Internationaler
Verein für Menschenrechte der Kurden
IMK Wocheninformationsdienst
Datum:
22. März – 4. April 2003
Nummer: 184-185
Die 48.
Ausgabe von Dema Nu
wurde auch
konfisziert
Die 48. Ausgabe
der prokurdischen Zeitung Dema Nu wurde von der Staatsanwaltschaft des
Staatsi-cherheitsgerichtes in Istanbul konfisziert.
Als Grund
wurde der Artikel von Kemal Burkay angegeben, der auf den Seiten 2 und
3 dieser Aus-gabe erschienen ist. Der Titel dieses Artikels lautet
„die Wirtschaftskrise und die Kurdenkrise“.
Hier sei ein
Verstoß gegen das Grundgesetz, Artikel 22 und gegen die Artikel 86 und
5680 der Strafpro-zessordnung gegeben. Diese Berichte würden dazu führen,
dass sich in der Bevölkerung „Hass und Feindschaft entwickelt“. (Quelle:
Dema Nu, 15-31 März 2003, S.4)
Ein neues
Solidaritätskomitee für
Südkurdistan
Am 13 März
2003 wurde von den Briten im englischen Parlament eine Veranstaltung über
Südkurdistan organisiert. Dort wurde ein Komitee zur Un-terstützung für
den irakischen Teil Kurdistans ins Leben gerufen. An der Veranstaltung
nahmen unterschiedliche Vertreterinnen und Vertreter der bri-tischen Parteien,
Parlamentarier, Vertreter der kurdischen Parteien, sowie verschiedene Menschen-rechtsorganisation,
Intellektuelle, Journalisten und Künstler teil.
Das Komitee
beschloss mehrere Entscheidungen. Bei diesen Entscheidungen geht es um
den iraki-schen Teil Kurdistans vor möglichen Angriffen der Türkei zu schützen.
Weiterhin sollen Aktivitäten durchgeführt werden, um sich mit Kurdistan
zu so-lidarisieren.
In zwei Wochen
soll eine umfangreiche Veranstaltung im britischen Parlament durchgeführt
werden. An dieser Veranstaltung werden neben den britischen Parlamentariern
auch Vertreterinnen und Vertreter der Kurden aus dem Irak, Iran und der
Türkei teilnehmen. (Quelle: Dema Nu, 15-31 März 2003, S.4)
Forderung
nach Schließung von
7
politischen Parteien
Am 18. März
eröffnete der Oberste Staatsanwalt am Kassationsgericht, Sabih Kanadoglu,
ein Verfahren gegen 7 politische Parteien, da sie an zwei aufein-anderfolgenden
allgemeinen Wahlen nicht teilgenommen hatten. Kanadoglu erklärte, dass
er die betreffenden Parteien zuvor gewarnt habe, sich selbst nach Art.
105 des Parteien-Rechts aufzulö-sen. Es handelt sich um folgende Parteien:
Revolutionäre Sozialistische Arbeiterpartei (DSIP), Sozialistische Arbeiterpartei
der Türkei, Gerechtigkeitspartei der Türkei, Gerechtigkeitspartei, Haupt-Weg-Partei
und die “Partei der zusammen mit den Behinderten Glücklichen”. (Quelle::
Cumhuriyet 19.03.03)
Gefangene
sollen Transportgeld
bezahlen
Die Gefangenen
Nuri Celik, Seyat Cengiz und Fe-ridun Iscimen haben sich beschwert, dass
sie je 150 Millionen TL bezahlen sollten, um am 11. März aus dem Gefängnis
in Dogubeyazit (Agri) zur Gerichts-verhandlung vor dem SSG Erzurum gebracht
zu werden. (Quelle: Evrensel 20.03.2003)
Aufruf der
TIHV zur Unterstützung
Allgemein
werden faire und unverzügliche Verfahren gegen Folterer und eine angemessene
Bestrafung der Täter als einer der wichtigsten Faktoren zur Verhütung der
Folter betrachtet. Dies ist auch notwendig, um ein wenig Fortschritt bei
der Behandlung von Folteropfern zu erreichen.
Aber in der
Türkei, wie auch anderswo auf der Welt, bleibt die de facto bestehende
Straflosigkeit der Folterer eins der größten Hindernisse im Kampf gegen
die Folter. Leider wurden Gesetzesänderungen im Rahmen der Anpassung an
das Rechtssystem der EU nicht in praktiziertes Recht umgesetzt. Folterer
werden weiterhin durch verschiedene Maß-nahmen gegen Bestrafung geschützt.
Es gibt viele
Aspekte, die zur Straflosigkeit beitragen, wie die Gleichgültigkeit der
Regierungsvertreter bezüglich der Folter, die Schwierigkeiten bei der Erhebung
einer Anklage gegen Polizisten und ein schwerfälliges juristisches System.
Eine weitere Tatsache ist, dass viele Verfahren aufgrund von Verjährung
beendet werden.
Wieder besteht
die Gefahr, dass eine Verjährung in einem Folterverfahren eintritt, und
zwar im Fall der „Jugendlichen von Manisa“, der in der Türkei und im Ausland
gut bekannt ist.
Wie Sie sich
vielleicht erinnern, waren die „Jugendlichen von Manisa“, 16 junge Menschen
im Alter von 14-26 Jahren, Ende Dezember 1995 und Anfang 1996 festgenommen
(unter dem Verdacht der Mitgliedschaft in einer illegalen linksextremen
Gruppe) und im Polizeipräsidium von Manisa ge-foltert worden. Aufgrund
der Berichterstattung in den Medien, der Anklage der Rechtsanwälte gegen
die Polizisten vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und
einer Untersuchung der Europäischen Antifolterkommission in Manisa wur-de
ein Gerichtsverfahren gegen die Folterer eingeleitet. Die erste Gerichtsverhandlung
fand am 24. Juni 1996 statt. Nach einer Reihe von Verhandlungen und Urteilen
wurde das Verfahren zum vierten Mal an das Kassationsgericht verwiesen.
Am 25. Juni 2003 wird die Verjährungsfrist ablaufen. In Anbetracht der
Bemühungen der angeklagten Polizisten, der Behörden und auf gewisse Weise
des örtlichen Gerichtes (die in einem beigefügten Hintergrundpapier zusammengefasst
sind), das Verfahren möglichst in die Länge zu ziehen, ist es sehr wahrscheinlich,
dass trotz eines positiven Urteils des Kassationsgerichtes zuvor
das Verfahren nicht bis zu diesem Datum beendet wird.
Tatsächlich
ist der Manisa-Fall nur ein Beispiel für viele Folterfälle in der Türkei.
