Presseerklärung
· Nein zur Haftstrafe für den Vorsitzenden der
HAK-PAR, Abdulmelik Firat
· Nein zu weiteren Unterdrückung der kurdischen
Sprache in der Türkei
Gemäß einer Presseerklärung des stellvertretenden
Parteivorsitzenden des prokurdischen HAK-PAR (Partei für Grundrechte
und Freiheiten) am 13. Januar 2004 wurde der Partei-vorsitzende Abdulmelik
Firat wegen einer in Kurdisch gehaltener Pressekonferenz am 09.05.2002
in Urfa gemäß Parteiengesetz 2820, § 81/C zu 6 Monaten Gefängnisstrafe
verurteilt, die in hohe Geldstrafe umgewandelt wurde.
Auch der ehemalige stellvertretende
Parteivorsitzende Ibrahim Güclü wurde wegen seiner Wahlkampfrede in Kurdisch
am 03.11.02 in der kurdischen Kreisstadt Hazro (Provinz Diyarbakir) gemäß
Gesetz 298, § 58 und §151/2 zu 6 Monaten Haft- und über 218 Mio.
Geldstrafe verurteilt.
Nach Informationen der Parteiführung
ist von der Republikanischen Staatsanwaltschaft in Ankara gegen die Partei
gemäß Parteiengesetz der Türkei eine Untersuchung eingeleitet worden, weil
auf dem 1. Kongress der HAK-PAR am 04. Januar 2004 in Ankara u.a. auch
Kurdisch gesprochen wurde.
Schon seit 2001 läuft beim Verfassungsgericht
der Türkei ein Verbotsverfahren gegen HAK-PAR.
Die neue türkische Regierung vom
Ministerpräsidenten Erdogan hat im letzten Jahr in Windeseile vier neue
Pakete von EU-Anpassungsgesetzen im Parlament verabschiedet, die u.a. die
angebliche Freiheit des Gebrauchs der kurdischen Sprache ermöglichen soll-te.
Dieser Schritt wurde in Europa und
in der Türkei mit einem kritiklosen Enthusiasmus und ohne jegliche Skepsis
aufgenommen. Die Türkei wurde kurzerhand zu einem demokrati-schen Staat
deklariert. Die Praxis und die Warnungen von den oppositionellen Politikern
und Organisation, insbesondere von kurdischen und prokurdischen, wurden
und werden weiterhin nicht ernst genommen. Es sind ja nicht die Herrschaften,
die die Repressalien befürchten und erleiden müssen. Uns bleiben nur die
Gratulation aller Politikerinnen und Politikern, KolumnistenInnen und JournalistInnen
sowie Lobbyisten in der europäischen Union und in der Türkei, die lauthals
diese so „hervorragenden“ und „demokratischen“ Erfolge der türkischen Regierung
in bezug auf die Erfüllung der politischen Kopenhagener Kriterien loben.
So sieht es also gemäß der Kopenhagener
Kriterien mit den Minderheitenrechten in der Türkei, sowie mit dem Recht
auf die Benutzung der Muttersprache aus.
Gegen die Führung der prokurdischen
HAK-PAR werden Strafen ausgesprochen, weil sie das „Verbrechen“ begangen
haben, die kurdische Bevölkerung in ihrer Muttersprache anzusprechen.
Wie will die türkische Regierung
innerhalb der verbliebenen 10 Monate die Implementie-rung der politischen
Kopenhagener Kriterien erreichen? Denn nur so kann sie Ende des Jahres
von der EU-Erweiterungskommission genügend Pluspunkte erhalten, damit der
EU-Gipfel im Dezember 2004 der Türkei einen möglichen Termin für Aufnahmegespräche
nennen kann.
Wir protestieren aufs Schärfste gegen
die Bestrafung der Parteiführung von HAK-PAR und fordern die türkische
Regierung auf, ernsthafte und mutige Schritte zu einer friedlichen Lösung
der Kurdenfrage in der Türkei zu wagen.
Wir appellieren an die EU-Erweiterungskommission,
die Bundesregierung und die Parteien im Bundestag, ihre Einwirkungsmöglichkeiten
auf die Türkei zu stärken damit die EU-Gegner in der Türkei nicht die Oberhand
gewinnen können und während der Implemen-tierung der politischen Kopenhagener
Kriterien auch die Wünsche der kurdischen Bevöl-kerung berücksichtigt werden.
Bevor die Türkei zu dem führenden demokratischen Land in Europa deklariert
wird, sollte zu mindest erwirkt werden, dass in den Gesetzesentwür-fen
ein Volk von 20 Millionen und deren Sprache namentlich erwähnt und dessen
Rechte offiziell anerkannt und in die Tat umgesetzt werden.
16. Januar 2004
Unterzeichner:
· IMK e.V. – Internationales Zentrum
für Menschenrechte der Kurden
· KOMKAR – Verband der Vereine aus
Kurdistan e.V.
· Förderverein HAK-PAR
V.i.S.d.P: Abubekir Saydam, Geschäftsführer
des IMK e.V.,
Postfach
200738, 53 137 Bonn
|