MK –Wocheninformationsdienst
Datum:
01. – 10. September 2001 Nummer: 121-122
Razzia in den Räumen der Niederlassung der TIHV in Diyarbakir
In der Niederlassung
Diyarbakir der Menschenrechtstiftung der Türkei (TIHV), der in der Türkei
wichtigsten
Nicht-Regierungs-Organisation bei der Behandlung und Rehabilitation von
Folteropfern, wurde
am Freitag,
dem 7. September, um 15 Uhr eine Razzia durchgeführt. Alle die Patienten
betreffenden
Dokumente
und Berichte der Ärzte, die sie beraten, wurden beschlagnahmt. Es besteht
das Risiko,
dass sowohl
die Folteropfer als auch ihre Ärzte Belästigungen, Festnahmen oder weiterer
Folter
ausgesetzt
werden.
Die Polizei
hatte keinen Durchsuchungsbefehl. Als die Repräsentanten des TIHV Diyarbakir
anmerkten,
dass die Polizisten
ohne Erlaubnis keine Durchsuchung durchführen könnten, riefen die Polizisten
das
Büro der Staatsanwaltschaft
von Diyarbakir an. Um 17 Uhr erhielten sie einen Durchsuchungsbefehl, in
dem die Behandlung
von Folteropfern als „illegale Aktivität“ bezeichnet wurde. Der Staatsanwalt
ordnete
die Beschlagnahmung
von allen diesbezüglichen Dokumenten an. Daraufhin beschlagnahmten die
Polizisten
alle Akten und Dokumente sowie die Computer. Unter den Dokumenten waren
Patientenakten,
die entsprechend der medizinischen Ethik vertraulich zwischen dem Patienten
und
seinem Arzt
sind. Die Stiftung hatte höchste Sorgfalt darauf gelegt, dass keine dieser
vertraulichen
Informationen
veröffentlicht wurde. Die Polizei konfiszierte auch einige verbotene Zeitschriften.
Jedoch ist
es in der
Türkei nicht verboten, eine Ausgabe derartiger Dokumente zu haben. Gegen
20 Uhr verließen
die Polizisten
die Zweigstelle der Stiftung in Diyarbakir. Einer der Ärzte, Dr. Emin Yüksel,
wurde zur
Polizei mitgenommen,
um dort eine Aussage zu machen.
Die Menschenrechtsstiftung
der Türkei führt seit ihrer Gründung im Jahr 1990 ein Projekt zur Behandlung
und Rehabilitation
von Folterüberlebenden durch. Die Stiftung hat fünf Behandlungs- und
Rehabilitationszentren.
Die Niederlassung in Diyarbakir wurde 1998 gegründet. Sie spielt eine wichtige
Rolle bei
der Behandlung und Rehabilitation von Folteropfern im Südosten der Türkei,
in dem
hauptsächlich
Kurden leben und in dem Folter und Misshandlung besonders weit verbreitet
ist. 1998
gewann der
TIHV den Europäischen Menschenrechtspreis des Europarates wegen „herausragenden
Beitrags zum
Schutz der Menschenrechte in der Türkei“ und des Kampfes zur Beendigung
der Folter.
(Quelle: Barbara
Neppert, Demokratisches Türkeiforum, AI, 07.09.01)
Türkisches Gericht verurteilt 16 Gefängniswärter zu Haftstrafen
Ein Staatssicherheitsgericht
hat in Ankara 16 Gefängniswärter zu Haftstrafen verurteilt, weil sie sich
öffentlich
über die Bedingungen in den neuen türkischen Gefängnissen geäußert hatten.
Die Verurteilten
sind Mitglieder
der Gewerkschaft der Justizangestellten, darunter deren gesamte Führungsspitze.
Wie
die türkische
Zeitung "Radikal" berichtete, wurden die Wärter wegen "Unterstützung einer
terroristischen
Organisation"
zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.
Die Anwältin
der Justizangestellten, Senal Sarihan, sagte vor Gericht, es sei das Recht
und die Pflicht
ihrer Mandanten,
sich zu den Haftbedingungen zu äußern. Der verurteilte Gewerkschaftschef
Tekin Yildiz
sprach von
einem politischen Urteil, das sein Vertrauen in die Justiz schwäche. Er
kündigte Berufung vor
dem Kassationsgerichtshof
an.