Dieser Fall unter-scheidet sich jedoch von den anderen dadurch, dass sich
breite Unterstützerkreise gebildet haben wie die Familien, Rechtsanwälte,
Politiker und Künstler im Kampf gegen die Folter. Augrund der intensiven
Anstrengungen dieser Personen und einer zuneh-menden Sensibilität in der
öffentlichen Meinung durch diesen Fall, ist ein positives Urteil von besonderer
Wichtigkeit. Anderenfalls würde die öffentliche Meinung und diejenigen,
die sich enga-giert haben, tief enttäuscht und desillusioniert sein. Darüber
hinaus ist dieser Fall von besonderer Bedeutung für die wissenschaftliche
Arbeit der Menschenrechtsstiftung der Türkei (TIHV). Die „alternativen
gerichtsmedizinischen Atteste“, die durch die Untersuchungs- und Berichts-Kommission
der Ärztekammer Izmir in Zusammenarbeit mit dem Behandlungszentrum der
TIHV in Izmir, dessen Präsident ich bin, gehörten zu den wichtigsten Beweismitteln,
die zu den Urteilen des Kassationsgerichtes führten.
Obwohl der
Justizminister und der Leiter des Kassationsgerichtes in den letzten Wochen
geäußert haben, dass alles Notwendige für dieses Gerichts-verfahren getan
würde, sind wir besorgt über die politische und soziale Atmosphäre unter
den negativen Umständen des erwarteten Krieges, die dazu führen könnte,
dass das Verfahren wegen Verjährung beendet wird. Unsere Besorgnisse sind
nicht grundlos, wenn man die vorherigen Erfahrungen mit Gerichten und Behörden
in ähnlichen Verfahren betrachtet.
Als Zeichen
des internationalen Kampfes gegen die Folter und der Solidarität fordern
wir Sie auf, sich für diese Angelegenheit in Ihrem Arbeitsbereich einzusetzen
und die türkischen Behörden an ihre Verantwortung zu erinnern.
Wir danken
Ihnen herzlich für Ihre Unterstützung und Solidarität und wünschen Ihnen
Erfolg bei Ihrer Arbeit.
Yavuz Önen
Präsident
der TIHV
P.S.: unter
www.kurden.de finden Sie Dokumente zum Hintergrund des Manisa-Falles.
Die Fax-Nummern
der Behörden sind folgende:
Staatspräsident
Ahmet Necdet Sezer:
Fax: +90 –
312 – 427 13 30
Premierminister
Recep Tayyip Erdogan:
Fax: +90 –
312 – 417 04 76
Justizminister
Cemil Cicek:
Fax: +90 – 312 – 417 39 54
Parlamentspräsident
Bülent Arinc
Fax: +90 –
312 – 420 66 53
Aussenminister
Abdullah Gül
Fax: +90 – 312 – 287 88 11
Selbstmord
im Gefängnis
Mehmet Galip
Yildirim (23), der wegen Fahnen-flucht eine 5-monatige Haftstrafe im Gefängnis
von Lice (Diyarbakir) absass, hat sich am 25. März das Leben genommen.
(Quelle: Evrensel 26.03.03)
Journalisten
vor Gericht
Muharrem Cengiz,
Besitzer der Zeitschrift “Positi-on im Kulturellen und Künstlerischen Leben”,
wur-de vom SSG Istanbul wegen “Propaganda für eine illegale Organisation”
zu einer Strafe von 45 Monaten Haft verurteilt. Die Haftstrafe wurde in
eine Geldstrafe umgewandelt. Die Chefredakteurin Ahu Zeynep Görgün wurde
freigesprochen. Die Zeitschrift darf ausserdem einen Tag lang nicht erscheinen.
(Quelle: Evrensel 26.03.2003)
Eren Keskin
freigesprochen
Das SSG Istanbul
sprach die stellvertretende Vor-sitzende des IHD, Eren Keskin, vom Vorwurf
der Seperatismuspropaganda frei. Der Vorwurf war nach einer Rede auf einer
IHD-Veranstaltung zum Thema “Gewalt gegen Frauen” am 25.11.2001 er-hoben
worden. (Quelle: Evrensel 26.03.2003)
Weiteres
Opfer im Todesfasten
Yusuf Araci
verstarb am 26. März im Numune Krankenhaus von Ankara an den Folgen des
Todes-fastens, das er am 1. Mai 2002 im F-Typ Gefängnis von Sincan begonnen
hatte. Er war wegen Mitglied-schaft in der DHKP-C in Haft. (Quelle::: Bianet
27.03.03)
Freispruch
für Studenten
Das SSG Istanbul
sprach 28 Studenten, die in Petitionen Kurdisch als Wahlfach gefordert
hatten, vom Vorwurf der Unterstützung einer illegalen Organisation frei.
Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer die Bestrafung von 4 StudentInnen
gefordert. (Quelle:: Özgür Gündem 27.03.03)
Vergiftetes
Klima auf Zypern:
Brutales
Vorgehen gegen
Denktasch-Kritiker
im türkischen Teil
Im Schatten
des Irak-Krieges eskalieren die Spannungen im türkischen Teil der Insel
Zypern. Am Widerstand des Präsidenten der türkischen Republik Nordzypern,
Rauf Denktasch, war vor zweieinhalb Wochen ein letzter Versuch von UN-Gene-ralsekretär
Kofi Annan gescheitert, die seit 30 Jahren bestehende Teilung der Insel
zu überwinden. Denktasch hatte die von Annan für 31. März vorgesehene Volksabstimmung
abgelehnt. Seitdem organisiert die breite Denktasch-Opposition ein eigenes
symbolisches Referendum. Es soll den Wunsch nach Wiedervereinigung und
Aufnahme der gesamten Insel in die EU unterstreichen.
Am heutigen
Freitag sollen die Wahlurnen in der Küstenstadt Kyrenia aufgestellt werden.
Die Friedensbewegung erwartet wieder heftige Auseinandersetzungen mit der
Polizei. In bislang nicht bekannter Härte waren die Sicherheitskräfte bereits
am Dienstag gegen Demonstranten vorgegangen, die in der kleinen Ortschaft
Doganci, nahe der innerzyprischen Grenze, zur Abstimmung aufgerufen hatten.
Hunderte von Polizisten waren in den Morgenstunden in dem Ort erschienen,
wie Augenzeugen der Süddeutschen Zeitung berichteten. Sie sperrten Straßen
und wollten die Abstimmung verhindern. "Sie haben sogar unsere Frauen geschlagen",
berichtete der Bürgermeister des Ortes im örtlichen Fernsehen. Fünf Personen
wurden verhaftet, darunter Ahmet Barcin, Präsident einer Lehrergewerkschaft
und einer der Führer der Friedensbewegung, die sich den Namen "Dies ist
unser Land" gegeben hat.
