Internationaler
Verein für Menschenrechte der Kurden
IMK Wocheninformationsdienst
Datum: 25. Oktober – 10.
November 2003
Nummer: 204-205
Ermittlungen gegen Vergewaltiger
eingestellt
Das Polizeipräsidium in Istanbul
hat die Er-mittlungen im Falle von Gülbahar Gündüz von der Frauenabteilung
der HADEP, die im Juni von Per-sonen, die sich als Polizisten ausgaben,
gefoltert und vergewaltigt worden war, eingestellt. Am 15. Oktober wurde
dem IHD Istanbul mitgeteilt, dass die Akte geschlossen werde, weil es sich
bei den Personen nicht um Polizisten handele. Die straf-rechtlichen Ermittlungen
bei der Staatsanwaltschaft in Gaziosmanpasa (Istanbul) sind hingegen noch
nicht abgeschlossen. (Quelle: Özgür Gündem, 19.10.2003)
Anwälte vor Gericht
Am 17. Oktober begann ein Verfahren
gegen Sez-gin Tanrikulu, Vorsitzender der Anwaltskammer in Diyarbakir und
Leiter des Rehazentrums der TIHV in Diyarbakir, sowie die AnwältInnen Habibe
Dey-ar, Burhan Deyar und Sebahattin Korkmaz vor der 1. Kammer des Landgerichts
in Diyarbakir. Sie sind nach § 240 TSG wegen Amtsmissbrauch angeklagt,
weil sie Entschädigung für Bauern gefordert hatten, die aus ihren Dörfern
vertrieben worden waren. Tanrikulu sagte, dass ihr Antrag an den Gouverneur
verfälscht worden sei. Den AnwältInnen wird vorgeworfen, die Bewohner unter
Vorspiegelung falscher Tatsachen zu ihren Mandaten gemacht zu haben, um
sich selber zu bereichern. Bei den betrof-fenen Dörfern handelt es sich
um den Weiler Derecik des Dorfes Caglayan im Kreis Kulp (Diyarbakir), das
1993 evakuiert wurde, die Dörfer Ziyaret und Uluocak im Kreis Lice, die
1994 entvölkert wurden. Anfang 2002 hatten die Bewohner die Anwälte beauftragt,
auf Entschädigung zu klagen.
In der Verhandlung fielen drei Personen
mit Waffen auf. Zwei verliessen sofort den Saal. Das Gericht beschlagnahmte
die Waffe der 3. Person, die sich als Mehmet Sahin ausgab und sagte, dass
er vom Geheimdienst sei. Das Verfahren wurde auf den 5. Dezember vertagt.
(Quelle: TIHV vom 18.10.2003)
Prügel auf der Wache in Ödemis
Am 19. Oktober ging Ali Namli auf
die zentrale Polizeiwache in der Kreisstadt Ödemis (Izmir), um nach seinem
Sohn Resat zu fragen, der wegen Al-kohol am Steuer festgenommen worden
sein sollte. Sein Bekannter Yilmaz Gümüs begleitete ihn. Sie gaben später
an, dass der Polizeichef Mustafa Saygi und der Kommissar Hüseyin Ceylan
sie wegen der Frechheit schlug, Rechenschaft von der Polizei zu verlangen.
Da er grosse Schmerzen hatte, wurde Ali Namli von Polizisten zum Krankenhaus
gebracht und hier wurde ein gebrochener Arm sowie gebro-chene Rippen festgestellt.
Ali Namli stellte Strafanzeige. Bei seiner Vernehmung durch den Staatsanwalt
soll der Polizeichef Mustafa Saygi gesagt ha-ben, dass er niemanden geschlagen
habe und die Verletzungen wohl durch einen Sturz von der Treppe herrührten.
(Quelle: Sabah vom 21.10.2003)
Folterverfahren in Mus
Vor dem Landgericht in Mus begann
am 16. Okto-ber ein Verfahren gegen den Unteroffizier Mahir Özbayrak, der
im März 2002 den Schuldirektor Görgü Koçlardan sowie Sadrettin Sosan und
Atik Peker, die wegen des Verdachts, der Hizbullah an-zugehören, festgenommen
worden waren, vier Tage lang gefoltert haben soll. Der Angeklagte hatte
sich schriftlich zur Sache geäussert und angegeben, dass die Ermittlungen
vom Major Hüseyin Polatsoy geführt worden seien und die Beamten Aslan Topdag
(Deckname “Özgür”) und Akim Türker (Deckname: “Abbas”) bei den Verhören
anwesend waren. Das Gericht vertagte sich auf den 13. November, um diese
Personen als Zeugen zu vernehmen. Dies Verfahren wurde erst eröffnet, nachdem
sich die Geschädigten an den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof gewendet
hatten. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt.
(Quelle: Yeni Safak vom 21.10.2003)
Freispruch für Todesschüsse
Die 2. Kammer des Landgerichts in
Kayseri hat zum zweiten Mal 22 Polizisten freigesprochen, die bei der Stürmung
einer Wohnung in Istanbul am 17. April 1992 die vermeinlichen Dev-Sol Mitglieder
Eda Yüksel, Taskin Usta und Sabahat Karatas er-schossen hatten. Das erste
Mal waren die Beamten Resat Altay, Ibrahim Sahin, Vasfi Kara, Abdullah
Dindar, Mehmet Sakir Öncel, Ismail Alici, Adnan Tasdemir, Ruhi Firat, Aslan
Pala, Mehmet Düzgün, Adalet Üzüm, Senel Karaman, Ömer Mesut Yagci-oglu,
Ismail Türk, Ali Türken, Yahya Kemal Gezer, Zülfikar Çiftçi, Sönmez Alp,
Ayhan Çarkin, Salih Tonga und Yasar Karaçam am 13 Juli 2001 freige-sprochen
worden, aber der Kassationsgerichtshof hatte das Urteil wegen formeller
Fehler aufgehoben. Das Verfahren gegen Mehmet Baki Avci wurde nach seinem
Tode eingestellt. (Quelle: Cumhuriyet vom 22.10.2003)
Verfahren gegen IHD Ankara zu Ende
Das SSG Ankara entschied am 21.
Oktober den Vorstand und die Mitglieder der Kommission in der Zweigstelle
Ankara des IHD zu Gefängnisstrafen freizusprechen. Im Zusammenhang mit
Aktionen gegen die Isolation in den Gefängnissen vom Typ F war ihnen die
Unterstützung einer bewaffneten Bande vorgeworfen worden (§ 169 TSG). Ausser-dem
war die Schliessung der Zweigstelle beantragt worden. Das Verfahren gegen
Ali Riza Bektas wur-de eingestellt, da ihm Strafunfähigkeit bescheinigt
worden war. Der ehemalige Vorsitzende Lütfi Demirkapi, die Vorstandsmitglieder
Ilhami Yaban, Ismail Boyraz, Erol Direkçi, Mesut Çetiner, Zeki Irmak, Riza
Resat Çetinbas, und die Mitglieder der Gefängniskommission Selim Necati
Ort, Saniye Simsek, Ekrem Erdin, Gökçe Otlu und Emrah Serhan Soysal waren
nach den jüngsten Ände-rungen im § 169 TSG freizusprechen. (Quelle: TIHV
vom 22.10.2003)
Polizist freigesprochen
Die 6. Kammer des Amtsgerichts in
Mersin hat den Polizeibeamten Ergün Ilhan wegen eines Unfalls bei den Newroz-Feierlichkeiten
im Jahre 2002 frei-gesprochen. Ergün Ilhan hatte seinerzeit Mehmet Sen
mit einem gepanzerten Fahrzeug überrollt und dieser war an den Verletzungen
gestorben. Das Ge-richt entschied am 22. Oktober, dass der Polizeibe-amte
den Unfall nicht verhindern konnte und gab die Schuld an dem Unfall Mehmet
Sen. (Quelle: Evrensel vom 23.10.2003)
Murat Celikkan: TIHV angeklagt
Am 12. November wird sich die Menschenrechtsstiftung
der Türkei (TIHV) vor Gericht verantworten müssen, weil für die Behandlung
der Hungerstreikenden über das Internet zu Spenden aufgerufen wurde. Weiter
ist in der Anklageschrift zu lesen: Das Dokumentationszentrum habe einen
Bericht über die Situation in den Gefängnissen erstellt, diesen in die
englische Sprache übersetzt und auf internationaler Ebene verteilt. Zudem
habe es Treffen mit dem Verantwortlichen der UN zu “Ver-schwundenen” und
dem Verantwortlichen des EP zur Türkei gegeben und diesen Personen seien
dabei Akten übergeben worden. Der TIHV wird vorgeworfen, mit Einrichtungen
im Ausland zu-sammenzuarbeiten, ohne dafür eine Genehmigung des Ministerrates
zu haben.