Dessen Vorsitzender,
Sami Selcuk, gilt als Liberaler. Während der Urteilsverkündung gegen die
16
Gewerkschafter
hielt Selcuk in Ankara eine Rede. Darin forderte er eine neue türkische
Verfassung, die
geltende bezeichnete
er als "Polizeirecht".
(Quelle: dpa,
07.09.01; SZ, 08.09.01))
HADEP-Proteste anlässlich des Weltfriedenstages
Bei landesweiten
Demonstrationen der HADEP zum Weltfriedenstag ist die türkische Polizei
massiv
gegen Demonstranten
vorgegangen. In Ankara wurden bei einer zunächst durch den Gouverneur
genehmigten,
später verbotenen Kundgebung zum Weltfriedenstag etwa 700 Personen durch
die Polizei
in Gewahrsam
genommen, insgesamt wurden landesweit nach offiziellen Angaben 877 Personen
festgenommen.
Auch mehrere
Tage nach dem 1. September wurden nach und nach zahlreiche Mitglieder und
Funktionäre
der HADEP festgenommen.
Weite Teile
von Ankara standen unter massiver Polizeikontrolle. Es waren rund 5000
Polizisten im
Einsatz, der
Gouverneur von Ankara, Yahya Gür, richtete einen Krisenstab ein.
Etwa 7000
HADEP’ler reisten aus Anlass des Weltfriedenstages mit 40 Bussen und 250
Kleinbussen
von Batman
nach Ankara. Die in Batman gebliebenen HADEP’ler veranstalteten nach der
Abreise der
Busse einen
Sitzstreik, der von der Polizei aufgelöst wurde. 150 Personen, darunter
HADEP
Provinzvorsitzender
Murat Ceylan, wurden festgenommen. Es gab 20 Verletzte. Der Journalist
Salih
Batman von
der Zeitung Yedinci Gündem wurde, als er seine Fotoaufnahmen nicht von
seiner
Digitalkamera
löschen wollte, von etwa 15 Polizisten umzingelt und mit Schlagstöcken
verprügelt, seine
Kamera wurde
von den Polizisten zerstört. Anschließend wurde er 11 Stunden in Gewahrsam
genommen und
musste die gesamte Zeit knieend mit dem Gesicht zur Wand verharren.
In Diyarbakir
sammelten sich etwa 5000 Personen, die zur Kundgebung nach Ankara fahren
wollten.
Auch dort
wurden strenge Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Die Polizei löste die Versammelten
Menschen unter
Gewaltanwendung auf, dabei wurden 28 HADEP’ler festgenommen. Bei den
Zusammenstößen
wurden 14 Polizisten und 11 Demonstranten verletzt.
In Istanbul
setzte die Polizei Gasbomben gegen die Demonstranten ein, die sich am Topkapi-Platz
sammelten.
Die Demonstranten sollen die Polizei mit Steinen angegriffen haben, als
die Polizei
versuchte,
Busse vor Erreichen des Versammlungsplatzes aufzuhalten. Es sollen 200
Personen
festgenommen
worden sein. Auf der Flucht vor Polizisten war ein HADEP-Anhänger in Istanbul
tödlich
verunglückt.
Der 19-jährige Yasar Özdurak stürzte auf dem Dach des Parteigebäudes in
Istanbul in einen
Lüftungsschacht
und starb. Zeynel Durmaz, der in den selben Lüftungsschacht stürzte, überlebte
schwer
verletzt.
Auch in Izmir,
Elazig, Siirt, Urfa, Mardin, Van, Bingöl, Adiyaman, Sirnak, Mus, und Malatya
kam es zu
Protesten.
(Quellen:
IHD, Hürriyetim, Cumhuriyet, Evrensel, Radikal, Yedinci Gündem, afp, FR,
31.08.-06.09.01)
Kurden und EU sollen türkisch reden
Türkei erfüllt zahlreiche Brüsseler Beitrittsforderungen noch nicht
Weil der neue
Landrat der südostanatolischen Provinz Cinar, Osman Yenidogan, eine Kinovorstellung
mit einer
Durchsage auf Türkisch und Kurdisch ankündigte, ließ der Gouverneur von
Diyarbakir, Cemil
Serhadli,
gegen ihn ermitteln. Der Gouverneur stellte nach seinen Ermittlungen fest,
dass kein
Straftatbestand
vorliegt.
Im privaten
Bereich ist der Gebrauch des Kurdischen zwar seit zehn Jahren nicht mehr
verboten, doch
Artikel 26
der Verfassung untersagt den Gebrauch einer verbotenen Sprache für die
öffentliche
Kommunikation.
