MK –Wocheninformationsdienst
Datum:
21. – 31. August 2001 Nummer: 119 -120
Nationaler
Sicherheitsrat gibt Verfassungsreformen den Weg frei zur Debatte im Parlament
Der MGK hat
bei seiner monatlichen Sitzung am 21. August die geplanten Verfassungsreformen
abgesegnet,
jedoch angemerkt, sie sollten nicht in einer außerordentlichen Parlamentssitzung
durchgeboxt
werden. Einige der Reformvorschläge sollten überdacht und beschnitten werden.
Beobachter
sagen dass das Militär mit dieser Aussage die Umsetzung der Reformen noch
weiter
verzögern
will. Zu diesen Reformen gehören auch die Aufhebung der Todesstrafe, der
Schutz politischer
Parteien vor
Schließungen, Zugeständnisse an die Benutzung der Muttersprache und auch
die Änderung
der Zusammensetzung
des Nationalen Sicherheitsrates zu Gunsten einer zivilen Mehrheit.
Mesut Yilmaz,
stellv. Ministerpräsident und Vorsitzender der Mutterlandspartei ANAP,
hatte bereits
vorher angekündigt,
er werde bei der monatlichen Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates (MGK)
das
hochexplosive
Thema Nationales Sicherheitskonzept ansprechen. Yilmaz hatte in den vergangenen
Tagen kritisiert,
das Nationale Sicherheitskonzept hätte die Demokratisierung der Türkei
und die
dazugehörigen
Reformen verhindert. Die darin aufgeführten inneren Bedrohungsszenarien
hätten eine
sinnvolle
Debatte über wichtige Themen wie Meinungsfreiheit und andere Einschränkungen
der
Menschenrechte
verhindert. Yilmaz nahestehenden Quellen zufolge soll das Parlament bei
seiner
außerordentlichen
Sitzung am 17. September bedeutende Verbesserungen der Verfassung diskutieren,
deswegen müsse
auch der MGK die vorgeschlagenen Verfassungsreformen diskutieren. Das Militär
ist
besonders
besorgt über die Veränderungen des Artikels 13 der Verfassung, worin es
um die
Einschränkung
der Grundrechte und –freiheiten geht, und über Artikel 14, der sich mit
dem Missbrauch
der Grundrechte
und –freiheiten befasst. Auch die Artikel 26 (Meinungsfreiheit und seine
Einschränkung)
und 28 (Pressefreiheit)
gelten als besonders sensible Themen für das Militär. Das Militär ist gegen
die
Reformierung
dieser Artikel, weil es befürchtet, islamische Fundamentalisten ebenso
wie kurdische
Separatisten
würden sonst ihr Propaganda leichter verbreiten können. Befürworter sehen
diese Reformen
als notwendig
zur Erfüllung der Kopenhagener Kriterien an.
Mesut Yilmaz
betonte, die Reformen seien notwendig, um der EU zu zeigen, dass die Regierung
seine
Reformbemühungen
ernstnimmt. Die EU hat die Fortschritte in der Türkei im November auf der
Tagesordnung,
Yilmaz ist bemüht, die Reformen vorher umzusetzen. (Quelle: Anadolu Ajansi,
Turkish
Daily News,
21./22.08.01) Mehr dazu auf unserer Webseite www.kurden.de
Wieder Zwangsräumungen und Zerstörung kurdischer Dörfer
Dänische Journalisten zur Untersuchung nach Diyarbakir gereist
Offenbar kehren
türkische Einsatzkräfte zu den bereits in früheren Jahren praktizierten
Zwangsräumungen
kurdischer Dörfer zurück. Der IHD hatte berichtet, dass in jüngster Zeit
etwa 700
kurdische
Bewohner von Soldaten aus zwei Dörfern in der südostanatolischen Provinz
Sirnak vertrieben
worden. Die
Menschen hausten nun unter unzumutbaren Bedingungen in Zelten am Rand der
Stadt
Beytüssebap.
Die Organisation hat nach eigener Aussage auch Hinweise auf Folterungen.
Die Bewohner
werden nach Angaben der Sicherheitskräfte verdächtigt, kurdischen Rebellen
bei der
Verlegung
von Minen geholfen zu haben. Zu den jüngsten Berichten der Menschenrechtsvereinigung
hat
die Regierung
in Ankara bislang noch keine Stellung genommen.
Eine 25-köpfige
Delegation dänischer Journalisten untersucht derzeit in Diyarbakir diese
Vorwürfe.
Zunächst sprachen
sie mit Oberbürgermeister Feridun Celik (HADEP). Delegationsleiter Herbert
Bundik
sagte, sie
hätten mit Celik über die politische Situation in der Türkei, über das
GAP-Projekt und die
besonderen
Probleme im Süd-Osten gesprochen. Der Staat müsse die Vorwürfe der Dorfzerstörungen
und Zwangsräumungen
prüfen. Nach dem Gespräch mit Celik kündigte Budnik weitere Gespräche mit
dem Gourverneur
von Diyarbakir Ahmet Cemil Serhadli, dem Ausnahmezustandsgouverneur Gökhan
Aydiner und
dem Vorsitzenden der Südost-Journalistenvereinigung Naci Sapan an. (Quelle:
FR, 14.08.01;
Hürriyetim,
20.08.01; Turkish Daily News, 21.08.01)
Mord an Üzeyir Garih
13-jähriger Junge als Mordverdächtiger festgenommen
Der im Mordfall
des Geschäftsmannes Üzeyir Garih zunächst als Mordverdächtiger festgenommene
13-jährige
Fuat N. wurde nach seiner Aussage vor der Staatsanwaltschaft wieder freigelassen,
anschließend
wurde er von der Polizei für eine Gegenüberstellung mit anderen Kindern
erneut
festgenommen.
Fuat N. hatte ausgesagt, den ermordeten Geschäftsmann an diesem Tag zum
ersten
Mal gesehen
zu haben. Dieser habe ihm und seiner Freundin jeweils 200.000 Lira (etwa
35 Pfennige)
geschenkt.