Doganci war
schon zuvor berühmt geworden, weil hier am 13. Januar Bauern ein Friedensfeuer
ent-zündeten. Am Tag danach gab es in Nikosia die größte Demonstration
in der Geschichte der Insel, an der - Kinder und Alte abgerechnet - fast
die gesamte türkisch-zyprische Bevölkerung teilnahm. Die Polizei hielt
sich noch zurück.
Jetzt hat
sich das Klima geändert. Die Verhafteten wurden inzwischen zwar wieder
freigelassen, nach-dem Tausende vor der Polizeistation protestierten hatten
und Lehrer wie andere Angestellte des Öffentlichen Dienstes einem Aufruf
zu einem eintägigen Generalstreik gefolgt waren. Den fünf Führern der Opposition
aber soll der Prozess gemacht werden - wegen Verstoßes gegen die Verfassung.
Mit dem Eintreten für Annans Friedensplan hätten sie die "Abschaffung der
Türkischen Republik Nordzypern" gefordert. Der Journalist Hasan Kahvecioglu
erinnerte Denktasch am Donnerstag in der in Nikosia erscheinenden Zeitung
Ortam daran, dass er selbst mit Annan verhandelt habe. So habe Denktasch
selbst gegen die Verfassung verstoßen. (Quelle: SZ, 28.03.03)
Neuer Prozess
gegen kurdische
Politiker
in Ankara
Ankara. Unter
starken Sicherheitsvorkehrungen ist in Ankara am Freitag der Prozess gegen
vier inhaftierte kurdische Politiker vor dem Staatssicherheitsgericht neu
aufgerollt worden. Die ehemaligen Abgeordneten der früheren Kurdenpartei
DEP waren 1994 unter dem Vorwurf, sie hätten die verbotene Arbeiterpartei
Kurdistans (PKK) unterstützt, zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. Bekannteste
Angeklagte ist die Menschenrechtlerin Leyla Zana, die 1995 mit dem Sacharow-Preis
des EU-Parlamentes ausgezeichnet wurde; mit ihr zusammen stehen Hatip Dicle,
Orhan Dogan und Selim Sadak vor dem Gericht. Das neue Verfahren wurde durch
die Gesetzesänderungen vom letzten Jahr ermöglicht. Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof
hatte den Prozess gegen die kurdischen Politiker als unfair verurteilt.
(Quelle: (afp) NZZ, 29.03.03)
Verfahren
gegen Folterer
Am 28. März
sprach die 9. Kammer des Amtsge-richts in Ankara das Urteil gegen 2 Polizisten,
die den Strassenhändler Haydar Durmaz nach seiner Festnahme am 17.08.2002
gefoltert haben sollen. Tayfun Nalçakar und Ali Gültepe wurden zu je 75
Tagen Haft verurteilt. Die Strafe gegen Nalçakar wurde zur Bewährung ausgesetzt,
die von Gültepe och nicht, weil er zuvor wegen einer ähnlichen Tat verurteilt
worden war. Seine Strafe wurde jedoch in eine Geldstrafe verwandelt, die
er in 9 Raten zahlen kann. (Qu(Quelle:Milliyet, Radikal vom 29./31.03.03)
Kurdische
Namen
Die 18. Rechtskammer
des Kassationsgerichtshofes hat den Antrag auf Streichung des Namens “Helin”
aus dem Register abgelehnt. Das Verfahren war von der Staatsanwalt in Kurtalan
(Provinz Siirt) eröffnet worden, nachdem das Einwohnermeldeamt mitgeteilt
hatte, dass dort ein Vater sein am 23.09.2001 geborenes Kind unter dem
Namen “Helin” eingetragen habe. Im Beschluss des Kassationsgerichtshofes
heisst es u.a., dass die Eltern das Recht haben, den Namen des Kindes zu
bestimmen und ein Beamter lediglich auf eine mögliche Änderung aufmerksam
machen darf, wenn es dazu berechtigte Gründe gibt. Ein einmal erteilter
Name sei aber nicht aus dem Register zu entfernen, da dies die Person namenlos
machen würde. Ein Name könne geändert werden, aber dazu müsste ein neuer
Name vorhanden sein.(Quelle: Milliyet vom 29.03.2003 )
Tod unter
Folter
Die 6. Kammer
des Landgerichts Istanbul fällte am 1. April das Urteil im Zusammenhang
mit dem Foltertod des Gewerkschafters Süleyman Yeter, der am 7. April 1999
verstorben war. Das Gericht be-fand Ahmet Okuducu (per Haftebefehl gesucht)
und Mehmet Yutar der Folter schuldig, die zum Tode des Häftlings geführt
habe. Das Verfahren gegen Ahmet Okuducu wurde abgetrennt und Mehmet Yutar
wurde zu einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren verurteilt. Diese Strafe wurde
auf 5 Jahre reduziert, da mehr als eine Person an der Tat beteiligt waren
und der wahre Schuldige nicht ermittelt werden konnte. Wegen guter Führung
wurde diese Strafe auf 4 Jahre und 2 Monate Haft reduziert. Nach dem Strafvollzugsgesetz
bedeutet dies eine effektive Haft von 20 Monaten und 8 Tagen. Nach der
U-Haft von ca. 1,5 Jahren kommt der Verurteilte demnach nach 2 Monaten
wieder auf freien Fuss. Der angeklagte Polizist Erol Ersan wurde freige-sprochen.
(Quelle:Yeni Safak vom 02.04.03)
Strafe für
Journalisten
Die 1. Kammer
des Landgerichts in Mersin hat die Chefredakteurin der lokalen Zeitung
“Cinar” zu einer Haftstrafe von 10 Monaten verurteilt. Die Strafe wurde
in eine Geldstrafe verwandelt. Das Verfahren war eröffnet worden, nachdem
ein Arti-kel erschienen war, der das Buch von Nadire Mater über den türkischen
Soldaten (“Mehmet’in Kitabi”) erschienen war. Dies ist nun schon das 3.
Urteil in diesem Verfahren, nachdem der Kassationsge-richtshof vorherige
Veruretilungen aufgehoben und Änderungen im Gesetz (§ 159 TSG) vorgenommen
worden waren. Nadire Mater wurde wegen ihres Buches freigesprochen. (Quelle:
Özgür Gündem, 02.04.03)
EU-Beobachter
bei
Prozess
gegen Kurdin
Straßburg
- Das Europaparlament wird eine Delegation zu dem neuen Prozess gegen die
seit 1994 inhaftierte kurdische Politikerin Leyla Zana entsenden, der am
28. März in Ankara beginnen soll. Insgesamt sieben Europaabgeordnete wollen
den Prozess verfolgen, bei dem sich neben Zana drei weitere kurdischstämmige
Politiker verantworten müssen.