Die EU verlangt
in ihrer „Beitrittspartnerschaft“ mit der Türkei die Streichung dieser
Verfassungsbestimmung
und der entsprechenden gesetzlichen Regelungen bis Ende 2001 als
Vorbedingung
für Beitrittsverhandlungen. Entsprechend einigte sich auch ein parteiübergreifender
Ausschuss
des türkischen Parlaments im Frühjahr darauf, den Passus zu streichen.
Ob diese Einigung
auch das Plenum
passieren kann, ist aber noch zweifelhaft. Zusammen mit 36 anderen EU-relevanten
Verfassungsänderungen
soll die Novelle des Artikels 26 dem Parlament in der zweiten Septemberhälfte
zur Abstimmung
vorgelegt werden. Vor allem im Regierungslager wird über das Vorhaben gemurrt;
das
mächtige Militär
meldete seine Bedenken bereits im Frühjahr an.
Ebenso wie
das Militär sieht die nationalistisch dominierte Regierung die Freigabe
der kurdischen
Sprache als
ersten Schritt zu einer Teilung des Landes und der Gründung eines Kurdenstaates
in
Südostanatolien.
Die mitregierende Partei des Nationalen Aufbruchs legte deshalb einen Gegenvorschlag
zur Freigabe
des Kurdischen vor: Die Kurden sollten eben energischer das Türkische gelehrt
werden.
Und was die
Europäische Union (EU) betrifft, hat die Partei auch eine Lösung parat:
Die solle Türkisch
zu einer ihrer
Amtssprachen machen.
(Quelle: az
online (Aargauer Zeitung), Hürriyet, 04.09.01)
RTÜK lässt Strafen regnen
Ende August
verkündete der hohe Rat für Radio und Fernsehen (RTÜK) eine Anzahl von
Strafen auf
Radiostationen.
Radio Mihr in Denizli muß für 365 Tage für Diskriminierung in seinem Programm
über
Religion schließen.
Die Radiostation Anadolu'nun Sesi wurde mit einem Verbot von 30 Tagen für
Kommentar
den Todesfasten-Aktionen bestraft. Der Fernsehsender Olay TV wurde ebenfalls
wegen
eines Kommentars
zu den Hungerstreiks für 7 Tage geschlossen. Radio Imaj in Ankara wurde
zweimal
bestraft:
7 Tage für das Spielen von kurdischer Musik und 15 Tage für Kommentar über
Hizbullah. Radio
Imaj wird
vorgeworfen, durch seine Sendungen “die Gesellschaft zu Gewalt, Terror
und ethnischer
Diskriminierung
verleitet und in der Gesellschaft Gefühle des Hasses erzeugt zu haben”.
Yön FM in
Istanbul durfte
7 Tage nicht senden, weil er den Eindruck vermittelt hatte, der ehemalige
Sicherheitschef
der Polizei
in Diyarbakir, Gaffar Okkan, sei durch Agenten des Staates getötet worden.
Auch bei zahlreichen
Fernsehsendern musste der Bildschirm für mehrere Tage schwarz bleiben,
weil sie
gegen die
Paragraphen über “die allgemeine Moral, die Harmonie in der Gesellschaft
und die türkische
Familie” verstoßen
hätten. Der Fernsehrat warf den Sendern auch vor, bei der Auswahl ihrer
Werbung
nicht vorsichtig
zu sein und ermahnte zahlreiche Radio- und Fernsehstationen, die Artikel
zu beachten.
(Quelle: Akit,
01.09.01; anadolu ajansi, 08.09.01)
Freispruch für Herausgeber des Buches “Freiheit des Gedankens 2000”
Das Verfahren
gegen 16 prominente Intellektuelle und Menschenrechtler, die das Buch "Freiheit
des
Gedankens
2000” herausgaben, wurde vor dem Militärgericht des Generalstabes in Ankara
mit dem
Freispruch
für die Angeklagten abgeschlossen. Den Herausgebern war vorgeworfen worden,
Hass gegen
das Militär
geschürt zu haben.
Um eine internationale
Öffentlichkeit bei der Verhandlung auszuschließen waren die 20 Besucherplätze
im Gerichtssaal
durch unbekannte Personen besetzt. So konnten ausländische Diplomaten und
Vertreter
von Internationalen Organisationen den Gerichtssaal nicht betreten. Sanar
Yurdatapan,
Sprecher der
Initiative für Gedankenfreiheit, erklärte, dass er niemanden der Anwesenden
Besucher
kenne und
die Anwesenheit dieser Personen ein Komplott des Generalstabes sei, um
die Öffentlichkeit
auszuschließen.