Ansonsten hätte er keinerlei Kontakt zu ihm gehabt und hätte die Tat nicht
begangen. Fuats
Vater Hasan
N. wurde nachdem sein Sohn als Mordverdächtiger in den Zeitungen präsentiert
wurde, von
seinem Arbeitgeber
entlassen.
Wie die Rechtsanwältin
Seda Akco von der Kommission für Kinderrechte bei der Istanbuler
Anwaltskammer
mitteilte, war das festgenommene Kind unrechtmäßigen Praktiken ausgesetzt.
Sie
erklärt zu
dem Fall: „Es geht nicht, dass ein Kind in Gewahrsam genommen und ohne
einen Beweis als
Schuldiger
präsentiert wird. Dadurch werden seine Familie und seine Freunde vorgeführt.
Die
Konsequenzen
daraus werden nicht bedacht. Auch sind die Art, der Ort und die Dauer des
Gewahrsams
unrechtmäßig.
Bei der Festnahme wurde die Geheimhaltung nicht gewahrt. Auch ist die erneute
Festnahme
unrechtlich, sofern nicht neue Beweise vorliegen. Bei diesem Vorfall kann
man einen
gewohnheitsmäßigen
Verstoß gegen das Recht beobachten.“
Zur Untersuchung
des Mordfalles sind ein hochrangiger israelischer Ministeriumsvertreter
sowie drei
MOSSAD-Agenten
nach Istanbul gekommen. Sie besuchten den freigelassenen Mordverdächtigen
Fuat
N. in seinem
Haus. Auch trafen sie den Istanbuler Polizeichef Hasan Özdemir. Anschließend
traf sich
Polizeichef
Özdemir mit dem Staatsanwalt bei Staatssicherheitsgericht.
(Quelle: Cumhuriyet,
Milliyet internet, 27.08.01; TIHV, 28.08.01)
Özgür Ünal (16) stirbt in Polizeigewahrsam
Am 23. August
gegen 10.00 Uhr wurde der zwei Tage zuvor in Edremit, Provinz Balikesir,
in
Polizeigewahrsam
genommene Jugendliche Özgür Ünal, tot in seiner Zelle gefunden. Wie bekannt
wurde, war
Özgür Ünal am 21. August gegen 21.00 Uhr in der Tankstelle seiner Eltern
von Zivilpolizisten
mit der Begründung,
gegen ihn läge eine Klage vor, zur Polizeiwache mitgenommen worden.
Kemal Iskender,
Polizeichef von Balikesir, teilte mit, Özgür Ünal sei unter dem Vorwurf,
zwei Frauen
sexuell Belästigt
und Handtaschen gestohlen zu haben, festgenommen worden. „Er hat die
Unaufmerksamkeit
des Beamten im Dienst ausgenutzt, die Stoffeinfassung einer Wolldecke abgetrennt
und sich auf
der Toilette am Heizungsrohr aufgehängt“, erklärte der Polizeichef zur
Todesursache. Nach
der Autopsie
wurde Ünal in seiner Heimat Manisa beerdigt.
Özgürs Vater
Osman Ünal stellte die Ereignisse anders dar. Er erklärte, sein Sohn sei
mit seinem
Moped von
der Tankstelle zum Zentrum von Edremit gefahren. Am Abend des 22. August
seien zwei
Zivilpolizisten
zur Tankstelle gekommen und hätten Özgür zur Polizeiwache in Edremit mitgenommen.
Er (der Vater)
sei ihnen gefolgt. Die Polizisten hätten ihm gegenüber gesagt, sein Sohn
würde ohne
Führerschein
Motorrad fahren. Deswegen würden sie eine Strafe von 54.200.000 TL Strafe
fordern und
das Motorrad
konfiszieren. Sie hätten Özgür anschließend in die Zelle gebracht. Ihm
(dem Vater) hätten
sie gesagt,
der Sohn hätte eine Frau belästigt. Es gäbe eine Anzeige gegen ihn. Am
nächsten Tag
würde er vor
Gericht gestellt werden. Am nächsten Tag sei er gegen 11.00 Uhr zur Polizeiwache
gerufen
worden. Dort
sei ihm mitgeteilt worden, der Sohn habe Selbstmord begangen.
Die Vorgeschichte
von Polizeichef Kemal Iskender lässt an dem Wahrheitsgehalt der ohnehin
schon
abenteuerlichen
Erklärung des „Selbstmordes“ zweifeln. Als Iskender 1995 in Manisa Polizeichef
war,
hatte er 16
Schülerinnen und Schüler unter dem Vorwurf, Mitglieder einer illegalen
Organisation zu sein,
festnehmen
lassen. Polizisten, die unter seinem Befehl standen, hatten diese Jugendlichen
schwer
gefoltert
und waren nach langen Gerichtsverhandlungen zu Haftstrafen verurteilt worden.
Iskender war
danach Polizeichef
von Ankara geworden.
Das Innenministerium
hat umgehend Inspektoren mit der Untersuchung des Falles beauftragt. Wie
bekannt wurde,
haben die Inspektoren bereits am Abend des 22. August die Aussagen der
zur Todeszeit
diensthabenden
drei Polizisten aufgenommen.
Der Rechtsanwalt
der Familie Ünal teilte mit, dass der Autopsiebericht der Gerichtsmedizin
von Bursa
ihm nicht
ausgehändigt wurde und bewertete das als verdächtig.
(Quelle: Milliyet,
Radikal, 25.08.01; Hürriyet, 28.08.01)
IHD: Keine Verbesserung der Menschenrechtssituation
Der Menschenrechtsverein
IHD verzeichnet einen hohen Anstieg der Foltervorwürfe und der
Beschneidung
der Meinungsfreiheit. Vorsitzender Hüsnü Öndül teilte mit, im ersten Halbjahr
2001 hätten
435 Personen
über Folter in Gewahrsam geklagt, im vergangenen Jahr seien es im selben
Zeitraum 263
gewesen, im
ersten Halbjahr 1999 334 Fälle. „Es wird deutlich, dass es seit 1999 keine
Verbesserung
bei der Abschaffung
der Folter gegeben hat“, sagte Öndül bei einer Pressekonferenz bei der
Präsentation
des Halbjahresberichtes
über die Menschenrechtssituation. Weitere Zahlen: Staatsanwälte haben 1.519
Personen für
den Ausdruck ihrer Meinung in Wort oder Schrift zu insgesamt 3.125 Jahren
Gefängnis
verurteilt.