Die ehemaligen
Abgeordneten des türkischen Parlaments waren 1994 wegen angeblicher Unterstützung
der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zu Haftstrafen zwischen
drei-einhalb und 15 Jahren verurteilt worden. Dies wurde im vergangenen
Juni vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg gerügt.
Die Richter werteten das Verfahren vor einem so genannten Staatssicherheitsgerichtshof,
dem ein Militärrichter angehörte, als unfair und parteiisch. Der Prozess
wird aufgrund einer Rechtsreform neu aufgerollt, die Ankara im Zuge des
jüngsten Demokratisierungsprozesses verabschiedete. (Quelle: Wiener Zeitung,
17.03.03)
EU und USA
warnen Türkei
vor Irak-Einmarsch:
Für die
Entsendung von Truppen in den
Nordirak
hat Ankara viele Gründe
Zunächst geht
es darum zu verhindern, dass Flüchtlinge die Grenze zur Türkei überschrei-ten.
Im Hintergrund steht jedoch der Streit über künftige Machtverhältnisse.
ISTANBUL.
Einen Tag nach der Zustimmung des Parlaments zur Öffnung des türkischen
Luftraums dürfen amerikanische Kampfjets und Bomber im-mer noch nicht die
Türkei überfliegen. Grund für die Verzögerung ist der anhaltende Streit
zwischen Ankara und Washington über einen möglichen Einmarsch türkischer
Truppen in den Nordirak. Genau hierzu hatte das türkische Parlament die
Armee des Landes am Donnerstag ermächtigt.
Stundenlang,
so westliche Diplomaten in Ankara, hätten Regierungsmitglieder und US-Vertreter
in der Donnerstagnacht verhandelt, um eine konkrete Vereinbarung über die
US-Flugkorridore zu erzie-len. Dabei sollen harte Worte gefallen sein.
"Wir sind kein Golfemirat, mit dem ihr machen könnt, was ihr wollt", soll
ein türkischer Diplomat seinem amerikanischen Gegenüber aufgebracht entgegen
gehalten haben…..
Offenbar hat
auch ein letztes Treffen der irakischen Opposition mit der türkischen Regierung
die Be-denken Ankaras nicht zerstreuen können, obwohl man sich in einer
gemeinsamen Erklärung einig zeigte. Danach sollen die von Ankara protegierten
Turkmenen ebenfalls einen Vertreter in den bislang sechs Mitglieder zählenden
Präsidialrat der Opposi-tion entsenden können, und die kurdischen Vertre-ter
Jelal Talabani und Nevisar Barsani bestätigten, dass sie die nordirakische
Stadt Kirkuk zunächst der Kontrolle der USA überlassen wollen.
In einem Interview
versicherte Talabani noch ein-mal ausdrücklich, dass die Kurden auch langfristig
nicht die alleinige Herrschaft anstreben. "Kirkuk" sei "multiethnisch"
und solle es auch bleiben…….
Neben den
USA hat auch die Europäische Union die türkische Regierung davor gewarnt,
Truppen in den Nordirak zu schicken. Athens Außenminister Papandreou sagte
auf dem Gipfel in Brüssel, die EU werde der Türkei bei den Folgen des Krieges
beistehen, wenn sie sich aus dem Nordirak heraus-halten. Der türkische
Außenminister Abdullah Gül hat in Brüssel um finanzielle Unterstützung
gebe-ten. (Auszug aus taz, 22.03.2003)
Türkischer
Einmarsch in den Nordirak abgesagt: Armeeführung durch
Kritik
gekränkt
Diyarbakir.
In einer für Offiziere aussergewöhnlich emotionellen Rede hat der türkische
Generalstabs-chef Hilmi Özkök am Mittwoch jede Spekulation über einen bevorstehenden
Einmarsch türkischer Soldaten in den Nordirak zurückgewiesen. Die Türkei
habe nicht vor, fremdes Territorium zu besetzen, sagte er am Hauptquartier
des 7. Armee-korpses in der südostanatolischen Metropole Diyar-bakir vor
der Presse. Die Türkei habe auch nicht vor, im benachbarten Nordirak einen
Krieg mit den einheimischen Kurden zu entfachen oder dort eine permanente
Pufferzone zu errichten. Die türkische Armee habe aber im Grenzgebiet Vorkehrungen
zur Verteidigung getroffen. Mit dieser öffentlichen Rede setzte General
Özkök den zahlreichen, sich ständig widersprechenden Absichtserklärungen
führender Politiker in Ankara zu einer aktiven Be-teiligung am Irak-Krieg
fürs Erste ein Ende……..
General Özkök
bekräftigte am Mittwoch noch einmal, dass im Kriegsgebiet jede Vorkehrung
der türkischen Armee in Absprache und im Einverneh-men mit „unserem strategischen
Partner, den USA“ getroffen werde. Dass die Türkei aus Sicht der Alliierten
innerhalb weniger Wochen ihr Ansehen als verlässlicher Bündnispartner verlor
und zu ei-nem Sorgenkind der Allianz wurde, wollte oder konnte General
Özkök nicht verstehen. Das Miss-trauen der Alliierten sei „unfair und manchmal
herzzerbrechend“, sagte er verbittert. (Quelle: Auszug aus (it.) Neue Zürcher
Zeitung, 27.03.03)
EU-Kommission:
Türkisches Militär in Irak "unerwünscht"
Die EU-Kommission
hat die Türkei erneut vor ei-nem Armee-Einsatz im Norden Iraks gewarnt,
sieht das Land aber grundsätzlich auf EU-Beitrittskurs. Jedes Eindringen
türkischer Truppen nach Nordirak wäre "aus Sicht der EU unerwünscht", sagte
EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen am Mittwoch in Brüssel. Ein möglicher
türkischer Ein-marsch werde auch "in die Bewertung einfließen", die die
Kommission 2004 über die Beitrittsreife der Türkei vorlegen werde. Zugleich
attestierte die Kommission Ankara weiter Mängel bei den politi-schen Beitrittskriterien,
so bei der Bekämpfung der Folter. (Quelle: AFP, 26.030.03)
Auslieferungen
durch Syrien
Syrien soll
dem Vernehmen nach Selahattin Cana-var und Hayri Kaner, die führende Mitglieder
der KADEK sein sollen, an die Türkei ausgeliefert ha-ben. Die Zahl der
Auslieferungen von Syrien an die Türkei hat sich seit November damit auf
fünf Per-sonen erhöht. (Quelle: Özgür Gündem 18.03.03)
Der Rat
der Führenden Mitglieder der irakischen Opposition gab auf seiner Sitzung
am 27. Maerz 2003 in
Salahaddin
(Südkurdistan) folgende Erklärung heraus:
Die führenden
Mitglieder der irakischen Opposition begrüßen die internationale Unterstützung:
1.- Alle Iraker
werden aufgerufen, einen Aufstand vorzubereiten, um die Städte und
Dörfer von der Diktatur zu befreien und sich uns und der patriotischen
irakischen Opposition anzuschließen.
