellten die Diskrepanz zwischen der Darstellung der Reformen
im In- und Ausland dar. Während nach außen versucht werde, die Reformen
als ein Demokratisierungspaket mit Rechten für die Kurden zu präsentieren,
wird an die nationalistischen Kräfte der Türkei die Botschaft vermittelt,
dass betreffend der Kurden keinerlei Änderungen gäbe.
Wieder einmal
habe die Türkei eine Chance verpasst, erste ernstzunehmende Schritte hin
zur Lösung der Kurdenfrage zu unternehmen und setze darauf, mit ihrer nach
dem 11. September wieder bedeutend gewordenen geostrategischen Rolle, durchzukommen.
Bei den Gesprächen
wurde die von zahlreichen kurdischen Kräften außerhalb der PKK getragene
kurdische Deklaration vorgestellt, die neben einer Bewertung der aktuellen
Lage konkrete Schritte enthält, die für eine Lösung der Kurdenfrage notwendig
sind.
In der Deklaration
wird auch die EU in die Pflicht genommen: “Wenn die Europäische Union die
Türkei als Vollmitglied akzeptieren möchte, dann muss sie der Türkei einen
klaren Rahmen vorgeben, wie die Kurdenfrage zu lösen ist. Danach darf die
Tür solange nicht geöffnet werden, bis die Türkei diese Vorgaben erfüllt
hat. Die EU muss von der Türkei die Einhaltung der internationalen Normen
sowie die Zustimmung zur Beteiligung der Kurden auf allen internationalen
Foren mit seinen eigenen Vertretern einfordern. Solange die grundlegenden
Rechte der Kurden nicht anerkannt sind, solange unser Volk nicht in der
Lage ist, über die eigene Zukunft zu bestimmen, wird die kurdische Frage
keine Lösung finden.”
Sowohl Frau
Loecks, als auch Herr van den Brande und Frau van Lancker, die die Situation
der Kurden in der Türkei gut kennen, äußerten sich sehr kritisch über die
Kurden- und Menschenrechtspolitik der Türkei und verdeutlichten, dass das
Verfassungsänderungspaket allenfalls als ein kleiner Schritt in die richtige
Richtung darstelle, jedoch keinesfalls ausreiche. Es sei wichtig, die Türkei
auf diesem Weg kritisch zu begleiten und zu substanziellen Reformen zu
drängen. (Quelle: IMK e.V., 15.10.01. Die Kurdische Deklaration in Deutsch
und English finden Sie auf unserer Homepage www.kurden.de)
Yücelen:
Foltervorwürfe gegen Türkei teil einer schmutzigen Kampagne
In seiner
Antwort auf eine Anfrage des stellvertretenden Vorsitzenden der SP (Saadet
Partei), Mehmet Bekaroglu, zu Foltervorwürfen teilte Innenminister Rüstü
Kazim Yücelen mit, dass Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen auf der
Stelle untersucht würden. Von 1995 bis 2001 seien gegen 12.735 Mitarbeiter
der Polizei gerichtliche und verwaltungsinterne Untersuchungen wegen Folter
und Misshandlung durchgeführt worden.
Yücelen stellte
fest, dass in der Türkei keine systematische Folter durchgeführt werde:
„Wenn es solche Praktiken gebe, dann würden im Falle der Foltervorwürfe
gegen Bedienstete keinerlei Untersuchungen durchgeführt werden. Ganz im
Gegensatz dazu werden solche Vorwürfe sehr ernst genommen und untersucht
und die Bediensteten würden selbst bei kleinen Verfehlungen bestraft“.
Yücelen vertrat die Meinung, dass die Foltervorwürfe Teil einer schmutzigen
Kampagne gegen die Türkei seien. (Quelle: Hürriyet, 18.10.01)
Halbjahresbericht
des IHD offenbart dramatische Lage der Menschenrechte
Hüsnü Öndül,
Vorsitzender des IHD, gab bei der Vorstellung des Halbjahresberichtes für
Januar bis Juni 2001 bekannt, dass 15.980 Festnahmen und 263 erhobenen
Foltervorwürfen im Jahre 2000 21.812 Festnahmen sowie 435 Foltervorwürfe
in den ersten 6 Monaten von 2001 gegenüberstehen. Selbst dieser immense
Anstieg gebe, so Öndül, das wirkliche Ausmaß der Folter nicht wieder.