Der Anwalt
der Angeklagten forderte die Identifizierung der Anwesenden und sagte,
dass auch bei den
vergangenen
beiden Anhörungen die Öffentlichkeit auf diese Weise aus dem Gerichtssaal
gehalten
wurde und
damit das Prinzip der Öffentlichkeit durch das Gericht verletzt wurde.
Der Ankläger
Oberst Saim Öztürk lehnte diese Forderung als politisch ab. Richter Major
Aykanat
Kacmaz lehnte
die Forderung des Verteidigers unter Berufung auf die Persönlichkeitsrechte
des
Publikums
ab.
Obwohl der
Ankläger Oberst Öztürk die Meinung vertrat, dass durch Publikationen dieser
Art angesichts
der separatistischen
und reaktionären Bewegungen in der Türkei die Nationale Sicherheit gefährdet
würde, forderte
er die Freilassung der Angeklagten. In diesem besonderen Fall sei die Straftat
des
Schürens von
Hass gegen das Militär nicht erfüllt. Das Gericht ließ die Angeklagten
aus Mangel an
Beweisen frei.
TIHV-Vorsitzender Yavuz Önen erinnerte daran, dass aufgrund des selben
Buches zur
Zeit Verfahren
vor Zivilgerichten liefen.
(Quellen:
Sanar Yurdatapan, 05.09.01; Turkish Daily News, anadolu ajansi, 08.09.01)
Todesfasten fordert zwei weitere Opfer
Am 31. August
starb die Todesfastende Hülya Simsek am 285. Tag ihres Protestes gegen
die
F-Typ-Gefängnisse.
Hülya Simsek hatte ihren Protest beim Menschenrechtsverein in Bursa begonnen.
Nach einer
Razzia des Büros wurde sie verhaftet und setzte ihr Todesfasten im Gefängnis
fort. Nach
ihrer Freilassung
nach 40 Tagen setzte sie ihren Protest in Istanbul-Kücükarmutlu fort, wo
zahlreiche
Mitglieder
der Solidaritätsorganisation der Familien der Häftlinge – TAYAD, ihren
Protest fortsetzen. An
ihrer Beerdigung
in ihrem Dorf bei Elazig nahmen etwa 500 Menschen, darunter HADEP
und
IHD-Angehörige,
teil. 9 TAYAD-Mitglieder, die aus Istanbul angereist waren, wurden festgenommen.
Wie das DHKC-Informationsbüro
in Brüssel mitteilte, starb am 7. September in Kücükarmutlu die
Todesfastende
Gülay Kavak, die zur ersten Gruppe der Todesfastenden gehörte. Sie wurde
nach dem
Sturm auf
die Gefängnisse am 19. Dezember 2001 in ein Krankenhaus gebracht und zwangsbehandelt
und verlor
das Bewusstsein. Als sie ihr Bewusstsein wiedererlangte, setzte sie ihren
Protest außerhalb
des Gefängnisses
fort.
(Quelle: hürriyetim,
01.09.01; TIHV, 02.09.01; Yedinci Gündem, 04.09.01)
Verfassungsreform-Paket von Koalition zur Debatte freigegeben
Entgegen den
Forderungen der Militärs, das Paket der Verfassungsreformen erst reifen
zu lassen, bevor
es durch das
Parlament verabschiedet wird, entschieden die Koalitionsführer nach einem
Treffen, den
Knopf für
Reformen zu drücken. Sie erklärten sich bereit, das 37 Artikel umfassende
Reformpaket in
einer außerordentlichen
Sitzung des Parlamentes am 17. September zur Debatte zu stellen. Das Paket
beinhaltet
wichtige Reformen, die für den EU-Beitritt Voraussetzung sind.
Der Nationale
Sicherheitsrat hatte bei seiner Sitzung am 21. August seine Bedenken gegenüber
einige
Reformen zum
Ausdruck gebracht und die Einschränkung der Reformen in den Bereichen der
Rechte
und Freiheiten
sowie anderer politischer Reformen verlangt. Bedenken hat der von Militärs
dominierte
Nationale
Sicherheitsrat u.a. bei der Aufhebung der Todesstrafe, dem Schutz politischer
Parteien vor
Schließung
und bei der Veränderung der Zusammensetzung des Nationalen Sicherheitsrates,
aber auch
bei der Lockerung
des Sprachverbots und der Meinungsfreiheit.