2.- Das irakische
Militär und alle Mitglieder der bewaffneten irakischen Kräfte sollen sich
vom Bagdader Regime trennen, um sich der irakischen Opposition wie folgt
anzuschließen:
a. Im Süden,
nach dem Zusammenschluss der Kräfte wird der Rat dies der Koalition mitteilen,
um so zwischen uns und den Re-gimekräften unterscheiden zu können. Sie
sollen zur Sicherheit der Bewohner in den Städten, Schutz des öffentlichen
Eigentums und zur Vermeidung von Vergeltungsakten sowie Chaos eingesetzt
werden.
b. Im Norden
kann in den befreiten Gebieten Irakisch-Kurdistans Kontakt mit uns gesucht
werden und sich so der aktiven Opposition dort anschließen.
c. Im Zentrum
können Kräfte ihren Wunsch dem Rat der Opposition mitteilen, um mit ihnen
zusammen zu arbeiten.
Wenn die irakischen
bewaffneten Kräfte in das Heer der Oppositionspartei eintreten, gehorchen
sie deren Anordnungen und werden alle Befehle des brutalen Bagdader Regimes
zurückweisen.
3.- Alle Botschaften
und diplomatische Vertretungen außerhalb des Irak erklären ihre Trennung
vom Bagdader Regime und schließen sich der irakischen Opposition und den
ihnen angeschlossenen Institutio-nen an.
Der Rat der
führenden Mitglieder der ira-kischen Opposition teilt außerdem mit:
4. - Nach
der Befreiung des Irak wird der Rat gemeinsam mit der Koalition eine
un-abhängige provisorische Regierung bilden, die die Geschicke des Landes,
die Würde seiner Bewohner, die Einheit, die nationale Souveränität und
die Unabhängigkeit des Landes garantiert.
Diese Regierung
wird aus kompetenten Politikern mit Erfahrung im Kampf für Unabhängigkeit,
loyal zum Irak, auch aus solchen aus den bislang von Saddam be-setzten
Gebieten gebildet werden. Dazu gehören Verhandlungen und Gespräche mit
der Koalition und den Vereinten Nati-onen, alle Massenvernichtungswaffen
zu entdecken und sie zu vernichten. Außer-dem will sie einen Zeitpunkt
vorgeben für den Abzug der Koalitionstruppen aus dem Irak.
5. - Die nationale
Übergangsversammlung setzt sich aus dem Komitee, Repräsentanten von Parteien
und patriotischen demokratischen Bürgern zusammen.
Sie bildet
die gesetzgebende Körperschaft während der Übergangszeit und wird die unabhängige
provisorische Koalitionsre-gierung beobachten nach den Beschlüssen der
Londoner Konferenz vom Dezember 2002 und der Abschlusserklärung der Kon-ferenz
in Salahaddin vom März 2003.
6. -
Der Führende Rat der Irakischen Opposition wird die UN, die
Nachbarstaaten, die Koalition und alle Staaten der Welt um Unterstützung
bitten, die Sanktionen aufzuheben, Schulden, die in der Zeit von Saddam
entstanden sind, zu stunden und wirtschaftliche, technische und wissenschaftliche
Hilfe zu leisten für die Entwicklung des Irak.
7. - Der Führende
Rat der Irakischen Opposition wird eine demokratische befreite Zivilgesellschaft
gründen, die die muslimischen Werte respektiert. Eine neue Armee soll wieder
aufgebaut werden, mit einer modernen und demokratischen Basis weit entfernt
von rassischer, ethnischer und politischer Diskriminierung.
Die Flucht
in sichere Gefilde schaffen die meisten nicht
Hilfsorganisationen
werfen Saddam Hussein vor, die Iraker mit Gewalt im Kriegsgebiet festzuhalten
Die US-Menschenrechtsorganisation
Human Rights Watch etwa hat in Nordirak einige von mehreren tausend Menschen
befragt, die aus den von Bagdad kontrollierten Ölstädten Mosul und Kirkuk
geflohen sind. Die Flüchtlinge berichteten von Verhaftungswellen, die auf
Männer zwischen 15 und 45 Jahren zielten. Auch Amnesty International (AI)
hat Informationen über solche Razzien. Offenbar, so Ruth Jüttner von AI
Deutschland, versuche Bagdad so Aufstände zu verhindern, wie es sie nach
dem Irak-Krieg 1991 gegeben habe. Laut Jüttner wurden in Schiiten-Wohnvierteln
Bagdads, etwa in Saddam City, schon lange vor den ersten US-Angriffen loyale
Kräfte einquartiert, die die Bewohner in Schach halten sollen.
Irak-Experte
Thomas Uwer von der Menschen-rechtsorganisation Wadi e.V. berichtet, irakische
Truppen hätten inzwischen die Demarkationslinie zwischen Zentralirak und
dem kurdisch kontrollierten Norden abgeriegelt: "Mit Gewalt wird die Bevölkerung
gehindert, in sichere Regionen zu fliehen", so Uwer mit Verweis auf Informationen,
die örtliche Mitarbeiter von Wadi in der kurdischen Stadt Suleimanijah
erhalten hätten.
Was aber ist
eine sichere Region? Das ändert sich von Tag zu Tag. So flohen auch aus
Suleimanijah schon in den vergangenen Tagen Tausende aus Angst vor irakischen
Giftgasattacken, viele von ih-nen in Richtung Iran. Dort aber, im Grenzgebiet,
fliegen die USA inzwischen Angriffe auf die Ansar el Islam, eine Islamistengruppe,
der Washington Al-Qaeda-Kontakte vorwirft. Nach Angaben von Caritas International
vom Montag hat das jüngste heftige US-Bombardement auf Mosul Bewohner mehrerer
umliegender Dörfer in die Flucht getrie-ben. Das gleiche dürfte für Kirkuk
gelten.
Wohin aber
fliehen die Menschen? Viele, heißt es, kampieren provisorisch in den Bergen,
andere ka-men bei Verwandten unter, teils auch in Iran. Die türkische Grenze
ist dagegen dicht; Vertreter von Hilfsorganisationen klagen darüber, dass
sie nicht einmal Hilfsgüter nach Nordirak hinein bringen dürften. Human
Rights Watch sieht die kurdischen Autonomiebehörden in Nordirak deshalb
schon jetzt überfordert und allein gelassen. Es fehle an Unterkünften,
Nahrung, sanitären und medizinischen Einrichtungen. Schwillt die Zahl der
Flüchtlinge aus Zentralirak wieder an - und damit ist zu rechnen, wenn
etwa die Schlacht um Bagdad entbrennt - "ist die humanitäre Katastrophe
sicher", warnen die US-Menschenrechtler. (Quelle: FR, 25.03.03)
Alliierte
entdecken im Norden
Trainingslager
für Al-Qaida-Terroristen
Die im Irak
vorrückenden Truppen der Koalition haben am Wochenende zwei wichtige Entdeckun-gen
machen können im Zusammenhang mit dem ursprünglichen Kriegsgrund: Iraks
Waffen der Mas-senvernichtung. Im Norden des Landes konnten Soldaten der
amerikanischen Eliteeinheit "US Navy Seals", im Verbund mit tausenden von
Truppen der "Patriotischen Union von Kurdistan" (PUK) ein Chemiewaffen-Trainingslager
der islamistischen Organisation "Ansar al Islam" überrennen und die meisten
der dort ausharrenden 700 Terroristen töten oder in Gefangenschaft nehmen.