Auch die Strafen
hinsichtlich der Meinungsfreiheit sind stark angestiegen. In den ersten
6 Monaten des Jahres 1999 waren Haftstrafen in Höhe von 372,5 Jahren Haft
beantragt worden, im Jahre 2000 waren es 813 Jahre, 8 Monate und in den
ersten 6 Monaten des Jahres 2001 beantragten die Staatsanwälte Haftstrafen
in Höhe von 3.125 Jahren und 4 Monaten gegen 1.519 Personen, die unerwünschte
Meinungen vertreten hatten. (Quelle: Cumhuriyet, 16.10.01)
Verfahren
gegen Menschenrechtsverein IHD eingestellt
Die türkische
Justiz hat am Montag das Verbotsverfahren gegen die Menschenrechtsorganisation
IHD eingestellt. Ein Gericht in Ankara entsprach damit einem Antrag der
Staatsanwaltschaft, wie der Vorsitzende des Menschenrechtsvereins IHD,
Hüsnü Öndül, mitteilte. Anstoß für das Verfahren war ein später wieder
zurückge-zogener Bericht der halbamtlichen türkischen Nachrichtenagentur
Anadolu, wonach der Verein Darlehen aus Griechenland erhalten haben soll.
Ein ebenfalls
eingeleitetes Ermittlungs-verfahren gegen Öndül und sechs andere IHD-Spitzenfunktionäre
wird fortgesetzt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem IHD und seiner Leitung
vor, illegale Organisationen wie die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu
unterstützen. Die Anklage stützte sich auf Unterlagen, die bei einer Durchsuchung
der IHD-Zentrale in Ankara im Januar gefunden wurden. Nun verzichtete die
Staatsanwaltschaft auf ihren Antrag auf ein Verbot des Vereins und will
sich auf das Strafverfahren gegen die Leitungsebene beschränken. Öndül
und den anderen IHD-Vertretern drohen jeweils siebeneinhalb Jahre Haft.
IHD-Vorsitzender Hüsnü Öndül kommentierte das Verfahren mit den Worten:
"Dies zeigt, unter welchem Druck Menschenrechtsorganisationen (in der Türkei)
arbeiten." (Quelle: afp, dpa, 22.10.01)
AI-Urgent
Action: Sorge um Sicherheit von Adil Kilic, Führungsmitglied der HADEP
21 Angehörige
der Familie Kilic, darunter Adil Kilic, führendes Mitglied der Partei HADEP,
wurden festgenommen, der 8-jährige Savas Kilic verletzt, die 18-jährige
Gurbet Kilic sowie zwei weitere Personen, deren Namen nicht bekannt sind,
getötet
Berichten
zufolge haben Gendarmen während einer Razzia am 17. Oktober 2001 im Südosten
der Türkei 21 Angehörige einer kurdischen Familie festgenommen. Da nicht
bekannt ist, wo die Gefangenen festgehalten werden, sind sie in großer
Gefahr, gefoltert zu werden. Unter den Festgenommenen befindet sich auch
Adil Kilic, ein führendes Mitglied der legalen pro-kurdischen Partei HADEP
in der Provinz Diyarbakir.
