Internationaler
Verein für Menschenrechte der Kurden
IMK Wocheninformationsdienst
Datum: 01. Juli – 17. Juli
2003
Nummer: 196-197
Schläge in Ankara
Ümit Göksu, im Vorstand des Hilfs-
und Solidari-tätsvereins für Gefangene (THYD-DER), Vedat Yavuz, Siwan Ahmet
Bozkurt und Aydin Çelik teilten mit, dass sie am 26. Juni von Polizisten
in Altindag (Ankara) geschlagen wurden. Göksu schil-derte: „ Wir waren
auf dem Weg zu unserem Auto, als uns 10-15 Polizisten den Weg versperrten.
Vor den Augen unserer Frauen schlugen sie uns und zwangen uns, uns auf
den Boden zu legen. Wir wurden zur Polizeiwache in Altindag gebracht. Dort
wurden wir der Reihe nach durchgeprügelt. Zwischen 1.30 und 2 Uhr in der
Nacht haben sie unsere Aussagen aufgenommen. Danach schlug uns jemand,
der sich als Chef der Wache vorstellt. Er sagte: ‚Ich bin Boxer, kennt
ihr mich nicht.’ Dann schlug er uns mit der Faust vor allem in die Magengegend.
Er drohte, dass er uns arbeitslos machen könne. Als er erfuhr, dass wir
vorwiegend aus Erzurum und Tunceli kommen, schlug er uns noch mehr. Gegen
7 Uhr wurden wir zur Gerichtsmedizin gebracht.“ Göksu sagte, dass 3 von
ihnen dort ein Attest erhielten, aus dem hervorging, dass sie geschlagen
worden waren. Er und die anderen wollen Strafanzeige gegen die Polizisten
stellen. (Quelle: Özgür Gündem, 30.06.2003)
Verfahren gegen Folterer
Vor der 10. Kammer des Amtsgerichts
in Ankara ging das Verfahren gegen die Polizeibeamten Sefa Sevim und Ergün
Ates zu Ende. Sie waren beschul-digt worden, den Studenten Veli Kaya bei
einer Demonstration am 6. November 2002 gegen das Hochschulgesetz in einen
Keller gezerrt und dort verprügelt zu haben. Das Gericht verurteilte sie
wegen Misshandlung (§ 245 TSG) zu einer Haft-strafe von 6 Monaten. Die
Strafe wurde auf 5 Jahre zur Bewährung ausgesetzt. (Quelle: Radikal 28.06.2003)
TV Sendung verboten
Der Hohe Rat für TV und Radio (RTÜK)
hat dem Sender Gün TV, der in Diyarbakir ausstrahlt, für 30 Tage die Ausstrahlung
von Sendungen verboten. Das Verbot wurde damit begründet, dass die Nachrichten
zwischen dem 5. Januar und 23. Februar exakt den Nachrichten des aus dem
Ausland ausgestrahlten Sender Medya TV entsprochen habe. Gün TV war zuvor
schon lange Zeit nicht mehr auf Sendung gewesen und hatte sein Programm
am 27. Mai wieder aufgenommen. In Van wurde dem lokalen TV Sender Cinar
TV das Ausstrahlen von Sendungen auf 30 Tage verboten, weil der Sender
Erklärungen von Abdülmelik Firat (Vorsitzender der Partei für Rechte und
Freiheiten (HAK-PAR) ausgestrahlt hatte. Die Ansichten des Herrn Firat
sollen die Bevölkerung zu Feindschaft aufgewiegelt haben. (Quelle: Özgür
Gündem vom 01.07.2003)
Das 6. Anpassungspaket
Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer
hat sich gegen die Streichung des Artikels 8 aus dem Anti-Terror Gesetz
(ATG) ausgesprochen. Dies ist ein Bestand-teil des 6. Anpassungspakets
für den Beitritt zur EU, das im Parlament verabschiedet wurde. Nach Ansicht
von Ahmet Necdet Sezer (der als Vorsitzender des Verfassungsgerichts übrigens
eine andere Meinung vertreten hatte, DTF) sei die Streichung des Artikels
in Bezug auf die unteilbare Einheit des Staates mit seinem Land und seiner
Nation bedenklich. Sezer schlug stattdessen eine engere Fassung des Artikels
8 vor, damit kein Widerspruch zum Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention
auftrete. (Quelle: Cumhuriyet, 01.07.2003)
Reformgegner geben nicht auf:
Türken ringen um Reformen
... Vor zehn Tagen verabschiedete
das türkische Parlament ein weiteres Bündel von Gesetzesände-rungen, die
helfen sollen, dem Land den Weg in die Europäische Union zu ebnen. Zwar
hatten die türkischen Generäle Widerspruch gegen einige Elemente des Reformpakets
angemeldet. Die islamisch-konservative Regierung und ihre Abgeordneten
ignorierten das Störfeuer einfach. Doch jetzt schießt auch Staatspräsident
Sezer quer. Er verweigerte am späten Montagabend zwei Gesetzesänderungen
sei-ne Unterschrift: Der Abschaffung des berüchtigten Artikels 8 der Anti-Terrorgesetze
und der Bestimmung, wonach alle, die wegen Verstoßes gegen die-sen Artikel
in Haft sitzen, unverzüglich entlassen werden sollen.
Der Artikel 8 bedrohte "separatistische
Propagan-da" mit schweren Strafen. Er wurde vor allem als Gummiparagraph
gegen kurdische Intellektuelle, Bürgerrechtler und Publizisten eingesetzt.
Der Eu-ropäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die Rechtsprechung
mehrfach gerügt.
Verhindern kann der Präsident die
Reform nicht. Verabschiedet das Parlament die Gesetzesänderun-gen erneut,
muss er unterschreiben. Aber Sezer nimmt mit seinem Veto offen Partei gegen
die Regierung... Gestärkt fühlen sich durch Sezers Einspruch jetzt jene
Kräfte, die den innenpolitischen Reformprozess stoppen wollen. Sie sitzen
im Generalstab, in Kreisen der Justiz, des Sicherheitsapparates und der
Bürokratie. Erdogan scheint aber entschlossen, über die Widerstände hinwegzugehen...