(Quelle: Turkish
Daily News, 05.09.01)
CHP für Kurdisches Institut
Die CHP-Parteikommission
unter dem Vorsitz des stellvertretenden Generalsekretärs Algan Hacaloglu
legte einen
„Demokratisierungsbericht“ unter dem Titel „Menschenrechte und Rechtstaat“
vor. Darin stellt
sie die Notwendigkeit
von privater Bildung in kurdischer Sprache fest und schlägt vor, in Universitäten
Kurdische
Institute einzurichten.
Aus Anlass
des Weltfriedenstages kritisierte die Republikanische Volkspartei CHP die
Menschenrechtssituation
in der Türkei. Gedankenfreiheit, Meinungsfreiheit, Organisationsfreiheit
und die
Repräsentanz
der Organisationen im Parlament erklärte Hacaloglu zum Rückgrat der Demokratie.
In der
Türkei dagegen
würde der freie Gedanke verboten und die Freiheit, die Meinung auszudrücken,
würde
eingeschränkt.
Dadurch versuche man die Gesellschaft einzuschüchtern.
Die CHP sehe
die Kurdenfrage als eine Frage der demokratischen Toleranz, der Gleichberechtigung
und
der kulturellen
Vielfalt an. Die Zwangsevakuierung der Dörfer im Osten und Südosten der
Türkei sei eine
systematische
Massenmenschenrechtsverletzung und es sei notwendig, den Ausnahmezustand
in der
Region aufzuheben
und die regulären Gesetze wieder einzusetzen. Die Kurdenfrage sei nicht
mit einer
Politik, die
auf Rassismus, Militarismus oder Fanatismus basiert, zu lösen. Es sei jedoch
wichtig, dass
die türkische
Staatsbürgerschaft die einzige, vereinigende offizielle und politische
Identität sei,
untergeordnete
Identitäten (Subidentität) wie die kurdische oder andere kulturelle Identitäten
dürften nicht
mit der übergeordneten
kollidieren. Es sollte ermöglicht werden, dass alle ethnischen Identitäten,
wie
auch die kurdischstämmigen
Bürger, mit diesem Verständnis neben Türkisch, der offiziellen Sprache
der
Republik,
ihre eigene Muttersprache, Kultur und Folklore noch besser lernen, bewahren
und entwickeln.
Jeder solle
die Möglichkeit haben, im Rahmen der Regeln des türkischen Kultusministeriums,
in der
eigenen Muttersprache
privaten Unterricht zu nehmen, an den Universitäten wissenschaftliche Insitute
zu
gründen und
jede Art der privaten Kommunikation, Presse, Publikationen und anderer
Medien zu diesem
Zweck zu nutzen.
Es sei notwendig, alle Verbote und Hindernisse hinsichtlich dieser Themen
aufzuheben.
(Quelle: ANKA,
hürriyetim, 01.09.01
Gericht: Birtan Altinbas wurde durch Folter getötet
Die 2. Strafkammer
in Ankara erkannte Folter als Ursache des Todes des Studenten Birtan Altinbas
in
1991 an. Die
Behauptungen der Angeklagten, unter denen sich auch Ibrahim Dedeoglu, Berater
des
Staatsministers
Faruk Bal, befindet, Altinbas sei von der Mauer gefallen, hätte einen Hungerstreik
durchgeführt
bzw. hätte sich am Minibus gestoßen und sei deswegen ums Leben gekommen,
wurden
damit vom
Gericht als ungültig abgelehnt. Die vier angeklagten Polizisten wurden
zu je 4 Jahren und 5
Monaten Haft
verurteilt.
(Quelle: Milliyet,
02.09.01)
Irak belohnt Araber und Palästinenser für Niederlassung in Kurdistan
Die Zentrale
für den Widerstand gegen Zwangsdeportationen und Ethnische Säuberung verurteilte
in
einem Brief
an UN-Generalsekretär Kofi Annan, den UN-Sicherheitsrat, die islamische
Gemeinschaft, die
Menschenrechtsorganisationen
und an US-Präsident Busch die irakische Politik der etnischen
Säuberung,
der Zwangsdeportationen und der beharrlichen Arabisierungsbemühungen der
durch den Irak
kontrollierten
kurdische Region. Diese Politik der Kurdenverfolgung sei insbesondere in
den kurdischen
Regionen Kirkuk
und Khaneqin massiv angestiegen. Nicht nur Araber würden durch Geld und
kostenloses
Land zur Ansiedlung motiviert, sondern auch Palästinenser.