Das Lager liegt in der Bergregion zwischen dem ostkurdischen Ort Halabja,
wo 1988 mehr als 5000 Kurden einem irakischen Giftgasüberfall zum Opfer
fielen, und der iranischen Grenze.
Unter den
tödlichen Toxinen, deren Herstellung an diesem Ort angeleitet und vorbereitet
wurden, hat man dem Vernehmen nach auch einen Bestand an Rizin gefunden
- jenes Gift, das im Januar in einer primitiven Wohnwerkstatt im Londoner
Stadtteil Wood Green gefunden worden war. Der Stabschef der US-Streitkräfte,
General Richard Myers, fühlte sich durch den Fund genügend bestätigt, um
noch am Sonntag bekannt zu geben: "Wir glauben, dass hier das in London
entdeckte Rizin herkam. Zu-mindest sind wir sicher, dass die Operateure
und ihre Rezeptbücher von diesem Ort stammen."
Die "Ansar
al Islam" gilt als eine mit Al Qaida verbündete Terror-Organisation, in
der Freiwillige aus Irak, Jordanien, Marokko und den Palästinen-sergebieten
Dienst taten und auch mehrere Taliban-Kämpfer nach ihrer Vertreibung aus
Afghanistan Unterschlupf fanden. Auf diese Gruppe machte zum ersten Mal
US-Außenminister Colin Powell im Februar vor dem UN-Sicherheitsrat aufmerksam,
mit der Behauptung, sie unterhalte Kontakte zur ira-kischen Führungsspitze.
Dem wurde später wider-sprochen mit dem Hinweis, dass die in Ansar al Is-lam
tätigen Iraker eher als Gegner des Saddam-Re-gimes einzustufen seien. Als
unstrittig dagegen gilt die Verbindung zu Al Qaida.
Der zweite
Fund fiel den britischen Truppen im Sü-den von Iraks zweitgrößter Stadt
Basra in die Hände, auf einer wahlweise als Waffendepot oder militärischem
Trainingslager beschriebenen Anlage. In einem der dortigen Gebäude fanden
die Soldaten Ausrüstungsgegenstände für den Kampf mit bakteriologischen
und chemischen Waffen, verpackt in insgesamt 13 Kisten, die mit "Verteidigungsministerium
Bagdad" gekennzeichnet waren. Es handelt sich um das bisher größte entdeckte
Lager dieser Art überhaupt. Gasmasken, Plastikanzüge, aber auch Ampullen
mit Atropin, dem Abwehrmittel von Nervengas-Angriffen fanden sich unter
den Gegen-ständen.
Diverse Glasbehälter,
ominös in russisch und englisch mit dem Wort "Sarin" beschrieben, enthielten
zwar, wie die Berichte besagen, nicht dieses tödliche Nervengas selber,
dafür aber "Simulatoren" zum Testen, ob sich Giftgase in der Atmosphäre
be-finden, gegen die man sich dann umgehend zu schützen hätte. Eine dieser
Phiolen trug die Aufschrift: "Gefährlich für Menschen, die sich diesem
Stoff länger als zehn Minuten ohne ein Atmungsgerät aussetzen."
Unter den
gefundenen Materialien befanden sich auch so genannte "Combo Pens", kleine
Spritzen mit der winzigen Dosis eines Nervengas-Gegen-mittels, das man
sich im Ernstfall in den Oberschenkel injiziert. An den Wänden des besagten
Gebäudes waren Zeichnungen und schriftliche An-leitungen für das Verhalten
bei atomaren Explosionen zu sehen. Die gefundenen Materialien weisen nach
Einschätzung der Experten darauf hin, dass das Regime sich auf den Einsatz
der Mittel eingestellt hat (Quelle:: Die Welt, 01.04.2003)
INNENMINISTER:
EU wünscht Verbleib von Flüchtlingen in Region
VERIA. Flüchtlinge
aus Irak sollten nach dem Willen der Europäischen Union möglichst in den
Nachbarländern Schutz finden. "Alle sind sich dar-über einig, dass die
Hilfe vor Ort in der Region ge-leistet werden soll", sagte Bundesinnenminister
Otto Schily (SPD) am Freitag im griechischen Ve-ria, wo er mit EU-Amtskollegen
über Asyl- und Flüchtlingsfragen beriet.
Der griechische
Justizminister Philippos Petsalnikos als Vertreter der amtierenden EU-Ratspräsi-dentschaft
verwies auf "organisatorische Schwierigkeiten", wenn Vertriebene in weit
entfernten Re-gionen versorgt würden. Besser sei es, Hilfslager in den
Nachbarländern zu errichten.
Nach eigenen
Angaben hat die Gemeinschaft über ihr Hilfswerk Echo 21 Millionen Euro
bereitgestellt und die Freigabe weiterer 79 Millionen Euro vorbe-reitet.
Acht Tage nach Kriegsbeginn bleibe die Zahl der Flüchtlinge jedoch weiter
sehr gering, hieß es. Frankreich erklärte indes, 2500 Iraker aufnehmen
und ihnen vorübergehend Asyl gewähren zu wol-len. (Quelle: (dpa/ap) Frankfurter
Rundschau, 29.03.2003)
Vier Männer
sollten über Rostock ge-schleust werden: BGS fand irakische Kurden im Güterzug
Beamte der
Bundesgrenzschutzinspektion Rostock entdeckten bei ihrer Kontrolle am Sonntag
vier in Schlafsäcke eingehüllte Männer. Beim Versuch der Ausschleusung
nach Skandinavien wurden vier ira-kische Kurden festgenommen, teilte der
BGS gestern mit. Die Männer befanden sich im Güterzug aus dem norditalienischen
Verona. Durch Spezial-technik wurde ein sehr hoher Kohlendioxidgehalt in
einem Sattelauflieger festgestellt, in dem sich die Männer befanden. Alle
vier besaßen weder einen gültigen Pass noch eine Aufenthaltserlaubnis.