(Quelle: Frankfurter Rundschau 02.07.2003)
Kurdischunterricht
Das SSG Van hat 700 Studenten vom
Vorwurf der Unterstützung einer bewaffneten Bande freigespro-chen. Sie
waren angeklagt worden, nachdem sie am 9. Januar 2002 Petitionen an den
Rektor der 100 Jahre Universität mit der Bitte um Kurdisch als Wahlfach
übergeben hatten. Danach waren 26 Stu-dentInnen von der Uni entfernt, 16
für ein Jahr, 17 für ein Semester und 138 für eine Woche vom Unterricht
ausgeschlossen worden. Ihr Widerspruch vor dem Verwaltungsgericht in Van
war erfolg-reich. Von den Angeklagten hatten 13 StudentInnen 6 Monate in
U-Haft verbracht. (Quelle: Özgür Gündem, 02.07.2003)
Piskinsüt freigesprochen
Die 21. Kammer des Amtsgerichts
in Ankara hat Sema Piskinsüt, jetzt Vorsitzende der Partei der gesellschaftlichen
Demokratie (TDP) in der ersten Verhandlung freigesprochen. Sie war angeklagt
worden, weil sie als Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Parlament
der Staatsanwaltschaft nicht die Namen von Folteropfern mitgeteilt hatte,
mit denen Mitglieder der Kommission gesprochen und deren Vorwürfe in Berichten
der Kommission wiedergegeben wurden. (Quelle: Yeni Safak vom 03.07.2003)
Fernsehsender bestraft
RTÜK hat den Fernsehsendern Star,
Starmax, Ka-nal 6, Star 6, Heyecan TV und Footgol Star 8 das Ausstrahlen
von Sendungen für 30 Tage verboten. Grund war die Wiedergabe einer Rede
von Cem Uzan, Vorsitzender der Jungen Partei, in Bursa, in der er den Ministerpräsidenten
Recep Tayyip Erdo-gan beleidigt haben soll. Von anderen Sendern, die aus
der Rede zitierten, Flash TV, Habertürk, Star 4, Star 5, Star 7 und Nev
TV hat RTÜK eine Stel-lungnahme verlangt. (Quelle: Milliyet, 03.07.2003)
Kurdische Sendungen
Die 10. Kammer des Obersten Verwaltungsgerichts
hat eine vorläufige Anordnung erlassen, nach der der staatliche Fernseh-
und Radiosender TRT nicht die Vorschriften des Erlasses zum Ausstrahlen
von Sendungen in kurdischer Sprache erfüllen muss. TRT hatte gegen die
Auflagen Widerspruch mit der Begründung eingelegt, dass erst das TRT-Gesetz
geändert werden müsse, bevor ein solcher Erlass Wirkung habe. Der Erlass
war am 18. Juni 2002 im Amtsblatt veröffentlicht worden. (Quelle: Radikal
04.07.2003)
Einblicke in den Sumpf von Ankara
Wenn stimmt, was ein Ausschuss des
türkischen Parlaments in Sachen Korruption ermittelt hat, müsste die Türkei
ein reiches Land sein, das auf internationale Finanzhilfe verzichten kann.
Auf 150 Milliarden Dollar "Korruptionskosten" kam der Ausschuss, als er
die Geschäfte der Regierungen seit 1994 durchleuchtete: das Zehnfache der
Sum-me, die das stark verschuldete Land seit 1999 vom Internationalen Währungsfonds
als Kredit erhalten hat. Das meiste Geld soll im Energiesektor ver-schwendet
worden sein, ziemlich viel versickerte im Zoll, marode Kreditinstitute
machten den Staat arm und Banken-Barone reich.
Die im November 2002 gewählte Regierung
von Tayyip Erdogan hatte das Gremium eingesetzt. Am Freitag schloss es
seine Arbeit ab, bald will Erdo-gan die Ergebnisse präsentieren. Diese
werden "die Nation schockieren", verspricht er. Die Türken würden sich
wundern, wie ihr Land "von innen und von außen ausgeraubt wurde und trotzdem
überlebt hat".
Fast die gesamte Garde der ehemaligen
Minister musste aussagen. Dabei präsentierte sich die einsti-ge Führungsriege
- Vize-Premier Mesut Yilmaz eingeschlossen - als Herde von Unschuldslämmern.
Hüsamettin Özkan, einst rechte Hand von Regie-rungschef Bülent Ecevit,
schob alle Verantwortung auf die Beamten...
Die jetzige Regierung ist überzeugt,
die Gasge-schäfte (mit Rußland, die das Land teuer zu stehen kommen) seien
unter Mitwirkung von Yilmaz zu Wucherpreisen abgeschlossen worden...
Wirtschaftskrisen und Korruption
hatten zur Abwahl der alten Regierung geführt. Inzwischen schreibt die
Türkei Exportrekorde mit einem Zu-wachs von 34 Prozent im Vergleich zu
2002... (Quel-le: (Christiane Schlötzer) Die Süddeutsche Zeitung, 05.07.2003)
Ein politisches Zeichen an die PKK:
Ein Gesetz, das PKK-Kämpfern bei
Ab-gabe ihrer Waffen Straffreiheit
zusichert, soll jetzt vom türkischen
Par-lament verabschiedet werden. Damit kommt Ankara den USA entgegen, die
auf eine Rückkehr der Kurden aus dem Nordirak in die Türkei drängen
... "Wir geben der türkischen Regierung
noch Zeit bis zum 1. September. Wenn es bis dahin keine substantiellen
Angebote an das kurdische Volk gibt, werden wir erneut um unsere Würde
kämpfen." Mit dieser Erklärung reagierte Murat Karayilan, ein führender
Sprecher der ehemaligen kurdischen Ar-beiterpartei PKK auf ein Gesetz zur
"gesellschaftli-chen Rehabilitation", mit dem die türkische Regierung einen
großen Teil ehemaliger PKK-Kämpfer von dem Bergen herunterholen will. Das
Gesetz soll Anfang kommender Woche im Parlament verabschiedet werden. Es
wird im Gegensatz zu früheren "Reuegesetzen" einfachen PKK-Militanten,
die nicht selbst an Kämpfen gegen Soldaten oder Polizisten beteiligt waren,
Straffreiheit zusichern, wenn sie ihre Waffen niederlegen.
Dieses Amnestiegesetz ist der erste
Versuch der neuen türkischen Regierung, auf den schwelenden Konflikt mit
den kurdischen Rebellen politisch zu reagieren...
Gegen dieses Gesetz macht nicht
nur die PKK, sondern auch die legale kurdische Partei Dehap seit Wochen
mobil. Die kurdischen Organisationen fordern eine Generalamnestie und die
Möglichkeit für die ehemalige PKK, zukünftig in der Türkei legal arbeiten
zu können. Für diese Forderungen hat die Dehap trotz Behinderungen durch
die Polizei eine Million Unterschriften gesammelt, die sie am Mittwoch
dem Petitionsausschuss des Parlaments übergeben hat.
Die Dehap fordert wie die PKK, dass
der türkische Staat sich mit Vertretern der Kurden zusammensetzt und über
eine gemeinsame Zukunft verhandelt. Der PKK-Führer Murat Karayilan beklagte
im kurdischen Fernsehen MED-TV, dass kein Vertreter der türkischen Regierung
je auf die PKK zugekommen sei. Als Vermittler schlägt er die Dehap oder
auch US-Vertreter vor.