(Quelle: Radikal vom 22.10.2003)
Entschädigung für Anwältin
Der Rechtsanwältin Seyma Dögücü
wurden 3 Milliarden TL Entschädigung wegen nicht gerechtfertigter Haft
gewährt. Sie war am 22.10.2001 mit den KollegInnen Arife Gökkaya und Salih
Dögücü zur Theologischen Fakultät der Universität Marmara gegangen, um
Studentinnen Rechtbeistand zu gewähren. Dabei waren sie festgenommen worden.
Nach dem Freispruch in einem Verfahren vor dem Landgericht in Üsküdar,
wo wegen illegaler Demonstration verhandelt wurde, hatte die Anwältin den
Antrag auf Entschädigung gestellt. (Quelle: Bianet vom 22.10.2003)
TOHAV-Zentrum: In 6 Monaten
128 Neuanträge auf Beratung
Das Zentrum für rechtliche und medizinische
Hilfe für Folteropfer und Vertriebene, TOHAV, hat in den ersten 6 Monaten
des Jahres 128 Neuanträge auf Hilfeleistungen erhalten. Über 40 % der Anträge
wurden von Frauen gestellt. Allein 40 Fälle sind Opfer von sexueller Misshandlung
bis hin zur Vergewaltigung durch Angehörige der Sicherheitsbehörden. (Quelle:
ISKU (Yeniden Özgür Gündem, 22.10.2003)
Ankara lehnte Saddams Vorschlag,
die Kurden gemeinsam zu vernichten, ab
Laut des türkischen Außenministers,
Abdullah Gül, schlug der frühere Präsident Irak’s, Saddam Hus-sein, der
Türkei unmittelbar vor Kriegsbeginn einen gemeinsamen Schlag gegen die
Kurden vor.
Sein Plan, die Kurden „einen Kopf
kürzer zu machen“, wurde von Ankara sofort zurückgewiesen, Gül setzte noch
hinzu, „die Türkei hätte die irakischen Kurden länger als ein Jahrzehnt
geschützt, und lehnten es deshalb ab, sich an einem solchen Überfall zu
beteiligen“.
Sich aus einer Entfernung von 8000
Kilometern zu äußern sei leicht erklärte der Außenminister und wies damit
die Kritik einiger muslimischer Länder über die mögliche Entsendung türkischer
Truppenverbände in den Irak zurück. Er schlug vor, statt das von den US
geführten Friedenscorps zu verstärken, sollte die Islamische Konferenz
eine Vermittlergruppe aufstellen.
Wie man aus Kreisen türkischer Diplomaten
hörte, war der Aufruf des Ministers friedenserhaltende Truppen aus muslimischen
Ländern in den Irak zu senden, keine (nur)taktische Äußerung. (Quelle:
NTV/MSNBC, 14.10.03)
MENSCHENRECHTE:
Schon ein Kinobesuch kann die
Familienehre verletzen
In der Osttürkei begehen auffallend
viele junge Mädchen Selbstmord. Frauenrechtlerinnen glauben in vielen Fällen
eher an Mord durch die eigene Familie.
Als man Leyla fand, war es zu spät.
Arbeiter ent-deckten die 17-Jährige morgens auf einer Baustelle. Das Mädchen
hatte sich aus dem vierten Stock eines Rohbaus am Stadtrand von Batman
gestürzt. Leyla gab noch schwache Lebenszeichen von sich, aber als sie
ins Hospital eingeliefert wurde, war sie bereits tot. "Suizid" stellten
Ärzte als Todesursache fest.
Die "Stadt der Selbstmorde" wird
Batman genannt. Rund 150 Mal im Jahr versuchen sich hier Men-schen das
Leben zu nehmen - jedem dritten gelingt es. Über 70 Prozent der Opfer sind
weiblich. Nir-gendwo in der Türkei werden so viele Selbstmorde unter jungen
Frauen registriert wie im Südosten des Landes. Jetzt kommt der Verdacht
auf, dass es sich in vielen dieser Fälle um Morde handeln könnte. Junge
Mädchen müssen sterben, weil sie gegen den strengen Ehrenkodex der Familien
verstoßen.
Die Sozialarbeiterin Nebahat Akkoc
hat seit Ende der 90er Jahre in den südostanatolischen Städten Batman,
Diyarbakir, Kiziltepe und Bingöl Frauen-zentren gegründet. Ein wichtiger
Teil ihrer Arbeit ist, in Interviews mit Frauen möglichst viel über deren
Lebenssituation zu erfahren. Mehr als 5000 solcher Gespräche hat Akkoc
geführt, knapp 2000 davon systematisch ausgewertet. 15 Prozent der befragten
Frauen berichteten von Morddrohungen, aber nur sieben Prozent trugen sich
mit Selbst-mordgedanken. "Wir glauben, dass es sich in der Mehrzahl der
Selbstmord-Fälle in Wirklichkeit um Morde handelt", sagt Akkoc.
Dabei geht es meist um die Familienehre.
Frauen, die diese Ehre "beschmutzen", würden oft zum Selbstmord gedrängt
oder von männlichen Famili-enmitgliedern umgebracht, wenn sie die Selbsttötung
verweigern, glaubt Akkoc: "In den meisten Fällen sprangen die Frauen von
Balkonen oder tranken Gift - aber sprangen sie wirklich oder wurden sie
gestoßen?" Bei den so genannten Ehrenmorden gehe es nicht immer um Liebe
und Sexualität, sagt die Frauenrechtlerin Akkoc. "Manche Familien verhängen
schon wegen eines unerlaubten Kino-Besuchs gegen eine Tochter die Todesstrafe."
Die Befragung gibt ein erschreckendes
Bild von den Lebensverhältnissen der Frauen in der über-wiegend kurdisch
besiedelten Südosttürkei. 99 Prozent der interviewten Frauen sind psychischer,
57 Prozent physischer Gewalt ausgesetzt. 19 Pro-zent sind Opfer von Inzest,
acht Prozent wurden vergewaltigt. Obwohl gesetzlich verboten, ist die Vielehe
an der Tagesordnung. Zwar hat das Parlament in Ankara schon vor einiger
Zeit das Heiratsalter für Mädchen von 15 auf 17 Jahre heraufgesetzt. Aber
das interessiert viele Familien im Südosten nicht.
Frauen und Mädchen, die sich nicht
den Regeln des strengen, traditionellen Ehrenkodex unterwerfen, oder später
aus arrangierten Ehen auszubrechen versuchen, riskieren ihr Leben. Nach
Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen werden in der Türkei pro Jahr
mindestens 200 Ehrenmorde be-gangen. Der Verlust der Jungfräulichkeit,
auch durch Vergewaltigung, gilt als ein Ehrverlust für die Familie, der
nur durch den Tod der Frau wettgemacht werden kann. Oft beauftragt die
Familie mit der Vollstreckung des Todesurteils ein minderjähriges Mitglied,
das nicht bestraft werden kann. Aber auch volljährige Täter können meist
auf Verständnis der Richter hoffen. Das türkische Strafgesetzbuch sieht
für Ehrenmorde mildernde Umstände vor. (Quelle: (GERD HÖHLER / ATHEN) Frankfurter
Rundschau, 25.10.2003)
Mehr Rechte für Deutsche in der Türkei
Die Rechtsstellung von Deutschen
in der Türkei hat sich verbessert. Seit Anfang 2003 seien in der Tür-kei
Gesetze in Kraft getreten, die den Status von Deutschen aufwerten, teilte
die Bundesregierung mit. Mit türkischen Staatsangehörigen Verheiratete
und EU-Bürger würden ohne Fristen und Voraus-setzungen eine Arbeitserlaubnis
erhalten. Auch der Immobilienkauf wurde erleichtert. (sav.) (Quelle: Berliner
Zeitung, 21.10.03)
Journalist verhaftet
Sinan Kara, Reporter für die Agentur
DHA und Besitzer der Zeitung “Datça Haber” trat am 27. Oktober eine 144-tägige
Strafhaft an. Er war wegen Beleidigung der Leibwächter von Mert Ciller,
Sohn der ehemaligen Premierministerin Tansu Çiller verurteilt worden. Gegen
Sinan Kara sind weitere Verfahren anhängig, die vor allem vom Landrat von
Datca initiiert wurden. (Quelle: Cumhuriyet, 28.10.2003)
Fehler der Anklage nach 9 Jahren
entdeckt
Am 28. Oktober nahm die 4. Kammer
des SSG Istanbul das Verfahren gegen 25 Angeklagte erneut auf. Den Angeklagten
waren 6 Aktionen im Namen der PKK zur Last gelegt worden, von denen sich
in zwei Fällen herausstellte, dass sie nie stattgefunden haben. Dennoch
sind bis zum jetzigen Zeitpunkt Metin Dogan, Kemal Güngü, Talip Kalin und
Ek-rem Ütebay weiter in Haft. Von den Stadtwerken in Istanbul wurde mitgeteilt,
dass es einen Anschlag mit Molotowcocktail auf einen Bus im Stadtteil Gaziosmanpasa
im Jahre 1994 nicht gegeben habe. Die oberste Polizeidirektion teilte des
Weiteren mit, dass auch der vermeintliche Anschlag auf eine Schule im Stadtteil
Gazi nicht stattgefunden habe.