Bei der Razzia
in Silvan, in der Provinz Diyarbakir, wurden drei Personen getötet. Die
Operation richtete sich gegen die illegale bewaffnete Oppositionsgruppe
„Arbeiterpartei Kurdistans“ (PKK). Die Behörden haben inzwischen eine Stellungnahme
veröffentlicht, in der sie angeben, bei zwei der Getöteten habe es sich
um PKK-Mitglieder gehandelt. Unter den Getöteten war auch die 18-jährige
Gurbet Kilic, die nach vorliegenden Informationen keine Verbindungen zur
PKK hat. Der achtjährige Savas Kilic soll durch Schüsse schwer verletzt
worden sein und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Wie es heißt, wurden
auch zwei Soldaten verletzt. (Quelle: UA 260/01, ai-Index: EUR 44/075/2001,
17.10.01 – bs; D ie komplette Urgent Action finden Sie auf unserer Homepage
www.kurden.de)
HADEP-Bürgermeister
von Diyarbakir erteilt kurdischem Pluralismus eine Absage
In einem Interview
mit dem Milliyet-Reporter Derya Sazak sagte Feridun Celik, HADEP-Bürgermeister
von Diyarbakir: „Nur, das ist auch eine Realität, die PKK hat in der Region
eine Basis und ein Teil davon ist in der HADEP. Weil diese Basis in der
politischen Ebene die HADEP als nahestehend empfindet, hegt sie Sympathien.
...“
Angesprochen
auf neue kurdenpolitische Entwicklungen um die kurdischen Führer Kemal
Burkay, Melik Firat und Serafettin Elci erklärt Celik: „Auch früher gab
es Versuche von diesen Personen. Das wird die HADEP nicht beeinflussen.
Die HADEP wird einer neuen Struktur in der Region keine Erlaubnis geben.
Die Basis ist fest verschlossen. Der Staat muss folgendes verstehen: HADEP
ist ein Risiko, keine Gefahr. Für die Einheit der Türkei ist sie der Mörtel.
Die Sicherheit.“ (Quelle: Milliyet, 24.09.01)
Ankaras
große Furcht vor einem Kurdenstaat im Nordirak
Die türkische
Armee verlegte zusätzliche Truppen an die Grenze zu dem südlichen Nachbarstaat
und errichtete Lager für weitere Truppenverstärkungen. Mit Aufklä-rungsflugzeugen
und Hubschraubern patrouillieren die Türken den Luftraum über dem von kurdischen
Parteien kontrollierten Nordirak. Armee-Einheiten in der Region sind in
erhöhter Alarmbereitschaft, wie der Branchendienst MENL berichtet.
In Ankara
haben zudem die strategischen Überlegungen über eine Neuordnung der Region
nach einem westlichen Angriff auf Irak begonnen. Insider rechnen damit,
dass die Türkei dann mit westlicher Duldung die Kontrolle über den Nordirak
übernehmen könnte, um die Entstehung eines unabhängigen Kurdenstaates dort
zu verhindern.
Nicht nur
mit der US-Regierung haben die Türken diese Linie bereits erörtert - unter
anderem beim Besuch des türkischen Außenministers Ismail Cem in Washington.
Auch mit führenden
Kurdenpolitikern aus dem Nordirak sondiert die türkische Regierung eine
künftige Schutzmachtrolle in der Region. Die rivalisierenden Machthaber
in dem Gebiet, die Patriotische Union Kurdistans und die Kurdische Demokratische
Partei, zeigten sich bei diesen Gesprächen dem Vernehmen nach pragmatisch:
Das Machtvakuum im Nordirak, das bei einem US-Angriff auf Irak und dem
Sturz von Hussein entstünde, würde unweigerlich von einem der Nachbarn
- also von der Türkei oder Iran - ausgefüllt, lautete die Einschätzung
der Kurden. Vor diese Wahl gestellt, würden sie eine türkische Schutzmacht
vorziehen - wenn diese sich durchringen könne, die kurdischen Rechte in
der Region anzuerkennen. (Quelle: Tagesspiegel, 20.10.01)
Staatspräsident
Sezer ratifiziert Verfassungsänderungen
Staatspräsident
Ahmet Necdet Sezer ratifizierte die Verfassungsänderungen bis auf die Änderung
im Artikel 86 der Verfassung von 1982, der die Diäten der Abgeordneten
betrifft. Das Parlament kann nun in 40 Tagen eine Neufassung erarbeiten,
oder es kommt zu einem Referendum. (Quelle: Hürriyet, 16.10.01)
Ärzte zwangsversetzt
10 überwiegend
kurdische Ärzte, die aus Mersin zwangsversetzt wurden, haben ihre Arbeit
an den neuen Einsatzorten aufgenommen. 34 zivilgesellschaftliche Or-ganisationen
haben bei einem Treffen bei der Ärtzekammer von Icel den Beschluss gefasst,
Ankara um einen Stop der Zwangsversetzungen zu bitten. Sie kritisieren
die Zwangsversetzungen von staatlichen Bediensteten wie Ärzten oder Lehrern
als einen Anschlag auf die Demokratie, die Menschenrechte, den Familienzusammenhalt
und das soziale Leben.