Dazu ist die AKP-Regierung so wenig
bereit wie die Vorgängerregierungen. (Quelle: taz, 04.07.2003)
Folter in Uludere
Bewohner des Dorfes Ortaköy (Arose)
im Kreis Uludere (Sirnak) haben Foltervorwürfe erhoben. Die Betroffenen
sind: Kervan Berk (Festnahme am 2. Juli), Fahri Berk, Abdulhaluk Berk und
Tahir Berk (sie waren am 5. Juni festgenommen worden). Kervan Berk berichtete:
“Die Soldaten der Gen-darmerie fragten mich nach bestimmten Namen, die
ich nicht kannte. Daraufhin fingen sie an zu schimpfen und schlugen auf
mich ein. Einer von ihnen war der Kommandant Mutlu Zorlu und der andere
ein Unteroffizier mit dem Vornamen Adnan. Der Kommandant verletzte mich
mit dem Gewehr-lauf am Kopf und der Unteroffizier trat mich am Hals und
am Rücken. Sie schlugen mich für ca. 20 Minuten. Dann setzten sie eine
Waffe an meinen Kopf und drohten, mich zu töten, wenn ich keine Namen nennen
würde. Aus Angst habe ich den Na-men meines Bruders und von drei Cousins
angege-ben. Erst als andere Dorfbewohner kamen, hörten sie mit den Schlägen
auf. Sie nahmen mich mit zur Wache, wo sie nicht schlugen, sondern meine
Wun-den mit einer Salbe behandelten. Später wurde ich zur Gendarmeriewache
in Gülyazi gebracht. Nach einem Tag wurde ich von dort zum Gesundheitsamt
in Gülyazi gebracht. Der Arzt wollte Spuren von Folter notieren, aber ein
Unteroffizier bestand dar-auf, dass die Verletzungen von einem Sturz vom
Felsen herrührten. Dem Staatsanwalt in Uludere habe ich erzählt, was passiert
ist und er hat eine neue Untersuchung angeordnet. Im Staatskrankenhaus
von Uludere wurden 9 Schlagwunden festgestellt, die mich 3 Tage lang arbeitsunfähig
mach-ten.” Nach der Freilassung von Kervan Berk wurden die Dorfbewohner
Fahri Berk, Abdulhaluk Berk and Tahir Berk am 5. Juli festgenommen. Dar-aufhin
veranstalteten die Dorfbewohner einen Protestmarsch zur Gendarmeriewache.
Nazim Berk be-richtete, dass die Gendarmerie sie daran hindern wollte.
Da sie aber durch Schüsse in die Luft nicht eingeschüchtert werden konnten,
zogen sich die Soldaten in die Wache zurück und forderten Verstärkung aus
Uludere an. Die Aktion der Dorfbewohner wurde durch die Freilassung der
3 Dorfbewohner beendet. (Quelle: Özgür Gündem 07.07.2003
Folter in Diyarbakir
Die Brüder Recep Dinler (32), Raif
Dinler (29) und Dinçer Dinler (27) haben sich beim IHD Diyarbakir darüber
beschwert, dass sie von Polizisten am 2. Ju-li verprügelt wurden. Recep
Dinler sagte, dass er auf dem Nachhausewege gegen 0.30 Uhr seinen angetrunkenen
Bruder Raif helfen wollte und dabei beide zu Boden fielen. Die Polizisten
dachten wohl, dass sie einen Streit hätten und begannen, auf sie einzuprügeln.
Da sie sich zur Wehr setzten seien weitere Polizeibeamte hinzugekommen
und dabei sei auch die Mutter, die Schwester und die Tante verprügelt worden.
Er habe sich dann zusammen mit seinem Bruder in einer stark verschmutzten
Zelle wieder gefunden. Als sie um Freilassung ba-ten, seien sie erneut
verprügelt worden. Dabei habe er am Kopf und an der Nase Wunden erlitten,
die genäht werden mussten. Später sei er auf der Poli-zeiwache erneut verprügelt
worden, so dass die genähten Wunden aufplatzten. Recep Dinler nannte einen
der prügelnden Beamten als Ahmet Yilmaz. (Quelle: Özgür Gündem 05.07.2003)
Folterverfahren
Vor der 21. Kammer des Amtsgerichts
Ankara wur-de das Verfahren gegen die Polizeibeamten Murat Dedeoglu, Rifat
Dogru, Gürah Ayhan, Atanur Ars-lan, Erdal Simsek Ahmet Horoz, Tekin Tasliova,
Recep Cömert und Mustafa Usul fortgeführt. Ihnen wird Folter am Studenten
Senol Gürkan im Juni 2001 zur Last gelegt. Senol Gürkan befand sich seinerzeit
6 Tage im Polizeigewahrsam. In der Ver-handlung vom 26. Juni sagte er aus,
dass Murat De-deoglu (dessen Vater in einem Folterverfahren mit Todesfolge
angeklagt ist) und die anderen Beamten ihn gezwungen hätten, sich splitternackt
auszuzie-hen. Einer von ihnen habe ihm mit Vergewaltigung gedroht. Später
sei er in eine Zelle gebracht, dann aber zu einem ihm unbekannten Ort gebracht
worden. Dort sei er mit Wasser unter Hochdruck insbesondere auf seinen
Penis bespritzt worden. Nach zwei Stunden hätten sie ihn gezwungen, eine
vorbereitete Aussage zu unterschreiben. Desweiteren sei er in seiner Zelle
gezwungen worden, Wasser mit Spülmittel zu trinken. (Quelle: Özgür Gündem
05.07.2003)
Lehrerin wieder eingestellt
Die Lehrerin Hülya Akpinar, gegen
die nach einer Veranstaltung zur Armenierfrage am 30. Mai in Elbeyli (Provinz
Kilis) ein Verfahren eröffnet und entlassen worden war, ist als Lehrerin
wieder eingestellt worden. Dies verfügt der Gouverneur Tevfik Basakar,
damit die Lehrerin nicht unnötig “leiden” muss. Das Verfahren gegen sie
und sechs Kol-legInnen geht vor dem Amtsgericht in Kilis weiter. (Quelle:
Radikal vom 08.07.2003)
IHD’ler bedroht
Hüsnü Öndül, der Vorsitzende des
IHD, gab auf ei-ner Pressekonferenz bekannt, dass Ridvan Kizgin, der Vorsitzende
der Zweigstelle in Bingöl, Drohun-gen erhalte. Er sei am 8. Juli gegen
22.30 Uhr von einer Person, die sich als Gendarmeriekommandant bezeichnete,
auf dem Handy angerufen und zu einer Unterredung geladen worden. Ridvan
Kizgin habe abgelehnt, da er keine Veranlassung sah, die Berichte der Zweigstelle
zu Menschenrechtsverletzungen zu korrigieren. Am nächsten Morgen habe er
weitere Drohungen von einem Obergefreiten aus der Kommandantur erhalten.
Der IHD hat sich an verschiedene Ministerien, die oberste Kommandantur
der Gendarmerie und den Menschenrechtsausschuss im Parlament gewandt, um
den Vorfall zu klären. (Quelle: Özgür Gündem vom 11.07.2003)
Menschenrechtsgericht befasst sich
mit Verschwinden von Andrea Wolf
Das Verschwinden des mutmaßlichen
Mitglieds der RAF und der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) An-drea Wolf
beschäftigt den Europäischen Gerichts-hof für Menschenrechte in Straßburg.