Das Verfahren vor dem SSG Istanbul
war 1994 ge-gen 46 Angeklagte eröffnet worden. 10 Angeklagte waren freigesprochen
worden, die Verfahren von weiteren 10 Angeklagten wurden abgetrennt und
ein Verfahren war fallengelassen worden. Die verbliebenen 25 Angeklagten
waren zu Strafen zwischen 30 Monaten und lebenslanger Haft verurteilt worden.
Der Kassationsgerichtshof hatte das Urteil im Jahre 2000 aufgehoben, so
dass es zu einem erneuten Verfahren kommen musste. In diesem Verfahren
wäre auch Cüneyt Aydinlar mit angeklagt gewesen, wenn er nicht in der Polizeihaft
“verschwunden” wäre. Die Mitgefangenen gaben an, dass 6 Beamte der politischen
Polizei am 2. März 1994 in seine Zelle kamen und ihn fragten, ob er bereit
sei, denn er werde in den Tod gehen. Später hatte die Polizei behauptet,
dass Cüneyt Aydinlar bei einem Ortstermin geflohen sei. (Quelle: Özgür
Politika vom 29.10.2003)
Projekt zur Minensäuberung
Der Verein Junger Unternehmer in
Urfa hat ein Projekt entwickelt, mit dem eine Fläche von 35.000 Hektar
in den Provinzen Hatay, Kilis, Sanliurfa und Mardin gesäubert werden soll.
Es wurde der Welt-organisation von Jungen Unternehmern vorgelegt. Mit diesem
Projekt soll ungenutztes Land wieder nutzbar werden. Durch organischen
(biologischen) Anbau soll damit 100.000 Menschen eine Arbeits-möglichkeit
geschaffen werden. Die Unternehmer tauften ihr Projekt “Ökopark”. (Quelle:
Bianet vom 30.10.2003)
Buch über extra-legale Hinrichtungen
Pervin Buldan, Frau des kurdischen
Unternehmers Savas Buldan, der von unerkannten Tätern ermor-det wurde,
hat ein Buch zu politischen Morden in den 90er Jahren herausgegeben. Darin
stellt sie fest, dass von 306 solcher Morde 168 in Batman begangen wurden.
Als Erster sei dort der Journalist Cengiz Altun im Jahre 1992 ermordet
worden. In Batman wurden 1992 43 politische Morde begangen, 1993 waren
es 63 und 1994 gab es 44 Opfer. 1995 ging die Zahl auf 11 zurück. 1996
waren es noch 2 und zwischen 1997 und 2000 gab es 3 Opfer. In dem Buch
werden Details vieler Morde geschildert, deren Täter nie gefunden wurden.
In 20 Fällen haben sich die Familien an Gerichte gewandt, aber auch hier
keinen Erfolg erzielt. (Quelle: Özgür Politika vom 31.10.2003)
Ein Türban kommt Sezer nicht ins
Haus
Der türkische Staatspräsident Sezer
duldet in sei-nem Palast keine Frau mit Kopftuch, egal wer ihr Mann ist.
Emine Erdogan, die Frau des türkischen Ministerpräsidenten bekam keine
Einladung in den Präsidentenpalast zum Nationalfeiertag. Denn sie trägt
einen Türban, wie man in der Türkei das Kopftuch nennt, mit dem immer mehr
Frauen ihre muslimische Rechtgläubigkeit demonstrieren.
Für viele Türken ist der Türban
das Sinnbild von orientalischer Rückständigkeit, religiösem Fanatis-mus
und der Unterdrückung der Frau. Sie sehen in dem Kopftuch eine Provokation,
ein Symbol des politischen Islam, dessen Anhänger in Anatolien angeblich
einen Gottesstaat errichten wollen.
Staatspräsident Sezer ließ nachforschen,
welche Politikergattinnen Kopftücher tragen. Sie wurden von der Einladungsliste
des Staatsempfangs gestri-chen. Die Reaktion auf die Entscheidung Sezers,
die Kopftuch tragenden Ehefrauen nicht einzuladen, ist gespalten. Die Kemalisten
unterstützen ihn. Rückendeckung kann der Präsident auch von den Generälen
erwarten, den strengsten Wächtern über die Trennung von Staat und Religion.
Die regierungsnahen Medien jedoch
zeigen sich empört. Sezer zeige mangelnden Respekt vor den Menschenrechten.
(Quelle: Frankfurter Rundschau, 27.10.2003)
DGM - Prozesse dauern ewig –
Auflösung der DGM für die EU ?
Im Rahmen der Rechtsanpassung an
die EU – Stan-dards ist auch die Auflösung der DGM auf die Tagesordnung
gekommen. Ein Problem dabei stellt die Tatsache dar, dass einige Prozesse
seit 10 Jahren andauern und nicht beendet sind. In einem dieser Prozesse
gegen 13 Angeklagte wegen DHKP/C Tätigkeit wurde jetzt die Verhandlung
erneut vertagt, weil Aussagen eines Beschuldigten nicht abgeschlossen werden
konnten. (Quelle: ISKU (DIHA, 27.10.2003)
Gerichtsklagen gegen
Buchstabenverbote /
Über 200 Festnahmen
Das türkische Innenministerium erliess
ein Verbot für kurdische Namen mit den Buchstaben Q, X und W. Für
die Beibehaltung der Namen in kurdischer Schreibweise wurden Anträge bei
den Gerichten eingereicht. In Diyarbakir wurden etwa 200 An-tragsteller
deswegen festgenommen; sie werden in einer grossen Sporthalle festgehalten.
Anträge bei den Gerichten wurden auch in den Städten Van, Mardin, Sirnak,
Adana, Mersin, Elazig, Cukurova und Batman abgegeben. (Quelle: ISKU (DIHA,
27.10.2003)
Kurden kämpfen für illegale
Buchstaben
Kürzlich hat die türkische Regierung
Eltern erlaubt, ihren Kindern kurdische Vornamen zu geben. Aber sie dürfen
die Buchstaben W, Q und X nicht be-nutzen, weil sie im türkischen Alphabet
nicht vorkommen. Politiker der kurdischen Partei DEHAP wollten das neue
Gesetz testen und stellten Anträge bei Gerichten in Ankara und Istanbul,
um ihre türkischen Namen in kurdische zu ändern. Dabei wollten sie die
im Kurdischen gebräuchlichen drei Buchstaben verwenden. Der Istanbuler
DEHAP-Chef Mehmet Toprak sagte, seine Eltern hätten ihn eigentlich Welad
Amedi nennen wollen. Dies sei damals nicht möglich gewesen. Das Urteil
des Gerichts steht noch aus. DEHAP-Politiker, die auf einem Plakat „Newroz“
(Neujahr) mit dem verbotenen W geschrieben hatten, standen aber jetzt in
Istanbul vor einem Strafgericht. Der Richter fand, die Sache sei lächerlich,
weil niemand sich aufrege, wenn jemand in der Türkei Englisch verwende.
Auch türkische Firmen und Fernsehsender („Show-TV“) benutzen das verbotene
W. (Quelle: Süddeutsche Zeitung, 30.10.2003)
Türkisches Schweigen über Berner
Vorfälle / Widersprüche in Bezug auf Geheimdienstvorwürfe
Die türkische Presse hat am Montag
die Enthüllungen des „Tages-Anzeigers“ vom Samstag in Bezug auf den vorgesehenen
Türkeibesuch von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey genauso wie auch am Wochenende
ignoriert und zur schwellenden Krise der türkisch-schweizerischen Beziehungen
einfach geschwiegen. Nur die auflagestarke Tageszeitung ‚Hürriyet’ berichtet
in ihrer Montagausgabe, dass unbenannte Behörden die Angaben der
Schweizer Presse dementieren. Laut dem Zeitungsbericht sei der Türkeibesuch
der Außenministerin nicht geplatzt, weil der türkische Geheimdienst MIT
ihr Treffen mit einem Kurdenvertreter beobachtet habe, sondern weil der
Waadtländer Grosse Rat am 23. September den Tod von Hunderttausenden von
Armeniern in Anatolien nach dem Ersten Weltkrieg als Genozid anerkannt
habe.