(Quelle: reuters, 23.08.01)
Minibus-Fahrer wegen abspielen von kurdischer Musik verhaftet
Gendarmen
verhafteten in Karliova, Provinz Bingöl, den Minibusfahrer Abdullah Yagan,
weil dieser in
seinem Fahrzeug
kurdische Musik abspielte. Ein Offizier, der als Passagier im Minibus mitfuhr,
informierte
die Gendarmen am Kontrollpunkt Kalencik Gendarmerie darüber, dass sie im
Minibus
kurdische
Musik gehört hätten.
Die „kriminellen
Kassetten“ mit Musik von Shakiro, Siwan Perwer, kurdischer Tanzmusik und
gemischten
Stücken, wurden beschlagnahmt. Yagans Führerschein und Genehmigung für
den
Kleinbusbetrieb
wurden eingezogen. (Quelle: Kurdish Observer, 23.08.01)
AI-Urgent Action: Yasin Karadag
Yasin Karadag
wurde am 6. August 2001 in Diyarbakir festgenommen und ist Berichten zufolge
von der
Polizei gefoltert
worden. Man brachte ihn zwar am 15. August 2001 ins Gefängnis, überstellte
ihn aber
schon zwei
Tage später zum Verhör wieder in Polizeigewahrsam. amnesty International
befürchtet, dass
Yasin Karadag
erneut misshandelt oder gefoltert werden könnte. Seiner Familie wird nicht
gestattet, ihn
zu besuchen.
Der Bruder
von Yasin Karadag wurde mit ihm zusammen festgenommen, aber am 15. August
wieder
freigelassen.
Seinem Bruder erzählte Yasin Karadag, dass er vier Mal gefoltert wurde.
Man brachte
Yasin Karadag auf der Grundlage des so genannten "Reue"-Gesetzes zurück
in
Polizeigewahrsam.
Dieses Gesetz bietet ehemaligen Mitgliedern illegaler bewaffneter Organisationen
die
Möglichkeit,
gegen diese Organisationen auszusagen und dafür eine Reduzierung ihrer
Haftstrafe zu
erwirken.
Der Gouverneur der Region, in der der Ausnahmezustand gilt, kann bei Gericht
eine Erlaubnis
beantragen,
Gefangene, die unter das "Reue"-Gesetz fallen, zum Verhör bis zu zehn Tage
in
Polizeigewahrsam
zurückzuverlegen. amnesty international liegen zahlreiche Berichte vor,
denen zufolge
Gefangene
während dieser Zeit misshandelt und gefoltert worden sind.
Yasin Karadag
war nach vorliegenden Informationen bereits 1993 von der Polizei festgenommen
und
gefoltert
worden. Polizisten sollen ihn geschlagen, ihm die Hoden gequetscht, ihn
an seinen Armen
aufgehängt
und ihn an den Genitalien mit Elektroschocks gequält haben.
(Quelle: UA
209/01, ai-Index: EUR 44/057/2001, 22.08.01 – us)
Hintergrund
und empfohlene Aktionen auf unserer Webseite www.kurden.de
Überfälle auf HADEP und MKM
Im Zusammenhang
mit dem Jahrestag des Beginns des bewaffneten Kampfes der PKK (15. August
1984) hat
die Polizei in Istanbul Büros der HADEP in Sirinevler, Maltepe, Ümraniye,
Gaziosmanpasa,
Beykoz, Bahcelievler
und Kagithane, das Mesopotamische Kulturzentrum (MKM) und das
Frauenkulturzentrum
Dicle (DKKM) durchsucht und dabei 14 Personen in Haft genommen. Unter den
Festgenommen
befinden sich Sebahattin Celik, Belkiz Balka und Haydar Isiktas (HADEP),
sowie Ayten
Atay, Nail
Yurtsever und Semsettin Basci (MKM). (Quelle: Yedinci Gündem, 15.08.01)
Buch von Celal Baslangic konfisziert
Das 2. Strafgericht
von Istanbul hat die Konfiszierung des Buches “Tempel der Angst”, in dem
sich
Artikel von
Celal Baslangic zu Vorfällen im Gebiet unter Ausnahmezustand (wie das Ereignis
von
Güclükonak,
das Verschwinden von Serdar Tanis und Ebubekir Deniz und Vorfälle in Tunceli)
befinden,
angeordnet.
Der Beschluss wurde damit begründet, dass in diesen Artikeln die Armee
beleidigt wurde.
(Quelle: Radikal,
23.08.01)
Gendarmerie tobt in Akkise (Konya)
In der Nacht
vom 9. August verursachte eine Personenkontrolle in einem Cafe in der Stadt
Akkise (Kreis
Ahirli, Konya)
den Einsatz von ca. 100 Gendarmen, die mit ihren Schüssen eine Person töteten
und
mindestens
5 Personen verletzten. Berichte von 30 verletzten Soldaten wurden später
in Frage gestellt.
In dem Cafe
feierten Jugendliche den Abschied von einigen Freunden, die den Militärdienst
anzutreten
hatten. Sie
protestierten dagegen, dass 2 Freunde ohne Ausweise mit zur Wache genommen
werden.
Die Gendarmerie
zog sich zuerst zurück, kam dann aber wieder unter dem Befehl des Unteroffiziers
Ali
Caliskan wieder
zurück. Dieser soll als Erster in die Luft geschossen und den Befehl zum
Schiessen
gegeben haben.
Dabei wurde Hasan Gültekin (20) tödlich verletzt. Unter den Verwundeten
befinden sich
Sami Tokmak,
Kemal Candan und Ismet Tasbasi.
Der Menschenrechtsverein
Mazlum-Der hat einen Bericht seiner Vertretung in Konya veröffentlicht.
Darin
wird der Unteroffizier
Ali Caliskan für die Vorfälle in der Stadt Akkise verantwortlich gemacht.