Wie eine Sprecherin am Dienstag mitteilte, wird derzeit eine Beschwerde
von Wolfs Mutter gegen die Türkei ge-prüft. Voraussichtlich im Herbst werde
das Gericht entscheiden, ob die Beschwerde zulässig sei. Sollte dies der
Fall sein, kommt es zu einem Verfahren in Straßburg. (Quelle: AFP, 08.07.03)
Vier Tote bei Angriff kurdischer
Rebellen im Südosten der Türkei
Bei einem Angriff auf ein Dorf im
Südosten der Türkei haben kurdische Rebellen vier Dorfbewoh-ner getötet.
Ein Mensch wurde bei dem Angriff auf das Dorf in der Nähe der Stadt Bingol
verletzt, wie die Nachrichtenagentur Anadolu am Freitag berichtete. Die
Aktion gehe auf das Konto der Rebellenorganisation KADEK, der Nachfolgeorganisation
der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK, sagte Provinzgouverneur Huseyin
Avni Cos dem TV-Sender CNN-Türk. Dem 15-jährigen Guerilla-Krieg der PKK
sind mehr als 30.000 Menschen zum Opfer gefallen. Seit der Gefangennahme
von PKK-Führer Abdullah Öcalan 1999 und dem anschließenden Todesurteil
wegen Hochverrats haben die Aktivitäten der PKK und ihrer Nachfolgeorganisation
allerdings stark abgenommen. (Quelle: dpa, 11.07.03)
Fall Öcalan beschäftigt erneut
Gerichtshof für Menschenrechte
Der Europäische Gerichtshof für
Menschenrechte wird das Verfahren um den in der Türkei inhaftier-ten PKK-Chef
Abdullah Öcalan neu aufrollen. Wie die Pressestelle am Freitag mitteilte,
legten sowohl Öcalan als auch die Regierung in Ankara Berufung gegen ein
erstinstanzliches Urteil vom 12. März ein. Damals hatte eine kleine Kammer
des Straß-burger Gerichts das Verfahren gegen den PKK-Führer in der Türkei
als unfair gerügt. Die Türkei wurde angewiesen, die Prozesskosten in Höhe
von 100.000 Euro zu tragen. (Quelle: AFP, 11.07.03)
Reformgegner geben nicht auf - Türken
ringen um Reformen
Im Streit über die demokratischen
Reformen in der Türkei verhärten sich die Fronten. Das Veto des Staatspräsidenten
Ahmet Necdet Sezer gegen die Liberalisierung der Anti-Terror-Gesetze stärkt
die Gegner. Vor zehn Tagen verabschiedete das türkische Parlament ein weiteres
Bündel von Gesetzesänderungen, die helfen sollen, dem Land den Weg in die
Europäische Union zu ebnen. Zwar hatten die türkischen Generäle Widerspruch
gegen einige Ele-mente des Reformpakets angemeldet. Die islamisch-konservative
Regierung und ihre Abgeordneten ignorierten das Störfeuer einfach. Doch
jetzt schießt auch Staatspräsident Sezer quer. Er verweigerte am späten
Montagabend zwei Gesetzesänderungen seine Unterschrift: Der Abschaffung
des berüchtigten Artikels 8 der Anti-Terrorgesetze und der Bestimmung,
wonach alle, die wegen Verstoßes
gegen diesen Artikel in Haft sitzen,
unverzüglich entlassen werden sollen.
Der Artikel 8 bedrohte "separatistische
Propagan-da" mit schweren Strafen. Er wurde vor allem als Gummiparagraph
gegen kurdische Intellektuelle, Bürgerrechtler und Publizisten eingesetzt.
Der Eu-ropäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die Rechtsprechung
mehrfach gerügt. Verhindern kann der Präsident die Reform nicht. Verabschiedet
das Parlament die Gesetzesänderungen erneut, muss er unterschreiben. Aber
Sezer nimmt mit seinem Veto offen Partei gegen die Regierung. Der Ex-Verfassungsrichter,
ein entschiedener Verfechter der weltlichen Verfassungsordnung, beobachtet
die Politik des Regierungschefs Tayyip Erdogan wegen dessen Verwurzelung
im politischen Islam mit Argwohn. Gestärkt fühlen sich durch Sezers Einspruch
jetzt jene Kräfte, die den innenpolitischen Reformprozess stoppen wollen.
Sie sitzen im Generalstab, in Kreisen der Justiz, des Sicherheitsapparates
und der Bürokratie.
Erdogan scheint aber entschlossen,
über die Wider-stände hinwegzugehen. Das nächste Reformpaket ist bereits
in Arbeit und könnte noch diese Woche dem Parlament zugeleitet werden.
Es enthält vor allem Gesetzesänderungen, mit denen der Einfluss der türkischen
Militärs in der Politik zurückge-drängt werden soll. (Quelle: FR,02.07.03)
Ein verhängnisvoller Gruß
ans Publikum
Fall Tunc: Türkischer Sänger aus
Rüsselsheim in der Heimat in Haft – „Unterstützung der PKK“
Ein in Rüsselsheim aufgewachsener,
aber seit drei Jahren in Istanbul lebender Türke kurdischer Her-kunft sitzt
in der Türkei seit gut einer Woche in Haft. Der Vorwurf: Unterstützung
der in dem Land verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK). Der Rüsselsheimer
Europa-Abgeordnete Ozan Ceyhun, der bei einem Türkei-Besuch vor wenigen
Tagen von dem Fall erfuhr, setzt sich für die Freilassung des Mannes ein,
der unter dem Künstlernamen Ferhat Tunc vor allem bei Kurden sehr populär
ist.
Als Ceyhun am vergangenen Donnerstag
mit einer sozialdemokratischen Delegation des Europaparlaments für drei
Tage in die Türkei flog (in der Maschine saß auch der neue deutsche Botschafter
in Ankara), um mit der Regierung über den angestrebten EU-Beitritt zu verhandeln,
bekam er gleich Einblicke in die Praxis der türkischen Behörden.
Der Sänger Tunc hatte laut der örtlichen
Polizei bei einem Konzert in einer osttürkischen Stadt das Publikum mit
dem Ausspruch „Merhaba PKK" (Guten Tag PKK) begrüßt. Tunc und sein Anwalt
bestreiten dies. Angeblich, so Ceyhun, gebe es aber ein Polizeivideo, auf
dem der Satz festgehalten sei.