Der Bericht der ‚Hürriyet’
ist wenig aufschlussreich. Denn der türkische Botschafter in Bern, Metin
Örnekol, bestätigt darin nur, dass ein MIT-Bericht über ein Treffen zwischen
Calmy-Rey und einem hochrangigen Vertreter der Kurdischen Arbeiterpartei
(PKK) tatsächlich vorliege. Gleichzeitig weist Örnekol laut ‚Hürriyet’
aber jeden Vorwurf gegen den MIT, in der Schweiz illegal nachrichtendienstlich
tätig zu sein, zurück.
Ähnlich widersprüchlich war am letzten
Sonntag auch der diesbezügliche Hauptkommentar der ‚Hür-riyet’. Unter dem
abschätzigen Titel ‚So sind die’ (die Schweizer) berichtete Redakteur Oktay
Eksi, der gute Kontakte zum Außenministerium haben soll, dass es noch nicht
klar sei, ob die Aufschiebung der Türkeireise von Calmy-Rey auf den Beschluss
des Waadtländer Parlaments zurückzuführen sei oder doch auf das Treffen
zwischen der Aussenministerin und einem hochrangigen PKK-Vertreter, welches
der MIT, ‚das Auge und Ohr der Türkei’, aufgezeichnet habe.. (Quelle:
Neue Zürcher Zeitung, 28. Oktober 2003)
Folterverfahren in Izmir
Am 31. Oktober ging das Verfahren
gegen 4 Polizeibeamte weiter, die den deutschen Straatsbürger Mehmet Desde
im Juli 2002 über 4 Tage lang gefoltert haben sollen. Die Angeklagten Mesut
Angi, Alim Erçetin und Hürriyet Gündüz sagten, dass sie an den Verhören
nicht beteiligt gewesen seien und lediglich das Protokoll unterschrieben
hätten. Meh-met Desde sagte, dass bei den Verhören seine Augen verbunden
waren und er deshalb die Angeklagten nicht identifizieren könne. Allerdings
ähnelt die Stimme von Ali Ercetin der Person, die ihm Drohungen von Vergewaltigung
ins Ohr geflüstert ha-be. (Quelle: TIHV vom 03.11.2003)
Bombenexplosion
In der Nähe des Dorfes Andic, im
Kreis Uludere (Sirnak) spielten Kinder mit einem Mörsergeschoss, das sie
in der Nähe gefunden hatten. Als das Ge-schoss explodierte starben Nehir
Ölmez (14), Selin Ölmez (10), Songül Ölmez (8) und Vedat Ölmez (7). Newroz
Ölmez, Zübeyde Ölmez, Ferdi Ölmez, Sehriban Ölmez, Emine Ölmez, Gülsin
Ölmez und Çilek Ölmez wurden verletzt.
Der IHD untersuchte den Vorfall
und kam zu dem Schluss, dass das Geschoss von der staatlichen Ge-sellschaft
MKE (Maschinen-Chemie-Industrie) hergestellt wurde. Der IHD beschwerte
sich, dass der Staatsanwalt bei den Ermittlungen nicht die Aussagen der
verletzten Kinder aufgenommen habe. Die Umgebung des Dorfes soll mit 4.200
Mi-nen "verseucht" sein. (Quelle: Milliyet vom 03.11.2003)
Ermordung von Sinan Kayis
Die 1. Strafkammer am Landgericht
in Istanbul verkündete am 3. November das Urteil im Fall der Ermordung
des ÖDP Mitglieds Sinan Kayis. Er war am 31. August 2002 beim Verteilen
von Flugblät-tern vom Betreiber eines Cafes erschossen worden. Der Wirt
Ziya Yücetepe erhielt eine Strafe von 16 Jahren und 3 Monaten Haft, da
der Mord unter leichter Provokation stattgefunden habe. Der Mitangeklagte
Ömer Karakus wurde wegen unerlaubten Besitzes einer Waffe zu 11 Monaten
und 20 Ta-gen Haft verurteilt. Vor der Urteilsverkündigung wurde eine Gruppe
von ÖDP'lern von der Polizei daran gehindert, bis zum Gerichtsgebäude zu
gehen. Dabei wurden die Rechtsanwälte Bahri Bayram Belen, Oya Meriç Eyüboglu
und Murat Altindere verletzt. Murat Altindere soll wegen Schlägen auf den
Kopf das Bewusstsein verloren haben. (Quelle: Cumhuriyet vom 04.11.2003)
Bombenexplosion
Auf einer Mülldeponie für Kriegsabfälle
aus dem Irak in der Nähe der Stadt Paysa im Kreis Dörtyol (Hatay) kam es
zu einer Explosion, die von einem Mörsergeschoss herrühren soll. Dabei
wurde der Arbeiter Hüseyin Öksüz getötet. Die Arbeiter Ali Sönmez und Hazni
Inan wurden verletzt. (Quelle: Radikal vom 05.11.2003)
Aufstand im Gefängnis Buca
Am 5. November kam es aus bisher
ungeklärten Gründen zu einem Aufstand in der Kinderabteilung des Gefängnisses
in Buca (Izmir). Nach Auskunft des obersten Staatswanwaltes von Izmir,
Ilhan Mesutoglu, sollen ein paar abenteuerlustige Kinder Barrikaden errichtet
und Sachen in Brand gesteckt haben. Sie hätten aber überredet werden könne,
die Aktion abzubrechen.
Am Folgetage sagte Özlem Mungan
vom CMUK Service (Rechtsbeistand in Polizeihaft) bei der Anwaltskammer
in Izmir, dass sie stets Schwierig-keiten hätten, mit den Gefangenen in
Buca zu sprechen. In der Kinderabteilung seien ca. 40 Minderjährige, die
den AnwältInnen von der Gewalt berichteten, der sie ausgesetzt sind. Andere
Anwälte gaben an, dass Kinder in den Gefängnissen von Aydin und Buca verschiedenen
Willküraktionen ausgesetzt seien. Sie würden in Einzelhaft genommen, müssten
mit den Händen essen, ihre Anträge zur Verlegung in ein Krankenhaus würden
nicht behandelt und es gebe viele Fälle von Prügelstrafen. (Quelle: Cumhuriyet
vom 06.11.2003)
Angeklagte mit Kopftuch des Saales
verwiesen
Vor der 4. Kammer des Kassationsgerichtshofes
fand am 6. November eine Revisionsverhandlung in einem Verfahren gegen
63 Angeklagte (darunter auch der Bürgermeister von Ankara, Melih Gökcek),
denen Betrug vorgeworfen worden war. Die Angeklagte, Hatice Hasdemir, erschien
mit Kopftuch und wurde des Saales verwiesen. Hatice Hasdemir machte darauf
aufmerksam, dass sie sich als Angeklagte vor Gericht befinde, aber der
vorsitzende Richter bestand darauf, dass sie den Saal verliesse, was sie
dann auch tat. (Quelle: Milliyet vom 07.11.2003)
Verheugen: Die Türkei muss sich noch
gedulden
Die EU-Entscheidung über die Aufnahme
von Bei-trittsverhandlungen mit der Türkei könnte sich nach Äußerungen
des Erweiterungskommissar Günter Verheugen über das kommende Jahr hinaus
verzögern. Anfang November wird die Kommission ei-nen neuen Zwischenbericht
über die Fortschritte der Türkei bei der Erfüllung der politischen Bedingungen
für die Aufnahme von Beitrittsgesprächen vorlegen. Verheugen sieht ein
"immer noch gemischtes Bild". Erfolgreichen politischen Reformen stünden
weiterhin Verstöße gegen die Menschenrechte und Religionsfreiheit sowie
die mit dem Demokratieverständnis der EU nicht vereinbare starke Rolle
des Militärs gegenüber.
Abstriche von den Kopenhagener Kriterien,
also der EU-Forderung nach Verwirklichung von Demokratie, Menschenrechten
und Rechtsstaatlich-keit, werde es nicht geben.
Verheugen lobte die Anstrengungen
der Regierung Erdogan bei den Verfassungsreformen und gesetzlichen Schritten.
Die Chance für "wirklich grundlegende Reformen" sei so groß wie noch nie.
Er machte aber auch keinen Hehl daraus, dass der kommende Fortschrittsbericht
abermals zahlreiche Defizite benennen werde. Besonders kritisch äußer-te
sich Verheugen darüber, dass in der Türkei noch immer gefoltert werde.