Nach
seinem Dienstantritt
vor 6 Monaten habe er vor ca. 3 Monaten auf der Suche nach Schmugglern
angeordnet,
dass ein Haus, in dem sich nur Frauen aufhielten, beschossen werde. Eine
junge Frau habe
er 8 Tage
in Haft gehalten und gefoltert. Vor ca. 2 Monaten habe er Sükrü Gültekin
(Bruder des getöteten
Hasan Gültekin)
und Ali Arac ohne Ausweise angetroffen und sie deswegen unter Folter bei
verbundenen
Augen 1,5
Stunden lang verhört. Zu den Vorfällen in der Nacht vom 9. auf den 10.
August stellte der
Bericht fest,
dass vor dem Eintreffen der Untersuchungskommission viele Partonenhülsen
entfernt
wurden und
mit Sicherheit mehr Schüsse abgefeuert wurden, als die gefundenen 920 Patronen,
deren
Hülsen gefunden
wurden. Sowohl die Stadtverwaltung aus auch die Moschee wiesen Einschüsse
auf.
Der Bericht
forderte die offiziellen Stellen auf, die Namen der an der Operation beteiligten
Soldaten und
Offiziere
bekannt zu geben und stellte die Frage, ob irgend jemand in diesem Zusammenhang
festgenommen
worden sei.
(Quelle: div.
türk. Zeitungen, 11.-14.08.01)
Hungerstreiks gehen weiter
Polizeidruck auf Solidaritätshungerstreiks wächst
Ali Suat Ertosun,
Abteilungsdirektor für Gefängnisse im Justizministerium, gab bekannt, daß
sich 173
Gefangene
in 22 Gefängnissen derzeit im Todesfasten und 91 Gefangene im Hungerstreik
befinden. Im
F-Typ Gefängnis
von Sincan sollen 67 Gefangene die Aktion beendet haben, 28 Gefangene sollen
weitermachen.
Spezialteams
und Soldaten belagern seit Wochen mit Panzern und Gasmasken das Armenviertel
Armutlu, wo
das Todesfasten der freigelassenen Gefangenen und 20 Angehörigen stattfindet.
An allen
Einfahrten
zum Viertel befinden sich Stützpunkte, wo Besucher und Anwohner kontrolliert
werden. Die
Situation
ist äußerst angespannt, Einwohner rechnen jeden Moment mit einem Angriff.
Die Angehörigen,
die Gefangenen
und die Einwohner von Armutlu haben vor den Häusern, in denen Todesfastende
sich
befinden,
Barrikaden aufgestellt. Sie haben auch gleichzeitig angekündigt sich selbst
anzuzünden, falls
das Militär
angreift.
Osman Osmanagaoglu
(44), der nach seiner vorläufigen Haftentlassung am 28. Juni das Todesfasten
in
einem Haus
in Kücükarmutlu fortführte, starb am 14. August. Er soll ein führendes
Mitglied der DHKP/C
gewesen sein.
Er hatte den Hungerstreik am 20. Oktober 2000 im Gefängnis von Ümraniye
begonnen
und soll bei
seiner Verlegung in das F-Typ Gefängnis von Kandira mit einem Knüppel vergewaltigt
worden
sein. Die
Zahl der Todesopfer im Hungerstreik hat sich damit auf 31 erhöht.
Yildiz Gemicioglu
(26), die nach ihrer vorübergehenden Freilassung aus dem Gefängnis ihren
Hungerstreik
in einem Haus in Kücükarmutlu fortsetzte, wurde am 15. August von ihrem
Vater, ihrer
älteren Schwester
und ihrem Schwager entführt und in ein Krankenhaus gebracht. Ihr Bruder
Mehmet
Gemicioglu,
der die Entführung ablehnte, sagte, er glaube nicht, dass seine Schwester
den Hungerstreik
abbrechen
wird. Die zurückgebliebenen Hungerstreikenden erklärten, dass sie sich
selbst in Brand
setzen würden,
wenn die Polizei eingreifen würde.
Inzwischen
wurde bekannt, dass aus den Leichen der am 19. Dezember 2000 während der
Operation
getöteten
Murat Ördekci, Cengiz Calikoparan und Mustafa Yilmaz Patronenhülsen entfernt
wurden, bevor
diese in die
Gerichtsmedizin zur Autopsie überliefert wurden. Obwohl es offensichtlich
war, dass die
Einschusswunden
aufgeschnitten, erweitert und die Patronenhülsen herausgenommen waren,
nahm die
Staatsanwaltschaft
und die Gerichtsmedizin dies in ihren Bericht nicht auf. Erst später, bei
der Autopsie
in der Istanbuler
Gerichtsmedizin wurden als Todesursache bei den drei Gefangenen Schüsse
angegeben.
Wie Fachleute der Gerichtsmedizin gegenüber der Zeitung Radikal mitteilten,
wurde
versucht,
durch die Erweiterung der Einschüsse durch Schnitte Patronen aus der Schusswunde
herauszunehmen
und dadurch Beweise zu vernichten.
(Quelle: Cumhuriyet,
15./24.-26.08.01, Evrensel, Milliyet, 17.08.01; Radikal, 27.08.01)
Erzwungener Jungfräulichkeitstest
Anwalt Bekir
Kaya hat Anzeige wegen erzwungenem Jungfräulichkeitstest an seiner Mandantin
F.D.F.
(16) erstattet.
Sie war am 30. Juni zusammen mit 10 weiteren Person unter dem Verdacht,
sich der PKK
anschließen
zu wollen, in Van festgenommen worden. Ohne ihr Einverständnis wurde sie
von der
Polizeiwache
Yoldöndü zum Geburtskrankenhaus in Van gebracht und von Dr. Emine Karabulut
einem
Jungfräulichkeitstest
unterzogen. Am 3. Juli stellten die Ärzte Dr. Adnan Soner und Dr. Enver
Sultanoglu
vom Staatskrankenhaus
in Van ein Attest aus, dass die Gefangene nicht vergewaltigt worden sei.