Die zehn Ärzte
wurden auf Wunsch des Innenministeriums durch das Gesundheitsministerium
in verschiedene Dörfer von Kütahya, Afyon und Isparta zwangsversetzt.
(Quelle: Milliyet, 16.10.01)
Ethnische
Säuberungen in kurdischen Gebieten im Irak verschärfen sich
Es scheint,
dass das irakische Regime entschlossen ist, seine Maßnahmen zur ethnischen
Säuberung der kurdischen Gebiete im Irak intensiver durchzuführen, während
die Welt mit dem Kampf gegen den Terrorismus in Afghanistan beschäftigt
ist.
In aggressiver
Weise setzt das Regime seinen rassistischen Feldzug zur gewaltsamen Veränderung
der demographischen Zusammensetzung der unter ihrer Kontrolle stehenden
kurdischen Gebiete fort. Das Regime tut dies trotz einer offenen Warnung
aus den Vereinigten Staaten, nicht die gegenwärtige Situation für eine
Aggression gegen die Nachbarstaaten oder die Kurdistan-Region auszunutzen.
So bauen irakische
Behörden 500 Häuser in den kurdischen Gebieten (250 Häuser in dem Dorf
Gurgayee und 250 in dem Dorf Sheikhan, Altun Kopri), die kostenlos an arabische
Siedler übergeben werden. Es ist vorgesehen, 2000 arabische Familien aus
Mosul in Kirkuk als Bestandteil des fortgesetzten Arabisierungsplanes anzusiedeln.
In der letzten
Woche verhaftete der irakische Geheimdienst u.a. Frau Suhaila Hassan Taha
und Frau Rabi'a Hama Hassam zusammen mit ihren Familien als ersten Schritt
zur Depotation aus ihren Häusern. Sie konfiszierten zwei Wohnungen von
zwei Familien und verwandelten diese in Büros der Baath-Partei. Irakische
Beamten begannen damit, Grundstücke am Stadtrand von Kirkuk an arabische
Siedler zu verteilen. Sie bauen neue Häuserkomplexe in Doz-Khurmatu, um
200 neue arabische Siedlerfamilien unterzubringen. Sie haben außerdem Grundstücke
an arabische Familien im Zab-Distrikt von Haweeja verteilt. Die Iraker
haben die neuen Siedler im Gebiet von Salai bewaffnet, um Söldner-Hilfstruppen
für die irakische Armee zu bekommen. Die Araber erhielten eine 15-tägige
militärische Ausbildung im Militärlager von Siqizlee. (Quelle: Kurdistan
Newsline, 14.10.2001)
Schleichende
Arabisierung in Hawler (Arbil)
Um die Position
der irakischen Armee näher an die Grenze zu den befreiten Gebieten Kurdistans
zu bringen, ordnete der irakische Militärkommandeur vergangene Woche die
Evakuierung aller kurdischen Familien aus dem Dorf Saadawa, etwa 10 km
südlich von Hawler (Arbil) an. Es kamen 30 Familien des arabischen Stammes
Al-Hadeedain, um die einheimischen kurdischen Bewohner zu ersetzen. Der
irakische Kommandeur hat außerdem in diesem Monat die Bewohner von sieben
Dörfern auf eine Liste zur Evakuierung ihrer Häuser gesetzt. Bis jetzt
hat die irakische Armee in diesem Jahr entlang der Grenze zum befreiten
Kurdistan, südlich von Hawler, 30 Dörfer zwangsweise evakuiert. Eine andere
Taktik der irakischen Einheiten besteht darin, die Dörfer als Zielscheibe
von Artillerie-Bombardierungen zu verwenden, um dadurch die Bevölkerung
zu vertreiben und sie durch arabische Siedler zu ersetzen.