Auch bei der Übernahme der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs
für Menschenrechte in das türkische Recht hapere es. Ferner klafften Verfassungstext
und Verfas-sungswirklichkeit auseinander.
Gerichte und Verwaltungen legten
die Reformgesetze bewusst eng aus. In vielen Fällen könne man von
Obstruktion sprechen, wie z.B. Verwaltungsvorwände, um Schulunterricht
und Rundfunksendungen in kurdischer Sprache zu verhindern. (Quelle: Frankfurter
Allgemeine Zeitung, 27.10.2003)
EU-Fortschrittsbericht mahnt
Umsetzung von Reformen
in der Türkei an
Istanbul (AFP) - In ihrem diesjährigen
Fortschritts-bericht zur Demokratisierung der Türkei lobt die EU-Kommission
die Reformen der Regierung in Ankara, dringt zugleich aber auf eine entschlosse-nere
Umsetzung. Diplomatische Kreise in Ankara bestätigten am Freitag entsprechende
türkische Pressemeldungen über den Bericht, der offiziell erst am kommenden
Mittwoch veröffentlicht werden soll. Mit den verabschiedeten Reformen habe
die Türkei die Anforderungen der Europäischen Union auf dem Papier zwar
größtenteils erfüllt, stellt der Bericht demnach fest; die praktische Umsetzung
dieser Reformen verlaufe bisher aber "langsam und ungleichmäßig". Die Gesetzesreformen
wirkten sich daher überwiegend noch nicht auf die Bürger aus. (Quelle:
AFP, 31.10.03)
Verheugen-Interview:
"Wer Gesinnungshäftlinge hält,
ist kein EU-Land
„Verheugen: Die Kommission
lobt das wirklich beeindruckende politische Reformtempo, das die Regierung
von Tayyip Erdogan im letzten Jahr vorgelegt hat. Da hat jetzt auch in
den Gesetzen seinen Niederschlag gefunden. Aber, das beschrei-ben wir im
Bericht ebenso, es hapert noch gewaltig bei der Umsetzung. Es wird weiterhin
gefoltert. Auch Gerichte und die Polizeibehörden neigen dazu, die Reformen
sehr restriktiv auszulegen, insbesondere was die Versammlungs- und Mei-nungsfreiheit
betrifft. Ich sage den Türken seit langem: Lasst als erstes die Leute aus
dem Gefängnis, die dort sitzen, weil sie nur ihre Meinung äußerten. Ein
Land, das Gesinnungshäftlinge hält, stellt sich ins Abseits.
SPIEGEL ONLINE: Wie reagiert Herr
Erdogan auf Ihre Meinung?
Verheugen: Er sagt, er habe die
Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Verfahren gegen die politischen
Häftlinge wieder aufgenommen werden können. Die Justiz habe jetzt das Wort.
Aber auch dort gibt es Obstruktion. Es ist leider ganz eindeu-tig: Teile
des Machtapparates vollstrecken den Willen des Parlaments und der Politik
einfach nicht.“ (Quelle: SPIEGEL ONLINE, 04.11.2003)
Ankara räumt Schwächen bei
Umsetzung von Reformen ein
Die türkische Regierung hat Schwächen
bei der Umsetzung rechtsstaatlicher Reformen eingeräumt. Außenminister
Abdullah Gül sagte am Mittwoch nach der Veröffentlichung des neuen Fortschrittsbe-richts
der EU-Kommission für das Bewerberland Türkei, dass es Verzögerungen in
der Praxis gebe und insofern der EU-Bericht "objektiv" sei.
(Quelle: Yahoo!, 05.11.2003)
Theorie gut, Praxis schlecht
Im Anpassungsbericht 2003 werden
Folter, Rechtsverletzungen, Gebrauch von Kurdisch im Verlagswesen und Ausbildung
und die 10% - Hürde bei den Wahlen heftig kritisiert.
In der EU-Kommission für die Erweiterung
der EU wurde der Anpassungs-Bericht 2003 gebilligt und anschliessend veröffentlicht.
Im Bericht wird fest-gestellt, die theoretische Anpassung anerkannt; die
Praxis aber heftig kritisiert wird. In dem Bericht 2003 der EU-Kommission
für die Erweiterung heisst es: „trotz erfolgter Schritte gegen Folter und
Misshandlungen ist die Lage im Land noch nicht gesichert; es gibt immer
noch Fälle von Folter“. Ei-ne Untersuchung von Fällen von Folter und Miss-handlungen
ist nicht mehr zulassungspflichtig; es gibt aber immer noch gesetzliche
Hindernisse für Untersuchungsverfahren bei Fällen von „Hinrichtung ohne
Urteil“, Verschwindenlasssen von Personen, Fälle wie bei Gülbahar Gündüz
in Istanbul oder die Fälle von Serdar Tanis und Ebubekir Deniz in Silopi
im Jahr 2001 werden angeführt.
Aufgeführte kritisierbare Bereiche:
Meinungsfreiheit, Pressefreiheit
bedroht durch dra-konische Strafen und Zensur im Internet
Recht auf Veröffentlichungen in
kurdischer Spra-che
Kritik am Wahlsystem. In 5 Wahlbereichen
erhielt die DEHAP mehr als 45 % Stimmen, aber keine Abgeordneten
Opfer von erzwungener Flucht; Vertreibung
aus den Dörfern und dadurch entstehende soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten,
(auch in den Ge-bieten, die Fluchtziel sind: Beispiel Diyarbakir); Minenfelder
in der Umgebung der entvölkerten Dörfer (Projekt: Rückkehr in die Dörfer);
Über 500 Prozesse gegen Aktivisten
für Menschen-rechte.
Gebrauch bzw. Verbot der Buchstaben
X, W, Q; Anträge auf Ausbildung in Kurdisch werden durch Gerichtsprozesse
beeinträchtigt oder zurückgewie-sen.
Prozess gegen DEP, nachdem der Europäische
Menschengerichtshof das Urteil der Türkei zurück-gewiesen hatte;
Gerichtsurteil (Luzidou gegen Türkei,
Verfahren wegen Nord-Zypern stimmt die Türkei dem Urteil nicht zu).
Die Kommision kommt zu der Meinung,
die Türkei habe nicht vollständig den Kopenhagener Kriterien entsprochen.
Bei politischen, zivilen, wirtschaftli-chen, sozialen und kulturellen Rechten
könne keine vollständige Garantie abgegeben werden; bei der Umsetzung der
gesetzlichen Reformen seien noch umfassende Bemühungen nötig.
Problem Zypern: Das Problem solle
bis spätestens Mai 2004 gelöst werden; die Türkei wird als Prob-lem für
den Zusammenschluss gesehen. Das könnte auch die Aufnahme der Türkei in
die EU beein-trächtigen.
Ein erneuter Bericht über den Entwicklungsstand
der Umsetzung an die EU-Standards wird im Okto-ber 2004 erstellt werden...
(Quelle: Informationsstelle Kurdistan
(Übersetzung aus Yen-iden Özgur Gündem.com, 06.11.2003)
"Nur die Methoden der Folter haben
sich geändert": Menschenrechtler
Öndül: Keine Verbesserungen trotz
neuer Gesetze in der Türkei
Nach Ansicht des Vorsitzenden des
türkischen Menschenrechtsvereins (IHD), Hüsnü Öndül, hat die Türkei keine
nennenswerte Fortschritte bei der Bekämpfung der Folter erzielen können.
Er äußerte, dass die Folter-Zahlen nicht zurückgehen und des-halb der Bericht
der EU-Kommission, in dem die Gesetzesänderungen der jüngsten Zeit
gelobt aber die schleppende Umsetzung kritisiert werden, ob-jektiv sei.
Die Zahlen des IHD zeigen eher auf einen Anstieg als eine Abnahme der Folterfälle.
So registrierten die Menschenrechtler im Jahr 2002 insgesamt knapp 900
mutmaßliche Fälle von Folter und Misshandlung; in den ersten fünf Monaten
dieses Jahres waren es 600. Öndül erklärte, dass sich nicht die Zahlen,
sondern nur die Methoden der Folter geändert haben.
Da ein neues Gesetz eine raschere
Überweisung von Festgenommenen an den Haftrichter vorschreibt, versuche
die Polizei Spuren von Miss-handlungen zu vermeiden. Deshalb würden weniger
Elektroschocks und Schläge eingesetzt, immer mehr Festgenommene müssten
sich nun aber nackt ausziehen und würden mit kaltem Wasser übergos-sen.