In
seiner Anzeige
deutete der Anwalt darauf hin, dass eine solche Behandlung als Folter anzusehen
sei
und gegen
bestehende Vorschriften verstoße. Des weiteren machte er darauf aufmerksam,
dass bei der
Vernehmung
von Minderjährigen die Anwesenheit eines Anwalts erforderlich ist. (Quelle:
Yedinci Gündem,
21.08.01)
Verfahren gegen Folterer
Innenminister
Rüstü Kazim Yücelen gab bekannt, dass im Zeitraum zwischen dem 1. Januar
2000 und
dem 30. Juni
2001 gegen insgesamt 203 Polizisten wegen Folter und Misshandlung nach
den §§ 243
und 245 TSG
ermittelt wurde. In 29 Fällen wurde keine Anklage erhoben, in 14 Fällen
wurde auf die
Durchführung
eines Verfahrens verzichtet, 117 Beamte wurden freigesprochen und 30 wurden
verurteilt.
Die Strafen
wurden in 13 Fällen zur Bewährung ausgesetzt. (Quelle: Hürriyet, 23.08.01)
MHP: Nein zu Sprachfreiheit für Kurden
Die rechtsgerichtete
türkische Regierungspartei MHP lehnt die Forderung der EU nach Sprachfreiheit
für
die Kurden
ab und verlangt stattdessen eine stärkere Rolle der türkischen Sprache
im Land. Die
Anforderungen
der Europäischen Union in diesem Bereich würden der "kulturellen Spaltung"
der Türkei
Tür und Tor
öffnen, sagte er MHP-Abgeordnete Müjdat Kayayerli gegenüber Cumhuriyet.
Das Kurdische
könne in der
Türkei allenfalls als Dialekt gelten. Cumhuriyet zufolge arbeitet die MHP
an einem
Gesetzentwurf,
mit dem der Türkisch-Unterricht insbesondere im Kurdengebiet und in anderen
von
Minderheiten
bewohnten Regionen verstärkt werden soll. Zudem soll die Rolle des Türkischen
im Alltag
gestärkt werden.
Unter anderem sei vorgesehen, auch Straßennamen zu "türkisieren". (Quelle:
afp,
28.08.01)
Proteste in Ankara
Die Proteste
der Massen gegen die Wirtschaftskrise nehmen zu. Täglich wächst die Zahl
der Verarmten,
die Bilder
der Hungrigen bei ihrer Suche nach Brot auf Müllhalden werden immer häufiger.
Der
Ministerpräsident
und seine engen Vertrauten müssten sich nur einmal in den Straßen von Ankara
umschauen,
um das Ausmaß der Armut zu erkennen. Fabriken werden geschlossen, Menschen
verlieren
massenweise ihre Arbeit, Familien brechen auseinander. Doch es scheint,
Ministerpräsident
Ecevit würde
es nicht sehen. Die Regierung regt sich nicht und spielt auf Zeit, indem
sie im Triangel
zwischen Dollarraten,
Aktienwerten und den fallenden Märkten umherirrt. Währenddessen verschlimmert
sich die Situation
in der Türkei von Tag zu Tag und es ist den Familien nur noch schwer möglich,
ihre
Kinder zur
Schule schicken. So wundert es nicht, das ein Protestierender es trotz
der strengen
Sicherheitsvorkehrungen
schaffte, dem Ministerpräsidenten eine Registrierkasse an den Kopf zu werfen,
als dieser
gerade sein Büro verließ. Wenn diese Regierung schon nicht in der Lage
ist, die Probleme zu
lösen oder
wenigstens zurückzutreten, dann soll sie wenigstens Proteste der verzweifelten
Bürger
tolerieren.
(Quelle: Turkish Daily News, 21.08.01) Mehr dazu auf unserer Webseite www.kurden.de
Irak dehnt ethnische Säuberungen in Kirkuk aus
Nach Berichten
aus Kirkuk haben irakische Behörden eine neue intensive Kampagne der ethnischen
Säuberung
in Kirkuk und anderen Gebieten Kurdistans, die unter ihrer Kontrolle stehen,
gestartet. Sie
planen, 6.000
arabische Familien aus Himren, Riyadh und Hawija in den kurdischen Gebieten
von Lailan,
Qara-Hanjeer
und Shwan in der Kirkuk-Region anzusiedeln. Als Teil der Politik zur Förderung
der
Arabisierung
des irakischen Regimes, wurden 22 Unternehmen zur Verteilung von Nahrungsmitteln
(normalerweise
Monopol der Regierung) kostenlos an die neuen arabischen Siedler in den
Orten
Salayee, Lailan
und Qara-Hassan übergeben. Die irakischen Behörden haben Direktiven für
alle
offiziellen
Stellen herausgegeben, so auch für die Zementfabrik in Kirkuk, um alles
Mögliche zu tun, das
Arabisierungsprojekt
- volkstümlich genannt "Die zehntausend Familien" - zu fördern. Dies betrifft
die
10.000 arabischen
Siedler, die durch die irakischen Behörden hergebracht wurden, während
die
einheimischen
kurdischen und turkmenischen Familien zwangsweise umgesiedelt wurden. Den
arabischen
Siedlern wurden kostenlos Landstücke überlassen und jede Familie hat als
Anreiz für die
Ansiedlung
den Betrag von 10.000 Irak. Dinar geschenkt bekommen.
(Quelle: Kurdistan
Newsline Nr. 3, 23.08.01, Artikel vom 09.08.01)
Umgesiedelte Familien kehren zurück
Die vierte
Phase der Rückkehr von umgesiedelten Familien wird am 18. August 2001 mit
der Rückkehr
von 260 Familien
in ihre Heimatorte beginnen. Dieser weitere Schritt vertrauensbildender
Maßnahmen im
Friedensprozess
wurde bei einem Treffen der PUK und der KDP in Hawler (Arbil) vereinbart.
50
Wohnhäuser
wurden vorbereitet, damit die Besitzer wieder einziehen können.
(Quelle: Kurdistan
Newsline Nr. 3, 23.08.01, Artikel vom 16.08.01)
US-Engagement zum Schutz der Kurden ist nicht ausreichend
In einem persönlichen
Brief an beide südkurdischen Führer, Barzani und Talabani, hat Außenminister
Colin Powell,
versichert, die neue US-Regierung sei entschlossen, die Kurden und ihr
demokratisches
Experiment
gegen jede Aggression Saddams zu schützen. Der Brief soll den 13%-Anteil
für die Kurden
aus den Verkäufen
gemäß der Resolution 986 des UN-Sicherheitsrates von 1995 bestätigt haben.