Es wurde wegen des Verdachts unerlaubter Einreise Anzeige erstattet, zu
den Hintermännern wird ermittelt.
Bereits in
der Nacht zum Sonnabend wurden im Hafen ein Iraker und ein Palästinenser
bei einem Schleusungsversuch festgenommen, gegen einen Schleuser ist ein
Strafverfahren eingeleitet worden. (Quelle: Schweriner Volkszeitung, 17.03003)
Zehn Jahre
Haft für
Menschenschmuggel
–
Acht Flüchtlinge
starben
Brügge (dpa)
- Die Drahtzieher eines Menschenschmuggels, bei dem im Dezember 2001 acht
Menschen den Tod fanden, müssen zehn Jahre ins Gefängnis. Ein Gericht im
belgischen Brügge ordnete nach dem Schuldspruch am Dienstag die sofortige
Verhaftung der beiden Hauptangeklagten an. Außerdem müssen die beiden Männer,
ein 22- Jähriger aus Brüssel und ein 42-Jähriger aus London, Geldstrafen
von je 10 000 Euro zahlen. Den Opfern und ihren Hinterbliebenen sprachen
die Richter Schadenersatz von insgesamt 66 000 Euro zu.
Die Bande
hatte 13 Menschen aus der Türkei, Al-banien und dem Kosovo in einem Container
auf den Weg nach Großbritannien geschickt. Tatsächlich wurde der Container
aber ins irische Wexford ge-bracht.
Bei der Ankunft
waren acht Insassen im Alter zwi-schen vier und 40 Jahren tot. Die übrigen
waren unterkühlt und entkräftet.
Weitere Mitglieder
der Bande und ein Taxifahrer, der die Opfer zu dem parkenden Lastwagen
an ei-ner Autobahn gefahren hatte, bekamen Freiheits-strafen zwischen sechs
Monaten und acht Jahren. Der einzige Angeklagte, den die Richter freisprachen,
war der Fahrer des Lastwagens. "Ich bin selbst ein Opfer der Menschenschmuggler",
bekräftigte der Mann nach dem Urteil erleichtert. (Quelle: Dpa, 25.03.03)
FLÜCHTLINGE
Amnesty
rügt britische Pläne
für EU-Asylpolitik
Amnesty International
hat die britischen Vorschlä-ge zur EU-Asylpolitik kritisiert. Angesichts
zu erwartender Flüchtlingsströme durch den Irak-Krieg sei dies ein Versuch,
die "Festung Europa" weiter auszubauen, sagte Dick Oosting vom Europabüro
der Menschenrechtsorganisation am Donnerstag in Brüssel. Nach der britischen
Initiative sollen alle Flüchtlinge, die in der EU Asyl beantragen wollen,
zunächst in regionalen Zentren in der Nähe ihrer Herkunftsländer aufgefangen
werden.
Derartige
Schutzzonen für Flüchtlinge sollten in der Türkei, in Iran, in Nord-Somalia
oder Marokko, aber auch in Osteuropa errichtet werden, schlägt die britische
Regierung vor. Oosting nannte es unge-wöhnlich, dass über diese Vorschläge
gerade in dem Moment debattiert werde, in dem wegen des Irak-Krieges viele
Menschen zur Flucht gezwungen würden. Die Pläne verstießen gegen die UN-Menschenrechtserklärung
und die Flüchtlingskon-vention, kritisierte die Organisation. (Quelle::
(epd). Frankfurter Rundschau, 28.03.2003)
Anklagebank
statt Lehrstuhl
Die Medizinische
Flüchtlingshilfe Bochum e. V. und der Internationale Verein für die Menschenrechte
der Kurden e.V. Bonn pro-testieren gegen die Gastprofessur des ehema-ligen
Ministerpräsidenten der Türkei, Mesut Yilmaz an der Ruhr-Universität
Mit Bestürzung
haben wir von der geplanten Ver-gabe einer Gastprofessur der Ruhr-Universität
an den ehemaligen türkischen Ministerpräsidenten Mesut Yilmaz Kenntnis
erlangt.
Mesut Yilmaz
war in der Zeit vom Juni 1991 bis zum November 1998 mit Unterbrechungen
dreimal Ministerpräsident der Türkei. Später hatte er unter Ministerpräsident
Ecevit das Amt des Stellvertre-ters inne.
In den Neunziger
Jahren weitete sich der Krieg des türkischen Militärs gegen die Bevölkerung
in den kurdischen Provinzen der Türkei dramatisch aus. Insgesamt verloren
30.000 Menschen in diesem Krieg ihr Leben, Tausende Dörfer wurden zerstört,
Millionen ergriffen die Flucht. Ohne Zahl sind die Verletzten. Ebenso endlos
präsentieren sich die Listen der Verhafteten und in der Haft Verschwun-denen,
der Vergewaltigten und der Gefolterten die-ser Jahre.
Die kurdische
Frage ist in der Türkei bis heute ebenso ungelöst wie die Frage von Recht
und De-mokratie.
Für die während
seiner Amtszeiten als Minister-präsident begangenen Verbrechen trägt Mesut
Yilmaz zumindest eine persönliche politische und moralische Verantwortung.
In seine Amtszeiten
fielen zahlreiche Prozesse und Attentate gegen MenschenrechtsaktivistInnen.
Noch in seiner
Regierungserklärung vom März 1996 bekannte sich Yilmaz ausdrücklich zur
Fort-setzung dieses Krieges. Ob dies auch justiziabel ist, wurde mangels
einer unabhängigen türkischen Ge-richtsbarkeit nie überprüft. Mehrfach
jedoch wurde die Türkei vom Europäischen Gerichtshof in Strass-burg wegen
Menschenrechtsverletzungen verurteilt.
Im November
1998 musste Ministerpräsident Yil-maz wegen möglicher Verstrickungen mit
dem organisierten Verbrechen zurücktreten.
Mesut Yilmaz
gehört nicht an einen Lehrstuhl sondern auf die Anklagebank. Dort soll
er sich für die Verbrechen des türkischen Staates, des-sen Ministerpräsident
er lange Zeit war verant-worten.
Wir fordern
die Ruhr Universität Bochum auf, ihre Entscheidung zu überdenken und das
An-gebot an Mesut Yilmaz für eine Gastprofessur schnellstens zurückzuziehen.
(PE, 27.03.03)
Nachstehende
Pressemitteilungen und Aufrufe zum drohenden Irak-Krieg können Sie auf
unserer web-Seite www.kurden.de nachlesen:
„Irak: Jetzt
droht auch noch ein “Krieg im Krieg“
Pressemitteilung
des Stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion Gernot Erler
„Sorgen bezüglich
der Intentionen der Türkei im irakischen Kurdistan“
Aufruf von
Dilshad Barzani, VERTRETUNG DER REGIONALREGIERUNG KURDISTAN-IRAK IN DEUTSCHLAND
„Nein zur Besetzung
Südkurdistans (Nordirak) durch die türkischen Streitkräfte“
Pressemitteilung
des IMK e.V. Bonn
Wie zuvor
auch diesmal möchten wir an Sie appellieren, uns mitzuteilen falls Sie
eine e-mail-Adresse haben, denn der Versand über e-mail ist kostengünstiger
und schneller.