Öndül betonte, er wolle die von Ankara einge-leiteten Reformen nicht "herunterspielen",
jedoch müsse die Regierung die Gesetze besser umsetzen. (Quelle:
Bremer Nachrichten, 06.11.2003)
125 Angeklagte auf einen Streich:
Türkei: Massenprozeß in der
kurdischen Stadt Bingöl.
Am Freitag wurde in der kurdischen
Stadt Bingöl im Südosten der Türkei ein spektakulärer Mas-senprozeß gegen
125 Frauen aus verschiedenen Teilen des ganzen Landes eröffnet. Ihnen wurde
vorgeworfen, gegen das Kundgebungs- und Ver-sammlungsrecht verstoßen zu
haben. Ihre »Schuld«: Sie hatten im Juni dieses Jahres eine Kampagne für
einen »runden Tisch zum Dialog« begonnen, der eine innergesellschaftliche
Aussöhnung zwischen türkischer und kurdischer Bevölkerung zum Ziel hat.
Der Prozeß begann Freitag früh im
restlos überfüllten Gerichtssaal des 2. Strafgerichts in Bingöl unter Turbulenzen.
Nahezu alle angeklagten Frauen waren erschienen. Die Räumlichkeiten erwiesen
sich als zu klein. Zudem erregte das Verfahren in der Stadt nicht nur wegen
des massiven Aufgebots an Polizei und Armee Aufsehen. Der Antrag der acht
Verteidigerinnen, daß zumindest die im Saal befindlichen bewaffneten Zivilpolizisten
den Saal zu verlassen hätten, wurde abgelehnt. Während des ganzen Tages
dann verhandelte das Gericht. Gegen Abend wurde schließlich mit einer Vertagung
gerechnet.
Zur Vorgeschichte: Unter dem Motto
»die Gewaltkultur zum Schweigen bringen« waren türkeiweit seit dem Sommer
»Friedenstische« durch ein breites Bündnis verschiedener Frauenor-ganisationen,
darunter türkische und kurdische Frauen-, Lesben- und Transsexuellenorganisationen,
in verschiedenen Städten veranstaltet worden. Sie verlangten, daß die »gewalttätige
Politik gegen die Kurden, gegen eine ganze Geschichte, gegen die Natur
und das Bewußtsein der Menschen« ersetzt werden müsse durch »eine friedliche
Kultur«. Dazu müßten die Frauen die Geschichte selber »in die Hand nehmen«.
Auch in Bingöl sollte der Friedensdialog
geführt werden. Dort wurde das Treffen jedoch Anfang Juni von den Sicherheitskräften
verhindert, 125 Frauen wurden brutal festgenommen, 16 Stunden festgehalten
und dann aus der Stadt geschafft. Neben 25 »Friedensmüttern« gehörten Angehörige
der »Initiative zur Entwicklung eines Frauenstandpunktes« (Katagi) zu den
Betroffenen. Die Beteiligten betonten insbesondere ihre Überparteilichkeit.
Ihre Forderungen nach Dialog richten sich an alle Seiten, gleichermaßen
an Regierung, KADEK und andere. Trotzdem wird befürchtet, daß das Gericht
die Anklage erweitern könnte, und zwar um den Vorwurf einer »Unterstützung«
der Guerilla. Eine Verurteilung wegen derartiger Vorwürfe würde
Haftstrafen zur Folge haben. (Quelle: junge Welt, 08.11.2003)
SADDAMS GETREUE:
Besitz wird konfisziert
Der irakische Regierungsrat hat
die Beschlagnahmung aller Besitztümer von Verwandten und politischen Weggefährten
Saddam Husseins angeordnet.
Betroffen sind diejenigen, deren
Namen auf der US-Liste der 55 meistgesuchten Iraker stehen, so-wie 181
weitere Kinder oder andere Verwandte ehemaliger Führungskader. (Quelle:
taz, 22.10.2003)
Der Kellner wird gleich mitverhaftet
Die Demokratiebewegung in Syrien
versucht sich unter schwierigen Bedingungen neu zu organisie-ren
Einmal im Monat räumen Suheir al-Atasi
und ihre Mutter nahezu alle Möbel aus ihrer Wohnung im Damaszener Vorort
Al Mazzeh. Sie stellen 120 weiße Plastikstühle in Wohnzimmer, Esszimmer
und einen Nebenraum und installieren einen Ver-stärker mit Lautsprecherboxen.
Das Wohnzimmer mit den blau-goldenen Vorhängen verwandelt sich am Abend
in den Atasi-Salon, den letzten öffentli-chen Ort für kritische politische
Diskussionen in Damaskus. Das unabhängige Forum, das vor drei Jahren gegründet
wurde, ist nach dem verstorbenen Oppositionspolitiker Jamal al-Atasi benannt.
Seine Tochter Suheir ist die Vizevorsitzende.
Über 150 Menschen drängen sich am
Abend in die Wohnung. Die Menschen stehen in der Küche, im Flur und bis
in den Hausflur hinein. Diejenigen, die auf dem Balkon Platz genommen haben,
drücken ein Ohr an das Fliegengitter der weit geöffneten Wohnzimmerfenster,
um nur ja kein Wort zu ver-passen. "Wir können die Probleme des Landes
nicht ohne freie Bürger und eine wirkliche Demokratie lösen", lautet die
Kernaussage des Referenten des Abends, Karim M'roui. Er ist ein Reformer
der libanesischen KP.
Im Publikum sitzen ergraute oppositionelle
Intellektuelle, interessierte Bürger, aber auch zwei, drei Universitätsprofessoren,
die das Baath-Regime jedes Mal schickt, um die Position der Regierung zu
vertreten. Zu den regelmäßigen Teilnehmern gehören auch die Beamten des
"muchabarat", des Geheimdienstes, die den Vortrag und die Diskussi-onsbeiträge
aufzeichnen.
Illegale Treffen
Die Veranstaltung ist illegal, sie
wird lediglich geduldet. Immer noch gilt der 1963 verhängte Ausnahmezustand,
der die politischen Freiheiten einschränkt. Vergeblich haben sich Gründer
des Atasi-Salons darum bemüht, als Organisation zugelassen zu werden. Eine
Genehmigung für die Veranstaltung wäre - wenn überhaupt - nur zu erhalten,
wenn zwei Wochen vorher Thema, Referent und eine Teilnehmerliste eingereicht
würden. Das aber wäre das Ende des öffentlich zugänglichen Forums. Darauf
wollen sich die Initiatoren nicht einlassen.
Der illegale Status des Salons verfehlt
seine Wir-kung nicht: "Viele Menschen haben immer noch Angst, an solchen
Aktivitäten teilzunehmen", stellt der Vorsitzende des Atasi-Salons, Salim
Kheirbek, fest. Wie schnell so etwas zur Verhaftung führen kann, zeigt
ein Vorgang in der nordsyrischen Milli-onenstadt Aleppo. Dort verboten
die Behörden Ende August einen Vortrag über "40 Jahre Ausnahmezustand",
zu dem das Kawakibi-Forum eingeladen hatte, das nach einem 1902 ermordeten
Reformer benannt ist. Daraufhin sagten die Veran-stalter den Vortrag ab.
21 Personen, die sich dennoch am Versammlungsort einfanden, wurden festgenommen.
Sieben wurden nach wenigen Stunden freigelassen, die übrigen 14 vernommen
und einen Tag später auf freien Fuß gesetzt…….
Führende Köpfe in Haft
Drei Jahre nach der Niederschlagung
der oppositionellen Kräfte, die unter dem Namen "Damaszener Frühling" bekannt
wurden, versucht sich die syrische Demokratiebewegung unter schwierigen
Bedingungen neu zu organisieren. ………
Zu denen, die derzeit an der Neuorganisation
der vielen, kleinen Oppositionsgruppen arbeiten, gehört Michel Kilo, Journalist
und Mitbegründer des Ko-mitees für die Wiederbelebung der Zivilgesell-schaft:
Der Journalist Michel Kilo ist hingegen
fest über-zeugt, dass sich das Regime überlebt hat:
"Es ist ein Kampf, den wir nicht
mehr verlieren können." (Quelle: auszugsweise Frankfurter Rundschau, 03.11.2003,
den vollständigen Artikel können Sie auf unserer homepage www.kurden.de
nachlesen.)