Die neuen
irakischen Maßnahmen zur Arabisierung und ethnischen Säuberung beinhalten
auch das Verbot des Fotografierens von Wohngebieten und Märkten innerhalb
der Stadt Kirkuk. Das Regime hat veranlasst, alle historischen kurdischen,
turkmenischen und assyrischen Namen von Plätzen und Straßen mit arabischen
Namen auszutauschen. (Quelle: Kurdistan Newsline, 14.10.01)
Verbot der
kurdischen Sprache in Makhmor
Bei einem
Treffen in der letzten Woche in der Stadt Makhmor, die unter Kontrolle
der irakischen Zentralregierung liegt, informierte der irakische Generaldirektor
für Ausbildung und Erziehung von Nineveh (Mosul) die Angehörigen des Bildungswesens,
dass von nun an jeder Unterricht in kurdischer Sprache an den Schulen der
Stadt verboten wird. Das irakische Regime hat bereits 75 kurdische Lehrer
in andere Gebiete versetzt und sie durch arabische Lehrer ersetzt. Diese
Maßnahme steht nicht nur in Widerspruch zu den grundlegenden kulturellen
Rechten des kurdischen Volkes, sondern ist auch eine Verletzung der internationalen
Verpflichtungen des irakischen Staates, die dieser bei seiner Gründung
als unabhängiger Staat gegenüber der britischen Regierung als Mandatsmacht
des Völkerbundes im Jahre 1932 eingegangen. (Quelle: Kurdistan Newsline,
17.10.2001)
IOM: Mindestens
370 Tote bei Schiffsuntergang vor Java
Beim Untergang
eines Flüchtlingsschiffs vor der indonesischen Insel Java sind nach Angaben
der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mindestens 370 Menschen
ums Leben gekommen. Wie ein Sprecher der Hilfsorganisation am Montag in
Genf sagte, erlitten die 421 hauptsächlich illegalen Einwanderer bereits
am Freitag Schiffsbruch. Von den überwiegend aus Irak, Iran, Afghanistan,
Pakistan und Algerien stammenden Menschen seien lediglich 44 gerettet worden,
darunter ein achtjähriges Kind. Am Freitagmorgen habe der Kapitän die Passagiere
aufgefordert, Wasser aus dem Schiff zu schöpfen, sagte der IOM-Sprecher
unter Berufung auf Überlebende. Zehn Minuten später sei das Schiff gesunken.
Die Geretteten seien nun in Bodor auf Java, wo sich ein Team der Hilfsorganisation
um sie bemühe. Sie wollten den Angaben zufolge nach Australien. (Quelle:
afp, 22.10.01)
280 illegale
Einwanderer in Griechenland eingetroffen
Die griechische
Küstenwache hat am Wochenende insgesamt etwa 280 illegale Einwanderer in
verschiedenen Regionen der Ägäis entdeckt. Wie der griechische Rundfunk
meldete, wurde ein Kutter mit schätzungsweise 100 illegalen Einwanderern
unbekannter Herkunft nahe der mittelgriechischen Hafenstadt Lavrion ausfindig
gemacht.
Zuvor hatte
die Küstenwache am Sonntagvormittag elf afghanische illegale Einwanderer
auf der Ost-Ägäisinsel Chios festgenommen. Sie waren mit drei Schlauchbooten
von der gegenüber liegenden türkischen Ägäisküste gekommen.
Bereits am
Samstag hatte die griechische Küstenwache 164 illegale Zuwanderer und zwei
mutmaßliche Schleuser auf der Kykladeninsel Tinos festgenommen. Die aus
verschiedenen Staaten des Nahen Ostens und Asiens stammenden Menschen befanden
sich an Bord eines 22 Meter langen Kutters.
Die zwei mutmaßlichen
Schleuser stammen dem Rundfunk zufolge aus Rumänien. Sie sollen die illegalen
Zuwanderer aus der Türkei nach Griechenland gebracht haben. Nach offiziellen
Angaben wurden bisher in diesem Jahr allein in der Ägäis mehr als 4881
illegale Einwanderer und 99 Schleuser festgenommen. (Quelle: dpa, 21.10.01)
„Zeit der
trunkenen Pferde“ nun auch in Deutschland
Für seinen
ersten langen Kinofilm hat der kurdisch-iranische Regisseur Bahman Ghobadi
bei den Filmfestspielen in Cannes 2000 gleich einen Sonderpreis gewonnen.