(….) Ceyhun zeigte sich sehr empört
über den Fall. Es könne doch nicht sein, dass die Türkei EU-Mitglied werden
wolle und Brüssel zu Gefallen schöne Papiere verfasse, in der Praxis aber
unter fadenscheinigen Gründen Menschen verhaftet wür-den. (Quelle: Darmstädter
Echo, 15.7.2003)
Schily verlangt von Türkei Wiederauf-nahme
ehemaliger Staatsbürger
Die Bundesregierung dringt auf ein
Rücknahmeab-kommen mit der Türkei. Innenminister Otto Schily (SPD) hoffe,
dass er im Hinblick auf die Europa-Tauglichkeit der Türkei mit Ankara "zu
einem Ergebnis kommen" könne, sagte ein Sprecher am Freitag in Berlin.
Schily war am Mittwoch und Donnerstag in der Türkei. Der Sprecher bestätigte
einen Bericht des Berliner "Tagesspiegels", wonach Schily die türkische
Regierung in einem Brief drin-gend aufforderte, ehemalige Staatsbürger
auch gegen ihren Willen wieder aufzunehmen.
Mehrere türkische Staatsbürger,
die sich im Ausland aufhielten, waren von den türkischen Behörden wegen
Wehrdienstverweigerung in die Staatenlosigkeit entlassen worden. Schily
schrieb seinem türkischen Kollegen Abdulkadir Aksu, damit würden "innerstaatliche
Angelegenheiten der Türkei zu Lasten Deutschlands geregelt". Die Türkei
müsse dafür Sorge tragen muss, "dass sie im Bereich des Staatsangehörigkeitsrechts
EU-Standards einhält", schrieb Schily. Das Vorgehen der Türkei entspreche
nicht dem Völkerrecht. Besondere Bedeutung hat der Brief Schilys laut "Tagesspiegel"
auch wegen neuer Erkenntnisse des Berliner Landeskriminalamtes. Dort habe
eine spezielle Ermittlungsgruppe herausgefunden, dass eine große Zahl abgelehnter
Asylbewerber, deren Staatsangehörigkeit angeblich ungeklärt ist und die
deshalb nicht abgeschoben werden können, tatsächlich unter einem anderen
Namen in der Türkei registriert sind.
Darunter befänden sich auch bekannte
Unterwelt-größen. Die deutschen Ermittler hätten auf Anfrage die entsprechenden
Registerauszüge zwar erhalten, schrieb das Blatt. Zugleich habe die Türkei
aber die betreffenden Personen am selben Tag in die Staa-tenlosigkeit entlassen.
Damit hätten die türkischen Behörden verhindert, ihre eigenen Bürger wieder
aufnehmen zu müssen. (Quelle: dpa, 11.07.03)
Samstag 5. Juli 2003, 04:46 Uhr
TV: Erneut Massengrab in Nordirak
entdeckt
(AFP) In Nordirak ist einem Fernsehbericht
zufolge erneut ein Massengrab aus der Regierungszeit des entmachteten Präsidenten
Saddam Hussein entdeckt worden. Das Grab sei südöstlich der Stadt Mossul
entdeckt worden, berichtete der Fernsehsender der Demokratischen Partei
Kurdistans, KTV, am Frei-tag. Anwohner hätten das Grab mit Hilfe von US-Soldaten
ausgehoben. Das Grab stamme aus dem Jahr 1988, berichtete KTV unter Berufung
auf Anwohner. Es gebe weitere Massengräber in der Region. Bislang seien
die Überreste von 30 Kurden exhumiert worden. Der TV-Sender zeigte Bilder
von Fetzen traditioneller kurdischer Kleidungsstü-cke. Vermutlich handle
es sich bei den Opfern um Frauen und Kinder. Anwohnern zufolge wurden 1988
in der Gegend 300 kurdische Zivilisten in Massengräbern verscharrt
USA gehen gegen Türken im Irak vor:
Ankara streitet mit Washington nach Festnahme von elf Soldaten / Erdogan
spricht von "hässlichem Vorfall
US-Truppen haben im Norden Iraks
elf türkische Soldaten gefangen genommen und damit Spannun-gen zwischen
den beiden Nato-Partnern ausgelöst. Der türkische Ministerpräsident Recep
Tayyip Erdogan sprach am Samstag von einem inakzeptab-len und "hässlichen
Vorfall". Erdogans Regierung verlangte von Washington die sofortige Freilassung
der Soldaten. Im Laufe des Abends soll ein Teil der Soldaten freigelassen
worden sein, sagte Erdogan dem Fernsehsender NTV. Der Zwischenfall brachte
den schwelenden Interessenskonflikt zwischen den USA und der Türkei im
Nordirak ans Licht.
Türkischen Angaben zufolge stürmten
etwa 100 US-Soldaten am Freitagnachmittag ein Verbindungsbüro der türkischen
Armee in der Stadt Sülemaniye im nordirakischen Kurdengebiet. Elf verblüffte
türkische Soldaten, die zunächst an einen Freundschaftsbesuch der Amerikaner
glaubten, wurden entwaffnet und zu einer US-Basis in der nahen Stadt Kirkuk
gebracht. Die US-Soldaten sollen die Nachrichtenverbindungen in Sülemaniye
unterbrochen haben, um den Vorfall so lange wie möglich geheim zu halten.
Die US-Truppen hätten die Gefangennahme mit einem angeblich geplanten türkischen
Mordanschlag auf den kurdischen Gouverneur von Kirkuk begründet, meldeten
türkische Medien. Die türkische Regierung wies diese Anschuldigung zurück;
von amerikanischer Seite lag zunächst keine Stellungnahme vor... (Quelle:
(Thomas Seibert) Der Tagesspiegel, 06.07.2003)
Türkei: Unser Nationalstolz ist gekränkt
- Im Irak festgenommene Soldaten wie-der frei / Amerika: Suspekte Aktivität
Bc. BRÜSSEL, 7. Juli. Elf türkische
Elite-Soldaten, die im Nordirak von amerikanischen Streitkräften aufgegriffen
und drei Tage lang gefangengehalten wurden, befinden sich wieder auf freiem
Fuß. Sie verbrachten die Nacht zum Montag in einem "Gästehaus" in Bagdad
und nahmen nach Angaben des türkischen Generalstabschefs, General Hilmi
Özkök, um sieben Uhr morgens in der kurdischen Stadt Suleimanije, wo sie
am Freitag festgenommen worden waren, ihren Dienst wieder auf.
Der "häßliche Zwischenfall", wie
Ministerpräsident Tayyip Erdogan sich ausdrückte, ist eine neue Be-lastungsprobe
für das seit dem Irak-Krieg schwer gestörte Verhältnis zwischen Washington
und Ankara. Die türkische Regierung hatte am Wochenende alle diplomatischen
Hebel in Bewegung gesetzt, um die sofortige Freilassung der drei Offiziere
und acht Unteroffiziere eines Spezialkräfte-Kommandos zu erreichen. Erdogan
rief Vizepräsident Cheney an, Außenminister Gül sprach mehrfach mit Außenminister
Powell, und Generalstabschef Özkök setzte sich mit dem Vorsitzenden der
Vereinigten Stabschefs, Richard Myers, und General James Jones, dem Nato-Oberbefehlshaber
und Kommandeur der amerikanischen Streitkräfte in Europa, in Verbindung……..