Sorge um die Sicherheit von zwei
iranischen Staatsbürgern
amnesty international ist in großer
Sorge um die Sicherheit der beiden iranischen Staatsbürger Hojjat Zamani
und Massoud Moqtadari, die Meldungen zufolge am 3. August 2003 von türkischen
Polizeibeamten in Istanbul in Haft genommen wurden. Massoud Moqtadari wurde
kurze Zeit später wieder auf freien Fuß gesetzt, von Hojjat Zamani fehlt
seitdem jedoch jede Spur. Es steht zu fürchten, dass ihm die Abschiebung
in den Iran droht oder er bereits in sein Heimatland abgeschoben wurde,
wo ihm schwere Menschenrechtsverletzungen wie Folter und Misshandlung drohen.
amnesty international fürchtet nun,
dass Hojjat Zamani im Falle seiner Abschiebung in den Iran in besonderem
Maße von Menschenrechtsverletzun-gen bedroht ist, da er der iranischen
Volkmudschaheddin, einer bewaffneten Oppositionsgruppe, na-hesteht.
Detaillierte Hintergrundinformationen
und Akti-onen entnehmen Sie bitte der homepage von: www.amnesty. de
VEREINIGUNGSTREFFEN DER SYRISCHEN
POLITISCHEN OPPOSITION IN WASHINGTON
Sieben syrische Oppositionsparteien
und weitere Vertreter relevanter syrischer und internationaler Organisationen
treffen einander am 15. und 16. November in Washington D.C., um dort die
Arbeit und ihre gemeinsamen Möglichkeiten im Rahmen einer zukünftigen "Demokratischen
Koalition für ein freies Syrien" zu erörtern.
Das erklärte Ziel der Bemühung richtet
sich auf die Perspektive einer All-Parteien Assoziation, die als Alternative
zum herrschenden Baath-Regime aus-nahmslos alle Menschen des Landes repräsentiert.
Im Rahmen des Modells einer demokratisch und säkular verfaßten neuen Gemeinschaft.
Der Begeg-nung in Washington sind - auch in Europa und Deutschland - in
den letzten Monaten intensive Gespräche und Verabredungen zwischen den
verschiedenen demokratischen Formationen der syrischen Opposition vorausgegangen,
die auf dieser Grundlage der folgenden Einladung der "Reform Party of Syria"
entsprechen. Die historische bedeutsame Zusammenkunft ereignet sich im
Nationalen Presseclub der amerikanischen Hauptstadt.
Die "Koalition für ein demokratisches
Syrien" (KDS) wird an diesen Gesprächen teilnehmen und über deren Resultate
ausführlich berichten.
(Quelle: Presseerklärung der KDS)
EU-Staaten wollen Abschiebe-Jets
chartern: Innenminister einig über
gemeinsame Rückführungen
Die EU-Innenminister einigten sich
auf Sammelab-schiebungen von Menschen ohne rechtmäßigen Aufenthalt aus
der EU. Bisher hat es vereinzelt solche gemeinsamen Abschiebungen von Belgien,
den Niederlanden und Deutschland gegeben. Bel-gien und Frankreich beabsichtigen,
in Zukunft hier ebenfalls eng zusammenzuarbeiten. In der jetzt beschlossenen
Leitlinie wird die gemeinsame Organisation von Charterflügen vorgesehen.
Hintergrund dafür sind offenbar die Probleme, die besonders bei Zwangsabschiebungen
per Linienflug aufgetreten waren. Immer wieder hatten in der Vergangenheit
Fluggäste zu Gunsten der Ausländer eingegriffen, die abgeschoben werden
sollten. Be-sonders bei offensichtlicher Gewaltanwendung durch die Begleitbeamten
war es mehrfach zum Abbruch des Abschiebeversuches gekommen.
Die EU-Innenminister stimmten einer
unverbindlichen Liste von Mindestanforderungen bei Abschiebungen zu. So
sollen die Abzuschiebenden flugtauglich sein, ihr Geld und ihre Wertgegenstände
während des Fluges in Verwahrung genommen werden, die Anzahl der mitgeführten
Gepäckstücke von der Abschiebebehörde festgelegt werden. Bei der Anwendung
von Zwang soll die Verhältnismä-ßigkeit gewahrt werden. Gegebenenfalls
soll die Abschiebung abgebrochen werden.
Wegen mehrerer Todesfälle bei gewaltsamen
Abschiebungen in den vergangenen Jahren wird darauf verwiesen, dass bei
Zwangsmaßnahmen freie Atmung des Zurückzuführenden gewährleistet sein muss.
"Die Immobilisierung Widerstand leistender Personen kann durch Maßnahmen
erreicht werden, die deren Würde und körperliche Unversehrtheit nicht verletzen",
erklärten die Minister. Deshalb soll jedem Abzuschiebenden jeweils ein
Flugbegleiter zugeordnet werden. Dabei können ausdrücklich auch private
Wachdienste eingesetzt werden, jedoch müssen immer Beamte mit "Hoheitsfunktion"
an Bord der Maschinen sein. Die ärztliche Versorgung soll sichergestellt
werden.
(Quelle: Frankfurter Rundschau,
08.11.2003)
Wie zuvor auch diesmal möchten wir
an Sie appellieren, uns mitzuteilen falls Sie eine e-mail-Adresse haben,
denn der Versand über e-mail ist kostengünstiger und schneller.
Wir möchten Sie gleichzeitig auf
unsere web-Seiten hinweisen, die interessante Beiträge enthält:
· Demokratiebewegung in Syrien (FR,
3.10.03)
· Befürchten Sie nicht als Kollaborateur
betrachtet zu werden? (01.10.03)
· Gib uns ein wenig Zeit (Spiegel,
20.10.03)
· Ein Haus für 16 Frauen (taz, 18.10.03)
· Schon ein Kinobesuch kann die
Familienehre verletzen (FR, 25.10.03)
· Wer ist Bashar Assad? (Jerusalem
Post, 15.10.03)
· Misstrauen gegen die Türkei (FR,13.10.03)
· Viele Fahnen in Kirkuk (NZZ, 11.10.03)
· Geburtswehen einer Demokratie
(Salzburger Nachrichten, 16.10.03)
· Strategische Interessen der Türkei
(FR, 08.10.03)
· Heikle Glaubensfrage (SZ, 06.10.03)
· Folterklage gegen 405 türkische
Soldaten (HAZ, 10.10.03)
· Türkei im Irak unerwünscht (taz,
09.10.03)
· Die Araber sollten Kurdistan wieder
verlassen- Interview mit Masud Barzani (FR, 16.09.03)
· Das vertrocknete Paradis (taz,
15.09.03)
· Interview mit Claudia Roth, Menschenrechtssituation
in der Türkei (DLR-Berlin, 17.09.03)
· Wir sind keine Besatzer – Powell
im Nordirak (FAZ, 16.09.03)
· Mit Eseln gegen die Teilung Zyperns
(NZZ, 25.09.03)
· Situation der Kurden im Iran
In Englisch:
· Acceleration of Reforms Needed
Now for EU Bid (Human Rights Watch, October 30, 2003)
· Five Bad Grades For Turkey in
EU Progress Report (Zaman, by Selcuk Gultasli, 23 October 2003)
· Getting Tough With Syria (By Steven
C. Baker, FrontPageMagazine.com | October 21, 2003)
· IFJ Warns Turkey Over Media Assault
on Journalists' Rights and New Press ((IFJ, 27 October 2003)
· Important Progress Has Been Reached
To Upgrade Human Rights Standards (Anadolu Agency, October 24, 2003)
· Journalist imprisoned in Turkey
(SOURCE: Reporters sans frontiE8res (RSF), Paris, October 28, 2003)
· Kurds Are Finally Heard: Turkey
Burned Our Villages (New York Times, October 24, 2003)
· Kurds' faith in new Iraq fading
fast (Guardian, by Michael Howard, October 21, 2003)
· Many Turks relieved that Iraqi
opposition keeping Turkish troops out of Iraq (AP, October 22, 2003)
· Michael Chyet: The Jewish chronicler
of Kurdish Culture (24 October 2003, Jerusalem Post)
· Official support extended to Kurdish
language center (Turkish Daily News, October 23, 2003)
· Senior Turkmen: Turkmen Front’s
decisions are made in Ankara (KurdishMedia.com, October 16, 2003)
· Syria said to control $3 billion
for Saddam (NYT / The International Herald Tribune, October 20, 2003)
· Turkish rights activists acquitted
under EU-inspired reforms (AFP, 21 October 2003)
· Ankara rejected Saddam proposal
to strike Kurds: PM (NTV, 10.14.03)
· Barzani Says Iraqis united in
opposing Turkish deployment (Source: AFP, October 11, 2003)
· Suicide bomber arrested in Arbil
(KurdishMedia.com, 17.10.03)
· The arrest warrant against Özgüden
(Source: Info-Turk/Brussels, 16.10.03)
· Zebari: 'We do not want any of
Iraq's immediate neighbours to take part in peacekeeping missions” . (AFP,
10.07.03)
· Why Turkish Troops are Going to
Iraq? (Zaman/Turkey, 10. 09, 03)
· Turkey faces tough task in getting
OIC support for Iraq mission (TDN, 10.13.03)
· Where free speech has a price
(The Guardian, 10.13.03)
· Remarks and Q & A by Foreign
Minister Hoshyar Zebari (THE SABAN CENTER FOR MIDDLE 10.01.03)
· An Appeal to the Secretary-general
of the United Nations (KDP-Iran, 10.14.03)
· Ciftci tried at Istanbul's DGM
f or criticisms on headscarf ban (TDN, 10.15.03
· Betraying the Kurds again? (salon.com,
10.14.03)
· Hundreds of Turkish soldiers to
stand trial for rape of Kurdish woman (AFP, 03.10.03
· Poll shows %89,5 of Iraqis against
Turkish troop deployment (KurdishMedia, 10.15.03)
· 4 Years In Prison for Headscarf
Protests (Kurdistan Observer, 10.04.03)
· Fight over Kurdish Language Use
in Ankara (Radikal, 10.03.03)
· Iraqi Council Opposed to Turkish
Troops (AP, 10.07.03)
· Assassination bid fails in northern
Iraq (Iraq Press, 09.28.03)
· Defining federalism for Iraq (KurdishMedia,
16.09.03)
· Iraqi Christians hold first post-Saddam
conference (Iraq Press, 09.23.03)
· Iraqi Turkmen choose new Leader
(Iraq Press, September 27, 2003)
Diese Beiträge tragen nicht unbedingt
unsere Meinung, sondern geben die aktuell für unser Themengebiet interes-santen
Diskussionen wieder. Besuchen Sie doch einmal www.kurden.de.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihre Redaktion
"Mord im Namen der Ehre"
Entwicklung und Hintergründe von
"Ehrenmorden" –
eine in Kurdistan verbreitete Form
der Gewalt gegen Frauen
Eine besonders verabscheuenswürdige
Form der Gewalt gegen Frauen sind die "Morde im Namen der Ehre," die bis
heute im Nahen Osten und vor allem auch in Kurdistan üblich sind, ja sogar
in den letzten Jahren häufiger geworden zu sein scheinen. Immer wieder
werden dort Frauen ermordet, nur weil sie in Konflikt mit den rigiden herrschenden
Moralvorstellungen geraten sind.