(Quelle: KurdishMedia.com,
30.08.01, aus: Anba' Kurdistan, 29.08.01
Amnesty International: Irak führt die Liste mit den meisten Verschwundenen
an
Amnesty International
stellte fest, dass der Irak das Land mit den meisten verschwundenen Personen
ist. Amnesty
spricht von „Verschwundenen“, wenn sie die Behörden verdächtigt, in eine
illegale
Festnahme
einer Person verwickelt zu sein. So wird die Zahl der Verschwundenen im
Irak auf
Hunderttausende
geschätzt, in Lateinamerika auf 90.000, in Bosnien auf 18.000, im Kosovo
auf 3.000, in
Tschetschnien
und im Libanon auf Tausende. Hunderttausende von Schiitischen Muslimen
angeblich
iranischer
Herkunft sollen, wie AI sagt, während des Iran-Irak Krieges von 1980 bis
1988 verschwunden
sein. Weitere
100.000 Kurden werden im Irak seit der Anfal-Operation 1988 vermisst.
Amnesty forderte
alle Regierungen auf, in allen Fällen des Verschwindens vollständige Untersuchungen
in Übereinstimmung
mit internationalen Standards durchzuführen und die Veranwortlichen vor
die Justiz
zu bringen.
(Quelle: BBC,
30.08. 01)
Bericht an
den Sonderberichterstatter für Menschenrechte im Irak
bei den Vereinten
Nationen (Genf), Herrn Andreas Mavrommatis:
Neue Verhaftungswelle im Gebiet des Flusses Azz
Wir möchten
Sie davon in Kenntnis setzen, dass die Bevölkerung im Südirak weiterhin
Angriffen seitens
Einheiten
der Armee und der Sicherheitskräfte des Regimes ausgesetzt ist, die darauf
abzielen, die
Bewohner zu
töten oder zahllose Verhaftungen vorzunehmen.
Laut den jüngsten
Informationen des Dokumentationszentrums hat die 18. Armeedivision mit
Unterstützung
der 95. Brigade am 20.8.2001 einen Angriff auf Familien der Stämme Furaijat
und Amshan
durchgeführt,
die in der Nähe des 4. Kanals am Fluss Azz leben. Nachdem die Häuser von
Panzerfahrzeugen
umstellt und von bewaffneten Soldaten erstürmt worden waren, wurden Dutzende
Stammesangehörige
verhaftet. Zahlreiche Personen erlitten Schussverletzungen und darüber
hinaus
wurde eine
Frau getötet, als sie ihr Kleinkind trug. Sie war gemeinsam mit anderen
Frauen und Kindern
schutzlos
dem Angriff ausgesetzt.
Mit diesem
Schreiben möchten wir sie von diesem Angriff informieren und Sie ersuchen,
angemessene
Maßnahmen
zu ergreifen, um die Bevölkerung der Region vor derartigen Übergriffen
und willkürlichen
Verhaftungen
durch die Behörden zu schützen, sowie der tagtäglichen Unterdrückung und
Misshandlung
durch regimetreue
Kräfte, unter denen das Volk seit mehreren Jahrzehnten zu leiden hat, ein
Ende zu
bereiten.
Safaa Mahmoud
Repräsentant
des obersten Rates der Islamischen Resistance im Irak
(Quelle: Dokumentationszentrum
für Menschenrechte im Irak, 31.08.01)