Was sich am vergangenen Freitag
in Suleimanije, einer Stadt im nordirakischen Kurdengebiet, ereignete,
ist bislang vor allem aus türkischen Darstellungen bekannt. Demnach drangen
etwa hundert amerikanische Soldaten der 173. Luftlandebrigade gewaltsam
in ein Gebäude ein, in dem sich die elf Mitglieder des Spezialkräfte-Kommandos
und einige irakische Zivilisten aufhielten. Bei der Aktion wurden angeblich
Funkgeräte, Computer und andere Einrichtungsgegenstände zerstört. Drei
Gebäude der "Irakischen Turkmenischen Front", einer von der Türkei unterstützten
Gruppierung, seien eben-falls gestürmt wurden, darunter ein Kulturzentrum
und ein Radiosender. ……
Durch Unterstützung der in den Kurdengebieten
des Nordiraks siedelnden Turkmenen versucht die Tür-kei aber auch, sich
im Nordirak ein Mitspracherecht zu sichern und nach Möglichkeit das Entstehen
eines unabhängigen oder weitgehend autonomen Kurdenstaates zu verhindern.
Es heißt auch, die türkische Armee liefere Waffen an die Turkmenen. Die
amerikanische Militäraktion beruhte angeblich auf Geheimdienstinformationen,
wonach mit Hilfe der türkischen Spezialkräfte ein Anschlag auf den von
den Amerikanern eingesetzten kurdischen Gouverneur von Kirkuk geplant werde.
Außenmi-nister Gül wies solche Behauptungen als "Unsinn" zurück……..
(Quelle: Auszugsweise aus Frankfurter
Allgemeine Zeitung, 08.07.2003)
Den vollständigen Text können Sie
auf unserer Internet-Seite unter www.kurden.de nachlesen.
Im Klima der Angst verkümmern die
Rechte der Irakerinnen
Human Rights Watch sieht Frauen
in Bagdad durch die Furcht vor Vergewaltigung und Entführung in ihre Häuser
verbannt. Von den neuen Machthabern nicht ausreichend geschützt und durch
Übergriffe eingeschüchtert, sind Irakerinnen vom öffentlichen Leben in
der Nachkriegsgesellschaft oft ausge-schlossen. Zu diesem Ergebnis kommt
eine Studie der Organisation Human Rights Watch in Bagdad, die am heutigen
Mittwoch vorgelegt wird.
Von Monika Kappus
"Frauen und Kinder in Bagdad haben
so große Angst, dass viele nicht in die Schule oder zur Arbeit gehen",
sagt Hanny Megall, bei der Menschen-rechtsorganisation zuständig für den
Mittleren Osten. Das Klima der Furcht, das der Report beschreibt, speist
sich aus Berichten von Vergewaltigungen und Frauenhandel. Nach gut 70 Interviews,
bei denen zwischen 27. Mai und 20. Juni Gewaltopfer, irakische Polizisten,
medizinisches Personal und US-Militärpolizisten befragt wurden, dokumentieren
die Menschenrechtler 23 Fälle von Vergewaltigung und Entführung. Darunter
der einer Neunjährigen, im Bericht Saba genannt. Ein Fremder griff sie
demnach am 22. Mai vor dem Gebäude auf, in dem sie lebt, und vergewaltigte
sie in einem verlassenen Nachbarhaus. Ein Freund von Sabas Familie fand
das am Kopf und aus dem Unterleib blutende Mädchen.
Die Schilderung von seiner Suche
nach Hilfe gibt Human Rights Watch wieder: Ein Klinik-Komplex verweigerte
die Behandlung und verwies auf das gerichtsmedizinische Institut. Doch
auch dort wurde der Mann abgewiesen – er brauche einen Polizeibericht.
"Dann waren da aber keine Polizeiwachen, die geholfen hätten", wird der
Mann zitiert. Schließlich habe sich eine Journalistin für das Kind eingesetzt,
so dass es nach Tagen von einem US-Militärarzt behandelt worden sei. Kein
Einzelfall, moniert die Menschenrechtsorganisation. Kliniken wiesen die
Opfer oft ab. Die lokale Polizei schenke Anzeigen wegen sexueller Gewalt
und Entführung wenig Beachtung. Zudem sei "die US-Militärpolizei nicht
bereit einzugreifen", wenn die irakische versage. In einigen Fällen seien
Akten verschwunden.
Aber nicht nur deshalb ist es schwer,
aus den do-kumentierten Fällen auf den tatsächlichen Umfang des Problems
der Gewalt gegen Mädchen und Frauen zu schließen. Die Dunkelziffer dürfte
beträchtlich sein, meinen die Menschenrechtler. "Einige Frauen und Mädchen
fürchten, dass sie mit einer Anzeige wegen sexueller Gewalt Ehrenmorde
oder soziale Stigmatisierung provozieren." Der Bericht zitiert irakische
Ermittler, die angeben, dass die Zahl angezeigter Fälle von Vergewaltigung
gegenüber der Saddam-Zeit deutlich gestiegen sei. Zu den Entführungen wird
ein Ermittler zitiert: Auch früher seien Mädchen verschwunden und in Golf-Staaten
verkauft worden. Doch heute seien es ungleich mehr, weil sie ohne Pass
über die Grenzen geschafft würden.
Die Angst vor Übergriffen schüchtert
Frauen und Mädchen ein, drängt sie ins Haus zurück. So berichtet Human
Rights Watch von Lina, die ihre Abendschule sausen ließ, nachdem sie von
einem anderen Mädchen gehört hatte, das abends überfal-len worden sein
soll. Von ursprünglich 50 Mädchen in der Klasse besuchten nur noch acht
oder neun den Unterricht. Der Report nimmt die Besatzer in die Pflicht:
Solange in Nachkriegs-Irak noch nicht internationale Menschenrechtsstandards
durchge-setzt und Polizei und Justiz darauf eingeschworen seien, müssten
die USA eine Kommission gegen Menschenhandel und sexuelle Gewalt einsetzen.
Hanny Megall mahnt: "Wenn die irakischen Frauen wirklich eine Rolle in
ihrer Gesellschaft spielen sollen, muss sich die Sicherheitslage ändern."
(Quel-le: Frankfurter Rundschau, 16.07.2003)
Die deutsche Botschaft empfängt
kurdische Kinder
Die deutsche Botschaft in Damaskus
hat am 09.07.2003 eine Gruppe von kurdischen Kindern in Begleitung von
einigen Erwachsenen empfangen. Anlaß des Empfangs war das erklärte Bedürfnis
der Botschaft der Bundesrepublik, Hinweisen auf die problematischen Umstände
nachzugehen, von de-nen die "Kinderdemonstration" am 26. Juni 2003 in Damaskus
negativ betroffen war. Die seinerzeitige Demonstration zum Weltkindertag
der Vereinten Nationen, die von vier kurdischen Gruppierungen organisiert
worden war, ereignete sich im Zeichen von schwerwiegenden Angriffen der
Polizei und Geheimdienste auf die Teilnehmer der Demonstra-tion.