Was sind die Gründe dafür, dass
zahlreiche Frauen umgebracht werden, nur um die angeblich durch sie
befleckte Familienehre zu reinigen? Stehen die "Ehrenmorde" mit dem Erstarken
des Islam und seinen Moralvorstellungen im Zusammenhang? Warum sind diese
Morde vor allem in Kurdistan zu beobachten, handelt es sich bei ihnen etwa
um eine "kurdische Tradition"? Diesen Fragen gehen in diesem Buch zwei
kurdische Wissenschaftlerinnen nach. Die Rechtsanwältin Hamiyet Izol untersucht
das Phänomen in den türkischen Teilen Kurdistans, Dr. Mukaddes Sahin in
den irakischen Teilen des Landes, vor allem in den sog. kurdischen Selbstverwaltungs-Gebieten,
die schon vor dem Sturz des Saddam-Regimes dem Zugriff des Tyrannen entzogen
waren. Johannes Düchting informiert darüber, wie das deutsche Flüchtlingsrecht
mit Frauen umgeht, die Gefahr laufen, in ihrer Heimat Opfer von "Ehrenmorden"
zu werden.
Zu beziehen über IMK e.V. Preis:
12,-- Euro (incl. Versandkosten)
der IMK e. V. möchte alle Interessierten
und MitarbeiterInnen in der Flüchtlingsarbeit darauf hinweisen, dass wir
eine neue Publikation herausgegeben haben. Thema dieser Publikation ist
„Traumatisierte kurdische Flüchtlinge in Deutschland“ und trägt den Namen
der gleichnamigen Fachtagung, die vom 15.-16. Juni 2001 im Maternushaus
in Köln, stattfand:
„Odyssee ins Ungewisse“
Durch Herrn Dr. Ilhan Kizilhan wird
ausführlich über die spezifischen Fluchtursachen der Kurdinnen und Kurden
in Nordkurdistan berichtet. Er gibt einen historischen Überblick der Flüchtlingsentwicklung
und geht auf die wirtschaftliche und soziale Lage der Menschen in Nordkurdistan
ein.
Herr Prof. Ferhad Ibrahim und Herr
Abubekir Saydam behandeln das Thema: „Fluchtursachen aus dem Irak und Südkurdistan
– Gibt es eine innere Fluchtalternative?“ Sie schildern die aktuelle Situation
im Irak und in Sürkur-distan und berichten von Stationen der Traumatisierung.
„Fluchtwege“ ist das Thema von Herrn
Jürgen Hoppe, Journalist. Hier werden die Methoden und Vorgehensweisen
von Schleppern oder Schleusern erläutert, die für hohe Geldsummen, Flüchtlinge
unter oft unmenschlichen Bedin-gungen nach Deutschland schleusen.
Frau Dipl. Psychologin Hamidiye
Ünal spricht über traumatisierte Flüchtlinge in Gesellschaft und in Therapie.
Sie geht auf Foltermethoden und auch auf die psychosoziale und rechtliche
Situation der Flüchtlinge in Deutschland ein. Besonders behandelt wird
das Thema „Trauma“, von den Folgen über Symptome bis hin zu Beratung und
Therapie.
Das Thema „Möglichkeiten der Behandlung
von traumatisierten Flüchtlingen im Herkunftsland Türkei“ wird exem-plarisch
anhand einer Prozessbeobachtung in Izmir von Dr. med. Nesmil Ghassemlou
behandelt. Anschliessend wer-den die Voraussetzungen für eine erfolgversprechende
Behandlung und die Behandlungsmöglichkeiten erörtert.
Die 64-seitige Publikation (Format
DIN A4) kann in gebundener Form bei uns gegen die Entrichtung eines Betra-ges
von 8,00 Euro (inkl. Versandkosten) bestellt werden.
Neue Studie: AUSLÄNDER IM EIGENEN
LAND - Die Situation staatenloser Kurden in Syrien
In der Provinz Hasaka wurde 1962
ca. 120.000 Kurden die syrische Staatsangehörigkeit entzogen, sie wurden
so zu Staatenlosen, zu Ausländern im eigenen Land.
Die vorliegende Dokumentation beschäftigt
sich mit der Situation dieser Bevölkerungsgruppe. Unser Ziel ist es, in
einem ersten Schritt sowohl die Hintergründe ihrer Ausbürgerung als auch
deren bis in die Gegenwart reichende Folgen darzustellen. Gezeigt wird,
dass die Ausbürgerungskampagne von 1962 integraler Bestandteil der allgemei-nen
Arabisierungsbestrebungen der syrischen Regierung gewesen ist und dass
die syrische Politik gegenüber den (staatenlosen) Kurden bis in die Gegenwart
durch diese Arabisierungslogik geprägt wird.
In einem zweiten Schritt wird aufgezeigt,
gegen welche nationalen Gesetze und internationale Abkommen die syri-sche
Praxis gegenüber Staatenlosen verstößt.
Dieser Teil der Studie schließt
mit einer Reihe von Empfehlungen zur Verbesserung der Situation der Staatenlosen,
die insbesondere an die syrische Regierung, aber auch an andere internationale
Akteure gerichtet sind.
Die Situation der aus Syrien stammenden
„staatenlosen“ Kurden hat inzwischen auch die deutschen Behörden und Gerichte
beschäftigt. Immer mehr dieser Kurden gelingt die Flucht nach Europa und
in die Bundesrepublik Deutsch-land, wo sie, um ihren Aufenthalt hier zu
sichern, zumeist Asyl beantragen.
Lange Zeit spielte es in den Asylverfahren
keine Rolle, ob es sich bei den Asylbewerbern um Kurden mit oder ohne syrische
Staatsangehörigkeit handelte.
Etwa Anfang 2001 änderte sich jedoch
die Rechtsprechung hinsichtlich dieses Personenkreises. Inzwischen werden
in Deutschland Asylanträge, die sich darauf stützen, dass man staatenloser
Kurde aus Syrien sei, regelmäßig abge-lehnt. Da zur Situation staatenloser
Kurden kaum Veröffentlichungen in deutscher Sprache vorliegen, hoffen wir
mit unserer Dokumentation einen wichtigen Beitrag zu diesem Thema geleistet
zu haben.
Mit Beiträgen von Eva Savelsberg,
Siamend Hajo und Celal Abbas Kömür sowie Johannes Düchting
Zu beziehen über IMK e.V. Preis:
10,- Euro (incl. Versandkosten)
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