Wir möchten
Sie gleichzeitig auf unsere web-Seiten hinweisen, die interessante Beiträge
enthält:
· Presseerklärung
des IMK e.V. vom 07. Januar 2003 (Deutsch und Englisch)
· Anmerkung
zum Lagebericht des Auswärtigen Amtes zur Türkei (Deutsch)
· Offener
Brief an die Bundesregierung wegen eines möglichen EU-Beitritts der Türkei
(Deutsch)
· Gedanken
zum Thema Irak I und II, von Alexander Kauz (Deutsch)
· Kampagne
gegen Straflosigkeit „Gerechtigkeit heilt“ (Deutsch)
· „Die Quadratur
des Kreises , von Ofra Bengio (in Deutsch und Englisch)
· Die gemeinsame
Presseerklärung von GfbV, KOMKAR, Kurdische Gemeinde in Deutschland und
IMK e.V. vom 24. Oktober (in Deutsch)
· Ein Bericht
der Turkish Daily News über das Dorfschützersystem (Deutsch und Englisch)
· Presserklärung
des IMK e.V. zum 40. Jahrestag der rassistischen Sondervolkszählung in
Syrien (Deutsch)
· Eine Analyse
über das Verhalten der türkischen Medien während des Bundestagswahlkampfes
in Deutschland, von Irina Wiessner (Deutsch)
· Pressemitteilung
des Stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion Gernot Erler
„Irak: Jetzt droht auch noch ein “Krieg im Krieg“
· Aufruf von:
Dilshad Barzani, VERTRETUNG DER REGIONALREGIERUNG KURDISTAN-IRAK IN DEUTSCH-LAND
„Sorgen bezüglich der Intentionen der Türkei im irakischen Kurdistan“
· Pressemitteilung
des IMK e.V. „Nein zur Besetzung Südkurdistans (Nordirak) durch die türkischen
Streitkräfte“
· Offenbacher
Bündnis gegen rechte Gewalt und Rassismus: Aufruf um Hilfe und Unterstützung
für einen zum Tode verurteilten jungen Mann. Sein Name ist Sassan Alkanaan,
er ist 34 alt.
Diese Beiträge
tragen nicht unbedingt unsere Meinung, sondern geben die aktuell für unser
Themengebiet interes-santen Diskussionen wieder. Besuchen Sie doch einmal
www.kurden.de.
Mit freundlichen
Grüßen,
Ihre Redaktion
Neuerscheinung
Neuerscheinung Neuerscheinung
Die Dokumentation
der Wochenendtagung vom 06. – 08. Dezember 2002 in der Evangelischen Akademie
Bad Boll mit dem Titel „Kurden im Irak und in der Türkei: Ihre Zukunft
zwischen Agas, Sheiks und Öl-Multis“ ist erschienen. Die 56-seitige Dokumentation
kann bei uns für ein Gebühr in Höhe von Euro 6,00 (einschließlich Portokosten)
bestellt werden.
Neue Publikation
der IMK e.
V. möchte alle Interessierten und MitarbeiterInnen in der Flüchtlingsarbeit
darauf hinweisen, dass wir eine neue Publikation herausgeben.
Thema dieser
Publikation ist „Traumatisierte kurdische Flüchtlinge in Deutschland“ und
trägt den Namen der gleichnamigen Fachtagung, die vom 15.-16. Juni 2001
im Maternushaus in Köln, stattfand:
„Odyssee ins
Ungewisse“
Durch Herrn
Dr. Ilhan Kizilhan wird ausführlich über die spezifischen Fluchtursachen
der Kurdinnen und Kurden in Nordkurdistan berichtet. Er gibt einen historischen
Überblick der Flüchtlingsentwicklung und geht auf die wirtschaftliche und
soziale Lage der Menschen in Nordkurdistan ein.
Herr Prof.
Ferhad Ibrahim und Herr Abubekir Saydam behandeln das Thema: „Fluchtursachen
aus dem Irak und Südkurdistan – Gibt es eine innere Fluchtalternative?“
Sie schildern die aktuelle Situation im Irak und in Sürkur-distan und berichten
von Stationen der Traumatisierung.
„Fluchtwege“
ist das Thema von Herrn Jürgen Hoppe, Journalist. Hier werden die Methoden
und Vorgehensweisen von Schleppern oder Schleusern erläutert, die für hohe
Geldsummen, Flüchtlinge unter oft unmenschlichen Bedin-gungen nach Deutschland
schleusen.
Frau Dipl.
Psychologin Hamidiye Ünal spricht über traumatisierte Flüchtlinge in Gesellschaft
und in Therapie. Sie geht auf Foltermethoden und auch auf die psychosoziale
und rechtliche Situation der Flüchtlinge in Deutschland ein. Besonders
behandelt wird das Thema „Trauma“, von den Folgen über Symptome bis hin
zu Beratung und Therapie.
Das Thema
„Möglichkeiten der Behandlung von traumatisierten Flüchtlingen im Herkunftsland
Türkei“ wird exem-plarisch anhand einer Prozessbeobachtung in Izmir von
Dr. med. Nesmil Ghassemlou behandelt. Anschliessend wer-den die Voraussetzungen
für eine erfolgversprechende Behandlung und die Behandlungsmöglichkeiten
erörtert.
Die 64-seitige
Publikation (Format DIN A4) kann in gebundener Form bei uns gegen die Entrichtung
eines Betra-ges von 8,00 Euro (inkl. Versandkosten) bestellt werden.
ISSN 1438- 08 Herausgeber: IMK e.V., Postfach 07 38, D-53137 Bonn,
Telefon: + 49 228 362 802, Fax: + 49 228 363 297, E-Mail: IMK-Bonn@t-online.de
und imkkurds@aol.com Besuchen sie auch unsere Website: http://www.kurden.de
Verantwortlicher Leiter: Abubekir Saydam Abonnementbedingungen
(pro Jahr):· Stiftungen, Parteien, Regierungen und internationale Organisationen
sowie Gremien: Euro 92,00 · Gerichte, Rechtsanwälte, Menschenrechtsorganisationen,
Flüchtlingsberatungsstellen: Euro 46,00 · Förderabonnement, Einzelpersonen
und kleinere Vereine: Euro 31,00 Spendenkonto: Volksbank
Bonn (BLZ: 380 60 186), Konto-Nr.: 201 246 90 23
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