Während dies
als ein positiver Schritt angesehen wird, wird die Haltung der US-Regierung
dem
kurdischen
Volk gegenüber als schwach und unangemessen bewertet. Denn der Brief enthalte
keine
Aussage darüber,
wie lange der Schutz und die Garantien dauern werden und ob die Zukunft
des
kurdischen
Volkes gesichert werden wird, wenn die Irak-Frage gelöst wird. Einerseits
haben
verschiedene
US-Regierungen das kurdische Volk nicht formal als eine geteilte Nation
anerkannt,
andererseits
haben sie das kurdische Volk als ein eigenständiges Volk behandelt, mit
eigener nationaler
Identität,
das sie von anderen Nationen des Mittleren Ostens unterscheidet. Auch beharrt
die
US-Regierung
auf den humanitären Aspekt der kurdischen Krise und leugnet die politische
Anerkennung
die das Volk
rechtlich verdient. (Quelle: KurdishMedia.com, 21.08.01)
Bagdad Auftraggeber für terroristische Anschläge in Süd-Kurdistan
Irakische
Kurden beschuldigen die Regierung in Bagdad, terroristische Attacken in
ihrer halb autonomen
Region durchzuführen.
Die kurdischen Sicherheitskräfte in Arbil berichten von mehreren
Anschlagsversuchen
durch irakische Terroristen, die sie vereiteln konnten. Die KDP gab bekannt,
dass
am 18. August
ein Mann mit einer großen Menge TNT festgenommen wurde, der gestand, der
irakische
Geheimdienst
hätte ihn mit einem Bombenanschlag beauftragt. Am 8. August hat die KDP
bekannt
gegeben, ein
Auto mit 15 Kilo TNT, das aus Kirkuk kam, sichergestellt zu haben. Der
Besitzer soll
zugegeben
haben, die irakische Mukhabarat hätte sein Auto mit Sprengstoff ausgestattet,
mit dem
Auftrag, es
vor dem UN-Hauptquartier in Arbil hochzujagen. (Quelle: Iraq Press, 21.08.01)
Neue Einschränkungen der Reisemöglichkeiten in die kurdische Enklave im
Norden
Die irakische
Regierung hat durch neue Einschränkungen die Reise in die halb-autonomen
kurdischen
Gebiete nahezu
unmöglich gemacht. Die Kontrollstationen der Regierung verweigern insbesondere
den
Arabern den
Einlass in die kurdische Region. Viele Reisende werden durch die Sicherheitskräfte
verhört,
bevor sie
abgeschreckt und zur Rückkehr gezwungen werden. Für die Durchreise verlangen
sie
Erlaubnisse
der Sicherheitsorgane. Es ist unverständlich, warum die irakische Regierung
diese
Restriktionen
zu einer Zeit einführt, in dem Präsident Saddam Hussein die kurdischen
Parteien zum
Dialog aufruft.
Bisher konnten
Iraker ungehindert in die kurdisch Regierte Region einreisen, um dort Handel
zu
betreiben
oder Verwandte zu besuchen. Viele Exil-Iraker nutzten Städte in Südkurdistan,
um sich mit
ihren Verwandten
aus dem Irak zu treffen.
Die Folgen
der Einschränkungen zeigen sich bereits in Dohuk und Zakho. Hotels und
Restaurants
machen kaum
noch Geschäfte. Etwa 3,5 Millionen Kurden leben in der Enklave in drei
Hauptprovinzen:
Dohuk, Arbil
und Sulaimaniya. Die politische Atmosphäre in der kurdischen Region ist
freier als im
restlichen
Irak. Hier hat man freuen Zugang zu Mobiltelefonen, Internet und Satellit.
Auch die Presse ist
relativ frei.
Einige Kurden erklären die Einschränkungen damit, dass die irakische Regierung
nicht
möchte, dass
sein Volk die positiven Entwicklungen in der kurdischen Region mitbekommt.
In den vergangenen
Tagen sind diese Restriktionen noch weiter verschärft worden. So wird jeder
Kurde
mit einem
in Kirkuk ausgestellten Identitätsdokument, der die kurdische Region besuchen
will,
festgenommen.
Auch Kurden aus der kurdischen Region, die in Kirkuk übernachten wollen,
werden
festgenommen.
(Quelle: KurdishMedia.com, Iraq Press, 24.08.01)
Kurdistan Zentralbank eröffnet
Nechirvan
Barzani, Ministerpräsident der Kurdistan Regional Regierung (KRG-Arbil)
hat das Gebäude der
Kurdistan
Zentral Bank in der Hauptstadt Arbil eröffnet. Dies ist eine der neuen
Entwicklungsprojekte in
der Region.
Die Bank ist eine der Erfordernisse für die Erhöhung des Handelsvolumens
mit den
Nachbarstaaten,
insbesondere Iran und Türkei.
Die Türkei
beobachtet diese Entwicklung mit Sorge, denn eine Bank, die wie eine Zentralbank
für die
Region auftritt,
könnte den Schritt zu einem unabhängigen kurdischen Staat verfestigen und
Auswirkungen
auf seine eigenen kurdischen Regionen haben. (Quelle: KurdishMedia.com,
18.08.01;
reuters, 21.08.01)
Hunderte von Männern bedrohen vier Frauen in Arbil
Wie die kurdische
Wochenzeitung Hawlati berichtete, haben am 14. August Hunderte von Männern
vier
Frauen in
Arbil verfolgt und bedroht. Die Frauen waren gezwungen, in einem Geschäft
Schutz zu suchen,
bis die Männer
abgezogen waren. Dann flüchteten sie mit einem Taxi nach Hause.
Es sei das
zweite Mal, schreibt Hawlati, dass in kurzer Zeit Frauen unter der Nase
der KDP-Polizei
attackiert
wurden.
Bedrohung
von Frauen in Kurdistan ist Teil eines gut ausgeklügelten politischen Taktik
von
unterschiedlichen
sog. Islamischen Parteien, die durch iranische oder andere regionale Kräfte
unterstützt
werden. Kritiker
sagen, dass sowohl KDP als auch PUK diese Kräfte ermutigen, indem sie ihnen
Positionen
in der Regionalregierung geben und wie legitime politische Partner behandeln.