Die Kinder haben den Vertretern
der deutschen Botschaft eine Kopie jenes Briefes überreicht, den sie zuvor
an die Vereinten Nationen (UNICEF) adressiert hatten. Diese bemerkenswerte
Geste ei-ner europäischen Botschaft in Damaskus ist von al-len syrischen
Kurden als Geste der Freundschaft betrachtet worden. (Quelle: KDPS, 10.07.03)
KP-Führerin für das Baath-Regime
Die Ehefrau des verstorbenen syrischen
KP-Führers Khaled Bagdasch, Frau Wisal Bagdasch, die die Führung der Partei
von ihm "übernommen" hat und als treue Anhängerin der Baath Partei gilt,
hat die syrische demokratische Opposition sehr scharf an-gegriffen. Sie
hat die Demokraten als „Reaktionäre Kräfte, die das Land destabilisieren
möchten“ be-zeichnet. Sie hat die „Fortschrittlichen Kräfte“ auf-gefordert,
sich an der Seite der Baathregierung zu-stellen und gegen diese Kräfte,
die von USA und Israel gesteuert sind, zu kämpfen. (Quelle: KDPS, 10.07.03)
Nach Informationen der KDPS, die
durch syrische Menschenrechtsorganisationen bestätigt sind, sind diese
Bürger durch verschiedenen syrischen Istikhbarat Abteilungen letzte Zeit
verhaftet worden.)
- Naser Mohamed Ali Khidir (1972)
aus Maada-miya, verhaftet am 09.06.2003 durch militärische
Untersuchungsabteilung.
- Ahmed Mohamed Hasson (1969) aus
Idlib, verhaftet in seiner Heimatstadt und zur Palästina Abteilung
in Damaskus gebracht worden.
Dr. Haitham Alhamwi, Dr. Akram Kholani,
Ing. Ahmed Qiretim, Abdulakram Alsaqqa (Schriftstel-ler), Mohamde Schahda
(Sprachwissenschaftler), Sariya Alscharbaji (Student), Tareq Alscharbaji
(Student), Baschaar Maadimani (Student), Muutaz Murad (Student), Amer Daqo
(Student), Mohamed Hafez (Student), Usama Nassar (Student), Usama Alscharbaji
(Student), Yahya Alscharbaji (Student), Mustafa Abu Zayd, Abdulrahim Alscharbaji,
Has-san Alkurdi (Student), Nayef Mahmud Husein (seit 7 Monaten keine Infos
über ihn), Abdulrahman Alschaxori (1971) (seit 23.02.2003 keine Infos über
ihn), Dr. Ahmed Barakat (aus Stadt Hama) (Seit Mai), Rafiq Schaker Schallar
(83 Jahre alt und krank) (aus Stadt Hums) (verhaftet nach seiner Rückkehr
in Syrien von Saudi Arabien (seit 1980 lebte er in Stadt Djaddah in S.
Arabien. Seine Ehe-frau hat 15 Jahre Gefängnis hinter sich), Frau Meha
Qaraqasch, Frau Fayza Ali Schihab, Frau Miyade Mohemd Gassan Benqisli,
Omer Darwisch, Ridwan Darwisch, Mohamed Ahmed Qaschusch, Mohamed
Djamal Alwafai. (Quelle: KDPS, 10.07.03)
Verhaftungen im Gebiet Al Djaziraa
Die syrischen Sicherheitsorgane
in dem kurdischen Gebiet Al Djaziraa (Nord Ost Syrien) haben in diesen
Tagen mehrere Hundert Kurden zu Verhören einbestellt. In verschiedenen
Städten wie Dêrîk, Dirbasiye und Hasaka sind mehrere Kurden verhaftet worden,
mit der Begründung, daß sie als Anhänger der KADEK (früher PKK) verdächtig
seien.
Betroffen davon sind: Adnan Sadeq,
Faroq Rama-zan Mahmoud, Fayad Mohamed, Hassan Saleh Biro, Mohamed Mulla
Mahmoud, Sheichmus Osî, Ramazan Sheikho, Yosef Omer
Die neue Verhaftungswelle, die enorme
Angst unter der kurdischen Bevölkerung verbreitet hat, ereignet sich zu
einem Zeitpunkt, nachdem KADEK Kritik an der syrischen Regierung geübt
hatte. Im Med TV Kanal präsentierte dieser kürzlich ein kritisches Film-Programm
über das kurdische Problem in Syrien. Gleichzeitig hatte Osman Öcalan (Präsidial-rats-Mitglied
von Kadek) eine dialogbereite Politik seiner Partei gegenüber den USA angeboten.
Grund genug für die syrischen Behörden, gegen angebli-che Mitglieder oder
Sympathisanten von Kadek repressiv vorzugehen. (Quelle: PDKS,
14.07.2003)
Wegen Kritik verhaftet
Der syrische Staatsbürger Taj Aldin
Alahmed (Sohn von Nawwaf) (1945 geb.) aus Kafar Nawran / Samaan - Aleppo
ist von dem militärischen Si-cherheitsdienst verhaftet worden. Man hat
ihn anschließend nach Damaskus gebracht, mit der Begründung, dass er den
Staatspräsidenten beleidigt habe.
Alles, was er getan hat, war die
Äußerung einer Kritik an manchen Religionsgelehrten in Syrien. Er sagte:
" Koennten sie nicht ein bißchen vom Kuran auch dem Präsidenten (Assad)
beibringen?"
Er meinte Barmherzigkeit und Toleranz,
nicht mehr. (Nach Informationen vom syrischen Menschenrechtsver-ein HRAS
am 12.07.2003)
Trotz Verbots protestieren Tausende
gegen Führung
Ungeachtet eines Verbots haben tausende
Menschen in Teheran gegen die islamische Führung Irans demonstriert. Nach
Angaben von Augenzeu-gen riefen die Demonstranten vor der Universität Parolen
gegen das islamische Establishment und forderten eine Volksabstimmung über
politische Veränderungen. Daraufhin seien sie von Islamisten angegriffen
worden. Die Polizei, die mit einem massiven Aufgebot präsent war, setzte
Tränengas ein und feuerte Warnschüsse ab. Mehrere Men-schen seien festgenommen
worden. (Quelle: dpa 10. 07.2003)
Wie zuvor auch diesmal möchten wir
an Sie appellieren, uns mitzuteilen falls Sie eine e-mail-Adresse haben,
denn der Versand über e-mail ist kostengünstiger und schneller.