UN-Komitee fordert Syrische Regierung auf, Diskriminierung der Kurden zu
stoppen
Das UN-Komitee
über Wirtschaftliche, Soziale und Kulturelle Rechte hat sich auf seiner
26. Sitzung u.a.
mit der Syrisch
Arabischen Republik befasst und folgenden Bericht verfasst:
“Die Situation
in Syrien betreffend
Ø
begrüßt das Komitee die Bemühungen Syriens zur Verbesserung der wirtschaftlichen,
sozialen und
kulturellen Recht seiner Einwohner;
Ø
nimmt das Komitee die Kooperation der Staatspartei mit Internationalen
Organisationen und den
UN-Agenturen zur Senkung der Armut und zur Verwirklichung des Rechtes auf
Nahrung und
Gesundheit mit Freude zur Kenntnis;
Ø
ist das Komitee besorgt über die Diskriminierung bestimmter Minderheitengruppen
im Land aufgrund
ihrer nicht-arabischen Herkunft, eingeschlossen diejenigen Gruppen, die
im Staatsterritorium seit
vielen Generationen leben;
Ø
empfiehlt das Komitee unter anderem effektive Maßnahmen zu treffen um die
Diskriminierung der
Minderheitengruppen in der Praxis zu bekämpfen, insbesondere die der Kurden;
Ø
empfiehlt das Komitee effektive Maßnahmen für die Einführung von Perspektiven
zur
Geschlechtergleichberechtigung sowohl in der Gesetzgebung als auch in der
Regierungspolitik.“
(Quelle: UN
Information Service, HR/4562, 31.08.01)
Hunderte "Illegale" in Griechenland aufgegriffen
Einer internationalen
Schleuserbande ist es am Mittwoch gelungen, schätzungsweise 350 illegale
Einwanderer
an Bord eines verrosteten Kleinfrachters von der Türkei nach Griechenland
zu bringen.
Das 30 Meter
lange türkische Schiff legte nach Berichten des staatlichen griechischen
Fernsehens total
abgedunkelt
in der Nacht zum Mittwoch am Kai des Kleinhafens einer geschlossenen Eisenerzmine
auf
der Insel
Evia an. Einwohner der Region entdeckten am Morgen die völlig erschöpften
Menschen und
alarmierten
die Behörden.
Die griechische
Polizei nahm bis zum frühen Nachmittag 185 illegale Zuwanderer, darunter
auch 23
Kinder und
Frauen, fest. "Sie sind müde, hatten Durst und Hunger, doch sie sind alle
wohlauf", sagte ein
Arzt im Radio.
Die Behörden suchen nach weiteren illegalen Einwanderern, die sich möglicherweise
in
den Bergen
der Insel versteckt haben. Von den Schleusern fehle jede Spur, hieß es
im staatlichen
Fernsehen.
Die überwiegend
aus dem Irak und Afghanistan stammenden Menschen sagten Reportern, dass
sie vor
vier Tagen
in der Türkei gestartet seien. Sie seien etwa 350 Personen gewesen und
hätten seit zwei
Tagen kein
Trinkwasser mehr gehabt. Fünf Menschen seien an Bord gestorben, hieß es.
Die griechische
Küstenwache
hat jedoch trotz einer umfangreichen Suchaktion keine Leichen im Meer,
an den Stränden
der Insel
oder im Frachter gefunden, teilte das Ministerium für Handelsschifffahrt
mit.
Die Schleuser
sollen nach Angaben des Präfekten der Region drei Griechen und ein Türke
gewesen
sein. Die
illegalen Zuwanderer sagten aus, dass die vier Personen unmittelbar nach
Erreichen der Insel
in ein Schlauchboot
umgestiegen und verschwunden seien. Sie hätten von jedem illegalen Einwanderer
rund 3000
Dollar für die Überfahrt kassiert.
"Die Aktion
war perfekt organisiert. Die Schleuser wurden allen Anzeichen nach von
Komplizen auf der
Insel erwartet",
sagte der Präfekt der Insel Evia im Radio. Einwohner hatten am Vorabend
Unbekannte
beobachtet,
die sich entlang des Strandes von Mantoudi mit Taschenlampen in den Händen
bewegten,
hieß es.
Athen und Ankara
wollen illegale Einwanderung stoppen
Griechenland
und die Türkei sind besorgt über die wachsende Zahl von illegalen Einwanderern,
die durch
die Ägäis
nach Europa zu kommen versuchen. Wie das griechische Außenministerium mitteilte,
wollen
beide Staaten
deshalb ein Memorandum über die Modalitäten der Rückführung dieser "Illegalen"
unterzeichnen.
Vor zwei Jahren hatten Griechenland und die Türkei bereits ein Abkommen
über die
Rückführung
illegaler Einwanderer geschlossen.
Gefängnisstrafe
für Türkische Schleuser
Drei türkische
Schleuser sind von einem griechischen Gericht zu jeweils zehn Jahren Gefängnis
und
Geldstrafen
von umgerechnet drei Millionen Mark verurteilt worden. Wie die halbamtliche
griechische
Nachrichtenagentur
ANA berichtete, hatten die drei Schlepper am Mittwoch mit einem verrosteten
30
Meter langen
Kleinfrachter 350 illegale Einwanderer aus verschiedenen Staaten des Nahen
Ostens aus
der Türkei
nach Griechenland gebracht.