Die Islamisten
benutzen verschiedene Methoden um eine Gesellschaft ähnlich der im Iran
oder in
Afghanistan
aufzubauen. Einschüchterung von Frauen ist ein Weg, zivilisierte Frauen
und das Tuch zu
zwingen. (Quelle:
KurdishMedia.com, 26.08.01 aus Hawlati, 19.08.01)
Erstes Treffen zwischen Kurden und syrischer Führung seit 1963
Zum ersten
Mal seit ihrer Machtergreifung 1963 hat die syrische Baath-Partei Angehörige
der kurdischen
Minderheit
des Landes zu einem Treffen eingeladen. Wie die arabische Zeitung Al-Hayat
am Mittwoch
berichtete,
baten Vertreter der Parteispitze Angehörige der Demokratischen Kurdischen
Allianz während
eines einstündigen
Treffens, ihre Forderungen schriftlich zu formulieren. Mehr als sechs Prozent
der
Einwohner
Syriens sind Kurden. Ein großer Teil von ihnen ist seit 1962 staatenlos.
(Quelle: dpa,
22.08.01)
Massenverhaftungen von Kurden in Syrien
Die Demokratische
Partei Syrisch-Kurdistans (KDP-S) hatte am 07.07.2001 aus Syrien über die
Verhaftung
von 19 Kurden berichtet. (Namen: Lukman Mohamed Kole, Hesen Omer Hemso,
Abdulrehman
Dawoud Qanber, Mahmud Bilal Mistqalo, Mohamed Naser Tahhar, Adnan Mohamed
Kole,
Mohamed Mustefa
Albakri, Kamiran Mustefa Rascho, Nuri Husen Baker, Mohamed Mustefa Sido,
Yusef
Ibrahim Sadeq,
Khalil Mohamed Hannan, Ibrahim Khalil Schukri Osman, Mustefa Habasch Raschid,
Mohamed Hannan
Ali, Mohamed Haji Abdulrahman Mohamed, Khalil Ahmed Husen, Murad Horo Horo,
Omar Mohamed
Omar, Wahid Mohamed Khalil, Ahmed Ibrahim Khalil, Mustefa Mohamed Mulla
Mustefa, Ahmed
Ismail Bilo Murad, Suleman Naser Tahhar)
(Siehe Bericht
WID 113/114) Diese Personen befinden sich noch immer in Haft.
Die KDP-S
bittet um Unterstützung durch Druck auf die syrische Regierung, um die
Verhafteten frei zu
bekommen.
(Quelle: Erklärung KDP-S, 08.07.01)
44 Asylsuchende im Eurotunnel festgenommen
Eine Gruppe
von 44 Asylsuchenden aus einem nordfranzösischen Flüchtlingslager ist in
der Nacht zum
Donnerstag
im Eurotunnel unter dem Ärmelkanal festgenommen worden. Wie die Betreibergesellschaft
mitteilte,
wurden am Tunneleingang auf französischer Seite insgesamt fast 300 Menschen
aufgegriffen,
die heimlich
in den Tunnel wollten. Der Zugverkehr wurde aus Sicherheitsgründen für
mehrere Stunden
gestoppt.
Die von den Sicherheitskräften festgenommenen Flüchtlinge wurden zurück
in das
Rotkreuz-Lager
Sangatte gebracht, das in der Nähe des Tunneleingangs liegt. Die Tunnel-Betreiber
haben Anfang
August vor einem nordfranzösischen Gericht die Schließung des Lager beantragt,
in dem
sich gegenwärtig
mehr als 1300 Menschen - überwiegend Kurden und Afghanen - aufhalten. (Quelle:
dpa,
30.08.01)
"Herr C. ist Schläge gewöhnt."
Über die ärztliche Begutachtung von Folteropfern
Weil er Schläge
von Kind an gewöhnt sei, könne der Asylbewerber C. durch Misshandlungen
der
türkischen
Polizei kein Trauma erlitten haben. Er sei "abschiebefähig", eine Retraumatisierung
in seinem
Herkunftsland
sei nicht zu befürchten.
Als im Oktober
2000 ein Amtsarzt aus Paderborn einen Asylbewerber auf diese Weise "gesund"
schrieb
und damit
seine sofortige Abschiebung ermöglichte, war das für den Arzt und Psychologen
Hans
Wolfgang Gierlichs
des Schlimmen zuviel. Die Zeilen, mit denen der Amtsarzt das anderslautende
Gutachten
eines Facharztes gegenstandslos gemacht hatte, bewiesen ihm erneut: in
Gesundheitsämtern
entstehen immer wieder Gefälligkeitsatteste für abschiebewillige Asyl-
und
Ausländerbehörden
- mit gesundheits- und sogar lebensbedrohlichen Folgen für Flüchtlinge
und
Migranten.
Gierlichs
startete Anfang 2001 eine Initiative, die innerhalb weniger Wochen die
Unterstützung von mehr
als fünfhundert
Fachärzten, Psychologen und psychologischen Instituten fand. Ärzte und
Psychologen,
so die Aufforderung,
sollten sich nicht für die Erstellung "berufsethisch kaum hinnehmbarer
Gutachten"
missbrauchen
lassen. "Wir streben eine Verbesserung der Begutachtung von evtl. traumatisierten
Migranten/Flüchtlingen
an. Hierzu wollen wir zunächst bindende Gutachter-Richtlinien durchsetzen."
Tatsächlich
stützen sich das Bundesamt für die Anerkennung Ausländischer Flüchtlinge,
Ausländerbehörden
und Verwaltungsgerichte bei ihren Entscheidungen über Asylanträge zuallererst
auf
Gutachten
von Ärzten im Dienste der Polizei, des Bundesgrenzschutzes oder der Gesundheitsämter,
die
oft über keine
entsprechende Qualifikation und Erfahrung verfügen. Eine Untersuchung des
Berliner
Zentrums für
Folteropfer brachte heraus, dass Polizeiärzte, die Asylbewerber begutachteten,
ihre
Diagnosen
ohne Kenntnis international fixierter Richtlinien und Vorgaben stellten
und in 100 Prozent der
Fälle - ganz
im Gegensatz zu Fachärzten, die dieselben Asylbewerber begutachteten -
keinen
Behandlungsbedarf
in Deutschland sahen und die Flüchtlinge für abschiebefähig erklärten.