Wir möchten Sie gleichzeitig auf
unsere web-Seiten hinweisen, die interessante Beiträge enthält:
· AI-Länderbericht zur Türkei (Juli-Dezember
2002)
· Türkisches Bedenken nach dem Krieg
im Irak (17. Juni 03)
· HRW, Im Inland vertriebene Personen
in Südostanatolien (10. Juni 2003)
· Wie deutsche Firmen, Verbände
und Behörden den Kontakt zum Saddam pflegten (Spiegel 25 / 2003)
· Koalition für ein Demokratisches
Syrien (KDS) Umfangreiche Stellungnahme vom 1.5.2003
· Versuch der Dorfbewohner zurückzukehren
(19.06.03)
· Der Sprung ins kalte Wasser der
Demokratie (17.05.03)
· Die Türkei und die Korruption
(13.06.03)
· Reisebericht Südkurdistan (17.05.03)
· Situation der Kurden im Iran
· Hilferuf vom Erzfeind (04.05.03)
· Spendenaufruf für Südkurdistan
Diese Beiträge tragen nicht unbedingt
unsere Meinung, sondern geben die aktuell für unser Themengebiet interes-santen
Diskussionen wieder. Besuchen Sie doch einmal www.kurden.de.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihre Redaktion
Neuerscheinung
Neuerscheinung Neuerscheinung
Die Dokumentation der Wochenendtagung
vom 06. – 08. Dezember 2002 in der Evangelischen Akademie Bad Boll mit
dem Titel „Kurden im Irak und in der Türkei: Ihre Zukunft zwischen Agas,
Sheiks und Öl-Multis“ ist erschienen. Die 56-seitige Dokumentation kann
bei uns für eine Gebühr in Höhe von Euro 6,00 (einschließlich Portokosten)
bestellt werden.
Neue Publikation
der IMK e. V. möchte alle Interessierten
und MitarbeiterInnen in der Flüchtlingsarbeit darauf hinweisen, dass wir
eine neue Publikation herausgeben.
Thema dieser Publikation ist „Traumatisierte
kurdische Flüchtlinge in Deutschland“ und trägt den Namen der gleichnamigen
Fachtagung, die vom 15.-16. Juni 2001 im Maternushaus in Köln, stattfand:
„Odyssee ins Ungewisse“
Durch Herrn Dr. Ilhan Kizilhan wird
ausführlich über die spezifischen Fluchtursachen der Kurdinnen und Kurden
in Nordkurdistan berichtet. Er gibt einen historischen Überblick der Flüchtlingsentwicklung
und geht auf die wirtschaftliche und soziale Lage der Menschen in Nordkurdistan
ein.
Herr Prof. Ferhad Ibrahim und Herr
Abubekir Saydam behandeln das Thema: „Fluchtursachen aus dem Irak und Südkurdistan
– Gibt es eine innere Fluchtalternative?“ Sie schildern die aktuelle Situation
im Irak und in Sürkur-distan und berichten von Stationen der Traumatisierung.
„Fluchtwege“ ist das Thema von Herrn
Jürgen Hoppe, Journalist. Hier werden die Methoden und Vorgehensweisen
von Schleppern oder Schleusern erläutert, die für hohe Geldsummen, Flüchtlinge
unter oft unmenschlichen Bedin-gungen nach Deutschland schleusen.
Frau Dipl. Psychologin Hamidiye
Ünal spricht über traumatisierte Flüchtlinge in Gesellschaft und in Therapie.
Sie geht auf Foltermethoden und auch auf die psychosoziale und rechtliche
Situation der Flüchtlinge in Deutschland ein. Besonders behandelt wird
das Thema „Trauma“, von den Folgen über Symptome bis hin zu Beratung und
Therapie.
Das Thema „Möglichkeiten der Behandlung
von traumatisierten Flüchtlingen im Herkunftsland Türkei“ wird exem-plarisch
anhand einer Prozessbeobachtung in Izmir von Dr. med. Nesmil Ghassemlou
behandelt. Anschliessend wer-den die Voraussetzungen für eine erfolgversprechende
Behandlung und die Behandlungsmöglichkeiten erörtert.
Die 64-seitige Publikation (Format
DIN A4) kann in gebundener Form bei uns gegen die Entrichtung eines Betra-ges
von 8,00 Euro (inkl. Versandkosten) bestellt werden.
Neue Studie
AUSLÄNDER IM EIGENEN LAND
Die Situation staatenloser Kurden
in Syrien
In der Provinz Hasaka wurde 1962
ca. 120.000 Kurden die syrische Staatsangehörigkeit entzogen, sie wurden
so zu Staatenlosen, zu Ausländern im eigenen Land.
Die vorliegende Dokumentation beschäftigt
sich mit der Situation dieser Bevölkerungsgruppe. Unser Ziel ist es, in
einem ersten Schritt sowohl die Hintergründe ihrer Ausbürgerung als auch
deren bis in die Gegenwart reichende Folgen darzustellen. Gezeigt wird,
dass die Ausbürgerungskampagne von 1962 integraler Bestandteil der allgemei-nen
Arabisierungsbestrebungen der syrischen Regierung gewesen ist und dass
die syrische Politik gegenüber den (staatenlosen) Kurden bis in die Gegenwart
durch diese Arabisierungslogik geprägt wird.
In einem zweiten Schritt wird aufgezeigt,
gegen welche nationalen Gesetze und internationale Abkommen die syri-sche
Praxis gegenüber Staatenlosen verstößt.
Dieser Teil der Studie schließt
mit einer Reihe von Empfehlungen zur Verbesserung der Situation der Staatenlosen,
die insbesondere an die syrische Regierung, aber auch an andere internationale
Akteure gerichtet sind.
Die Situation der aus Syrien stammenden
„staatenlosen“ Kurden hat inzwischen auch die deutschen Behörden und Gerichte
beschäftigt. Immer mehr dieser Kurden gelingt die Flucht nach Europa und
in die Bundesrepublik Deutsch-land, wo sie, um ihren Aufenthalt hier zu
sichern, zumeist Asyl beantragen.
Lange Zeit spielte es in den Asylverfahren
keine Rolle, ob es sich bei den Asylbewerbern um Kurden mit oder ohne syrische
Staatsangehörigkeit handelte.
Etwa Anfang 2001 änderte sich jedoch
die Rechtsprechung hinsichtlich dieses Personenkreises. Inzwischen werden
in Deutschland Asylanträge, die sich darauf stützen, dass man staatenloser
Kurde aus Syrien sei, regelmäßig abge-lehnt.
Da zur Situation staatenloser Kurden
kaum Veröffentlichungen in deutscher Sprache vorliegen, hoffen wir mit
unse-rer Dokumentation einen wichtigen Beitrag zu diesem Thema geleistet
zu haben.
Mit Beiträgen von Eva Savelsberg,
Siamend Hajo und Celal Abbas Kömür sowie Johannes Düchting
Zu beziehen über IMK e.V. Preis:
10,- Euro (incl. Versandkosten)
ISSN 1438- 08
Herausgeber: IMK e.V., Postfach 07 38, D-53137 Bonn, Telefon:
+ 49 228 362 802, Fax: + 49 228 363 297, e-mail: IMK-Bonn@t-online.de
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