(Quelle: dpa,
05./06./09.09.01)
Erneut 400 Flüchtlinge an Italiens Küste eingetroffen
An
der süditalienischen Küste sind am Samstag erneut etwa 400 Flüchtlinge
eingetroffen. 294
Menschen
hätten sich an Bord eines Fischkutters befunden, der in den Morgenstunden
von der
Küstenwache
vor Crotone in Kalabrien entdeckt worden sei, berichtete das italienische
Fernsehen.
Bei
den Flüchtlingen handele es sich um Kurden. Fünf Schlepper seien festgenommen
worden. Bei
Lecce
in Apulien nahm die Polizei insgesamt rund 100 Kurden und Albaner fest,
die offenbar in der
Nacht
die Küste erreicht hatten. Erst am vergangenen Sonntag war ein Flüchtlingsschiff
mit 350
Menschen
an Bord vor Crotone abgefangen worden. Elf Schlepper wurden von der Polizei
gefasst.
(Quelle:
dpa, 01.09.01)
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unterbringen
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Security Directorate
and State Security Court in Diyarbakir investigate the treatment of torture
victims as
illegal activity!
HRFT, 08.09.01
Kurden und
EU sollen türkisch reden
Sprachfreiheit
Türkei erfüllt zahlreiche Brüsseler Beitrittsforderungen noch nicht
az online
(Aargauer Zeitung), 04.09.2001
Eskalierende
Konfrontation
Istanbul reagiert
hilflos-hart in politisch verschleppter Kurden-Frage
Bremer Nachrichten,
3.9.2001
Schwindendes
Vertrauen auf bessere
Zeiten
Anhaltende
Wirtschaftskrise in der Türkei führt zu rasant wachsender Armut –
Annäherung
an EU rückt in den Hintergrund
Salzburger
Nachrichten, 5.9.2001
Turkish Show
Is Reality TV
Associated
Press, 30. August 2001
Their lot gets
worse
The Economist,
30. August 2001
Turkey Hopes
to Boost Faith in Lira
Associated
Press, 31. August 2001
Difference
between civilian and military bureaucracy increasing
Turkish Daily
News, 29. August 2001
Wasserhandel
zahlt sich in Nahost aus: Politisch oder in barer Münze
dpa, 6. September
2001
Krieg oder
Frieden in der Türkei –
das ist die
Frage
Ankara verweigert
eine Versöhnungspolitik mit den Kurden und von außen fehlen
Initiativen
Von Andreas
Buro
Turkey's generals
and its civilians: Blast and counterblast
The Economist,
16. August 2001
Of genocides,
massacres, and tragedies
Media Monitors
Network/Jordan Times, 30. August 2001
Turkish-US
dispute on border gate centers on Iraq's sovereignty
Turkish Daily
News, 30. August 2001
Kurds alarm
over 'smart sanctions'
BBC, 5 September,
2001
Kurdish mountains
from the saddle
BBC, 4 September
2001
We're in Iraq
to protect Kurds?
Denver Post,
6. September 2001
Krach in Ulmer
FDP wegen Bagdad-Reise
Mitglied des
Landesvorstands wird nach Presseveröffentlichungen
Hochstapelei
vorgeworfen
Stuttgarter
Zeitung Lokales, 5.9.2001
Saddam and
the ministry of sound
The Independent,
30 August 2001
Die Nazis
im Irak: Der Kailani Putsch,
Irak 1941
Von Peter
Wren, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum Moderner Orient (ZMO).
Amnesty International
Urgent Action:
Drohende Folter
und Misshandlung –
exzessiver
Gewalteinsatz der Polizei
(UA 216/01
ai-Index: EUR 44/059/2001; 31. August 2001 – us)
Amnesty International
Urgent Action:
Folter und
Misshandlung – willkürliche Inhaftierung
(UA 218/01
ai-Index: EUR 44/061/2001, 4. September 2001 – us)
Asyl: Den
Tod vorgezogen
Erst Suizidversuch
verhindert Abschiebung von Folteropfer
Neues Deutschland,
06.09.2001
Gericht verbietet
Aufnahmelager
für Flüchtlinge
Berliner Zeitung,
08.09.2001
NRW: Kölner
Klüngel will Flüchtlinge
fernhalten
Abschreckungskonzept
von CDU und FDP
Neues Deutschland,
08.09.2001
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