Er erzählt die Geschichte von fünf Geschwistern aus dem iranischen Teil
Kurdistans, die ihren Vater durch ein Minenunglück verlieren. Sie müssen
sich auf eigene Faust durchs Leben schlagen und sind zu vielen Zugeständnissen
bereit, um sich gegenseitig zu helfen.
Der kurdische
Junge Ayub (Ayub Ahmadi) und sein kleinwüchsiger Bruder Madi (Mehdi Ekhtiardini)
müssen sich allein mit ihren Geschwistern durchs Leben schlagen.
So heiratet
Roijne einen vermögenden Iraker, der im Gegenzug bereit ist, eine lebensnotwendige
Operation für ihren Bruder zu bezahlen. Der Film zeigt eindringlich den
Überlebenskampf der Geschwister und bekommt durch die Laiendarsteller dokumentarischen
Charakter.
(Iran 2000,
79 Min., von Bahman Ghobadi, mit den Geschwistern Ekhtar-Dini)
Ghobadis Film
ist nun auch in verschiedenen Kinos in Deutschland zu sehen. (Quelle: dpa,
22.10.01, IMK e.V.)
Liebe Leserinnen
und Leser,
ein Jahr Hungerstreik
und Todesfasten hat 41 Tote gefordert. Die F-Typ Gefängnisse sind „in Betrieb“
genommen, Tausende Häftlinge sind dorthin verlegt worden. Die Foltervorwürfe
im Zusammenhang mit den Verlegungen bleiben unverfolgt. Während die öffentliche
Wahrnehmung immer weiter abnimmt, geht das Drama weiter.
Die Hungerstreikenden
sind entschlossen, ihre Proteste innerhalb und außerhalb der Gefängnisse
fortzusetzen. Die Regierung ist entschlossen, ihre unnachgiebige und harte
Position fortzusetzen und ist nicht zum einlenken bereit. Um sich Kosten
und Mühen zu sparen, gibt sie den Todeskandidaten unter den Hungerstreikenden,
also diejenigen, die so sehr geschwächt sind, dass sie kaum Überlebenschancen
haben, Haftaufschub und lässt sie zum Sterben aus dem Gefängnis heraus.
Solidaritätsaktionen
außerhalb der Gefängnisse, die sich auf den Stadtteil Armutlu in Istanbul
konzentrieren, sind dem türkischen Regime ein Dorn im Auge. Unter Polizeibelagerung
leben und sterben auch dort Menschen, die die Repressionen in den türkischen
Gefängnissen nicht hinnehmen wollen.
Diese Tragödie
ist eine Schande für die Türkei und eine Schande für Europa. Die Türkei
will mit ihrer Haltung Stärke demonstrieren, jedoch demonstriert sie dadurch
nur ihre Schwäche. Wirkliche Stärke und Größe eines Staates wäre, den Weg
des Kompromisses zu beschreiten und diesem Drama dadurch ein Ende zu verschaffen.
* * *
Schauen Sie
doch mal auf unsere Homepage unter www.kurden.de. Wieder haben wir dort
interessante neue Artikel für Sie.
* * *
Wir möchten
Sie auf unsere bevorstehenden Tagungen aufmerksam machen:
Kurden im Irak
und Iran
Chancen sowie
Perspektiven von Autonomie und Selbstverwaltung
30.11. - 02.12.2001
in Bad Boll
Jinên Kurd
– Kurdische Frauen
Ausweg Flucht!
Ausweg Flucht?
07. - 09.12.2001
in Bremen
Fachtagung:
Kurdische Kinderflüchtlinge
14. - 16.
Dezember 2001, Königswinter
Das Programm
finden Sie auf unserer Homepage. Fragen und Anmeldungen richten Sie bitte
an Frau Mathes oder Frau Zorlu unter 0228-362802.
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