International
gesehen ist Deutschland ohnehin Schlusslicht in der Traumatologie, der
Wissenschaft zur
Erforschung
erlittener Gewalt- und Foltertraumata. Verwaltungsrichtlinien und Einzelfallabwägungen
der
zuständigen
staatlichen Asyl- und Abschiebebehörden sind häufig von diesem geringen
Kenntnisstand
geprägt. Auf
Initiative von Gierlichs haben maßgebliche deutsche Wissenschaftler, Ärzte
und
Psychologen
nun damit begonnen, Richtlinien zur Begutachtung von Gewalt- und Folteropfern
zu
erarbeiten.
Jean Amery hat 1980 in seinem Werk, "Jenseits von Schuld und Sühne,
Bewältigungsversuche
eines Überwältigten" geschrieben: "Wer der Folter erlag, kann nicht mehr
heimisch werden
in der Welt." Dieses Wissen, das aus den Erfahrungen von Holocaust-Überlebenden
erwachsen
ist, muss nach ihrer Ansicht in den Umgang mit Folteropfern Eingang
finden.
(Albrecht
Kieser, Rheinisches JournalistInnenbüro Köln, e-mail: rib-koeln@t-online.de,
Das Feature
berichtet anhand von Beispielen über die Versuche, die ärztliche Begutachtung
von Folteropfern
überprüfbar
zu machen, am Stand der medizinischen Kenntnisse auszurichten und Politik,
Asyl- und
Abschiebebehörden
zur Verantwortung zu ziehen. Der Beitrag wurde am 24.08.01 um 10.05 Uhr
im WDR 5
(Hörfunk)
gesendet)
Türkische Küstenwache stoppt Schiff mit 60 Flüchtlingen
Italienische Polizei greift mehr als 350 illegale Einwanderer auf
Die türkische
Küstenwache hat am Dienstag ein griechisches Schiff mit 60 illegalen Einwanderern
an
Bord gestoppt.
Nach einem Bericht der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu wurde das
Fischerboot
bei den Dardanellen
in der Nähe der Stadt Canakkale entdeckt. Die Menschen stammten aus dem
Irak
und Iran.
Sie und zwei Menschenschmuggler seien festgenommen worden.
Die italienische
Polizei hat im Süden des Landes 354 illegale Einwanderer aufgegriffen.
Die Flüchtlinge
trieben in
einem Boot vor der Küste bei Crotone. Die meisten von ihnen waren Afghanen,
Pakistaner und
Kurden, die
Vermittlern nach eigenen Angaben zwischen 2500 und 5000 Dollar für die
Überfahrt von der
Türkei bezahlt
hatten. Das Schiff hatte eine Woche zuvor in Istanbul abgelegt.
(Quelle: dpa,
21.08.01; afp, 27.08.01)
Wichtige,
interessante Artikel, Urgent Actions, Aufrufe etc., die wir im WID nur
gekürzt oder gar
nicht unterbringen
konnten, möchten wir Ihnen ungekürzt auf unserer Internetseite
www.kurden.de
zur Verfügung stellen. Diesmal haben wir ausgewählt:
Ø
Die genozidalen Anfal-Offensiven des Saddam-Regimes gegen die Bevölkerung
des Irak
"... Im Namen Gottes"
Die Anfal-Operation: Ziele, Ablauf und Folgen
Hans Brandscheidt, 23.08.01
Ø
Amnesty Says Baghdad Systematically Tortures Political Prisoners
Radio Free Europe Radio Liberty (RFE/RL) 23.08.01
Ø
Umbrella Opposition Begins TV Broadcasts
Radio Free Europe Radio Liberty (RFE/RL) 22.08.01
Ø
Iraqi Opposition to Broadcast TV Program Financed by U.S.
New York Times, 28.08.01
Ø
International Response to Torture of an Assyrian by KDP
Assyrian International News Agency (AINA), 19.08.01
Ø
Erklärung zur Verhaftung eines Angehörigen der Assyro-Chaldäischen
Gemeinschaft in Irakisch-Kurdistan (deutsch und englisch)
Demokratische Partei Kurdistans (Irak), 27.08.01, Büro für internationale
Beziehungen
Ø
Fragen zu Ankaras Sicherheitskonzept: Stiller Streit zwischen Generälen
und Politikern
NZZ, 22.08.2001
Ø
Ilisu-Staudamm: Internationaler Testfall
Hans Brandscheidt
Ø
No Racism in Turkey, if You Say You're a Turk
Reuters 25.08.01
Ø
Journalist's book seized
ALERT - TURKEY Reporters sans frontières (RSF), 27 August 2001
Ø
Turkey: European companies to help construct arms factory
Amnesty International, 22.08.01; Hans Brandscheidt, medico international
Ø
Letzte Instanz: Cockpit
KLM-Pilot verweigerte Abschiebung eines kranken Flüchtlings in seinem Jet
Junge Welt, 15.08.2001
Ø
Gefahr für Leib und Leben der Karasus
Giessener Anzeiger, 16.08.2001
Ø
Kirchenasyl: Kurdische Familie wird vorläufig geduldet
Frankfurter Rundschau, 16.08.2001
Ø
Protests in Ankara
Turkish Daily News, 21.08.01
Ø
Controversy at MGK expected
Turkish Daily News August 21, 2001
Ø
'Delay constitutional changes,' urges MGK
Turkish Daily News August 22, 2001
Ø
Liberated and safe, but not yet free Kurdish safe haven in northern Iraq
is Gulf war's most enduring and successful legacy
David Hirst in Sulaymaniyah, August 1, 2001 The Guardian
Ø
The Kurdish dream: Emigration to Europe
The Guardian by David Hirst in Irbil, August 2, 2001
Ø
Report "Turkey and Refugees"
Niedersächsicher Flüchtlingsrat
Ø
Folter und Misshandlung / Sorge um Sicherheit: Yasin Karadag (22)
amnesty international UA 209/01, ai-Index: EUR 44/057/2001, 22. August
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